The Inpatient ist das Prequel zum Teenie-Gemetzel Until Dawn, ein exklusives PSVR-Spiel in der Nervenheilanstalt Blackwood Pines. Den Entwickler Supermassive Games kennt ihr sicher ebenso von Until Dawn: Rush of Blood, ein weiterer VR-Titel, der schocken soll und den ich nie gespielt habe. Ich bin ehrlich: Das allererste Programm, welches ich mit der eigenen, ausgeliehen PSVR allein in meiner Höhle gestartet habe war Anywhere VR. Das ist eine kostenlose Am-Strand-sitzen-und-sich-umschauen-Experience, die nach zwei Strand-Bildern aufhört und den Nutzer bittet, sich alle anderen Strände und Gegenden für ein paar Euro je Stück zu kaufen. Danach habe ich die Kitchen-Demo von Resident Evil 7 ausprobiert (empfehlenswert). Das war meine Vorbereitung für The Inpatient.
Stand: 3 Stunden im Spiel

Was ist denn The Inpatient? Einen ersten, kleinen Eindruck gewinnt ihr im Teaser-Video:

The Inpatient - PlayStation VR - Announce-Trailer E3 2017

Der Zauber von VR

The Inpatient ist kein Schocker. Stattdessen krepelt das Spiel langsam in ein gut inszeniertes Unbehagen; nicht aber mit viel Story, sondern mit seltsamen Verhören durch den werten Doktor Bragg. Ich sitze also gefesselt auf einem Stuhl, während der alte Mann aus Until Dawn mich bedauernd anblickt, “Sie verstehen doch, dass ich nur ihr Bestes will?

Hot or Not: Das kurze Format für extrem persönliche, unseriöse & ehrliche Videospielkritiken.

Es ist ein Klischee, ebenso wie das gesamte Szenario in der Nervenheilanstalt Blackwood Pines; was uns jedoch nicht stören soll. Immerhin ist Until Dawn nicht viel mehr als ein gut gemachter Teenie-Horrorfilm inklusive aller bekannten Stereotypen des Genres. Die Stärken von Until Dawn, das Entscheidungssystem, die fiesen Quick-Time-Events und das ‘Welcher Teenie stirbt zuerst’-Prinzip findet ihr in The Inpatient nicht wieder. Stattdessen erwartet euch ein atmosphärischer Walking-Simulator mit recht wirrer Story und einer schönen Grafik, die mich immer wieder dazu trieb, alle Dinge um mich herum sehr genau zu beäugen. Das ist der Zauber der virtuellen Realität, nicht aber das Ergebnis eines guten Spiels.

Hot or Not: The Inpatient - Doktor! Ich habe den Stick meines Controllers abgebissen.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 94/971/97
The Inpatient: Ein Rundgang durch das Blackwood Pines Sanatorium bitte.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es gibt eine Story: Nach einer Amnesie plagen euch bruchstückhafte Erinnerungen, die im Verlauf immer deutlicher werden und euch helfen, die Vergangenheit zu einem kohärenten Strang zusammenzusetzen. Im Anschluss an eine Therapiestunde mit Dr. Bragg werdet ihr in euer Patientenzimmer gebracht, in dem ihr zuerst allein und dann mit einer Mitpatientin die Zeit verbringt: Auch die Story an sich scheint fragmentiert, Zeitsprünge zwischen mehreren Gesprächen geleiten euch durch das Spiel und nur eure Blicke auf den Kalender helfen, das eigentliche Datum zu enthüllen.

Die Zeit in The Inpatient fließt; Realität und Imagination des Charakters gehen ineinander über, bis es beinahe egal wird, was wirklich geschieht und was nicht. Kurz gesagt: Es ist seltsam, unheimlich, bizarr; verwirrend, aber nicht völlig daneben. Ein bisschen surreal, aber durchaus faszinierend. Ich mochte es, aber ich weiß, dass viele Spieler womöglich etwas anderes erwartet hätten. Was mir The Inpatient verdorben hat, ist das grausame Gameplay.

WENN DU DICH NOCH EINMAL UMDREHST

… lege ich das Spiel beiseite. Also nein, ich habe The Inpatient nicht beendet. Um Motion Sickness zu vermeiden, geben euch die Standard-Einstellungen eine 45-Grad-Steuerung vor, bei welcher ihr euch nicht fließend, sondern ‘stockend’ dreht. Das könnt ihr zwar ausstellen, falls es euch stört – was ich getan habe – allerdings bleibt es dabei, dass ihr euch komplett herumdreht, wenn ihr den rechten Stick nach unten drückt. Oder nur nach unten antippt.

Falls ihr es euch nicht vorstellen könnt: Wenn ich mich komplett drehe, verliere ich für einen Moment die Orientierung. Dazu laufe ich der Gewohnheit wegen immer mit meinen Charakteren nach hinten; etwa, damit ich fließender um eine Ecke gleite oder mich ein wenig anders positionieren kann. Es war grausam.

The Inpatient ist ein mittelmäßiges Spiel; der VR wegen interessant und lohnenswert auf einem Markt, der nicht gerade überschwemmt ist von fantastischen Titeln. Da mich aber diese unvergleichlich stupide Steuerung halb wahnsinnig beim Laufen gemacht hat, ist es ein Not.

Diese Horrorspiele haben wir zum Fressen gern:

Bilderstrecke starten
(12 Bilder)

In “Hot or Not” schauen wir uns verschiedene kleinere und größere Titel ohne Zahlen-Wertung oder das Durchgespielt-Versprechen an, um euch eine so knappe und ehrliche Meinung wie möglich zu präsentierten. Doof oder kann man sich antun? Falls euch sofort 30 Spiele einfallen, die in dieses Format gehören: Immer her damit!