Am Freitag ging ich auf eine Reise in eine fremde und doch vertraute Welt. Mein Körper saß auf meiner Couch in meinem dunklen Wohnzimmer, doch mein Geist wurde bis Sonntagabend in eine Postapokalypse entführt, in der mein Spielerherz rundum glücklich gemacht wurde. Im Vorfeld zu Horizon Zero Dawn gab es schon große Erwartungen an das Action-RPG. Auch ich war begeistert von meinem ersten Ausflug in die Welt der wilden Maschinen. Am Wochenende ging ich der Frage nach, ob das Spiel auch nach der anfänglichen Faszination begeistern kann?

Horizon Zero Dawn - Jagdprüfungen im Sonnenfurchen-Jagdgebiet11 weitere Videos

Willkommen in der Post-Post-Apokalypse! Ein lang-vergessenes katastrophales Ereignis beendete ein Zeitalter für die Menschheit: das der Technologie. Die Menschen leben vollkommen ohne Technologie in kleinen Stämmen. Die Natur hat sich die Welt zurückerobert und die Spuren der alten Welt fast völlig vernichtet. Nur die Maschinen sind zurückgeblieben. Sie haben sich von der Menschheit abgespalten und leben als autonome Wesen in der Wildnis. Das ist die Welt von Horizon: Zero Dawn.

Horizon Zero Dawn - Ein rundum gelungenes Meisterwerk

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Bei diesem Ausblick schlägt das Spielerherz höher.
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Die Welt von Aloy - Willkommen zu Hause

Ich konnte es gar nicht abwarten, mein Wochenende zu beginnen. Meine PlayStation 4 lief zweieinhalb Tage im Dauerbetrieb, während ich mit Aloy ihrer persönlichen Vergangenheit und der Geschichte der Menschheit auf den Grund ging. Den Entwicklern gelingt es vom ersten Moment an, mich vollkommen in die Welt von Aloy und den wilden Maschinen zu entführen. Ich fühle mit der jungen Jägerin, die ihrer eigenen Vergangenheit Sinn geben möchte und dabei lernt, dass ihre Rolle für die Menschheit bedeutender ist, als sie jemals hat ahnen können. Nur allmählich verbinden sich die einzelnen Puzzlestücke: Warum wurde Aloy als Kind vom Stamm der Nora ausgestoßen? Wer sind ihre Eltern? Wie kam es zum Ende der Menschheit? Was ist die Rolle der autonomen Maschinen?

Mit jeder neuen Information, die ich erhalte, wird mein Drang noch größer, die Welt weiter zu erkunden. Jede Minute entführt mich weiter in die Postapokalypse und zeigt mir, dass Horizon: Zero Dawn wirklich das hält, was es verspricht.

Horizon: Zero Dawn - Vertraut und doch neu

Ich hätte Horizon: Zero Dawn womöglich nie eine Chance gegeben anhand der Informationen, die ich im Vorfeld zu dem Spiel hatte. Open-World-Spiele sprechen mich normalerweise nicht an, da ich es bevorzuge, auf virtuelle Achterbahnfahrten in Games zu gehen, bei denen ich auf direktem Weg durch bedeutende Ereignisse geführt werde. Es wäre jedoch ein fataler Fehler gewesen, weil das RPG so ziemlich alles anspricht, was mich als Spieler glücklich macht.

Das liegt zum Teil auch daran, dass sich das Game schlecht in eine Schublade stecken lässt. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass Horizon: Zero Dawn so viel mehr ist, als seine Einzelteile vermuten lassen, da sich das Game nicht immer konkret an Genre-Konventionen hält. Dabei macht Horizon: Zero Dawn nicht viel neu, aber auch nicht viel falsch. Es muss aber auch gesagt werden, dass es sich bei dem Titel um einen wahren Gaming-Blockbuster handelt, der ein breites Publikum ansprechen soll. Wer den Tiefgang eines Skyrim sucht, der könnte von Horizon: Zero Dawn enttäuscht werden.

Horizon Zero Dawn - Ein rundum gelungenes Meisterwerk

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Diesen Langhals könnt ihr bei Horizon Zero Dawn hochklettern.
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Zwar handelt es sich bei dem Spiel im Grunde genommen um ein Open-World-RPG, bei dem ich selbst entscheiden kann, welche Quests ich annehme und welche nicht, doch erinnern mich einzelne Missionen an das Gameplay, das ich aus der Uncharted-Serie oder Tomb-Raider-Reihe kenne. Eine Quest stellt sich als Kletterpassage heraus, bei der Aloy Wände erklimmt und über Kluften springt. Bei einer anderen Mission schleicht sich die Heldin an die gegnerische Festung eines okkulten Stammes, um sie in Nathan-Drake-Manier dem Boden gleich zu machen. Das sorgt zum einen für Abwechslung und lässt das Spiel zum anderen sehr vertraut wirken. Ich persönlich begrüße solche Quests, da sie eine gewisse Ordnung in die offene Welt des Games bringen und sich fast wie Levels anfühlen.

Horizon Zero Dawn ist ein wahrer Spiele-Blockbuster für all jene, denen eine packende und emotionale Geschichte wichtig ist.Fazit lesen

Diese Quests sind eingebunden in Gameplay, das typische Rollen-Spielaufgaben enthält. Ich sammel verschiedene Kräuter, damit sich Aloy heilen kann und gegen Statusveränderungen gewappnet ist. Ich jage Wildschweine, Hasen und Truthähne, um aus den gelooteten Ressourcen größere Taschen zu bauen. Waffen und Outfits können modifiziert oder vollkommen beim Händler ausgetauscht werden, wenn das Taschengeld reicht. Das sammel ich, indem ich meine besiegten Maschinen loote, was ziemlich ergiebig sein kann. So bekomme ich auch Ressourcen, aus denen ich spezielle Munition baue.

Aloy sammelt derweilen fleißig Erfahrungspunkte, damit sie schön ordentlich auflevelt. Dafür bekomme ich Skillpunkte, die in einem übersichtlichen Skillbaum verteilt werden, damit die rothaarige Jägerin eine noch vielseitigere Kämpferin wird. Auch dieser stellt sich jedoch als eher simpel dar.

Lieber gut geklaut als schlecht erfunden?

Horizon: Zero Dawn ist wie ein großes Puzzle, das teilweise aus Spielelementen bereits etablierter Games besteht. Der Klebstoff, der all diese Elemente verbindet, ist das Storytelling, das mich emotional an Aloy und ihre Welt bindet. Es fühlt sich neu und aufregend, aber gleichzeitig gewissermaßen vertraut an.

Schlecht finde ich das eigentlich nicht, da das finale Produkt sehr gelungen ist und unglaublich viel Spaß macht. Schade finde ich es nur, wenn mich diese Elemente so stark an andere Games erinnern, dass ich anfange, sie miteinander zu vergleichen und Horizon: Zero Dawn dabei den Kürzeren zieht. Obwohl das relativ selten geschah, fiel mir dies vor allem bei den Kletterpassagen an, die einfach nicht so rund wirken wie bei der Uncharted- oder Assassin’s-Creed-Reihe.

Aufkommende Frustration

Obwohl die Einführung in das Spiel sehr einsteigerfreundlich ist, nimmt der Schwierigkeitsgrad schnell zu. Vor allem wichtige Hauptmissionen resultieren dabei gelegentlich in frustrierenden Kämpfen, bei denen Aloy hin- und hergeschleudert wird. Es fiel mir teilweise schwer, in diesen chaotischen Momenten einen Überblick zu behalten, da sie nur wenig Zeit zum Überlegen bieten. Sie fordern entweder, dass ich intuitiv richtig kämpfe oder genug Geduld habe, die Stelle so oft zu wiederholen, bis ich eine sichere Strategie erarbeitet habe. Dann weiß ich, wo ich zusätzliche Fallen stellen muss oder wie ich einen Gegner gekonnt besiegen kann. Glücklicherweise sind in solchen Momenten die Quicksave-Punkte fair gesetzt, damit die Wiederholungen nicht nerven.

Horizon Zero Dawn - Ein rundum gelungenes Meisterwerk

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Aloy kämpft gegen eine Maschine.
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Der einzig andere Kritikpunkt für mich wären die zum Teil langen Laufwege in den Haupt- und Nebenmissionen. Obwohl es die Möglichkeit gibt, einige Maschinen als Reittier und Speicherpunkte zum Teleportieren zu nutzen, dauerte es mitunter ziemlich lange, bis ich an mein eigentliches Ziel gelang. Stark hat mich das jedoch nicht immer gestört, da ich eigentlich viel Freude am Erkunden, Sammeln und Jagen habe. Doch gab es auch Momente, in denen ich ungeduldig wurde, da ich mich nach relevanten Spielepassagen sehnte, die aktiv die Handlung fortführten. Wenn ich in solchen Momenten erst von A nach B laufen musste, damit endlich an Punkt C etwas Nennenswertes passierte, dann wurde meine Geduld zum Teil ein wenig strapaziert.