Zu brutal für den deutschen Markt: House of the Dead 4 erscheint gar nicht erst in unseren Gefilden, sondern lediglich in allen anderen Ländern Europas. Virtuelle Zombies und andere monströse Pixelmutanten mit dem Laserpoint... eh, der Knarre umzupusten, könnte womöglich jemanden dazu anstiften, in der realen Welt auf echte Zombies zu zielen.

Weil House of the Dead 4 nur als vier Gigabyte große Datei erhältlich ist und ja auch gar nicht im deutschen Playstation-Downloadservice erscheint, verrate ich euch natürlich kein Wort von Segas 2006er-Automatenvorlage. Die stand sowieso nie in hiesigen Vergnügungstempeln, weil kein Schwein Lust hat, in einer abgedunkelten Spielo neben einer Reihe von nervösen Geldautomatensuchtis und zwielichtigen Unterweltlern mit einer Knarre herumzuwedeln. Selbst wenn die Spielzeugwumme aus grellem Plastik besteht.

Ein Vorteil? Vielleicht. So wisst ihr beim Genuss der PS3-Adaption wenigstens nicht, was ihr verpasst habt, denn Lightgun-Shooter leben von ihrer Spielweise. Kimme und Korn sind auf der Konsole allerdings nicht verfügbar, weil die handelsübliche Lightgun-Technik auf modernen Flatscreens versagt. An seiner statt nun Sonys Move-Controller den Bleiverteiler mimt. Kein adäquater Ersatz, wohlgemerkt, weil zuverlässiges Zielen ohne eingeblendetes Fadenkreuz unmöglich erscheint.

Ständig zu wissen, wohin man ballert, nimmt der spielerisch sonst absolut hohlen Fleischfetzen-Revue jedoch einiges an Reiz. Ein Spielgefühl, als hätte man ein Zeigewerkzeug in der Hand. Eine Computermaus täte den gleichen Dienst. Letztendlich geht es also nur noch um die möglichst schnelle visuelle Erfassung des Gegners und einen flinken Zeigefinger. Eine Katze mit dem Laserpointer durchs Zimmer zu jagen, macht mehr Spaß. Die drehen voll ab, die Viecher. Hab das auch mal mit den Zombies probiert. Hat nicht funktioniert. Ergo: Zombies sind schlauer als Katzen. Ich liebe sie trotzdem. Katzen und Zombies.

House of the Dead 4 - Importierte Gammelfleisch-Revue

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Viele, viele schlurfende Säcke.
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Zugegeben, andere Genrevertreter, etwa das Dead-Space-Spin-off, nutzen die gleiche Technik, weil es keine tauglichen Alternativen gibt. Nur entsprang Dead Space auch nicht der Spielhalle und versuchte zumindest spielerische Defizite mit Handlung und modernen Sperenzchen zu übertünchen. Derartige Freiheiten durfte sich Sega wohl nicht nehmen.

Abseits des bloßen Niederballerns der Untoten und deren Anführer sind eigentlich nur zwei Dinge zu beachten. Erstens: alles abknallen, was nicht so recht in die Umgebung passt – etwa schwebende Münzen. Das wird mit Extra-Score und Freileben belohnt. Zweitens: die blutdürstige Brut gelegentlich von wehrlosen Lebenden fernhalten, bevor sie zubeißen. Sprich, schneller ballern, als Zombies schlurfen können. Ansonsten dürft ihr einfach drauflos schießen oder mal eine Granate werfen, um einer unfairen Überzahl Herr zu werden.

Packshot zu House of the Dead 4House of the Dead 4Erschienen für PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Problematisch wird das höchstens, wenn ihr das Fadenkreuz mangels Move und HD-Kamera mit dem normalen Joypad dirigiert. In dem Fall kämpft ihr nämlich mehr mit der schwammigen Justierung als mit der Gegnerhorde. Speziell kleine Gegner wie diese ekeligen sprungfreudigen Riesenegel erwischt man damit nur schwerlich beim ersten Versuch. Sollte nach ein paar Runden Eingewöhnung trotzdem machbar sein.

Ihr seht ja sowieso genau, wo ihr hinzielt. Was ich sagen will: Eine Lightgun wäre das bessere Werkzeug gewesen. Nur beim Selbstzielen, beim Aus-der-Hüfte-Ballern, ganz ohne Hilfsmittelchen und eingeblendete Fadenkreuze, entfaltet sich der volle Spaßfaktor beim Zombie-Kill.

Trash as Trash can

Ha. Ein schöner Satz, der wohl einige Jugendschützer auf die Palme bringen könnte, wenn man ihn nur richtig ausspielte. Allerdings bedingt durch den mangelnden Kontext, denn wer House of the Dead in irgendeiner Weise ernst nimmt, geht sowieso zum Lachen in den Keller. Sega zelebriert beim Thema Darsteller und Horrorfaktor ein schrulliges Dilettantenballett, das sich wohlgefällig im Trash suhlt.

Wunderbar schrullig, herrlich trashig - ein Spaß für zwischendurch.Fazit lesen

James Tylor und Kate Green aus House of the Dead 2 und 3 versuchen sich als Protagonisten und erheitern euch den Tag mit grausigem Voice-Acting, extrem gekünstelter Interaktion und lächerlicher Gefühlsregung. Typisch Spielhalle, typisch B-Movie mit Zombie-Zutaten. Was soll ich sagen? Eigentlich ein grandioser Trash-Mix, der qualitativ derart ins Bodenlose rutscht, dass es schon wieder geil ist.

Leider endet der Spaß zu schnell. Zwar könnt ihr in den automatisch beschrittenen Routen wie üblich mehrere Abzweigungen beschreiten, aber letztendlich bewegt sich House of the Dead 4 inhaltlich auf einem ähnlichen Level wie Teil 2. Wer nicht der Versuchung unterliegt, ständig neue Highscores aufzustellen, die Anzahl verfügbarer Leben auf ein Minimum zu kürzen oder den allgemeinen Schwierigkeitsgrad so weit anzuheben, bis es wehtut, erspäht schnell alle Fältchen, den Bierbauch und die Augenringe, die dem Programm in den letzten sechs Jahren Abwesenheit der reinen Alters wegen zu schaffen machten. Man merkt einfach, dass Segas Zombiehatz einer anderen Generation von Spielen entsprang. Trotz 16-zu-9-Format und HD-Auflösung wird das Programm den langen Rattenschwanz der eigenen Traditionen nicht los.

Das hat weniger mit der altbackenen Grafik zu tun als mit den ausgelatschten Spielhallentretern, mit denen Sega durch die geschmacksarme Soße der Schnelllebigkeit watet. Selbst der Critical-Hit-Counter, der euch motivieren soll, möglichst schnell die schwächste Stelle eines sumpfigen Kanalschleimers zu finden, statt ziellos herumzufeuern, generiert keine ausreichend hohe Herausforderung.

House of the Dead 4 - Importierte Gammelfleisch-Revue

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Und es gibt einige herrlich entstellte Monstren.
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Spätestens drei bis vier Stunden nach dem ersten Spielstart habt ihr alle Abzweigungen gesehen, jeden künstlich provozierten Schreckmoment durchlebt, jeden Obermotz analysiert und selbst die Bonuswelten des erweiterten Automatenoriginals durchgekaut. Danach geht es wirklich nur noch um die reine Highscore-Jagd, die vor allem im Verbund mit einem zweiten Spieler sehr spaßig sein kann. Als Mitternachts-Snack, als Abwechslung. Für ein langlebiges Spielerlebnis reicht es leider nicht.

Heruntergekocht verlangt der Spielablauf nur zwei Bewegungen: Mit dem Move-Controller zielen bzw. ballern, bis die Munition leer ist, und selbige schütteln zum Nachladen. Alles andere passiert lediglich in eurem Sichtfeld. Sämtliche Bosse, egal ob wutentbrannter Kettensägenfritz oder Tekla die Neonspinne, sie tragen ihre Schwachstelle derart offensichtlich zur Schau, dass man nicht einmal die gelegentlich eingeblendeten Tooltipps bräuchte, um sie zu erkennen. Und da Segas Spielhallenmetzler auch beim Gruselfaktor alles andere als subtil daherkommt, könnt ihr euch prima zwischendurch über andere Dinge unterhalten. Über Fußball, Politik oder den Film, den ihr letzte Woche im Kino gesehen habt.

Da müsst ihr nicht zwangsläufig als Nachteil sehen. Solche Spielspaßhappen sorgen durchaus für Abwechslung. Trotzdem solltet ihr beim Kauf nicht zu viel erwarten. Sonys Move mag nicht der innovativste alle Bewegungscontroller sein, aber damit ist weit mehr möglich, als so ein althergebrachter Rail-Shooter hergibt.

Meine Güte, ich muss wohl im Fieber sprechen. Ihr könnt House of the Dead 4 mit euren deutschen Accounts doch gar nicht kaufen (*hust hust*). Wozu schreib ich das hier eigentlich?