Im Film Agent 47 nutzt der Hitman vor allem seine beiden Desert Eagles, um Spezialkommandos in blutigen Schweizer Käse zu verwandeln. Im 2015 erscheinenden Spiel solltet ihr lieber subtiler vorgehen, sonst habt ihr eine Armee von bis zu 300 Gegnern gegen euch. Ja, das neue Hitman kommt mit Karten, die eher Marke Weißes Haus sind und Servicekräften, die gerne mal unwissentlich eure Pläne durchkreuzen.

Hitman ist wohl die klassischste aller Spielereihen: intelligent und smart gedacht, aber doch durchsetzt von Logiklöchern, ohne die es offensichtlich nicht geht. So habe ich noch nie verstanden, warum man einem Auftragskiller einen Barcode an den Hinterkopf tätowiert. Jeder halbwegs gut ausgebildete Secret-Service-Agent oder Sicherheitschef der Pariser Fashionshow würde doch stutzig werden, wenn so einer plötzlich auf einer Überwachungskamera auftaucht.

Generell ist es schon putzig, wie die Sicherheitskräfte im gerade startenden Kinofilm Hitman: Agent 47 und im neuen Open-World-Ableger von IO Interactive nahezu identische Fehler machen: in der einen Filmszene (kein Spoiler, ist die aus dem letzten Trailer) wird 47 zwar in Ketten gelegt und von US-Marines bewacht, der CIA-Leiter der Berliner Botschaft ist aber so nett, ihm sein Blaser R93 Scharfschützengewehr mit in den Raum zu bringen. Wohlgemerkt ohne vorher die Kugeln rauszunehmen. In der Spieldemo lassen wir eine Bombe einfach so rumliegen, warten einen Moment, bis ein netter Security-Mensch die Ladung zwar entschärft, das „Paket“ dann aber in die hauseigene Waffenkammer bringt. Nun, vielen Dank, so viel Service wäre doch gar nicht nötig gewesen.

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Als Crew werdet ihr gefilzt, müsst also einen anderen Weg finden Waffen einzuschmuggeln. Oder die Umgebung zur Waffe machen.
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Mehr Todesfallen pro Quadratmeter als je zuvor

Der Vorgänger Absolution war ein feines Spiel, aber ein bisschen zu gradlinig, zu vorhersehbar. IO Interactive lässt seine offene Welt diesmal hingegen wirklich auf Zufall basieren, weshalb ein Plan nur funktioniert, wenn wir ihn perfekt ausführen. Bleiben wir kurz beim Beispiel mit der Bombe: Wenn wir nicht aufpassen, findet ein Kellner oder Partygast das Paket. Und da die Fashionshow auch von französischen Politikern besucht wird, wird der äußere Sicherheitsradius von Polizisten geschützt. Sollten die die Bombe finden, rufen sie ein französisches Spezialkommando zum Entschärfen. Rücken die an, können wir das Ding hochgehen lassen, würden dann aber Großalarm auslösen und müssen uns zur Zielperson durchballern. Drücken wir nicht aufs Knöpfchen, nehmen die das Ding mit, die Bomben-Chance wäre damit verspielt.

Macht aber nichts, denn die Dänen von IO haben laut eigenen Aussagen „mehr Todesfallen pro Quadratmeter versteckt als je zuvor.“ Klar, das klingt nach Marketing, tatsächlich gibt es aber grotesk viele Möglichkeiten den russischen Oligarchen zu eliminieren. Viktor Novakov ist nur zum Schein Modeschöpfer, in Wirklichkeit handelt er mit Geheimdienstinformationen, die die Deckung von Agenten eines Auftraggebers der Agency gefährden. Deshalb muss er sterben – wie, das ist euch überlassen.

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Ihr könnt das gute alte Kostümspiel spielen: Kellner erledigen, Outfit anziehen, in den ersten Sicherheitsbereich vordringen, dort einen Wachmann eliminieren, seinen Anzug anziehen und die ID-Karte für den zweiten Sicherheitsbereich erhalten und so weiter. So lässt sich beispielsweise ein Kronleuchter in der noblen Villa lockern und mit Hilfe eines kleinen Sprengsatzes zum richtigen Zeitpunkt lösen. Doch auch die K.I. hat dazugelernt; es gibt jetzt Teamleiter, die eure Tarnung auffliegen lassen.

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Hey, wer bist du denn?

Team Leader gibt es für jeden Bereich der Villa: der Küchenchef etwa merkt, wenn ihr einen seiner Angestellten ersetzen wollt. Der Sicherheitschef der ersten Security-Truppe hält euch auf, wenn ihr die Uniform von seinem Kollegen tragt. Doch das dänische Entwicklerteam legt dieses Mal mehr Wert auf Authentizität als in Absolution. Im letzten Ableger wurdet ihr recht schnell erkannt, wenn ihr einem Charakter mit der gleichen Uniform zu nahe gekommen seid. Das ist aber wenig realistisch, weil auf einem Event mit gut hundert Sicherheits- und Service-Kräften nicht jeder jeden kennen kann – deshalb gibt es ID-Karten, die mit dem Kommandozentrum abgeglichen werden.

Das ist etwas, was ihr ausnutzen könnt: Die persönlichen Bodyguards von Novakov kennen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Agenten, die für den Schutz eines Politikers eingeteilt sind, es reicht also aus, deren Zutrittskarte zu bekommen. Lediglich der Head of Security von Novakovs Bodyguard-Team hat die Fähigkeit, jede Verkleidung zu enttarnen, dem gilt es also aus dem Weg zu gehen.

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Yep, auch die Rambo-Methode geht. Allerdings müsst ihr euch dann gegen eine Armee durchballern, denn IO kann mittlerweile bis zu 300 K.I.-Figuren koordinieren.
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In diesem speziellen Szenario dürfte es weitestgehend unmöglich sein, alle Sicherheitskräfte auszuschalten, denn der Oligarch selbst verfügt über gut 30 Bodyguards im innersten Sicherheitsring plus die Teams für die Außenbereiche plus Polizeikräfte. Schrillt erst einmal der Alarm, steht Novakov ein Hubschrauber auf dem Dach, ein Heli im Garten sowie eine Armada gepanzerter Autos (einmal in der Garage und zudem auf dem Parkplatz) zur Verfügung. Irgendwie muss so ein Oligarch ja seine Milliarden anlegen.

Kein Vergleich zu Absolution: riesige Karten, clevere Wachen und etliche Möglichkeiten. Spielt die K.I. mit, wird’s ein Fest.Ausblick lesen

Es ist also möglicherweise eher ratsam, für ein Ablenkungsmanöver mit einem explodierenden Rolls Royce zu sorgen, aufs Knöpfchen zu drücken, wenn ihr direkt bei Novakov steht, ihn unentdeckt zu töten und die allgemeine Aufruhr zum Verschwinden zu nutzen, wofür ihr die Schlüssel für das Schnellboot bräuchtet. Oder eines der Autos. Oder noch etwas kreativer zu arbeiten: Erinnert ihr euch noch an den Trick mit der attraktiven Lady, die Bond einen Drink mit ganz besonderer Olive in Casino Royale spendiert hat?