Die Diamantküste. Ein malerischer Staat irgendwo in Afrika. Der amtierende Präsident wird von seinem machthungrigen Bruder ins Exil gezwungen und heuert daraufhin eine Gruppe Söldner an, um sein Land zu befreien.

Kommt euch bekannt vor? Kein Wunder: Hired Guns - The Jagged Edge, zwischenzeitlich auch bekannt unter den Namen Jagged Alliance 3D und JAZZ: Hired Guns, ist der inoffizieller Nachfolger der legendären „Jagged Alliance“-Reihe. Ob das russische Entwicklerteam die alte Serie neu aufleben lassen kann, klärt das gamona-Review.

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Nach einem kurzen und unspektakulären Intro wird dem Spieler anhand von kleinen Fensterchen mit riesigen Textwüsten die grundlegende Steuerung erklärt. Mittels Persönlichkeitstest erstellt man seinen Avatar, dessen Spezialfertigkeiten anhand eines Fragebogens ermittelt werden. Dann noch schnell die Eigenschaftswerte verteilt und fertig ist der Bausatzsöldner. Zusätzlich heuert man noch ein paar Kameraden an, was sich aufgrund des begrenzten Budgets und der fehlenden Reputation zu Beginn jedoch als ziemlich schwierig erweist.

Hired Guns: The Jagged Edge - Doch keine Wachablöse für Jagged Alliance: Fiese Bugs nagen am genialen Spielprinzip.

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Der Grafikstil ist geblieben, qualitativ hat sich jedoch Einiges getan.
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Hat man dann alle Mannen und Frauen beisammen, kann es eigentlich losgehen. Nur wohin? Auf der Karte gibt es lediglich einen Sektor, welcher laut E-Mail-Information des Auftraggebers bereits uns gehört. „Seltsam“, denken wir uns, aber in der Hoffnung auf weitere Hinweise werfen wir uns hinein ins Getümmel. Leider wird unser eigener Mann ohne jegliche Ausrüstung ins Rennen geschickt, weswegen unsere kleine Befreiungsarmee nur wenig gegen die rund 15 bis an die Zähne bewaffneten Soldaten ausrichten kann, die sich in dem eigentlich befriedeten Teil der Karte herumtreiben. Nach immerhin zwei weiteren Anläufen ist es schließlich geschafft, und die Söldner wurden vertrieben. Vorerst…

Nachdem die Mannschaft im unübersichtlichen Sektorenmenü wieder aufgepäppelt wurde, können nun die angrenzenden Sektoren angegriffen werden. Dies ist dringend nötig, um Einnahmequellen zur Finanzierung der kleinen Expedition zu ergattern. Auch diese Sektoren strotzen nur so vor Gegnern und es bedarf wieder einiger Anläufe sie einzunehmen.

Packshot zu Hired Guns: The Jagged EdgeHired Guns: The Jagged EdgeErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

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Hired Guns gleicht seinem Quasi-Vorgänger Jagged Alliance 2 wie ein Ei dem anderen - einzig die grafische Präsentation sticht die Vorlage aus. Die Entwickler haben alle erdenklichen Register moderner Grafikkarten gezogen: Detaillierte Gebäude und Fahrzeuge sowie sanft schwankendes Gras und realistische Schatten sorgen für willkommene Augenschmeichler. Auch die Animationen der Söldner sind bis auf wenige Ausnahmen geschmeidig und wirken lebensecht. Es kommt jedoch des Öfteren zu kleinen Clippingfehlern, wenn etwa der halbe Soldat beim Kriechen im Boden verschwindet.

Hired Guns: The Jagged Edge - Doch keine Wachablöse für Jagged Alliance: Fiese Bugs nagen am genialen Spielprinzip.

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Technischer Totalausfall: Oft rennen KI-Soldaten ins tiefe Schwarz des Kartenrandes und können kaum noch anvisiert werden - nervig.
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Die neue Grafik ist zwar schön, jedoch wird das Spielgeschehen dadurch auch extrem unübersichtlich. Da kann man schon mal einen Gegner übersehen, der nur fünf Meter vor den eigenen Leuten im Gras liegt. Da die Waffenreichweite das kleine Gebiet, das man mit der begrenzten Kamerasteuerung überblicken kann, weit übersteigt, verliert man ständig den Überblick. Die Minimap hilft leider auch nicht weiter, da sich hier die eigenen von den gegnerischen Truppen kaum abheben.

Bei genauerem Hinsehen gibt es dann aber doch noch einige Änderungen zu Jagged Alliance 2. Beispielsweise wurde der Tag- und Nachtwechsel ersatzlos gestrichen. Die Auswahl an Söldnern wurde beinahe halbiert und die KI der Gegner fast vollständig entfernt. Oftmals läuft kurz nach Beginn des Gefechts die gesamte feindliche Armee zum Kartenrand und steht dort tatenlos herum.

Das Tageslicht, die unnötige Gefahr...

Jener Rand ist übrigens ein schmaler schwarzer Streifen, auf dem sich die Gegner nur mit viel Geduld überhaupt anvisieren lassen, da sie die gesamte Zeit über vom Nebel des Krieges verdeckt werden. Dafür haben die Widersacher ordentlich Muskeln und können Granaten etwa dreimal so weit schleudern wie die eigenen Mannen. Meist beschränkt sich der Feind jedoch auf das sinnlose Vergeuden von Aktionspunkten durch ständiges Hinlegen und Aufstehen.

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Das unübersichtliche Menü dient zum Ausrüsten der Söldner.
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Dass nur eine rudimentäre KI vorhanden ist, zeigen auch Kopftreffer bei den Pappkameraden, die meist nur 2 Lebenspunkte abziehen. Wo nichts ist, kann offenbar auch nichts kaputt gehen... Aber auch Treffer in andere Körperzonen haben oft nur wenig Effekt. Da hilft nur Spezialmunition, die jedoch so rar gesät ist, dass es selten für die Horden an Gegnern reicht. Im Internetshop kann man sich zwar Munition und auch stärkere Schießeisen kaufen, doch oft findet man für die entsprechenden Waffen im Laden keine geeignete Munition. Ist diese dann doch mal erhältlich, fehlt die passende Waffe im Angebot.

Verkehrte Welt: Für knapp 40 Euro dürft ihr in Hired Guns den Betatester spielen. Wirklich schade um das geniale Spielprinzip…Fazit lesen

Schaut man über die groben Ungereimtheiten des Spiels hinweg, stellt sich nach einiger Zeit tatsächlich wieder das gute alte „Jagged Alliance“-Gefühl ein. Sektor für Sektor befreit man das Land aus den Klauen des Diktators, baut die eroberten Sektoren mit allerlei Extras aus und rekrutiert zusätzliche Truppen, um den Sektor gegen anrückende Feindstreitkräfte zu halten. Sind dann die eigenen Kameraden gut ausgebildet und hat man ein ordentliches Finanzpolster angehäuft, geht das Spiel auch gut von der Hand. Nur die wirklich kleinen Sektoren benötigen weiterhin mehrere Anläufe, da die Gegner beim Start zum Teil direkt neben den eigenen Leuten stehen.