„Wo bleibst du denn schon wieder, hast du dich verlaufen?“, fragt die flinke Bogenschützin E‘lara ihren rustikalen Nahkampf-Begleiter Caddoc schnippisch, als wir uns ein paar Sekunden Zeit nehmen, um uns in den dunklen Verließen von Hunted: Die Schmiede der Finsternis umzusehen. So, oder so ähnlich laufen viele der humorvollen Dialoge zwischen den ungleichen Weggefährten des Actionspiels ab - ein Lächeln begleitet daher immer das herzhafte Gemetzel, mit dem wir uns anlässlich einer Hands-on-Session in London durch den Prolog und einige erste Missionen schnetzeln.

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„Im Vergleich zur letzten Präsentation haben wir eine Reihe von Neuerungen implementiert und die Spieltiefe deutlich erhöht“, berichtet Matt Findley, Chef des US-Entwicklers inXile Entertainment. „Hunted wird jetzt ca. 20 Spielstunden Umfang und mehr als 100 sammelbare Gegenstände bieten, einen optimierten 5.1-Sound und, was insbesondere von den Fans gefordert wurde, einen Splitscreenmodus.“

Hunted: Die Schmiede der Finsternis - Mit einer hübschen Frau im Kerker

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Caddoc ist der Mann fürs Grobe und räumt direkt an der Front mit fiesen Unwesen auf.
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So werden auch zwei Kumpels auf einer Couch zusammenzocken können, ohne auf Onlinefeatures angewiesen zu sein. Im Mittelpunkt des mittelalterlichen Monsterkloppens steht also eindeutig das auf Koop-Abenteuer ausgerichtete Spielsystem mit den zwei „völlig unterschiedlichen Spielfiguren“ (Findley).

Auf der einen Seite steht die grazile und mit Ein- und Ausblicken auf vermeintliche weibliche Reize nicht geizende E‘lara, die mit ihrem Bogen Tod und Verderben über ihre Feinde bringt. Dieser Charakter spielt sich beinahe wie in einem Ego-Shooter, der massiv mit Auto-Aiming unterstützt wird. Vorbeischießen ist bei der automatisierten Feindaufschaltung praktisch unmöglich, aus dem Hintergrund unterstützen wir auf diese Weise unseren Mitspieler, der mit Caddoc an der Front sein blutiges Tagwerk verrichtet.

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E'lara zeigt nicht nur viel Haut, sie kann auch verdammt gut mit dem Bogen umgehen.
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Dieser raubeinige Recke stürzt sich furchtlos mit Nahkampfwaffen und Schild in die Gefechte, gegen die Übermacht an Skeletten und andere Unholde wäre aber auch er auf sich gestellt chancenlos. Auf der Suche nach unglaublichen Reichtümern, beim Lösen von Rätseln und Öffnen besonders schwerer Durchgänge benötigt er also Hilfe. Während er fast mühelos tonnenschwere Felsen verschiebt, um neue Wege zu erkunden, unterstützt ihn seine freche Begleiterin bei anderen Aufgaben - Aktionen, die in Form von simplen Koop-Spielchen in den Ablauf eingebunden sind.

Oft ist die feindliche Übermacht geradezu erdrückend, das macht sich schon bei den ersten Herausforderungen bemerkbar. Daher ist die Verwendung von Deckungsmöglichkeiten ein weiteres zentrales Element. Kein Wunder, dass David in seiner Vorschau Vergleiche zu Gears of War gezogen hat. Es ist überlebenswichtig, sich von einer Abschirmung zur anderen zu hangeln und den Feinden zwischendurch immer wieder Saures zu geben.

Mit einer hübschen Frau (fast) allein im dunklen Kerker? Wer sagt denn da nein?Ausblick lesen

Absolut von Vorteil ist es dabei, wenn sich die zwei Spieler verbal miteinander verständigen - etwa, wenn E‘lara ihrem Freund mitteilt, dass sie in einen Nahkampf verwickelt ist und Hilfe benötigt. Beide Protagonisten können übrigens jederzeit zwischen Nah- und Fernkampfwaffen wechseln, sind aber selbstverständlich in beiden Bereichen unterschiedlich effektiv.

Nix geht ohne den anderen

Die nahezu symbiotische Beziehung der beiden Figuren gipfelt quasi in einem Abhängigkeitsverhältnis, wenn es um das pure Überleben geht. Sinkt der Lebensbalken auf null (und das geht teilweise sehr, sehr schnell!) muss der jeweilige Partner flugs genug wiederbelebt werden, um die Mission nicht scheitern zu lassen.

Was in der Theorie recht einfach klingt, gelang in der Praxis leider nicht immer rechtzeitig. Vor allem die Ortung des gefallenen Kameraden erwies sich inmitten des tobenden Kampfes als nicht ganz leicht, was zu frustrierenden Momenten führen kann.

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Auch Magie gehört zu den wichtigen Fertigkeiten des tödlichen Duos.
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Glücklicherweise erwehren sich die beiden schatzgierigen Söldner nicht nur mit weltlichen Mitteln ihrer Haut, auch Magie spielt eine große Rolle in der Welt von Kala Moor. Jeder Avatar kann in mehreren dieser übernatürlichen Fertigkeitswegen unterwiesen werden. Während einige Skills die Grundfähigkeiten der Streiter verstärken (also die Schwert- und oder Bogenfähigkeiten), konzentrieren sich andere vollkommen auf magische Angriffszauber und geben euch damit noch eine ganze Palette weiterer taktischer Möglichkeiten an die Hand. Geratet ihr mit Caddoc in Bedrängnis, wählt ihr per D-Pad den gewünschten Zauber und jagt ihn in die Gruppe keifender Knochengerüste.

inXile bemüht sich, die Dramaturgie der Ereignisse auf eine epische Grundlage zu stellen: Lange Kamerafahrten, sehr gute englische Sprecher, Artdesign und vor allem der hymnische Soundtrack sowie gelungene Soundeffekte (beispielsweise die Geräuschkulisse des Urwalds) lassen ein ansprechendes Fantasy-Umfeld entstehen, das jedoch optisch zum jetzigen Zeitpunkt nicht immer überzeugt. Die von der Unreal-3-Engine in Szene gesetzte Umgebung macht zwar einen allgemein homogenen Eindruck, doch gerade hinsichtlich der grafischen Details der präsentierten Konsolenversion (Xbox 360) sorgen viele vermatschte Texturen für lange Gesichter. Hier hat Hunted sicherlich noch einiges an Luft nach oben.

Als störend und bremsend erwies sich zudem die Tatsache, dass ihr alle herumliegenden Gegenstände und Goldstücke manuell aufheben müsst, auch wenn das generische Schild oder Schwert vorher schon gefühlte 50 Mal zu euren Füßen lag. Wie gut dieses System in Sachen Loot-Verteilung später online mit unbekannten Mitspielern funktioniert, muss sich darüber hinaus noch zeigen.