Gut kopiert ist immer noch besser als schlecht selbst erfunden - so sagt man jedenfalls gemeinhin. Das muss aber nicht in jedem Fall zutreffen, so beispielsweise im Fall von Hour of Victory, das locker als Billig-Klon von Call of Duty (CoD) durchgeht. Denn hier haben die Entwickler lediglich versucht die besten Komponenten des erfolgreichen und zu Recht gefeierten Actionspiels zu einer eigenen Melange zusammen zu fügen. Die Betonung liegt dabei leider auf "versucht", denn das Xbox 360-Spiel lässt viele Qualitäten eines gelungenen, spannenden Shooters vermissen und ist nicht mehr als ein erfolgloser Abklatsch des großen Vorbilds. Warum das so ist, erfahrt ihr in unserem Frontbericht.

Hour of Victory - High Action MomentsEin weiteres Video

Atombombe, nein Danke!
Als Hintergrund-Szenario dient dementsprechend auch bei Hour of Victory der Zweite Weltkrieg, bei dem ihr direkt "in die entscheidenden Schlachten des 2. Weltkriegs" versetzt werden sollt - so die Beschreibung des Spiels. Davon kann jedoch keine Rede sein, denn in der nur wenige Stunden kurzen Kampagne werdet ihr zwar von einem Event zum nächsten gehetzt, wirklich Bedeutsam für die zusammen gewürfelte Story ist jedoch keines der diversen Scharmützel.

Hour of Victory - Wer Call of Duty besitzt, kann diesen lahmen Kriegs-Shooter getrost links liegen lassen.

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Explosionen gibt es oft, nur sind die Texturdetails gering.
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Möglicherweise ist dafür auch der Umstand verantwortlich, dass nur sehr wenige der zusammenhanglos wirkenden Einsätze die 15 Minuten-Marke überschreiten und daher nur sehr wenig Zeit bleibt, sich in das Geschehen hineinziehen zu lassen. Identifizieren kann man sich jedenfalls mit keinem der drei Protagonisten, mit denen man verhindern soll, das Nazi-Deutschland die Hand an die Atombombe bekommt.

Ihr habt richtig gelesen, drei Helden. Vor fast jeder Mission dürft ihr euch eine der drei Figuren auswählen und mit ihr in die Schlacht ziehen. Diese Wahl hat sogar - wenn auch nur geringe - Auswirkungen auf das Gameplay, denn Kommandosoldat William Ross kann im Vergleich zu seinen beiden Elite-Kollegen Ambrose Taggert (verdeckte Operationen / Schleicher) und Calvin Blackbull (Scharfschütze) nicht nur besonders viel einstecken, er verfügt auch über andere Spezial-Fähigkeiten.

So kann er schwere Gegenstände zur Seite schieben und sich auf die Weise Wege freilegen, die den anderen nicht offen stehen. Dafür können die beiden anderen Soldaten alternative Routen wählen, indem sie Schlösser knacken, Drahtzäune durchschneiden, an Seilen klettern oder sich tarnen. Grundsätzlich greift man in den meisten Missionen aber am Besten zum britischen Kommandosoldaten, weil er sich in den bleihaltigen Gefechten besser behauptet.

Packshot zu Hour of VictoryHour of VictoryErschienen für Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

3 x 1 = 1?
Doch dieser kleine Gameplay-Kniff wertet Hour of Victory nicht wirklich auf, denn das Gameplay gestaltet sich von diesen kleinen Unterschieden letztendlich ziemlich dröge und läuft in absolut vorgezeichneten, linearen Bahnen ab. Vergleicht man das Spiel mit dem großen Vorbild, Call of Duty, fällt zum einen die mehr als dürftige Optik auf, die mit extrem matschigen Texturen, sehr wenigen Details (ganz schlimm: die Gesichter) und kaum einmal überzeugenden Effekten negativ auffällt.

Hour of Victory - Wer Call of Duty besitzt, kann diesen lahmen Kriegs-Shooter getrost links liegen lassen.

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Gelegentlich betätigt ihr euch auch an der Flak ...
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Dass hier die Unreal Engine 3 zum Einsatz kommt, ist dem Spiel nicht anzusehen. Next-Gen sieht jedenfalls anders aus und Hour of Victory wirkt dagegen, wie ein Spiel aus der Grabbelkiste. Den Fights selbst lässt sich zwar eine gewisse Spannung nicht absprechen, was aber nicht an den tollen KI-Gegnern liegt, sondern höchstens an deren Quantität.

Diese verhalten sich meist wie Kanonenfutter, laufen ins offene Feuer oder warten hinter der nächsten Ecke seelenruhig darauf, abgeschossen zu werden. Und das, obwohl wir Sekunden zuvor den neben ihnen stehenden Kameraden abgeknallt haben. Wenn ihnen plötzlich die Munition ausgeht, bleiben sie zudem munter vor uns stehen um nachzuladen, anstatt dafür wieder in Deckung zu gehen. Immerhin erweisen sie sich aber beim Einsatz von Granaten als ziemlich geschickt und bringen euch so gelegentlich in die Bredouille.

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... oder als MG-Schütze, bei dem ihr Reihenweise Gegner durchsiebt.
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Eure Spielfigur erholt sich nach feindlichen Treffern übrigens selbstständig sobald ihr für einige Sekunden stehen bleibt, Medikits oder andere Hilfsmittel stehen nicht zur Verfügung - genau so wenig wie eine Lebensanzeige. Die gibt es nur, wenn ihr ein Fahrzeug, also einen Panzer steuert, was in einigen Missionen der Fall ist. Allerdings ist die Steuerung der stählernen Kolosse ziemlich vermurkst worden und man landet häufiger in irgendwelchen Mauern oder anderen Hindernissen.

Zudem führen gerade einige Panzer-Level durch so enge Straßenabschnitte, das man nur mit Glück an den dort postierten Raketentrupps vorbei kommt, ohne ständig abgeschossen zu werden. Man muss den Entwicklern allerdings zugute halten, dass sie versucht haben, das Spiel abwechslungsreich zu gestalten.

So marschiert ihr nicht nur mit euren Figuren durch zerschossenes Kriegsgebiet oder werdet als Panzerkommandant aktiv, ihr dürft euch auch an der Flak oder am MG betätigen, schützt wichtige Personen oder schleicht durch Abwassersysteme. Bei all diesen Aufgaben hat man jedoch immer das Gefühl, ein CoD für Arme zu spielen, da sehr vieles an diesen höchst erfolgreichen Shooter erinnert und mehr schlecht als recht kopiert wirkt. Als weiteres Beispiel mag die Mini-Map dienen, auf der ihr eure nächsten Ziele mit einem goldenen Stern erkennen könnt und Feinde mit roten Punkten markiert sind.

Hour of Victory - Wer Call of Duty besitzt, kann diesen lahmen Kriegs-Shooter getrost links liegen lassen.

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Wenn ihr selbt einmal getroffen werdet, färbt sich der Bildschirm langsam Rot.
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Neben der dürftigen Optik und dem zusammengeschusterten Actiongameplay, bei dem man mit seinem Charakter auch das eine oder andere mal an Ecken hängen bleibt und wehrlos abgeballert wird, ist auch der zweitklassige Sound für den eher billigen Eindruck verantwortlich. Teilweise wummert es zwar nett aus den Boxen, aber toll klingen die Waffen, Explosionen und Stimmen nicht - es scheppert eher vor sich hin. Von der bedrohlich-spannenden Kriegs-Atmosphäre von CoD ist Hour of Victory so weit entfernt, wie Steven Segal-Budgetfilme von Private Ryan. Nicht minder enttäuschend ist auch der Mehrspieler-Modus, in den sich dank ständiger Lags und Verbindungsabbrüche kaum einmal jemand hineinverirrt.