Chinatown. Den meisten warscheinlich als Mikrokosmos New Yorks bekannt, war der Schauplatz, den Square Enix uns nach mehreren Nur-zuschau-Demonstrationen erstmals voll spielbar offenbart hat. Ich sitze davor und freue mich wie ein kleines Kind. Verdammt lang ist es her, den Strichcode-Emotionsminimalisten mit tödlicher Vergangenheit und Zukunft befehligen zu dürfen. Kopfhörer auf und rein in den spielbaren Level „King of Chinatown“.

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1000 Wege, ins Gras zu beißen

Ich betrete den Marktplatz zu später Stunde. Für diese Uhrzeit ist hier noch ausgesprochen viel los. Menschenmassen drängeln sich aneinander vorbei, die Flammen aus den Woks schlagen mir entgegen, einen Stand weiter bietet ein Marktschreier seinen Fisch feil und an der Sushi-Bar daneben wird bezeichnenderweise frisches Sushi vorbereitet. Chinatown eben. Aber natürlich sind wir hier nicht zum eigenen Vergnügen, sondern weil wir einen Auftrag haben: den King of Chinatown liquidieren.

Dumm nur, dass der es sich in einem Pavillon in der Mitte des Platzes gemütlich gemacht hat, flankiert von bis an die Zähne bewaffneten Leibwächtern. Ganz zu schweigen von den auf dem Markt patrouillierenden Polizisten. Natürlich könnten wir uns es jetzt einfach machen. Wir marschieren direkt auf ihn zu, zücken unsere Pistole und verbleien seinen Kopfinhalt. Ist möglich. Sorgt aber für Massenpanik und nicht enden wollende Polizistenhorden, die selbst dem Hitman über den Kopf wachsen können.

Hitman: Absolution - 1000 Wege, ins Gras zu beißen

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Damit geht's schnell, ist aber nicht lautlos.
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Nein, da muss es eine elegantere Methode geben. Also den neuen Instinktmodus angeschmissen, der uns in den leichten bis normalen Schwierigkeitsgraden wichtige Personen, Feinde und deren Laufwege anzeigt. Dieser ist aber nicht unbegrenzt verfügbar und füllt sich mich erfolgreichen Aktionen während der Mission wieder.

Und schon hab ich jemanden erspäht. Ein hagerer Typ, gekleidet wie Ali-G. Ich beobachte ihn und stelle fest, dass er Zugang zum Pavillon hat und zwischendurch in einem Haus in der Gasse in der Nähe verschwindet, welche von einem Polizisten bewacht wird.

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So sieht Agent 47 aus, wenn er sich die Klamotten des Dealers überstreift.
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Also müssen wir uns eine Tarnung besorgen, um Zugang zum Haus zu bekommen. Ich schau mich weiter um und bemerke in einer anderen Gasse einen Polizisten, der das Auto des Kings bewacht. In einem unbemerkten Moment betäuben wir ihn, entsorgen ihn in der Mülltonne und schlüpfen in das Polizeioutfit.

Zurück in die Gasse und im richtigen Moment die Mütze ins Gesicht ziehen, denn Uniform bedeutet nicht gleich blindes Vertrauen der „neuen“ Kollegen. Oben in der Wohnung finden wir dann auch den Grund für den Sonderstatus des Halbstarken gegenüber dem King: Er ist sein Drogendealer. Wir finden hier auch ein Scharfschützengewehr, aber das ist mir zu plump.

Hitman nicht nur für Veteranen

Zurück auf den Markt und nach Fischresten suchen, denn der Instinktmodus hat uns den Hinweis gegeben, dass diese hochgiftig sind. Es dauert nicht lang und wir werden fündig. Zurück in die Wohnung und das Koks mit dem Gift anreichern. Auf einmal hören wir Stimmen. Schnell rein in den Schrank. Der Dealer taucht auf, um die Drogen zu holen. Das nenn ich Timing. Sobald er die Wohnung verlassen hat, tun wir es ihm gleich, natürlich mit entsprechendem Abstand. Aus sicherer Entfernung beobachten wir dann, wie der King of Chinatown sein letztes Näschen zieht und abnippelt.

Agent 47 mit hochglanzpolierter Glatze, sinnvollen Neuerungen und Hilfen für Einsteiger, der langjährigen Fans aber trotzdem das Urgefühl und die Spielbarkeit der Serie versprechen wollte und halten kann.Ausblick lesen

Hach, das sind die Momente, in denen Hitman einem schon immer einen Endorphinschub verpasst hat. Jetzt nur noch mal zurück in die Wohnung und die Überwachungsbänder der Sicherheitskassetten mitnehmen. Gelassen schlendern wir zum Ausgang und verlassen Chinatown mit dem Prädikat „Silent Assassin“. Wir hätten auch den Dealer um die Ecke bringen können und in seinem Aufzug dann das Getränk des Kings vergiften können. Oder ihm eine Autobombe unter den Sitz packen, ihn anlocken und hochgehen lassen. Oder ihn mit dem Scharfschützengewehr erledigen können. Oder, oder, oder...

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Ihr habt die Wahl: Keine Panik oder Massenpanik.
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Das macht auch den neuen Hitman-Teil wieder aus: Die Möglichkeiten, an euer Missionsziel zu gelangen sind so vielfältig, dass man enorm viel Spaß und Hingabe reinstecken kann, ohne die Lust daran zu verlieren. Denn in den höheren Schwierigkeitsgraden ist der Instinktmodus nicht mehr so nett, euch die Laufwege oder Hinweise aufzuzeigen. Die Patrouillen werden unberechenbarer, die Feinde stärker.

Square Enix versucht in diesem Teil erstmals den Spagat, Einsteiger nicht zu frustrieren, gleichzeitig aber die Hitman-Veteranen nicht mit zu viel an-die-Hand-nehmen zu verschrecken. Denn in den höheren Schwierigkeitsgraden ist wieder das Beobachten von Verhaltensweisen und Laufwegen essentiell.

Atmosphärisch bietet Hitman wieder großes Kino. Die Musik orientiert sich an eurer spielerischen Situation und fährt einen nahtlosen Übergang zwischen entspannten Situationen und heikleren Passagen, in denen ihr beispielsweise Gefahr lauft, entdeckt zu werden. Nennen wir es einfach mal „akustische Intelligenz“. Neu ist jetzt auch, dass ihr keine Karte mehr habt, die euch alle Personen, die sich auf der Karte befinden, anzeigt. Dafür kann Hitman jetzt für Schießereien Deckung suchen und steuert sich in brenzligen Situationen auch nicht mehr so hakelig wie noch in den Vorgängern.

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500 Menschen sollen laut Square Enix in Chinatown umherwuseln.
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Auch die Möglichkeit, vor Missionsbeginn sein Waffenarsenal einzurichten, fällt jetzt weg, da Agent 47 ja nicht mehr für die Agency arbeitet und deswegen auch keinen Zugriff darauf hat. Sowieso sind die Hintergründe der Handlung noch etwas verschleiert. Bekannt ist nur, dass er auf seine einzige Vertrauensperson, seine Auftraggeberin angesetzt wurde und sich seit der Weigerung in jedem Polizeicomputer wiederfindet. So undurchsichtig die Geschichte bisher, so vertraut fühlt sich Agent 47 wieder an und hat mir die beruhigende Sicherheit gegeben, dass er immer noch derselbe ist, nur eben mit frisch polierterer Glatze.