Es gibt Klassiker, die bleiben dem Spieler auf ewig in guter Erinnerung. Und es gibt Klassiker, die werden nach Jahrzehnten wieder ausgegraben. Hollywood Pictures galt auf dem Amiga als eine der besten Wirtschaftssimulationen seiner Zeit und wird bei Nostalgikern und Fans des Genres bis heute hoch gehandelt. Mit einer Fortsetzung haben sich die Entwickler eine Menge vorgenommen - wir prüfen, ob die Neuauflage dem großartigen Vorgänger gerecht wird.

In den frühen Jahren der PC-Spiele zählten deutsche Wirtschaftssimulationen regelmäßig zur Genrereferenz. Vor Allem in den Bereichen Komplexität und Spielmechanik hatten nationale Titel meistens die Nase vorn. Inzwischen sieht es leider anders aus - engagierte Projekte scheitern zumeist an völlig veralteter Technik oder werden von den eigenen Bugs zum Frühstück verspeist.

Hollywood Pictures 2 - Star oder Sternchen? Oscar oder Himbeere? Die gamona-Jury hat entschieden...

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Das Firmengelände umfasst zu Beginn nur wenige Gebäude.
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Bei Hollywood Pictures 2 neigen geschulte Redakteure bereits bei der Installation zur Skepsis. Die 2,5 Gigabyte marschieren ohne einen Fortschrittsbalken oder andere Verlaufsindizien von der DVD auf die lokale Festplatte. Wer nicht voreilig auf einen Systemabsturz tippt, wird schließlich nach einigen Minuten gespannten Wartens auf die erfolgreiche Installation hingewiesen.

Aller Anfang ist schwer
Sobald das Spiel und möglichst auch der erste Patch installiert sind, geht der Vorhang auf. Als kleiner Investor übernehmt ihr zum Spottpreis ein völlig heruntergewirtschaftetes Filmstudio. Da sich in der Filmindustrie mit einem Startkapital von lediglich 50.000 US-Dollar nicht mal Gänseblümchen ausreißen lassen, solltet ihr einen Filmförderkredit beantragen, der weitere 200.000 US-Dollar in die leeren Kassen spült.

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Über eine Agentur lässt sich die Crew bequem vervollständigen.
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Das gähnend leere Firmengelände wird zum Nulltarif um ein Verwaltungsbüro und ein Filmstudio ergänzt, und schon kann die Produktion des ersten Streifens beginnen. Dazu benötigt ihr zunächst ein Drehbuch, das ihr entweder kaufen oder alternativ selbst erstellen könnt. Letzteres ist natürlich kostengünstiger, stellt gerade zu Beginn jedoch keinen großen Erfolg in Aussicht. Angeblich wertet das Programm sogar den eingegebenen Freitext aus, um die Qualität des eigenen Skripts zu berechnen - wir vermuten, dass hier lediglich der Umfang des Textes als Qualitätsmerkmal herangezogen wird.

Nach der Wahl des Drehbuches aus einer großen Anzahl vorgegebener Genres gilt es, das geeignete Personal zu rekrutieren. Regisseure, Co-Produzenten und Schauspieler stehen dafür in großem Umfang bereit. Leider müsst ihr auf reale Größen des Filmgeschäfts verzichten, hier sorgt der mitgelieferte Editor jedoch für Abhilfe. Verschiedene Qualifikationen und Qualitäten wirken sich auf die spezielle Eignung für euer Filmprojekt aus. Je höher die Qualifikation, desto höher die Gehaltsvorstellung. Ist die geforderte Summe zu hoch, lässt sich das Gehalt Schritt für Schritt drücken. Leider gibt es dabei keinerlei Indiz für die Laune des Verhandlungspartners - ist euer Gegenüber verärgert, muss die Stelle anderweitig besetzt werden.

Kamera, Action!
Steht die Besetzung fest, dürft ihr den Schauspielern noch ihre Rollen zuweisen. Danach wird die Filmcrew durch Special Effects- und Stuntteams, Make-Up-Spezialisten und Statisten komplettiert. Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, kann mit dem Dreh begonnen werden. Wie von der hochkarätigen "The Movies"-Konkurrenz gewohnt, enden eure Kompetenzen an dieser Stelle noch lange nicht. Auch bei "Hollywood Pictures 2" könnt ihr Einfluss auf die Dreharbeiten nehmen. Wie man es richtig macht, zeigte "The Movies", mit dessen Qualitäten der Testprobant trotz aller Bemühungen bei weitem nicht mithalten kann.

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Ruhe, bitte! Hier wird gerade ein Film gedreht!
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Zunächst einmal lassen sich Kulissen nach eigenem Belieben zusammenstellen. Dazu kombiniert ihr zahlreiche Schauplätze mit Bodenbelägen und Requisiten. Solche Sets lassen sich abspeichern und bei Filmszenen verwenden. Während des Drehs dürft ihr dann nicht nur aus vorgegebenen und eigens erstellten Kulissen wählen, sondern diese auch noch mit individuellen Handlungen füllen. Objekte können platziert und bewegt werden, Effekte werden getimt und auch die Schauspieler dürfen sich im Rahmen vorgefertigter Animationen über das Set bewegen.

Leider ist das Zusammenstellen der Szenen viel zu umständlich, und auch das Ergebnis enttäuscht aufgrund völlig veralteter Techniken. Die Animationsphasen der Schauspieler erinnern an die Augsburger Puppenkiste, und was als Special Effect gedacht war, dürfte von manchem Spieler als Grafikfehler interpretiert werden. Wer das Ziel verfolgt, einen echten Blockbuster zu produzieren, wird allerdings nicht um den Szeneneditor herum kommen - eine Tatsache, die leider ein mögliches Happy End dieses Tests verhindert.

Und täglich grüßt das Murmeltier
Wer sich mit langem Atem und viel Geduld durch den Szeneneditor gekämpft hat, der darf die Szenen am Ende noch schneiden und nachvertonen. Zahlreiche Zufallsereignisse, in denen so mancher Filmstar mal wieder zur Flasche greift oder die scheinbar selbstentzündlichen Studiogebäude in Flammen aufgehen, sorgen durch unnötige Verzögerungen bei den Dreharbeiten für zusätzlichen Frust.

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Die Wahl eines geeigneten Special Effects-Teams wirkt sich auf die Qualität des Films aus.
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Sind die empfohlenen Drehtage abgelaufen, steht es euch frei, den Dreh zu beenden oder zu Gunsten der Gesamtqualität ein paar Tage anzuhängen. Was folgt, ist die Premiere des Films: In einem Kinosaal seht ihr die erstellten Szenen als fragliches Gesamtkunstwerk, das durch einen Abspann samt aller beteiligten No-Names sein Ende findet. Danach folgt die Wertung, die in Einzelkategorien aufgesplittet ist. Damit sich das Projekt refinanziert, hofft der entnervte Filmproduzent auf eine hohe Chartplatzierung und entsprechende Einnahmen.

An dieser Stelle ist der Punkt erreicht, an dem sich das Spielgeschehen stetig wiederholt. Durch zusätzliche Einnahmen aus vorherigen Produktionen seid ihr zwar in der Lage, immer besseres Personal für eure Vorhaben zu verpflichten und das Firmengelände durch weitere Gebäude zu erweitern, doch prinzipiell gleicht eine Produktion der Anderen.