Sehr wahrscheinlich hat es nicht nur bei mir funktioniert, der Gedanke hierhinter scheint also kein völlig abwegiger gewesen zu sein. Die ungewöhnliche Zwangsheirat zweier namhafter Promis lockte bereits in Japan viele Schaulustige an und stößt auch im Westen keinesfalls auf Abneigung. Wirklich überraschend kommt das nicht, so richtig damit rechnen konnte allerdings auch niemand.

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Zumindest noch nicht vor einem knappen Jahr, als Nintendo sich mit der offiziellen Ankündigung dazu entschloss, das weltweit größte kollektive „What the fuck!?“ zu provozieren. In meinem Fall lösten sie zudem ein unangenehmes Déjà-vu aus, ein Erinnern an das ungläubige Staunen, als die Japaner voll falschen Stolzes den Nintendo 2DS ankündigten. „Spiele deine Nintendo-3DS-Spiele … in 2D“. Okay, wem darf ich eine reinhauen?

So schrecklich beknackt beide Ideen auf den ersten Blick anmuten, so viel wirtschaftliches Kalkül steckt dahinter. Der 2DS spricht als Billig-3DS zum Kampfpreis endlich auch jene Käuferschichten an, die sich den Game Boy 2.0 bislang nicht leisten wollten oder konnten. Hyrule Warriors hievt hingegen Dynasty-Warriors- und Zelda-Fans ins selbe Boot, wo sie (so vermutlich die Intention dahinter) voneinander lernen können. Zugleich rückt man die Marke des spitzohrigen Hylianers in einem Jahr in den Vordergrund, das sonst nicht allzu viel von ihm zu bieten hat. Und dass Nintendo eine ihrer größten Marken nicht nur des schnöden Mammons wegen verheizen würde, hätten wir uns auch denken können.

Hyrule Warriors - A Link Between Worlds

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Link in HD. Jetzt sagt nicht, ihr würdet das nicht saucool finden.
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Ihr wisst so gut wie ich, dass Tecmo Koeis Schnetzelspiel keinesfalls auch nur annähernd an Qualitätsstandards kratzt, die man in Links Dress normalerweise gewohnt ist. Der strenge Blick Nintendos im Nacken der Entwickler ist aber jederzeit spürbar, dürfte letztlich sogar entscheidend dafür verantwortlich sein, den jüngsten Tiefflügen der Warriors-Reihe endlich ein Ende zu bereiten. Nicht mit einer 180-Grad-Drehung, zumindest aber ein paar Schritten in die richtige Richtung.

Nicht neu, aber anders

Natürlich steckt hier mehr „Warriors“ als „Hyrule“ drin, doch die Jungs von Tecmo Koei und Omega Force scheinen sich mehr als einmal zur gemeinsamen Ideenfindung zusammengesetzt zu haben, damit der Typ auf dem Bildschirm nicht nur wie Link aussieht, sondern sich auch genauso anfühlt. Mission erfüllt, Gratulation dazu, liebe Entwickler.

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Die Entwickler haben ihre Hausaufgaben gemacht und so viele Zelda-Anspielungen hierein gequetscht, wie irgend möglich war.
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Wer bereits einmal zuvor binnen fünf Minuten fünfhundert feindliche Soldaten ins Jenseits geprügelt und die Dynasty-Warriors-Richtlinien grob verinnerlicht hat, muss sich mit dem Wii U GamePad in den Pranken – aus dem Hyrule Warriors bis auf den Off-TV-Modus keinen Mehrwert zieht – keinen Deut verbiegen. Im feudalen Japan wie in Hyrule gleichermaßen drescht ihr euren „So viel Kanonenfutter habe ich verprügelt“-Zähler in vierstellige Höhen, während ihr wie ein Berserker über die mittelgroßen Karten rennt, um gelegentlich banale Ziele zu erfüllen und gegnerische Festungen einzunehmen. Letzteres ist noch immer nach dem Verprügeln des jeweiligen Gebietschefs erledigt, der auftaucht, sobald ihr in seinem Territorium ein wenig Rabatz veranstaltet habt.

Besser als erwartet, ohne zu überraschen: Hyrule Warriors ist das beste Warriors-Spiel seit langem und ein interessanter Zeitvertreib für Zelda-Fans.Fazit lesen

Das klappt auch ohne die von der in Werbung und Spiel gebetsmühlenartig postulierte Strategie ganz gut. Ein Mindestmaß an Übersicht und ein gutes Gespür für Gefahrenherde tut's auch, ist bisweilen sogar notwendig, da Hyrule Warriors keinen übermäßig guten Job darin leistet, euch jederzeit unmissverständlich klarzumachen, wo's gerade brennt. Das war bislang in fast jedem Warriors-Teil so, zugegeben, doch gerade mit dem zweiten Bildschirm des GamePads hätte mit dieser zur Tradition gewordenen Marotte endlich Schluss gemacht werden können.

Überhaupt zeichnet sich Hyrule Warriors eher durch den cleveren Einsatz seines Zelda-Anstrichs als durch sinnvolle Neuerungen der Reihe als solcher aus. Viele der so typischen Eigenheiten kruder Bauart findet ihr auch auf Nintendos erster HD-Konsole, häufig aber zumindest in abgeschwächter Form, was keine schlechte Sache und ungleich mehr ist, als man von vergleichbaren Ablegern wie One Piece: Pirate Warriors oder Dynasty Warriors: Gundam Reborn behaupten kann.

Im Kern ist das hier vor allem ein Paradebeispiel für Bilderbuch-Fanservice. Stellt mich dafür meinetwegen an den Pranger, aber Hyrule Warriors liefert nicht nur die ersten HD-Versionen von Link, Zelda, Ganondorf und der ganzen hylianischen Riege, sondern zugleich einige der stimmigsten und besten Charaktermodelle aller Zelda-Spiele ab. Das gilt genauso wenig für alle Kämpfer wie es eine gemeingültige Aussage ist, es unterstreicht aber, mit wie viel Fingerspitzengefühl Tecmo Koei vor und mit welchen Argusaugen Nintendo hinter den Monitoren saß – selbst Shigeru Miyamoto war in Teilen an der Entstehung beteiligt, mit einem lieblos hingerotzten Ramschspielchen hat das also herzlich wenig zu tun.

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Warriors-Kenner fühlen sich auch hier sofort heimisch. Zelda-Fans aber auch. Irgendwie.
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Im Hauptmodus klappert ihr eine denkwürdige Kulisse nach der anderen ab, in den anderen finden ihr endlose Anspielungen, große und kleine Liebeserklärungen an eine Serie, die in zwei Jahren ihren 30. Geburtstag feiert. Alles hieran ist irgendwie im Zelda-Universum verankert, von den auf den Karten versteckten Herzcontainern über Attacken der Kämpfer bis hin zu den Bezeichnungen so banaler Dinge wie zu schmiedender Medaillen, mit denen Charaktere verstärkt werden können. Das allermeiste Zeug davon ist wenig komplex und so simpel, wie es bei einem Warriors nun mal üblich ist, in seiner Zugänglichkeit aber unheimlich befriedigend.

„Ohne Zelda im Titel könnt ihr uns auch keinen Strick draus drehen!“

Auch wenn das fehlende „Zelda“ im Titel als Nintendos Lebensversicherung gegen aufgebrauchte, auf die Barrikaden steigende Fans dient (und die Geschichte dieses Warriors-Ablegers tut einiges, das für diese Zielgruppe als Sakrileg durchgehen könnte): Das hier ist nicht der lieblose Abklatsch, den viele bereits darin vermuteten.

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So, Nintendo, genau so darf Ganondorf gern auch im richtigen Wii-U-Zelda aussehen, okay? Bittedanke.
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Mich eingeschlossen, denn vor drei Monaten war ich mir noch reichlich unsicher, ob die Wage am Ende eher auf die Zelda- oder „Uns doch egal, wie wollen nur Kohle scheffeln“-Seite ausschlägt. Letztlich ist es nichts davon geworden, denn das Pendel kommt ziemlich genau in der goldenen Mitte zum Stehen, was nicht zuletzt am großen technischen Sprung liegt, den Hyrule Warriors seitdem gemacht hat. Niemand spricht von einem technischen Überflieger, die einigermaßen stabile Bildrate bei einem Gegneraufkommen in dreistelligen Bereichen sollte man aber fairerweise nickend anerkennen. Viel näher hinschauen solltet ihr dann aber auch nicht.

Am Ende geht der Plan dann doch irgendwie auf. In Japan bereits vor einem Monat, als Hyrule Warriors erschien und die Zahl der verkauften Wii-U-Konsolen beinahe verdoppelte, bei uns seit vergangenem Freitag, der sowohl Zelda- als auch Warriors-Fans ein Stück weit zusammenrücken lässt. In meinem Fall hat's prima funktioniert: Als den Schnetzspielen ursprünglich uninteressiert gegenüberstehender Spieler ist der Funke durch das übergestülpte Zelda-Kostüm nun doch übergesprungen. Und ich dürfte nicht der einzige bleiben.