Nun sind schon ein paar Tage nach Release des Indie-Hypes Hello Neighbor vergangen und die Kritiken nähern sich dem Bodensatz der Werteskalen. Ob auf Steam, Metacritic oder bei unseren Kollegen von Spieletipps: Gute Reviews verstecken sich gekonnt hinter ganzen Bergen von SCHLECHT, SCHLECHT, SCHLECHT! und der liebe Nachbar hockt traurig in seinem Keller, in den wir einst so voller Tatendrang einbrechen wollten. Was ist denn da passiert?

Hello Neighbor ist dieses niedliche Stealth-Horror-Spiel, bei dem ihr in das Haus eures Nachbarn einbrecht und es gelegentlich verwüstet:

Hello Neighbor - Launch TrailerEin weiteres Video

Hallo, Nachbar

Fangen wir mit den guten Seiten an Hello Neighbor an. Diese scheinen ja, wie es aussieht, gar nicht zu existieren. Glaubt man den Reviews auf Metacritic, die sich langsam aber sicher einer 30/100-Wertung nähern. Dabei ist und bleibt Hello Neighbor ein interessantes, originelles Spiel, das gerade mit der verrückten Story und einer einzigartigen Welt punkten kann.

Während ihr in den etlichen Alpha-Versionen (die ihr vielleicht gespielt habt) mit einem erwachsenen Mann in das verquere Haus eures Nachbarn einbrechen solltet, schlüpft ihr nun in die Sneakers eines Kindes. Mit unschuldigen Augen beobachtet ihr einen bärtigen Kerl im Nachbarhaus; Schreie dringen auf die Straße und ihr vergesst, dass ihr gerade mit euch selbst Ball spielen wolltet. Welche Leichen versteckt der liebe Herr Nachbar denn in seinem Keller? Es gibt nur einen Weg, um das herauszufinden: Einbruch.

Hell Neighbor im Test: Euer Nachbar ist euch stets auf den Fersen

Dumm nur, dass die fragwürdige Tür zu den höllischen Geheimnissen von Hell-Neighbor abgeschlossen ist. Das Stealth-Spiel teilt sich in drei Akte, Schwierigkeitsgrad steigend und das Besondere: Der Nachbar besitzt eine lernende KI (künstliche Intelligenz); steigt ihr also mehrmals durch das Fenster ein, setzt er Bärenfallen davor, installiert an entsprechenden Stellen Kameras und lauert generell dort, wo ihr das letzte Mal gefangen wurdet.

Genau: Game Over gibt es nicht, denn sobald der Nachbar euch fasst, startet ihr einfach wieder ins Spiel, behaltet euer Inventar und auch alle anderen Fortschritte, die ihr bisher erreichen konntet. Neben den zum Teil recht kniffligen Puzzles erfahrt ihr mehr und mehr, welches Geheimnis der Mann mit Bart eigentlich verbirgt.

Packshot zu Hello NeighborHello NeighborErschienen für PC und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Ich mochte die wirre Story (kein Spoiler)

… denn ich habe sie nicht ganz verstanden und kann euch somit auch mehr schlecht als recht spoilern. Im Laufe der drei Akte werdet ihr vom Einbrecher zum Gefangenen und erforscht die Abgründe des Nachbarn in surrealistischen Episoden zwischen dem eigentlichen Geschehen. Mit einigen guten Szenen und dramatischen Spitzen schafft es Hello Neighbor, mein Interesse zu wecken und auch nach dem letzten Akt rätsele ich gerne über das, was hier eigentlich geschehen ist. Trotzdem: Falls ihr auf klare Geschichten und geschlossene Enden steht, ist Hello Neighbor auch in diesem Punkt nichts für euch.

Die Steuerung ist grob und kantig, sodass Geschicklichkeits-Aufgaben zur Qual werden

Wer ist denn hier FRUSTRIERT?!

Das eigentliche Manko verbirgt sich im Gameplay. Während die kreativen Ideen beeindrucken, wie etwa die Aufgabe, ein gigantisches Wassersystem in Gang zu setzen, holpert und stolpert der Protagonist über die Karte. Die Bewegungen sind unkoordiniert und zu grob, sodass ausgetüftelte Schleichbewegungen oft an Tollpatschigkeit scheitern.

Ein Beispiel: Um in das Haus einzusteigen, könnt ihr den Weg über das Fenster wählen. Dafür müsst ihr es zunächst einschlagen, was natürlich nicht lautlos vonstatten geht. Nachdem es gescheppert hat, bleibt euch also ein eher kleines Zeitfenster, um an euer Ziel zu gelangen und dabei nicht vom Nachbarn geschnappt zu werden. Ihr könnt euch vorstellen, wie spaßig es ist, wenn ihr am Fenster hin und her hopst und einfach der Steuerung wegen immer wieder gegen die Wand oder den Fensterrahmen knallt. Aua.

Unfertig.Fazit lesen

Sagen wir es so: Im Grunde ist es viel zu einfach, den Nachbarn auszutricksen. Die weitläufige Kritik an der KI eures Gegners ist berechtigt, immerhin versprach Dynamic Pixels insbesondere hier eine Neuerung und Besonderheit. Anstatt einer tatsächlich lernende KI erwartet euch in Hello Neighbor jedoch ein Gegner, der zwar auf euch reagiert, allerdings mit einem sehr durchschaubaren Muster.

Und trotzdem ist es schwierig. Wegen der Steuerung. Wegen Bugs, wegen unfairen Situationen, in die ihr immer wieder gelangt. Ich rede von FRUST. Leider.

Das Drama hinter den Kulissen

Hello Neighbor hätte mehr sein können: Das ist wohl die ehrlichste Kritik, die ich dem Spiel zukommen lassen kann. Eine Überraschung ist das jedoch kaum, nachdem sich ein Ex-Entwickler von Dynamic Pixels über den CEO des Studios öffentlich beschwert hat, ihm zwielichtige Geschäfte vorwarf und ihn sogar beschuldigte, ihm gehöre die Firma gar nicht.

Auch in Sandbox-Games könnt ihr herumprobieren und kreativ werden:

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Zudem haben Dynamic Pixels und der Publisher tinyBuilds gerade einmal ein Zehntel des geplanten Kickstarter-Ziels erreicht, bevor sie auf Steam gewechselt sind. Über dem Projekt hing wahrlich kein guter Stern und nun haben wir den Salat: Ein Spiel, in dem zwar viel Liebe steckt, aber nicht genug Zeit, Geld und Arbeit, um das Potential hinter der Idee auch nur ansatzweise auszuschöpfen.