„Home is where the War is“ - so lautet der martialische Schlachtruf für den Ego-Shooter Homefront der Kaos Studios (Frontlines: Fuel of War, 2008). Im wirklichen Leben will sicher niemand, dass ein Krieg genau vor seiner Haustür stattfindet. Hier hat man den Konflikt aber ausnahmsweise nicht in ferne Gefilde verfrachtet, sondern lässt ihn in „God’s own Country“ stattfinden: in den USA, die von den Truppen der Pan-Asiatischen Streitmacht GKR überrannt wurden.

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Homefront versetzt uns in das Jahr 2027. Nachdem die technologisch fortgeschrittene Nation durch einen zerstörerischen satellitengestützten EMP-Impuls in ihren Verteidigungsmöglichkeiten verkrüppelt wird, besetzen die feindlichen Truppen zunächst Hawaii und rücken dann über San Francisco in das Herzland der Vereinigten Staaten vor.

Homefront - Zum Glück gibt's nicht nur die Solokampagne...

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Ein Gefühl für die Größe des Konflikts bekommt man (wie hier im Bild) nur selten.
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Zwei Jahre nach Beginn der Okkupation hat die nordkoreanisch geführte Supermacht „Großkoreanische Republik“ (GKR) seine Einflusszone militärisch mithilfe einer Hightech-Armee von 20 Millionen Soldaten ausgedehnt und beherrscht die USA weitestgehend. Nachdem die US-Streitkräfte durch den überraschenden Überfall schnell zersplittern und zu einem Gegenschlag zunächst nicht in der Lage sind, müssen Freischärler für den letzten verzweifelten Widerstand sorgen.

Packshot zu HomefrontHomefrontErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Was wäre wenn?

Kaos inszeniert diese fiktive „Was wäre wenn“-Zukunft mit einer bemüht emotional geführten Darstellung und spart dabei nicht mit radikal-brutalen Einsichten: Wir werden Zeuge von Gefangenenerschießungen, Exekutionen von Eltern, deren Kleinkinder weinend zurückbleiben, wohnen zynischen Auseinandersetzungen zwischen Rebellen bei und müssen uns zu allem Überfluss in einem Massengrab vor dem Feind verstecken. Doch berühren uns diese Szenen auf emotionaler Ebene oder stoßen sie uns schlicht ab?

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Meist müssen wir unseren KI-Kameraden folgen, ohne aus den linearen Strukturen ausbrechen zu können.
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Eher Letzteres, denn es gelingt kaum, eine Identifikation mit dem nie im Bilde auftauchenden Hauptcharakter Robert Jacobs aufzubauen, einem Hubschrauberpiloten. Alle Charaktere der kleinen Widerstandszelle, der ihr angehört, bleiben seltsam blass, unsympathisch gar. Möglicherweise tragen auch technische Defizite ihren Teil dazu bei, wenn (nicht lippensynchrone) Dialogfetzen des sehr geskripteten Ablaufs zu früh oder zu spät, manchmal sogar doppelt abgespielt werden, die Figuren bei hörbarem Husten keine Miene verziehen und generell etwas hölzern agieren.

Bodenständige Action

So interessant die Prämisse erscheinen mag, die Action ist insgesamt doch recht altbacken und ziemlich routiniert aufgebaut. Freiheiten habt ihr praktisch keine, stets folgt ihr den zwei bis vier Kameraden von einem Kontrollpunkt, von einem Scharmützel zum nächsten, werdet bis auf wenige Ausnahmen selbst nie aktiv. Rennt ihr voraus, müsst ihr häufig genug darauf warten, dass die KI-Partner Durchgänge öffnen oder passieren, bis ihr die linearen Levelschläuche weiter abgrasen könnt.

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Nur gelegentlich werden die ausgetrampelten Shooter-Pfade verlassen.
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In dem leider nur vier bis fünf Stunden dauernden Ballerspiel (dessen Spielzeit durch eine hohe Sterblichkeit der Spielfigur noch etwas gestreckt wird) kommt bis kurz vor Ende nur selten das Gefühl auf, an einem größeren Konflikt beteiligt zu sein - dies überlässt man dem Mehrspielermodus, der zeitlich zudem zwei Jahre früher angesiedelt ist (dazu unten mehr). Meist sind wir nur damit beschäftigt, unseren „Kindermädchen“ hinterherzurennen (folge diesem, folge jenem ...), überwinden in kleineren Gefechten gegnerische Truppenverbände mit sehr schwacher KI und erleben dabei kaum Abwechslung vom Shooter-Einerlei.

Die teils monotone Schießerei erfährt selten und erst gegen Ende interessantere Ansätze: etwa wenn ihr die Kontrolle über einen Minipanzer („Goliath“) erhaltet, euch für kurze Zeit in Rail-Shooter-Passagen hinter ein Humvee-Geschütz klemmt oder einen Kampfhelikopter steuert. Spannend wird es auch, wenn ihr euch auf dem Höhepunkt der Handlung über ein weltberühmtes Bauwerk kämpft, um gemeinsam mit Verbänden der US-Armee so richtig Arsch zu treten - und mit einem Cliffhanger „belohnt“ werdet. Teil 2, ick hör dir trapsen. Grundsätzlich funktionieren die Shooter-Mechaniken jedoch anstandslos, gerade auf dem PC klappt die Gegnererfassung als Infanteriesoldat sehr gut, auch wenn es unverständlich ist, dass sich die Vehikel nur mehr schlecht als recht mit einem Gamepad bedienen lassen.

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Apocalypse Now lässt grüßen.
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Ein wenig mehr Benutzerfreundlichkeit wäre sicherlich hilfreich. Völlig anders sieht es in diesem Punkt bei der Konsolenversion aus, die Fahrzeugkontrolle ist im Vergleich zu ähnlichen Shootern sehr leichtgängig und intuitiv ausgefallen. Die Konsolenfassung bietet dagegen zwar laut Menü eine Zielunterstützung, von der ich in der Praxis jedoch kaum etwas gemerkt habe. Wer die bequeme Auto-Aiming-Aufschaltung vieler moderner Ballerspiele à la Call of Duty: Modern Warfare gewöhnt ist, muss sich hier ein wenig umstellen.

Apropos Technik: Optisch hinkt Homefront aktuellen Genre-Vertretern wie Battlefield: Bad Company oder dem genannten CoD doch aufgrund der in die Jahre gekommenen Unreal Engine 2 hinterher. Zwar gibt es einige sehenswerte Partikel-, Rauch- und Feuereffekte, doch gerade hinsichtlich der Texturdetails, Animationen, Waffengestaltung, aber auch der Inszenierung und des Soundgewands muss man doch Abstriche machen. Mit der beeindruckend-schockierenden Kriegsdarstellung der Konkurrenz kann man (noch?) nicht mithalten. Über gutes Mittelmaß kommt das Kaos-Werk in den meisten Bereichen der Einzelspielerkampagne daher nur selten hinaus.

Mitreißende Mehrspielerschlachten

Anders sieht das jedoch im Mehrspielerbereich aus, dem Kaos und Publisher THQ eine sehr große Bedeutung beimessen. Inhaltlich ist er in die Zeit des Besatzungskrieges angelegt, die vor den Geschehnissen der Einzelspielerkampagne stattfinden. Auf PC und Konsole treten hier bis zu 32 Spieler mit- und gegeneinander auf dedizierten Server-Strukturen an und liefern sich flotte Schlachten, die vom Spielgefühl und Rhythmus her irgendwo zwischen den beiden Trendsettern CoD und BC 2 einzuordnen sind.

Wer auf Mehrspielergefechte steht, kommt an Homefront derzeit wohl kaum vorbei.Fazit lesen

Ja, hier ist tatsächlich von groß angelegten Waffengängen die Rede, wir erleben den „large scale warfare“, den die Entwickler versprochen haben, mit dynamischen Gefechten, die oft hin und her wogen. Mit sich verschiebenden Frontverläufen, mit ständiger Bedrohung durch Luftangriffe von Drohnen und Kampfhelikoptern, von Panzern und ferngesteuerten Mini-Guns. Und dem innovativen Battle-Points-System, das die Schießereien flexibler macht als so manchen hochkarätigen Konkurrenten.

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Die Drohnensteuerung funktioniert tadellos und bringt viel Dynamik in die Multiplayer-Gefechte.
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Erfolgreiche Aktionen belohnt Homefront durch eine virtuelle Währung, die ihr umgehend in vorher festgelegte Upgrades wie Schutzwesten, Panzerfäuste oder auch Luft- und Bodenvehikel investiert. Je länger ihr spart, desto mächtiger die per D-Pad (oder Tastaturkürzel) abrufbare Belohnung. Nagelt euch beispielsweise ein Panzer fest, genügt ein Knopfdruck, um es ihm mit einer Rakete heimzahlen zu können. Drohnen erhalten durch diese Ingame-Ökonomie eine immense Bedeutung, Luftüberlegenheit führte bei vielen Schlachten zum Sieg der entsprechenden Seite - und gleichzeitig zahlreichen (auch oftmals frustrierenden) Toden auf der Gegenseite.

Häufig ereilte mich der Tod direkt nach dem Respawn aus der Luft. Ach ja, was den Wiedereinstieg betrifft, landet man zwar meist unmittelbar in Frontnähe, sobald ihr genügend Punkte akkumuliert, erscheint ihr auf Wunsch auch sofort in einem der freigeschalteten Fahrzeuge - ohne dass euch jemand die Kontrolle darüber streitig machen könnte.

Für Langzeitmotivation sorgt eine sehr üppig ausgerüstete Waffenkammer, in der ihr mit stetig wachsendem Level neue Schießprügel, Zusatzausrüstung, Fahrzeugverbesserungen, Kaufoptionen für das Battle-Points-System sowie allerlei Goodies für eure Recken freischaltet. Selbstverständlich legt ihr hier verschiedene Soldatenkonfigurationen der vier verfügbaren Klassen (Angriff, MP, Schwer, Scharfschütze) mit diversen Modifikationen und unterschiedlichen Set-ups an, die ihr bei Bedarf in die Gefechte führt. Neben zu erwartenden Spielmodi wie Team-Deathmatch bringt Homefront auch den interessanten Modus „Bodenkontrolle“ mit. Hier streiten sich die beiden verfeindeten Parteien um drei strategische Punkte auf den gut gestalteten, großen Maps.

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Vor jedem Match könnt ihr das Set-up eurer Soldaten modifizieren - auch ihre Einkaufsmöglichkeiten auf dem Schlachtfeld.
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Ähnlich dem Rush-Modus von Modern Combat 2 wird das Geschehen nach Verlust oder Gewinn der drei Basen in ein neues Gebiet weitergetragen - der Frontverlauf verlagert sich in Homefront jedoch unter Umständen auch wieder zurück und sorgt damit für sich stetig ändernde Schlachtfelder. Mit dem Battle Commander kommt darüber hinaus noch ein zusätzlicher Twist in den Spielablauf, denn besonders erfolgreiche Spieler gelangen hier nämlich ins Fadenkreuz des gegnerischen KI-Kommandeurs, der seine Soldaten auf diese Punktejäger ansetzt.

Schaltet ihr diesen Kontrahenten nicht schnell aus, erhält die Konkurrenz Zugriff auf mächtigere Waffensysteme und Upgrades und eine Menge Battle Points. Gerade sonst eher generisch ablaufenden Deathmatch-Partien profitieren von der Battle-Commander-Mechanik.