Ich dachte, ich wüsste, was mich am Pressetag von Sony Interactive Entertainment und Guerrilla Games erwarten würde. Anhand der Gameplay-Videos, die ich im Vorfeld zu Horizon Zero Dawn gesehen hatte, ordnete ich das Spiel automatisch in vordefinierte Schubladen ein: Open-World-RPG, maschinelle Dinosaurier, weibliche Protagonistin. Ich stellte mich gewissermaßen auf vorhersehbare Szenarien ein und glaubte zu wissen, wie sehr das Spiel zu mir passen oder eben nicht passen würde. Was ich nicht ahnen konnte, war, dass kurze Gameplay-Ausschnitte, Trailer und Vorschauen dem Spiel gar nicht gerecht werden können.

Ein perfektes Zusammenspiel aller Einzelteile

Wie bei einem gelungenen Kunstwerk wird Horizon Zero Dawn nämlich erst durch das perfekte Zusammenspiel all seiner Einzelteile zu einem einmaligen Erlebnis. Beim Betrachten der individuellen Komponenten ist das Game ein RPG, ein Titel mit schöner Grafik oder ein Spiel mit einem weiblichen Hauptcharakter. Wenn ihr jedoch selbst in die Fantasy-Welt eintaucht, kommen diese Einzelteile auf einzigartige Weise zusammen und sorgen für ein einmaliges Spielerlebnis. Um Horizon Zero Dawn vollends zu genießen, ist es auch wichtig, der Vision der Entwickler zu folgen, denn der Klebstoff, der die einzelnen Elemente zusammenhält, ist das tiefgreifende und emotionale Storytelling.

Die Welt von Aloy und ihren mechanischen Gegnern

Die Entwickler von Guerrilla Games sind sich vollkommen bewusst darüber und so durften sich die anwesenden Redakteure beim Presseevent ohne große Vorrede an ihre eigenen Gaming-Stationen setzen und Horizon Zero Dawn von vorne spielen. Genau dann entfaltet sich das Rollenspiel zu einer hinreißenden Achterbahnfahrt. Gerade am Anfang dient jeder Moment dazu, um euch weiter in die Welt von Horizon Zero Dawn zu entführen. Ihr lernt die Protagonistin Aloy als Baby kennen und spielt sie zum ersten Mal als junges Mädchen im Tutorial.

Ich kann Horizon Zero Dawn nur wärmstens empfehlen. Ich zähle schon die Tage, bis das RPG erscheint.Ausblick lesen

Ihr erfahrt, dass ihr euch in einer Post-Post-Apokalypse befinden - also nicht so unmittelbar nach dem apokalyptischen Event, dass die Menschheit im Chaos lebt, sondern eine neue gefestigte Weltordnung etabliert hat. Diese stellt sich im RPG nicht als grau und trist dar, sondern als farbenfroh und satt. Zum einen hat die Natur die Welt zurückerobert und zum anderen leben die Menschen ohne Technologie. Die Maschinen haben der Menschheit nämlich den Rücken gekehrt und leben als autonome Wesen in der Wildnis. Als mechanische Panther, Pferde und Dinosaurier sind sie an die Spitze der Nahrungskette gewandert.

Horizon Zero Dawn - Aloy's Journey11 weitere Videos

Im Video: Die Geschichte von Aloy.

Aloy selbst ist eine Waise und lebt als Ausgestoßene des Nora-Stammes mit ihrer väterlichen Figur Rost zusammen. Ihr Ziel ist es, wieder in den Stamm aufgenommen zu werden, um dem Schickal ihrer verlorengegangenen Eltern auf den Grund zu gehen. Schon in den ersten paar Stunden wird dabei klar, dass sie auf ihrer Spurensuche so manches Geheimnis über ihre Welt und dessen Vergangenheit lüften wird.

Der Kampf gegen die Techno-Saurier

Horizon Zero Dawn nimmt sich genau die Zeit, die es benötigt, um euch in die Welt von Aloy zu entführen, ohne an Geschwindigkeit zu verlieren. Jeder Moment des Tutorials erfüllt einen Zweck. Schnell wächst die rothaarige Protagonistin zu einer herausragenden Jägerin von Techno-Sauriern heran und ich wachse mit ihr. Aloy schleicht sich lautlos an die Maschinen; sie erschießt sie von weitem; sie springt, klettert und rennt durch die wilde Landschaft. Sie sammelt Heilmittel, Ressourcen und andere Schätze, um ständig weiter heranzuwachsen. Horizon Zero Dawn verbindet dabei wohlproportioniert RPG- und Action-Adventure-Elemente.

Das Gameplay empfand ich nicht nur als einsteigerfreundlich sondern auch als herausfordernd genug für erfahrene Spieler. Es gibt viele verschiedene wilde Mechs und jeder erfordert eine andere Taktik, um besiegt zu werden. Einer meiner Höhepunkte während der 4-stündigen Kostprobe war, den Rücken eines riesigen Langhalses hinaufzuklettern und von seinem Kopf die große Weite der Landschaft zu genießen.

Eine gelungene Mischung aus Vertrautem und Neuem

Den Entwicklern von Guerrilla Games gelang es, ein gelungenes Zusammenspiel zwischen Vertrautem und Originellem zu schaffen. So erinnerte mich Aloy zum Beispiel an Merida aus dem gleichnamigen Pixar-Film. Einige Kletterszenen ähneln der Uncharted-Serie. Die Balance zwischen ruhigen und actionreichen Passagen könnte aus dem Tomb-Raider-Reboot stammen. Auch Elemente aus anderen Fantasy- und Sci-Fi-RPGs lassen sich finden. Trotzdem wirkt das Spiel nie als bloße Kopie, da die Entwickler bewährte Elemente mit originellen Ideen vermischen, um ein Game zu schaffen, das sich nicht fremdartig anfühlt und doch überrascht.