Langsam und mit gebührender Gemütlichkeit zieht die Saurierfamilie in unserer E3-Hands-On-Demo zu Horizon Zero Dawn über die weite Flur. Die massiven Krallen, sieben an der Zahl an jeder Hufe, graben die Erde um und zerdrücken das Gras, ihr tonnenschwerer Körper jedoch hält die Balance und mit durchgedrücktem Rücken wirkt die Mama regelrecht grazil. Doch warum trägt diese Spezies eine Satellitenschüssel auf dem Kopf? Und warum knarzen die Glieder, als seien es mechanische Bauteile?

Nun, Horizon Zero Dawn spielt auf einem Planeten, der von Robosauriern bewohnt und beherrscht wird. Entsprechend schnell stellt sich der Aquariumseffekt ein, als wir durch die hauseigene Jurassic World von Guerrilla Games laufen, jenem Studio aus Amsterdam, das mit Killzone und zuletzt Shadow Fall vor allem technisch beeindruckende Werke abgeliefert hat. Und auch dieses Spiel wird wieder die Trophäen-Vitrine in der Herengracht 601 in Amsterdam füllen, denn es sieht phänomenal gut aus.

Nicht nur die absurd hohe Schärfe der Texturen, die volumetrischen Wolken, die Spiegelungen auf dem Metall der Dinos, sondern vor allem die künstlerische Vision beeindrucken. Dicke Kabel schlängeln sich die Titanbeine hoch, Schläuche zum Kühlen werden sichtbar, andere transportieren Kraftstoffe. Die Hufen sind mit Stahlplatten bewehrt, die Zehen mit Aluminium veredelt und wer genau hinschaut, der entdeckt auch rote Elektroleitungen, die Impulse vom Chiphirn an die einzelnen Körperpartien weiterleiten. Könnten wir uns den ganzen Tag anschauen, arbeiten müssen die Entwickler allerdings noch an der Umgebung, die Bäume und Gräser wirkten etwas statisch.

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Als die Menschen die Technologie vergaßen 
Der Hals des Dinos wird von Titanplatten dominiert, die im Schachtelmuster aneinandergereiht sind, so als wollte sich das mechanische Tier gegen Bisse schützen. Beißen können wir nicht als Heldin Aloy, auch Schusswaffen sind uns unbekannt. Denn Horizon spielt viele tausend Jahre in der Zukunft, in einer Zeit, in der die Menschen aus bislang noch ungeklärten Gründen all das technische Wissen vergessen haben, was unsere Gesellschaft – im Spiel nur „The Old Ones“ genannt - heute auszeichnet.

Horizon Zero Dawn ist sicherlich eine der großen Entdeckungen der E3. Es ist wirklich ein Rollenspiel, hat Tiefe, viele Mechaniken und fühlt sich bereits sehr rund an.Ausblick lesen

Sie haben keine Smartphones, sondern machen Feuer zur Verständigung, so wie die alten Indianer. Sie haben keine Autos, Panzer oder Kampfjets, sondern schwingen sich behände wie Tarzan von Ast zu Ast, erklettern Bergmassive und rutschen sie auch wieder hinab. Aloy ist das nicht genug, sie hat es satt in leidlich mit Palisaden befestigten Dörfern zu leben und will herausfinden, was passiert ist. Schließlich gibt es die Städte und ihre Wolkenkratzer noch, sie sind nur überwuchert von Farnen und Pflanzen wie in The Last of Us.

Guerrilla Games hat sich für ihren Charakter von Game of Thrones inspirieren lassen, Aloy ist eine Frau, die die Dinge anpackt und erfinderisch ist, was sich auch im Gameplay widerspiegelt. Und weil Horizon: Zero Dawn das erste Rollenspiel des holländischen Entwicklers ist, werdet ihr Aloys Aussehen stark verändern können. Werdet ihre Beine und Arme mit Schützern aus Aluminium oder Titan versehen und ihr einen Brustpanzer craften können. Allerdings nicht ganz so wie in Fallout 4, denn Aloys Volk hat keine Ahnung von Materialverarbeitung, Sie können weder Stahl noch Aluminium zurechtschneiden, sondern müssen nehmen, was ihnen die Tiere hinterlassen.

Horizon Zero Dawn - Jurassic-Mech-World-Grafikporno

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Die Welt von Horizon wirkt sehr homogen, jedes Tier hat seinen Platz. Es wirkt auch regelrecht so, als würden die Giganten über die kleineren Mechs wachen.
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Diese Philosophie macht sich das Horizon-Team fürs Gameplay zu nutze, denn in der Demo wird uns nichts vor die Füße geworfen, für neue Waffen und Munition müssen wir arbeiten und kreativ werden. Bock auf Explosivpfeile oder Elektrogeschosse für den Bogen? Tja, dann fangt schon mal an, Hinterhalte zu legen für Rentier-ähnliche Grazer und Hightech-Mech-Krabben, genannt Shell-Walkers.
 

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert 
Spaßig ist Horizon, weil wir so eine Rotte an Shell-Walkern nicht einfach frontal angreifen können, sonst schnappen sie mit ihren Scherenhänden und versuchen uns zu zertrampeln. Bei Gefahr fahren sie zudem ihren Energie-Schutzschild hoch, was die Chance auf einen kritischen Treffer mit dem Bogen verringert. Wir haben jetzt mehrere Möglichkeiten: Wir können entweder die mechanischen Tiere beobachten, ihre Routen analysieren und überlegen, wann sie am verwundbarsten sind. Wir können uns ranschleichen und im richtigen Moment mit unserem Elektrospeer zustechen, das zieht zumindest einer der Krabben genug Energie ab, um sie letztlich mit einem Explosivpfeil auszuschalten.

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Munition benötigt Crafting-Material, was ihr wiederum durch das Jagen von beispielsweise Grazer-Rentieren erhaltet.
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Oder aber wir legen eine Art Explosivfalle, indem wir Drähte so zwischen Bergmassiven spannen, dass sie in Panik reinlaufen. Über diese Methode lässt sich gleich eine halbe Herde in die Luft jagen, woraus sehr viele Ressourcen resultieren. Es erfordert allerdings Planung und Equipment, das wiederum Metallteile im Crafting kostet. Es ist schön zu sehen, dass es Entwickler auf der E3 gibt, die uns nicht in die direkte Konfrontation jagen, sondern die Option geben, Angriffe längerfristig zu planen.

Zudem gibt es noch eine andere Komponente, denn die Tiere werden von einer mysteriösen Macht gehackt und sind dann corrupted. Es ist aktuell noch unklar, ob diese Operationen zeitlich begrenzt sind oder wir uns unbegrenzt Zeit lassen können - Zeit ist ein Luxus, den wir auf der E3 leider eher selten haben.

Und doch zeigt uns die Demo etwas, das wir so nicht erwartet hätten: Horizon funktioniert nicht nur über seine Bosskämpfe. Es braucht nicht zwingend einen Mech-T-Rex wie den Thunderjaw, der mit 24 Metern Länge den Boden beben lässt und euch mit Schwärmen aus Raketen und Granaten eindeckt sowie seiner Railgun jagt. Selbst kleinere Gegenspieler wie der Boss der Demo, der aus Kettengliedern sowie Stahl besteht und nicht besonders futuristisch aussieht, zerstört mit seinem Schwanz effizient unsere Deckung und ist gerade auch durch seine Sprungangriffe durchaus eine Herausforderung.

Wie gut, dass wir uns vorher einen Mech-Stier gezähmt haben, der jetzt um den Feind Kreise zieht, während wir genug Zeit haben, um mit unterschiedlichen Pfeilarten zu experimentieren. Feuern wir auf seine Schultern erst einen Explosionspfeil und erhitzen so den Stahl und legen dann mit einem Eispfeil nach, gefriert die Stelle und fällt ab. Ganz schön clever gedacht.