"Der Schein trügt: Unter der unauffälligen Retro-Oberfläche verbirgt sich eine sehr ernste, dichte und lohnende Videospielerfahrung, die sich mit den Größten des Mediums messen kann." - Frederik Bahr

Wie ich so den allerersten Trailer zu Hyper Light Drifter mit dem finalen gegenüberstelle, fühle ich vor allem zweierlei. Auf der einen Seite das Staunen über diesen begnadeten Soundtrack, der mit so wenig so viel ausdrückt. Zum anderen das Verlangen nach mehr, das Seufzen darüber, was Hyper Light Drifter uns in seinem finalen Status vorenthält, an Szenerien, frischen Kampfkonstellationen, kleinen Geschichten.

Hyper Light Drifter ist längst nicht mehr das, was es mal war. Einige wenige der frühen Backer werden enttäuscht darüber sein, wie sich das Spiel Schritt für Schritt von Link, Samus und Co. abgewendet hat. Der Ton, den es jetzt anschlägt, ist schmerzverzerrt, aber auch selbstbewusster. Wo die Titanen im ersten Trailer noch mächtig aufgerichtet dem Drifter entgegentreten, sind sie im finalen im Verfall begriffen. Hyper Light Drifter mag sich mit seinem Macher gewandelt haben, an seinem Versprechen ändert das nichts.

Das Resultat ist ein fantastisches Spiel und viel wichtiger: eines, das nachdenklich macht. Es ist nicht perfekt. Welches Spiel ist das schon? Zum Ende hin verlässt es schleichend die Kraft, ermattet mit seiner Hauptfigur. Mir scheint, als wollte Alexander Preston letztlich genau diese dunkle Seite hervorgehoben wissen. Um darauf hinzuweisen, dass nicht alles im Leben glänzt.

Ist es nicht das, wofür wir ihm am meisten dankbar sein sollten?

Ein weiteres Video

Hyper Light Drifter ist bereits für PC erhältlich und erscheint demnächst für Wii U. Jetzt bei Amazon kaufen bzw. vorbestellen.

Pro

  • Schöne Mischung aus Kämpfen und Ruhepausen
  • Abwechslungsreiche Gegnertypen
  • Erstaunlich ernste, ergiebige Handlung
  • Viel zu entdecken
  • Fordernde Auseinandersetzungen
  • Dynamisches, eigenständiges Kampfsystem
  • Begnadeter Soundtrack
  • Stilsichere Optik mit großartigen Setpieces

Contra

  • Wortkargheit kann abschreckend wirken
  • Gegen Ende etwas repetitiv
  • Unübersichtliches Kampfgeschehen

Grafik

Speziell in seinen großen, mühsam errichteten Szenerien erzeugt Hyper Light Drifter große Augen über das, was sich mit einem simplen Pixelstil so alles erreichen lässt. Von dem detailverliebten, dankbar abwechslungsreichen Artdesign kann sich das Gros der austauschbar dreinblickenden Indieproduktionen von heute noch eine ganze Scheibe abschneiden. Die geschmeidigen Animationen des Drifters werten das positive Gesamtbild weiter auf.

Sound

Das fulminante Sounddesign des Künstlers Disasterpeace wischt selbst mit seiner großartigen Musikuntermalung zu FEZ den Boden auf. Auf- und abschwellende Synthesizer und Basslinien türmen sich zu regelrechten Klangbergen auf, die dazu noch ungemein frisch und unvertraut wirken. Schon jetzt einer der ganz großen Soundtracks des Jahres.

Gameplay

Eine gelungene Mischung aus spritzigen Kampfpassagen und stillen, in Begleitung der Musik geradezu meditativen Erkundungssequenzen. Hyper Light Drifters Kernmechaniken sind erstaunlich eigen und feinstens abgestimmt, mit der ikonischen Dash-Fähigkeit des Drifters als größtem Alleinstellungsmerkmal des Spiels. Abseits der flüssigen Kämpfe gibt es viel zu entdecken, goldene Splitter etwa, mit denen sich die Fähigkeiten der eigenen Spielfigur rollenspieltypisch noch weiter ausbauen lassen. Einziger Wermutstropfen: Mit dem nahenden Ende geht dem Spiel seine erfrischende Ader so langsam verloren, alsbald wiederholen sich die einzelnen Elemente.