Niemand hat Lust auf Krieg. Der ist doof, wissen wir alle – dennoch reißt die Flut an Weltkriegsszenarien nie ab. Ob zu Lande, zu Wasser oder zu Luft: So eine Schlacht bietet eben haufenweise Action. Da wird nicht viel über Moral oder Sinn nachgedacht – wozu auch? Auch die zahllosen namenlosen Soldatentypen, die uns immer wieder in die Spiele einführen, sind astreine Glieder in der Befehlskette: Sie beginnen als unschuldige Naivlinge und enden als sturmerprobte Veteranen. Damit sind Kriegsspiele irgendwie eine Form des Bildungsromans. Nur eben mit ein paar mehr Toten, mehr Action und nur selten einem kritischen Unterton.

Heroes over Europe macht da keine große Ausnahme – nur dass man diesmal nicht durch die Normandie kriecht sondern behände darüber hinweg fliegt. Heroes over Europe will das Genre der Flieger-Action-Spiele wieder beleben, ist damit aber nicht allein in diesen Tagen: Auch die Konkurrenz hatte mit IL-2 Sturmovik: Birds of Prey eine ähnliche Idee. Doch Heroes over Europe konzentriert sich weniger auf authentische Simulation und setzt mehr auf Eingängigkeit, leichtes Handling und krachige Luftschlachten.

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Schiebudenfiguren ohne Tiefe

So sitzt man wieder als Newbie, der es unbedingt wissen will, im Cockpit eines britischen Fliegers und darf dem eigenen Geschwätz und dem der Kameraden lauschen – hier wäre weniger mehr gewesen, denn die gestelzten und bemühten Dialoge nerven. Blasse Schießbudenfiguren mit der Tiefe einer Spätsommerpfütze bekommt man geboten und fragt sich wozu das Ganze, wenn es darum geht möglichst viele feindliche Flugkörper vom Himmel zu fischen?

Heroes Over Europe - Höhenflug im zweiten Weltkrieg?

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Alles Gute kommt von oben: Immer schön den Konvoi beharken.
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Die Stationen in Heroes over Europe sind ohnehin schon durch den Kriegsverlauf vorgegeben: Von Dover führt der Weg nach Berlin. Unterwegs gibt es allerlei Missionen zu bewältigen, die alles abdecken, was man von einem Spiel des Genres erwartet: Bomber ausschalten bevor wichtige Gebäude zerstört werden, selbst ein paar Bombenteppiche legen sowie Geleitschutz geben. Aus der Rolle fallen Aufräumarbeiten, bei denen durch gezielte Schüsse Gerümpel von der Straße entfernt wird, damit die Strecke wieder passierbar wird – diese Tätigkeit der Royal Air Force dürfte selbst promovierte Historiker überraschen.

Der Mangel an Authentizität schlägt sich ebenfalls in den Luftgefechten selbst nieder. Gegnerische Flugzeuge werden nicht nur mit der MG beharkt, um sie zu einer unfreiwilligen Landung zu zwingen, sondern können auch durch die so genannten Ace-Kills entfernt werden. Hat man einen Flieger lange genug im Visier füllt sich die runde Anzeige des Zielmarkers und der Ace-Kill kann ausgeführt werden.

Heroes Over Europe - Höhenflug im zweiten Weltkrieg?

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In Heroes over Europe gibt es selten Gelegenheit, die schönen Landschaften zu betrachten. Meist legt man ohnehin einen Bombentreppich drüber.
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Durch einen Zoom auf den Opponenten können sensible Stellen in seinem Luftschiff identifiziert werden – ein gezielter Schuss reicht in diesem Fall meist aus, um ihm den Tag zu verderben. Je öfter man diese Kills hintereinander reiht, desto effektiver sind die Abschüsse. So ist man bemüht, möglichst viele der Ace-Kills aneinander zu reihen, was einiges an Geschick und Geduld kostet – denn das Lenken des Fadenkreuzes während der Kills ist schwierig und behäbig. Hat man das System einmal auf Abruf sind die Angreifer schnell ausgeschaltet.

Schwimmende Flieger-Asse

Das Flugverhalten der Rotorenmaschinen geht durchaus in Ordnung, wirkt jedoch etwas schwammig: Manchmal hat man das Gefühl, die Mechanik hätte auch auf eine Speedboat-Simulation angewandt werden können, der Flieger schwimmt ein wenig und ein richtiges Fluggefühl will sich nicht wirklich einstellen. Es fehlt an der Präzision, welche die Konkurrenz bietet.

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Über den Wolken gibt es mächtig viel Stress.
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Denn die Frage, die sich zwangsläufig dem willigen Senkrechtstarter stellt: Wer ist der Herr der Lüfte: Heroes over Europe oder Il-2 Sturmovik: Birds of Prey? Das kommt darauf an, was man von einem solchen Spiel erwartet: Sucht der Spieler einen schnellen Einstieg und no-frills Entertainment ist er bei Heroes over Europe richtig – dem Simulationsfreund dürfte allerdings die Konkurrenz besser schmecken.