Im Jahr 2027 ist der große Krieg in den USA bereits Geschichte, die Korean People’s Army (KPA) hat die Supermacht überrollt. Nur vereinzelte Widerständler erheben sich im Einzelspielermodus von Homefront gegen die Besatzer, davon soll jedoch an anderer Stelle berichtet werden. Publisher THQ verluftschiffte eine erlesene Pressemeute allerdings nicht in die Vereinigten Staaten, sondern nach London ins Vereinigte Königreich, um erstmals Eindrücke vom Multiplayer-Modus unters Volk zu bringen.

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Dessen Hintergrundhandlung spielt zwei Jahre früher, denn 2025 widersetzen sich noch einige versprengte Überbleibsel der einst mächtigsten Militärmacht gegen die feindliche Okkupation. Diese Scharmützel bilden die Grundlage für das Mehrspielerspektakel, für das sich jedoch kein fernöstlicher Spielentwickler, sondern die Kaos Studios verantwortlich zeigen. Erste Sporen verdienten sich die ambitionierten New Yorker mit der Desert-Combat-Mod für Battlefield 1942, später folgte Frontlines: Fuel of War. Jetzt will man deutlich größere Brötchen backen und mit dem AAA-Titel Homefront gegen die etablierte Genrekonkurrenz anstinken.

Homefront - My Home is your Castle

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Wer genügend Battle-Points auf dem Konto hat, spawnt auf Wunsch direkt in einem dieser Kampf-Helis
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Wer mit Größen wie Modern Warfare oder Bad Company 2 mithalten will, muss schon schwergewichtige Argumente vorweisen. Homefront setzt den spielmechanischen Hebel im Mehrspielermodus gleich auf mehreren Ebenen an, um konkurrenzfähig zu sein. Genauer gesagt handelt es sich um drei zentrale Säulen, die den Kick herbeiführen sollen.

Erstens: rasante, großformatige Kriegsführung. Bis zu 32 Spieler (PC und Konsole) tummeln sich auf den riesigen Maps und liefern sich Schlachten mit allerlei erdenklichen Waffensystemen. Von der Infanterie über Drohnen, unterschiedliche Flug- und Bodenvehikel bis hin zu Luftschlägen loten die Entwickler das volle Spektrum aktuell verfügbarer Technologien aus. Dedicated Server werden übrigens sowohl für PS3 und Xbox 360 als auch PCs einsatzbereit sein. Durch ein spezielles Spawn-System (mehr dazu unten) gestaltet sich der Spieleinstieg sehr intuitiv. Jeder springt binnen Sekunden sofort wieder zurück an die Front.

Zweitens: die Battle-Points-Mechanik. Statt Erfahrungspunkten erhalten Homefront-Soldaten eine virtuelle Währung als Belohnung für gelungene Aktionen wie Kills, Eroberung von Kontrollpunkten oder Unterstützung von Teamkameraden. Sie soll dem Spielablauf eine dynamische Spieltiefe verleihen, indem taktische Optionen ohne Zeitverzögerung zugänglich werden.

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Die beiden vorgestellten Maps bieten etliche strategische Punkte, da ist für jeden Spielstil etwas dabei .
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Drittens: ein sich veränderndes Schlachtfeld mit eskalierenden Schlachten. Je länger die Gefechte andauern, desto heftiger die Schlagkraft jedes einzelnen Soldaten. Verantwortlich dafür sind zum einen Modi wie „Ground Control“, in denen stetig neue Gebiete auf den Karten geöffnet werden. Zum anderen sorgen die Battle Points für mannigfaltige strategische Optionen und unberechenbare Truppenzusammensetzungen.

Mit ein bisschen Feintuning könnte sich der Mehrspielermodus zu einer Wucht entwickeln.Ausblick lesen

Was Kaos erreichen möchte, ist eine beständig fluktuierende Actionszenerie, die unvorhersehbare Wendungen nimmt, ohne Spieler zu stark auf bestimmte Klassen einzuschränken. Den Kernpunkt dieses Konzepts stellt eindeutig die Ingame-Währung dar, denn auf ihr basiert das gesamte System. Wir sehen beispielsweise jederzeit auf dem Bildschirm, wie viel „Geld“ uns für Spontaneinkäufe zur Verfügung steht. Benötigt man etwa frische Munition, genügt das Betätigen des D-Pads. Auf dieselbe Weise rüstet sich jeder Kombattant „on the fly“ mit einem Raketenwerfer aus, aktiviert verschiedenste Drohnenarten (lenkbare Bodengeschütze, Luftattacken, Aufklärer) oder versorgt sich mit EMP-Granaten.

Mein Panzer, mein Heli!

Es besteht auch die Möglichkeit, die erballerten Credits eine Weile lang anzuhäufen und eine größere Summe beim kommenden Respawn auf den Kopf zu hauen. Anstatt auf das Erscheinen des nächsten Panzers oder Kampfhubschraubers zu warten, bezahlt ihr einfach mit den Battle-Points und spawnt direkt in diesen Vehikeln. Kein Herumgerenne mehr, kein kindisches Gezanke um begehrte „Hardware“, kein Verharren auf den ersehnten Killstreak, um den Luftschlag anzufordern. Ein Knopfdruck, und ihr hebt mit dem Heli ab oder heizt den Feinden mit Luft-Boden-Raketen ein. Auf Wunsch belegen übrigens weitere Mitspieler freie Fahrzeugplätze, sie steigen ebenfalls direkt in den Vehikeln neu ins Spiel ein. Der Chefsessel bleibt aber immer für euch reserviert!

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Solche Stellungsgefechte stellen im dynamischen Homefront-Multiplayer-Modus Ausnahmen dar.
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Während unserer etwa 90 Minuten dauernden Anspielsession der Pre-Alpha-Version (Xbox 360), in der wir laut THQ nur einen „kleinen Ausschnitt des finalen Inhalts“ zu sehen bekamen, funktionierte das sogar ausgesprochen gut. Sobald genug Kohle aufs eigene Konto fließt, erweitern sich automatisch die Einkaufsmöglichkeiten. Sichern wir beispielsweise in „Ground Control“ einen der umkämpften Punkte auf der Karte, ordern wir flugs eine Bodendrohne, um die Stellung gegen anrückende Infanterie zu verteidigen. Nähert sich plötzlich ein Panzer, genügt ein Buttonklick und im Handumdrehen feuern wir mit einem Raketenwerfer auf den Tank, dem jedoch auch Abwehrmaßnahmen zur Verfügung stehen.

Sterben wir mit einem praller gefüllten Punktekonto, rücken wir entweder mit einem M1A3-Abrams oder AH-64-Apache, respektive T-99-Tank / Z-10-Attack-Helicopter wieder aus. Die Währung zu lange anzusparen ist allein schon deshalb wenig zielführend, weil alle in der nächsten Runde erneut bei null beginnen. Persistente Aufleveloptionen wird es zwar geben, Kaos gab sich in diesem Punkt jedoch noch zurückhaltend und verwies lediglich auf ein „robustes Erfahrungs-, Unlock- und Aufstiegssystem“, das erst zu einem späteren Zeitpunkt offenbart wird.

Die hohe Flexibilität auf dem Schlachtfeld hat jedoch auch ihre Schattenseiten, weil jeder relativ fix Zugriff auf fast alle schweren Kriegsgeräte, insbesondere Drohnen, erhält. Die Folge: Schon nach wenigen Momenten schwirrt der Luftraum voller ferngelenkter Raketenwerfer, kommen sich etwa Panzer trotz der großen Karten gegenseitig in die Quere. Insgesamt erscheint der Spielablauf noch nicht optimal ausbalanciert, einige Waffen noch zu mächtig, andere zu schwach, und das eben beschriebene Szenario muss auch überdacht werden, sonst geraten die spannenden Schlachten schnell zu einem chaotischen, unübersichtlichen Wettrüsten. Ähnliches gilt für die noch zu behäbige Pad-Steuerung. Das Waffenhandling wirkte zwar sehr durchdacht und unterstützt uns effektiv beim Ballern, momentan fehlt jedoch noch ein Quäntchen Präzision.

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Scharmützel im beengten Häuserkampf stehen dagegen an der Tagesordnung.
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Das Fahrzeughandling erwies sich dagegen als sehr direkt und zugänglich. Selbst die bei Konkurrenzspielen oftmals störrischen Helikopter gehorchten unseren Vorgaben exakt, wir vermissten jedoch alternative (Ego-)Perspektiven. Bisher bugsieren wir die Vehikel nur aus der Beobachtersicht über die Karten. Ein richtig intensives Gefühl hinterlassen dagegen die Gefechte. Wie versprochen wirft uns Homefront sehr schnell und direkt zurück ins Geschehen, wenn wir doch mal ins Gras beißen.

Die Front ist meist nur wenige Schritte entfernt, die Einschläge der Geschosse aus allen Richtungen sind markerschütternd. Uns haben die kompakteren Scharmützel im Modus „Cul de Sac“ jedoch einen Tick besser gefallen als die Ground-Control-Auseinandersetzungen, hier treffen in reinen Infanteriegefechten nur 16 Spieler aufeinander.