Es sind meistens die kleinen Details, die große Momente bewirken und ein gutes Spiel von einem überwältigenden trennen. Bei Homefront gibt es diesen Moment nach etwa zehn Minuten. Zusammen mit zwei Partisanen flüchte ich durch eine amerikanische Vorstadtsiedlung, die übermächtigen Feinde unablässig im Nacken, ein Panzer, der sich seinen Weg durch die Rabatte pflügt und dröhnend das Feuer auf mich eröffnet.

Homefront - Der Freiheitskampf hat begonnen6 weitere Videos

In diesem Moment kommt eine Frau auf mich zu gerannt, im Arm ein Baby haltend. Verzweifelt, die Todesangst ins Gesicht geschrieben, bittet sie mich flehentlich um Hilfe. Wir verbarrikadieren uns in ihrem Haus, sondieren die Lage, nehmen die Waffe in Anschlag.

Homefront - Der erste Shooter, der mitten ins Herz trifft

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Wuchtige Action, fiebrige Emotionen: Homefront setzt da an, wo andere Shooter nur an der Oberfläche kratzen.
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Dann… bricht die Hölle über uns herein. Und ich erlebe einen Moment, den ich in solcher Intensität vielleicht noch nie in einem Shooter erlebt habe: Ich ballere mir die Seele aus dem Leib, schieße wie wild auf die nicht enden wollenden Wellen heranstürmender Feinde.

Doch ich schieße nicht, um im Spiel voranzukommen, weil es Spaß machen würde oder ich es als Herausforderung empfinde. Nein, ich schieße in einer Art existenziellen Verzweiflung. Weil ich dieses wehrlose Baby beschützen will, um alles in der Welt, und wenn es das Letzte ist, was ich tue. Dieses kleine Wesen, das unablässig hinter mir brüllt wie am Spieß, trotz Granateinschlags und ohrenbetäubendem Lärm den Raum mit seinen alles übertönenden Schreien erfüllt und jeden Moment verstummen könnte, sollte ich versagen. Ich gebe alles, damit es weiterleben kann, koste es, was es wolle. Und ich spüre: Dieser Moment ist es, der Homefront von einem guten Spiel unterscheidet und zu einem überwältigenden machen könnte…

Home is where the war is

Die beschriebene Szene bildet den Höhepunkt der grandiosen Einführung von Homefront, die wir auf einem Event von THQ in New York spielen durften. Soeben erst hat der Publisher sein neues Logo enthüllt: moderner, stylisher, mit einem dicken roten Q am Ende. „Q wie Qualität“, betont THQ-Chef Danny Bilson bei der Pressekonferenz.

Packshot zu HomefrontHomefrontErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Die Zeiten des betulichen Toy Headquarter, wie die Abkürzung ausgeschrieben lautet, seien vorbei, die Devise laute nun: Toptitel statt Durchschnittsware, Triple-A statt 08/15. Die neue Qualitätsoffensive ist dem aktuellen Line-up deutlich anzusehen – allen voran dem Flaggschifftitel Homefront.

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Die Anfangssequenz von Homefront nimmt sich Half-Life 2 zum Vorbild.
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Nach nur wenigen Sekunden besteht kein Zweifel mehr, dass für Homefront nur die Größten der Großen Modell standen. Die Anfangssequenz nahm sich ganz offensichtlich den legendären Auftakt von Half-Life 2 zum Vorbild, im brachialen Inszenierungsstil eines Call of Duty.

Die USA wurden durch einen vernichtenden Überraschungsangriff vom wiedervereinigten Korea überrannt. Die einstige Supermacht und „Home of the Brave“ wird nun von einer asiatischen Militärdiktatur unterjocht. Bewaffnete Besatzungstruppen patrouillieren an jeder Ecke der einst idyllischen Vorstadt mit ihren penibel gepflegten Vorgärten, den weiß gestrichenen Picket Fences und lauschigen Spielplätzen, was jetzt wie eine futuristische Version des Warschauer Gettos zur NS-Zeit wirkt.

9/11/2027

Ich bin zu Hause. Durch das Fenster blicke ich auf das leuchtende Grün eines sauber geschnittenen Vorgartens. Doch irgendetwas stimmt nicht. Das andere Fenster ist mit Brettern vernagelt, aus dem Radio tönt koreanische Propaganda. Es klopft an der Tür. Noch bevor ich öffnen kann, stürmt ein Trupp Soldaten herein und zerrt mich in einen alten Schulbus, in dem ich gemeinsam mit anderen Gefangenen deportiert werde.

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Im Schulbus durchs Kriegsgebiet.
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Während der Schulbus langsam die Straße entlang fährt, blicke ich entsetzt durch die Fenster auf ein Amerika, das nur noch tief unter der Oberfläche in seinen Lattenzäunen und Röhrenbriefkästen als das ehemalige „Land of the Free“ zu erkennen ist und unter koreanischer Knechtschaft endzeitlich wirkt.

Pure Emotion – auf Festplatte gebannt. Und dazu ein Multiplayer, der alles wegrockt.Ausblick lesen

Ein beklemmendes Gefühl der Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins macht sich breit, vergleichbar nur mit diesem Moment am 11. September 2001, als allen gewahr wurde, dass es auch für die unverwüstlich geglaubte Supermacht USA keine Sicherheit mehr gibt. Nur dass sie in Homefront nicht bloß verwundet, sondern vollständig in den Staub gezwungen wurde…

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Die USA in Trümmern: Homefront bietet eine einzigartig beklemmende Atmosphäre.
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Durch die Scheibe sehe ich, wie Menschen wie Vieh zusammengepfercht, aus ihren Häusern getrieben und verladen werden. In einer Gasse prügeln zwei Soldaten mit ihren Gewehrkolben auf einen Zivilisten ein. Ein Gefangener versucht zu fliehen und wird vor meinen Augen im Lauf erschossen. Sein Blut spritzt quer über meine Fensterscheibe.

Dann explodiert eine Bombe direkt neben dem Bus, wirft ihn einmal quer auf den Rücken. Ich rappele mich auf, torkele benommen ins Freie, bekomme eine Waffe in die Hand gedrückt. Nun heißt es kämpfen…

Battle Commander

Hält Homefront die Atmosphäre, die Wucht, die Emotionalität des ersten Levels auch über die restliche Spielzeit, erwartet uns hier ein ganz großes Einzelspieler-Erlebnis. Dass der Multiplayer-Modus gewaltig werden dürfte, steht mittlerweile schon fast außer Frage. Auch hier kombinieren die Kaos Studios Elemente aus Vorbildern wie Call of Duty, Battlefield und dem hauseigenen Frontlines: Fuel of War zu einer vorzüglichen „Best-of-Compilation“. Kollege Ned durfte bereits ausgiebig Probe spielen und hat seine Eindrücke im letzten Vorschauartikel festgehalten.

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Feuer frei! Der Battle Commander vergibt spezielle Aufgaben und Ziele.
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Neu angekündigt wurde in New York der „Battle Commander“ – eine solch geniale Idee, dass man sich wundert, warum da niemand vorher draufgekommen ist. Der Battle Commander ist eine KI, die fortwährend das Spiel analysiert und basierend darauf „Quests“ vergibt. „Wir alle hatten schon mal diese Situation“, erklärt THQ-Chef Danny Bilson die Idee dahinter, „dass dieser eine Sniper uns immer und immer wieder das Licht auspustet und wir sagen: ‚Dich krieg ich!!!!’“

Der Battle Commander ersetzt diese selbst auferlegten Ziele durch klar formulierte Quests, er erkennt eure persönliche Nemesis und gibt euch den Befehl, diese auszuschalten – dafür gibt es Extrabelohnungen. Seid ihr den anderen überlegen, erkennt er das ebenfalls und ruft zur Jagd auf euch auf. Das Spiel wird auf diese Weise unglaublich dynamisch und vor allem persönlicher als bisher. Bleibt zu hoffen, dass sich Homefront gut genug verkauft – denn der beste Multiplayer-Modus nützt nichts, wenn ihn niemand spielt…