Ein spektakulärer Abgang der Diablo-Schöpfer, drei Jahre Entwicklungszeit, hohe Erwartungen: Die Geschichte von Hellgate: London ist eine sehr bewegte. Ebenso bewegt waren die Wochen vor dem Launch. Viel wurde geschrieben, viel wurde gesprochen. Der Demo-Release erschütterte viele Spieler, die hinter "HGL" ein anderes Spiel vermutet hatten. Die Wertungen in der Presse unterscheiden sich so stark wie selten - zwischen 73 und 93 Prozent ist alles dabei. Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

Hellgate: Global - Trailer: There is no Cow Level - but a Cow Room44 weitere Videos

Hellgate spielt im ebenso namensgebenden wie zerstörten London, die Menschheit hat sich nach dem Überfall der Dämonen in den Untergrund, die Londoner U-Bahn, zurückgezogen. Eure Aufgabe ist es nun, die Stadt von der dunklen Plage zu befreien.

Hellgate: Global - Auf in die Hölle: Wir verraten euch, ob sich der Ausflug lohnt.

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Mit dem entsprechenden Skill könnt ihr zwei Waffen gleichzeitig benutzen.
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Das Spielprinzip dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein: Mit einer von sechs Charakterklassen, die jeweils einer von drei "Fraktionen" angehören, geht es auf Monsterhatz. Blademaster (Schwertmeister) und Guardian (Beschützer) zählen zu den Templern, Elite-Kampftruppen, die vorzugsweise mit Nahkampfwaffen die Rettung der Welt in Angriff nehmen. Marksman (Scharfschütze) und Engineer (Ingenieur) verlassen sich primär auf dicke Wummen und gehören zur Fraktion der Jäger.

Als Evoker und Summoner (Beschwörer), beides Kabalisten, stürzt ihr euch mit Zaubersprüchen aller Art auf die Gegner. Der Beschwörer greift dabei zusätzlich auf eine ganze Truppe beschworener Helferlein zurück. Bei der Charaktererstellung dürft ihr eurem Alter Ego in alter Rollenspiel-Manier ein individuelles Aussehen verpassen, bevor es ins Getümmel geht.

Genre-typisch könnt ihr Hellgate entweder alleine spielen oder online zusammen mit Freunden. Leider wurde kein LAN-Modus integriert, wer nicht einsam durch London ziehen will, braucht unbedingt eine Internet-Verbindung. Am Spiel selbst ändert sich dadurch jedoch nichts. Spielmechanik und Story bleiben die gleichen.

Packshot zu Hellgate: GlobalHellgate: GlobalErschienen für PC

Die Spielumgebung wird dabei zufällig berechnet und bietet dadurch theoretisch unbegrenzte Wiederspielbarkeit. Besonders im Multiplayer-Modus (nur online!) wird euch dadurch, ähnlich wie in seligen Diablo-2-Zeiten, bei jeder Partie eine komplett "neue" Spielumgebung geboten. Leider ähneln sich dabei viele Level stark, da einzelne Elemente und Umgebungen immer wieder Verwendung finden.

Hellgate: Global - Auf in die Hölle: Wir verraten euch, ob sich der Ausflug lohnt.

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Die Templer-Klassen suchen stets den Nahkampf.
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In den ersten Minuten im Spiel ist auf Wunsch ein Tutorial aktiv, das euch mit der grundlegenden Steuerung vertraut macht. Ihr bewegt eure Spielfigur mit der klassischen "WASD"-Steuerung, die Maus dient dabei ebenso klassisch zur Änderung der Blickrichtung. Die Tasten 1 bis 0 können mit diversen Spezialattacken oder Zaubern belegt werden. Praktisch: Hellgate bietet drei verschiedene "Battle Sets", die ihr mit den Tasten F1-F3 aktiviert. Jedes Set bietet die Möglichkeit, eure beiden Hände und die Hotkeys individuell mit Waffen bzw. Aktionen zu bestücken. Damit ihr die wichtigsten Angriffsfähigkeiten stets direkt bei der Hand habt, können auch beide Maustasten individuell belegt werden.

Rollenspiel-typisch sammelt ihr durch die Erfüllung von Aufgaben (Quests) und das Töten von Gegnern Erfahrungspunkte, die sich regelmäßig in einem Level-Aufstieg niederschlagen. Bei jedem Level-Up könnt ihr fünf Charakterpunkte und einen Skillpunkt verteilen. Neben den Story-Quests gibt es außerdem zahlreiche Sidequests, die mit der Geschichte nichts zu tun haben, aber trotzdem nette Belohnungen versprechen. Leider laufen viele Quests nach dem alt bekannten "Töte X Monster" oder "Sammle Y Gegenstände". Das ist zwar genrekonform, bietet aber leider wenig Abwechslung. Dem Drang, "nur noch ein Quest" zu erfüllen und "nur noch dieses Level" zu erkunden, tut das allerdings keinen Abbruch.

Die Hölle ist wie für mich gemacht: Trotz einiger Schwachpunkte hat mich die Sammelwut wieder gepackt!Fazit lesen

Die Spielerfahrung ändert sich dramatisch in Abhängigkeit der gewählten Charakterklasse. Als Marksman und Engineer ähnelt Hellgate einem rollenspiellastigen Shooter, Blademaster und Guardian dagegen spielen sich wie in einem klassischen Hack&Slay-Rollenspiel. Irgendwo dazwischen sind die beiden Kabalisten-Klassen angesiedelt. Die Perspektive lässt sich stets an den eigenen Geschmack anpassen, gekämpft wird entweder in Ego- oder 3rd-Person-Ansicht. Lediglich bei Blademaster und Guardian dürft ihr nicht "in den Kopf" eurer Spielfigur schlüpfen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Action-Rollenspielen sind auch die Caster-Klassen (Evoker und Summoner) stark von ihrer Bewaffnung abhängig. Über den Schadensoutput entscheidet nämlich nicht nur der benutzte Skill bzw. dessen Level, sondern auch die Waffen des Charakters. Die beiden "Magier" benötigen hierzu so genannte "Focus items" (Fokussiergegenstände), die wie alle Mordwerkzeuge einen Schadenswert aufweisen. Je höher dieser Wert, desto mehr Schaden teilt der Charakter aus.

Mehr Features für mehr GeldWer monatliche Gebühre bezahlt, bekommt bei Hellgate als "Subscriber" mehr als andere Spieler:-"Elite"-Modus mit stärkeren Gegnern-Hardcore Modus: endgültiger Tod des Spielcharakters-Themenbezogene Events und Items (z.B. Halloween)-Funktion zur Gildengründung-Mehr (24) Charakter-Slots-Achievements mit entsprechenden Boni-Mehr Stauraum im Schließfach-Farbiger Name-Icon für das Forum

Echte "Handwerksfähigkeiten" wie etwa Bergbau, Schneiderei oder Verzaubern bietet Hellgate zwar nicht, dennoch können bastelfreudige Spieler ihre Ausrüstung auf verschiedene Arten verbessern. In den Stationen finden sich Automaten und Händler, die im Austausch gegen Geld (Palladium) oder diverse Einzelteile eure Ausrüstung verbessern bzw. ganz neue Gegenstände herstellen.

Die benötigten Einzelteile bekommt ihr, indem ihr gefundene Gegenstände auf Knopfdruck auseinanderbaut. Je nach Qualitätsgrad des Ursprungsteiles purzeln euch unterschiedlich wertvolle Einzelteile entgegen. Wer nicht gleich einen komplett neuen Gegenstand herstellen lassen will, kann auch bestehende Ausrüstung verbessern. Dies ist besonders dann praktisch, wenn ihr euer Lieblings-Equipment bereits recht früh im Spiel gefunden habt - dieses bleibt durch permanente Aufwertung lange Zeit konkurrenzfähig.

Dank DirectX-Unterstützung sieht Hellgate teilweise richtig klasse aus - leider nur teilweise. Während besonders die Effekte Anlass zur Freude geben, nerven oftmals schwammige Texturen und eine trostlos gestaltete Umgebung. Auch die Gegner pendeln zwischen Himmel und Hölle. Sie sind zwar fantasievoll designt, kranken aber immer wieder an einer deutlich zu geringen Polygonzahl.

Hellgate: Global - Auf in die Hölle: Wir verraten euch, ob sich der Ausflug lohnt.

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Die Waffeneffekte können sich sehen lassen.
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Ähnliches gilt für den Sound: Während die Soundeffekte knackig und äußerst atmosphärisch aus den Boxen schallen, fällt die Wahl der richtigen Hintergrundmusik dem Spiel oftmals schwer. Da kann es schon mal vorkommen, dass die eigentlich ausgezeichnete Musikuntermalung plötzlich schnell und hektisch wird - obwohl kein einziger Gegner in Sicht ist. In dramatischen Kämpfen hingegen dudeln langsame Orchesterklänge aus den Lautsprechern. Möglicherweise werden diese Probleme mit dem ersten Patch jedoch aus der Welt geschafft - der Atmosphäre jedenfalls täte es gut.

Viele Diskussionen gab es in der Vergangenheit um das Bezahlmodell von Hellgate: London. Kurz zusammengefasst sieht das so aus: Niemand muss bezahlen - wer es doch tut, der bekommt für ca. 8 Euro im Monat mehr Charakterslots und ein größeres Bankschließfach, neue Inhalte und einen verbesserten Support. Der erste Content-Patch ist bereits für Dezember angekündigt. Wer es genau wissen möchte, wirft einen Blick in unseren "Dafür zahlst du!"-Kasten.