Abhängigkeit, auch Sucht genannt, wird in der Medizin als Krankheit definiert. Damit gemeint ist das unabweisbare Verlangen nach bestimmten Stoffen oder Verhaltensformen, durch die ein kurzfristig befriedigender Erlebniszustand erreicht wird.

Klare Sache: "Heroes of Might and Magic V", wie auch dessen neuestes Addon "Tribes of the East", müssen ein Suchtmittel sein. Einmal angefangen, gibt es kein Zurück mehr. Nur noch eine Stadt erobern, ein Level aufsteigen, einen Gegner besiegen. Da ist ein Abend, ja, gar eine Nacht, schnell vorüber. Die Verabredung mit Freunden? Unwichtig. Nahrungsaufnahme? Kann warten! Wir haben uns der gefährlichen Suchtwirkung ausgesetzt und klären, wie fesselnd das Spielerlebnis in "Tribes of the East" wirklich ist.

Heroes of Might & Magic 5: Tribes of the East - GC 2007 Trailer

Was bisher geschah…
Bevor wir auf die Eigenheiten des Expansion Packs eingehen, wollen wir kurz den Teil unserer Leserschaft aufklären, die mit "Heroes of Might and Magic" nur wenig anfangen können. Wir haben euch schließlich alle lieb. Kenner der Materie dürfen den kommenden Absatz getrost überspringen. "HoMMV", so die Kurzform, ist ein klassisches Rundenstrategiespiel in feinster Fantasy-Umgebung. Helden samt Kriegeranhang reisen in einer dreh- und zoombaren Isoperspektive über wunderschöne 3D-Karten. Allerdings nicht des Spaziergangs zuliebe, sondern um Schätze einzusammeln, Ressourcenminen zu erobern und Feinde zu plätten.

Heroes of Might & Magic 5: Tribes of the East - Orks and Humans mit Macht und Magie.

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Kein Bahnstreik, sondern eine typische Zwischensequenz im Addon. Schön actionreich!
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Die Kämpfe werden auf einem verkleinerten Ausschnitt des jeweiligen Kriegsschauplatzes ausgefochten. Hier treffen unbegrenzt viele Einheiten aufeinander. Die Übersicht bleibt immer gewahrt. Denn statt tausende Kreaturen abzubilden, wird jede Truppengattung symbolisch durch ein Modell dargestellt. Zahlenwerte geben Auskunft über deren tatsächliche Mannstärke. Angeführt werden die Heere von Helden, die sich kaum selbst die Finger schmutzig machen. Angegriffen werden können die Burschen nämlich nicht, selbst austeilen sehr wohl. Und zwar sowohl im Nahkampf als auch mit mächtigen Zaubersprüchen, daher übrigens der Name des Spiels. Stirbt der letzte Untergebene eines Heroen, beißt auch er ins Gras.

Siegreiche Heere sacken Erfahrungspunkte ein. Dadurch steigt der Held wie in einem Rollenspiel peu à peu im Level auf, lernt neue Fähigkeiten hinzu und wird immer mächtiger. Neben der Erforschung der Fantasy-Lande, dem Kampf und dem Helden-Aufpäppeln baut ihr zudem Städte aus, um neue Einheiten für eure Armeen zu rekrutieren und reicher als gamona-Redakteure zu werden.

Packshot zu Heroes of Might & Magic 5: Tribes of the EastHeroes of Might & Magic 5: Tribes of the EastErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Ist es zu hart, bist du zu schwach!
"Tribes of the East" ist das zweite Addon zum Rundenstrategie-Giganten. Im Gegensatz zu "Hammers of Fate" benötigt ihr das Hauptprogramm zum Zocken nicht. Erfahrung damit solltet ihr aber sehr wohl gesammelt haben. Denn die insgesamt 15 frischen Einsätze sind nicht ohne. Bereits in den ersten Szenarien werden "Heroes"-Veteranen voll gefordert. Lasst ihr euch zu lange Zeit mit dem Stadtausbau und der Map-Erkundung, überrennt euch die KI gnadenlos. Ein nerviges Manko, das schon in "Heroes of Might and Magic 5" für graue Strategenhaare und angenagte Tastaturen sorgte.

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Kein wütender Hartmut Mehdorn, sondern einer der neuen Helden im Vollstreckungs-Einsatz.
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Die Missionen selbst sind dafür umso atmosphärischer. Leerlauf gibt es so gut wie nie, regelmäßige Zwischensequenzen halten die Spannung auf konstant hohem Niveau. Dem Vorwurf der langweiligen Cutscenes mit zu viel und zu schwülstigem Geplapper haben sich die Entwickler gestellt. Nunmehr wird weniger gesprochen, dafür gibt's umso mehr Action. Gekloppe, Massenszenen und prächtige Zaubersprüche - es kracht an jeder Ecke.

Ein Ork für alle Fälle
Gänzlich neu sind in "Tribes of the East" die Orks. Im Action-Ableger "Dark Messiah of Might and Magic" haben Fans bereits Bekanntschaft mit den grünen Unholden geschlossen. Jetzt halten die ungehobelten Kreaturen auch Einzug ins benachbarte Strategieuniversum. Diese neue spielbare Fraktion, übrigens die nunmehr achte, pfeift auf Diplomatie und versteht von Zaubern so viel wie unsereins vom Stricken. Dafür hauen die Burschen umso heftiger zu.

Als Magieersatz fungiert die Blutrage. Je öfter Kreaturen zuhauen, desto mehr gerät deren Blut in Wallung. Dann erhalten Kreaturen in drei Stufen besondere Boni, etwa höhere Schadenswerte oder eine stärkere Verteidigung. Damit das System nicht zu mächtig ausfällt, bringt die Blutrage allerdings auch einen entscheidenden Nachteil mit sich. Agieren eure Monster nämlich zu passiv, sinkt der Blutrage-Wert samt Moral in den Keller. Dadurch kommen eure Truppen weniger häufig zum Zug. Im schlimmsten Fall desertieren sie. Die Stilrichtung der Orks ist also klar: Nicht fragen, nicht verteidigen und schon gar nicht zaubern - stattdessen austeilen, was die grün geschuppten Fäuste hergeben.

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Fiese Orks verwüsten die Fantasy-Idylle.
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Die Grünlinge passen fantastisch in das wohl ausbalancierte Geflecht der "Heroes"-Rassen. Auch die Auswahl der Einheiten gefällt: kleine Goblins, fernkampfstarke Zentauren, mit gleich zwei Äxten bewaffnete Häuptlinge oder mächtige Zyklopen. Muskeln, soweit das Auge reicht, genau wie in der gamona-Redaktion.

Modische Alternativen
Die Orks sind sicherlich die offensichtlichste Neuerung von "Tribes of the East". Was freilich nicht heißt, dass sie die einzige sind. Die Zauberworte hören auf den Namen "Alternative Upgrades". Das hört sich schlicht an, ist aber von enormer Tragweite. So waren die Entwickler diesmal ganz besonders fleißig und haben jeder Einheit des Spiels eine frische Upgrade-Möglichkeit spendiert.

Ja, richtig gelesen. Ab sofort habt ihr die Qual der Wahl aus zwei unterschiedlichen Verbesserungen. Prinzipiell handelt es sich dabei um eine offensivere und eine defensivere Ausrichtung. Doch auch teils unterschiedliche Fähigkeiten und vor allem individuelle Grafiken gehen mit den Möglichkeiten einher. Der Djinn-Meister der Academy-Fraktion beispielsweise schleudert einen zufälligen Zauberspruch pro Kampf. In der Alternativ-Version des Djinn-Viziers darf er hingegen bis zu dreimal das Glück Verbündeter erhöhen. Zugleich macht er weniger Schaden und besitzt mehr Trefferpunkte. Die strategische Tiefe des Spiels wird so nochmals deutlich erhöht. Ein wahres Fest für "Heroes"-Süchtige!

Herbstneuheiten
Zwei weitere Neuerungen fallen eher in die Kategorie "klein und fein". Über den so genannten Gedächtnismentor, ein neutrales Gebäude auf der Spielkarte, dürft ihr die Skills eurer Helden anpassen. Ihnen etwa statt besonderem Belagerungsgeschick ein Plus an Bewegungspunkten auf schlammigem Untergrund verschaffen. Die grundlegenden Attribute Stärke, Defensive, Zauberkraft und Wissenspunkte sind hingegen nicht veränderbar und werden bei Stufenaufstiegen weiterhin automatisch zugeordnet.

Aus Rollenspielen längst bekannt, halten sie mit "Tribes of the East" auch Einzug in die "Heroes"-Reihe: Set-Gegenstände. Ergattern eure Helden zusammengehörige Items, verbessern sich deren Werte. Das ist in den allerwenigsten Fällen spielentscheidend. Doch Spaß macht die Hatz nach Set-Gegenständen allemal.

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Kein Vampir der Deutschen Bahn, sondern ein vergleichsweise braves Fantasygeschöpf.
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Das waren sie, die nennenswerten Addon-Neuheiten, Verbesserungen, Stärken und Schwächen. So bleibt eigentlich nur zu sagen, dass "Tribes of the East" ein würdiger "Heroes 5"-Abschluss ist. Weitere Addons sind bisher nicht geplant. Ein sechster Teil dürfte in Anbetracht des Erfolgs aber alles andere als unwahrscheinlich sein…