Dieser Name… “Hunted: The Demon’s Forge“. Das klingt in etwa so originell wie der übliche Querschnitt durch die Weltkriegs-Spieletitel. Etwas farblos, spröde, vor allem aber uninspiriert. Wieso nicht gleich: „Down: The Game“. Oder: „Dark: Here“. „Hunted“… wer denkt sich denn so was aus?

Können wir euch sagen: Brian Fargo heißt der Mann und der hat tatsächlich weitaus mehr auf dem Kerbholz. Als Mitbegründer des einstigen Über-Publishers Interplay hatte er maßgeblichen Anteil an der Aushebung legendärer Spieleschätze. „Fallout“, mögen jetzt manche rufen, „The Bard’s Tale“, wieder andere. Fakt ist: Was dieser Mann anfässt, kann nicht schlecht sein. Oder?

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Hunted schlachmichtot

Brian hat uns nach München geladen, hier gäbe es Großes zu verkünden, hieß es. Dem Ruf sind wir selbstredend gefolgt. Wenige Tage später sitzen wir vor einem riesigen LCD-TV und warten gespannt. Okay, zurücklehnen und Ohren spitzen. Das Licht wird gedimmt, ein Titel prangt in fantasievoll verzierten Lettern auf der Leinwand: „Hunted: The Demon’s War on Global Infernos Terror of schlachmichtot“ – erwähnten wir schon, wie doof der Titel ist?

Hunted: Die Schmiede der Finsternis - Dungeons & Dragons trifft Gears of War

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Caddoc und E'lara - ein ungleiches Traumpaar, bewaffnet mit saftigen Dialogen und Tötungswerkzeugen.
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Zwei Abenteurer betreten die Szenerie. Er, ein bulliger Hüne von einem Mann, bewaffnet mit Schild und Schwert. Sie, eine schlanke Schönheit samt spitzer Elfenohren und flinkem Bogen. Seite an Seite schleichen sie durch ein düsteres Dorf. Nur das fahle Licht des Mondes erhellt die düstere Ortschaft, die Häuser scheinen längst verlassen. Dann zerreißt ein Schrei die Stille. Hilflos stolpert eine blutüberströmte Frau auf die Straße, hinter ihr ein entstellter Dämon. Der rammt dem kreischenden Opfer die Faust in den Brustkorb und reißt mit einem gewaltigen Ruck das schlagende Herz aus der klaffenden Wunde.

Alles klar – ohne nachweisliche Volljährigkeit, kann man sich „Hunted“ wahrscheinlich gleich wieder aus dem Kopf schlagen. Selbiges geschieht hier nämlich am laufenden Band: Da rollen die Gliedmaßen über den staubigen Boden, als gäbe es einen Preis für den höchsten Bodycount des Spielejahres, um den man sich bewerben müsse, Körperflüssigkeiten spritzen, Knochen brechen. Das Übliche eben.

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Beide Charaktere dürfen auf die drei Kampfarten zurückgreifen, verstehen sich aber auf ihre Spezialisierung am besten.
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„Hunted“ ist damit eindeutig der Dark Fantasy zuzuordnen. Will heißen: Bunt dient hier lediglich als Synonym für die verschiedenen Farbstufen von braun und grau. Der Tonfall ist rau, das Blut noch rot und Elfendamen tragen nie mehr als ein zerfleddertes Stirnband um die Taille. Brian Fargo betont entsprechend: „Wir wollen die alten Tage heraufbeschwören, in denen die klassischen Dungeon Crawler das Rollenspiel-Genre begründeten.“

"Dungeon Master" trifft "Gears of War" trifft "Lethal Weapon" - braucht es noch weitere Argumente, um neugierig mit den Füßen zu tippeln?Ausblick lesen

Dungeon Crawler? An jene Titel aus den Achtzigern dürften sich wohl nur die wenigsten Spieler erinnern. „Might & Magic“ und „Wizardry“ hießen die berühmtesten Vertreter dieser Ära, „Dungeon Master“ galt damals als Grafik-Wegbereiter, als „Crysis“ der RPG-Urväter sozusagen. Im Kern geht es um eine Spielergruppe, die sich durch finstere Gewölbe säbelt, den fiesen Drachen tötet und mit seiner Schatztruhe in den Sonnenuntergang flüchtet.

Gears of War: Underground

Diese Spielergruppe reduziert sich in „Hunted“ auf recht überschaubare Größe. E’lara, besagte Elfendame, und Caddoc, der hünenhafte Krieger, ziehen lediglich zu zweit in die weite Welt. Über das „Warum?“ wollte man uns aber noch nicht aufklären. Wir tippen aber einfach mal ganz frech auf „eine mysteriöse Bedrohung“ oder „einen grauenhaften Fluch“. Im Kreativ-Höchstfall beides.

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Befeuert wird das saftige Geschnippel von der Unreal Engine 3.
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Bevor es dem „großen, unbekannten Übel“ an den Kragen geht, muss jedoch zunächst der eingangs erwähnte Dämon dran glauben. Statt sich fachgerecht zerlegen zu lassen, flüchtet der Widerspenstige jedoch in eine Höhle. Womit der Bogen zum „Dungeon Crawling“ auch schon geschlagen wäre: Ab jetzt wird’s zappenduster - sowohl für unser Auge, als auch die anstürmenden Monsterhorden.

Die nun folgenden Szenen wollten uns aber selbst nach wiederholtem Augenreiben so gar nicht an die „Dungeon“-Klassiker von einst erinnern. „Hunted“ ist kein gemächliches Rollenspiel, schon gar nicht eines jener Vertreter, die man im laufenden Kampfbetrieb pausieren kann. Stattdessen dreht die Musik plötzlich auf, zu den treibenden Klängen von beinhartem Melodic Metal metzelt sich Brian Fargo durch die Gegnermassen.

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Ohne Teamwork geht es nicht - vor allem bei den großen Bossen.
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Die Kamera sitzt dabei nur knapp hinter der Schulter des gewählten Charakters. Spannt E’lara ihren Bogen, wird das Ziel leicht herangezoomt. Auf Knopfdruck sprintet die Gute, bevorzugt hinter massive Felsblöcke - ein Deckungssystem vereinfacht den Kampf gegen zahlenmäßig überlegene Zombiehorden. Und werden wir wider Erwarten doch getroffen, färbt sich der Bildschirm kurz rot ein, bis wir uns erholt haben. Lebenspunktanzeigen gibt es nicht.

Wer an dieser Stelle den letzten Absatz kurz rekapitulieren lässt, wird überrascht feststellen: „Da schau her – haben die Teufelskerle von gamona als weltweit erstes Magazin doch tatsächlich einen Blick auf Gears of War 3 geworfen.“ Fast richtig. „Hunted“ wirkt zugegebenermaßen wie eine Fantasy-Version des Epic-Machospektakels. Hochdynamisch inszeniert, flott und actionreich.

Im Team wird’s intim

E’lara und Caddoc beherrschen neben ihrer jeweiligen Spezialisierung (also Schwert und Bogen) alle drei Kampfschulen. Zwischen Magie, Nah- und Fernkampf darf jederzeit frei gewechselt werden, besonders gut verstehen sich beide aber vorwiegend auf ihre Kernfähigkeiten. Apropos: Auch zwischen den Charakteren darf frei gewechselt werden – vorausgesetzt ein Speicherpunkt ist in der Nähe.

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Hier im Bild: Der "Levitation"-Skill. Während Caddoc per Konzentration die Gegner schweben lässt, spannt E'lara den Bogen.
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„Hunted“ ist als Koop-Erlebnis konzipiert. Es geht also immer nur zu zweit in die dunklen Gewölbe. Bei Ermangelung eines menschlichen Mitspielers springt dann einfach die KI ein, wirklich allein ist man also nie. So ist es denn auch Teamwork, das in den dunklen Kavernen zum Erfolg führt: Da viele Gegner bestimmte Schwachpunkte und Stärken haben, ist Zusammenarbeit Pflicht.

Da holzt E’lara dann zum Beispiel mit Eispfeilen aus der Ferne auf den Gegner, während Caddoc den zum Eisblock gefrorenen Schelm mit einem wuchtigen Schwerthieb zerbröselt. Bei den besonders harten Bossgegnern sind ebenfalls Timing und Absprache gefragt, den Todesstoß gibt’s dann gar per Koop-Exekution. Diese Teamattacke sieht spektakulär aus und sorgt für noch mehr Glibber auf dem Bildschirm.

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Weil's so schön war: Der mächtige Krieger Caddoc in Aktion.
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An anderer Stelle zeigt uns Brian Fargo eines der Rätsel: Vor einem riesigen steinernen Gesicht bemerken wir, dass lediglich in einem der beiden Augenhöhlen ein Feuer brennt. Per Sengpfeil setzen wir auch das andere Guckloch in Brand und siehe da – die Statue öffnet ihr gewaltiges Maul und offenbart seltene Schätze. Das können neue Rüstungen sein oder spezielle Edelsteine, mit denen wir unsere Skills aufwerten.

Über diesem Feature steht allerdings noch eines der größten Fragezeichen von „Hunted“. Das Upgradesystem wirkte relativ rudimentär, ließ vor allen Dingen nicht viele Ausbaustufen zu – ob das auf Dauer motiviert? Angeblich sollen neue Waffen und Rüstungen immer wieder zum Entdecken antreiben, ein Inventarsystem wird es aber nicht geben. Viele Fragezeichen – die sich hoffentlich in den kommenden Monaten lüften.