„Ihr werdet lieben, ihr werdet hassen“ – so stand es letzte Woche geschrieben auf großen, schwarz-orangenen Plakaten überall in Deutschland. Obwohl es sich dabei um Werbung für eine große Elektromarkt-Kette handelte, könnte sich besagte Zeile genauso gut auf Hellgate: London beziehen, das Erstlingswerk der Flagship Studios. Nichts dürfte wohl die Meinungen über „HGL“ besser beschreiben als der neue Werbeslogan des „Jupiter“.

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Bereits nach Bekanntwerden der kostenpflichtigen Features vor einigen Wochen herrschte Aufregung in der Spielergemeinde. Kein „richtiges“ MMO – und trotzdem harte Euros fürs Spielvergüngen? Eine ebenso emotional wie kontrovers geführte Diskussion schwappte durch die Community.

Hellgate: Global - Ihr werdet lieben, ihr werdet hassen! Das Action-RPG im gamona-Kreuzfeuer.

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Konfrontationskurs: Hellgate spaltet die Spielergemeinde.
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Letzte Woche dann veröffentlichte Publisher EA eine Demoversion der Monsterhatz – mit überraschendem Ergebnis. Unerwartet harsch reagierten die Spieler. Seit gefühlten Jahrtausenden zum ersten Mal sah sich ein nahezu fertiges Spiel der Diablo-Väter knallharter Kritik ausgesetzt. Allerdings mischten sich bald auch lobende Worte unter das Gezeter – wer also hat nun Recht?

Auch innerhalb der gamona-Redaktion gehen die Meinungen auseinander. Grund genug für uns, die Kollegen Bayer und Grimm zum garantiert subjektiven Meinungsaustausch antreten zu lassen. Beide haben sich ausführlich mit Review-Version und Multiplayer-Beta auseinander gesetzt – mit völlig unterschiedlichem Ergebnis…

Packshot zu Hellgate: GlobalHellgate: GlobalErschienen für PC

Lest auf der nächsten Seite: Der Verliebte. Warum Hellgate doch geil ist!

Der Verliebte - Thomas Bayer

Egal, was die anderen sagen: Hellgate rockt! Endlich mal kein WW2- oder Fantasy-Szenario, sondern eine wundervoll düstere Sci-Fi-Endzeit-Geschichte. Dazu jede Menge Action, sechs komplett unterschiedliche Charakterklassen und ein Crafting-System ganz nach meinem Geschmack. Ich will nicht tagelang 400 Sumpfdotterblumen oder 741 Echtplatin-Klumpen zusammenfarmen, bevor endlich ein cooler Gegenstand rauskommt! Gegenstand auseinanderrupfen, Einzelteile einsacken und bei Bedarf meine Knarre damit verbessern - so muss das sein!

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Düster und atmosphärisch: Es muss eben nicht immer High-End sein.
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Wer über die Grafik meckert, der stört sich wahrscheinlich bei Crysis auch daran, dass er seinem Alter Ego kein cooles Partyoutfit über den Online-Bekleidungsservice kaufen kann. Hellgate bleibt für mich bei aller Action ein "Rollenspiel" - und da brauche ich keine Grafik, die selbst High-End-PCs in die Knie zwingt. Außerdem gefällt mir, was da so über den Bildschirm flimmert: Düstere Umgebungsgrafik, krachende Explosionen, coole Waffen- und Wettereffekte - der Rest ist Gameplay, schließlich haben wir Diablo ja auch alle gespielt.

Die Geschichte gefällt mir so, wie Hellgate sie erzählt: Böse Viecher haben uns überfallen - also raus da und drauf! Welches Action-Rollenspiel der letzten Jahre bietet denn bitte eine ausgefeilte Hintergrundgeschichte, die wirklich das Spiel vorantreibt? Bei Hellgate sehen zumindest die Rendersequenzen so geil aus wie schon lange bei keinem Spiel mehr – und das Intro ist eines der besten, die ich jemals gesehen habe. Danach habe ich Lust, mich ins Gemetzel zu stürzen und den fiesen Dämonen den Garaus zu machen. Im Gegensatz zu so manch anderem Titel...

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Den verschiedenen Klassen sei Dank: Hellgate lässt sich auf unterschiedlichste Weise spielen.
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Während mein kleinkarierter Kollege ständig an den "08/15-Quests" herumnörgelt, sehe ich die Sache pragmatischer: Ich sammle seit Jahren ohne zu Murren Eberschnauzen, Dämonenaugen und anderes Zeug - und zwar deshalb, weil komplexere Aufgaben meist entweder im Gameplay-Chaos enden oder am Ende doch wieder auf das gleiche Muster hinauslaufen.

Und achtet mal auf die Typen, die die Quests verteilen: Wer sich die Mühe macht und die Gespräche zu Ende bringt (ohne gleich auf "Accept" zu klicken!), der wird schnell erkennen, mit wie viel Humor die "heroischen Kämpfer" in den U-Bahn-Stationen gestaltet sind.

Ebenfalls cool: Je nach persönlichem Geschmack lässt sich Hellgate entweder als klassisches Hack & Slay (Blademaster, Guardian), rollenspiellastiger Shooter (Marksman, Engineer) oder als Mischung aus beidem (Evoker, Summoner) zocken. Ich habe also als Spieler die Wahl – und zwei völlig unterschiedliche Spielerfahrungen. Klar, dass all die trägen MMOler inklusive Kollege Grimm den „Shooter-Klassen“ nichts abgewinnen können – schließlich kommt es dabei mehr auf schnelle Reaktionen und einen flinken Abzugsfinger an. Ich jedenfalls genieße die Abwechslung!

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Und da spricht Kollege Grimm wirklich von altbackener Grafik? Der nimmt doch Drogen!
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„Hellgate London – unglaubliche Ödnis“, so schallt es immer wieder zu mir herüber, wenn mein geschmacksverirrter Kollege den Dämonen Londons Zunder gibt. Korinthenkacker! Natürlich ist Hellgate kein Bioshock mit durchgestylter Spielumgebung – dafür habe ich auch beim zehnten Durchzocken noch Spaß! Zufallsgenerierte Levels fordern eben ihren Tribut, da müssen sich Elemente wiederholen. Wer dafür kein Verständnis hat, der sollte eben kein Hellgate zocken und lieber zur „Innovationsgranate“ Call of Duty greifen. Dann kann er zumindest über das angestaubte Szenario meckern.

Abschließend ein Hinweis an alle Meckerer, die sich an den monatlichen Gebühren stören: Ihr müsst nicht bezahlen! Im Gegensatz zu einem MMO kann jeder auch kostenlos spielen. Und für neue Inhalte und entsprechenden Support bleche ich gerne – auch wenn die Flagship-Jungs deren Qualität natürlich noch beweisen müssen. So lange kann aber ja jeder beim kostenfreien Account bleiben…

Also: Egal was die anderen sagen – Hellgate ist geil! Ich jedenfalls bin erstmal beschäftigt. Und meinem meckernden Kollegen jage ich jetzt mit meinem Evoker erstmal einen Knochenspeer in den Allerwertesten…

Lest auf der nächsten Seite: Der Hasser. Warum einem bei Hellgate vor Langeweile der Hintern abfault!

Der Hasser – Matthias Grimm

Was hatte ich mich auf Hellgate gefreut! Das neue Spiel der Diablo-Väter – das konnte ja nur der Hammer werden. Umso enttäuschter war ich bereits in der Beta, der Sturz aus Hype-Höhen auf den Boden der Tatsachen war ebenso schnell wie hart. Statt dem erhofften Winter-Hit ist Hellgate – gemessen an den Erwartungen - für mich die Enttäuschung des Jahres. Alleine die monatlichen Gebühren, obgleich der Titel nicht einmal ein „richtiges“ MMO ist. Bei Diablo & Co gab’s Patches doch auch kostenlos, warum dann also bei Hellgate dafür bezahlen? Nur weil „Bill Roper“ draufsteht? Nein, danke!

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Öder Einheitsbrei: Originelles Leveldesign sieht anders aus.
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Dabei fängt es schon bei der Grafik an: Trotz DirectX10-Unterstützung sehe ich nur klobige graue Matsche auf dem Bildschirm. Die Zahl der Polygone lässt sich im subjektiven Vergleich zu Bioshock, Crysis und Konsorten an einer Hand abzählen. Und dieser Vergleich hinkt gar nicht so sehr wie man meinen möchten, schließlich ist Hellgate als Marksman ein waschechter Shooter. Nur eben mit mehr Plasmiden…ähh…Skills. Bestes Beispiel ist der Kampf gegen einen fliegenden Endgegner, der mit einem stationären Geschütz abgeknallt werden muss. Wie das aussieht? Stellt euch einfach eine grüne Fläche (Gegner) auf einer grauen Fläche (wolkenverhangener Londoner Himmel) vor, fertig ist der optisch spektakulär aufgemachte Bossfight…

Noch schlimmer als die angestaubte Optik aber sind die ständigen Deja-Vus. Regelmäßig habe ich das Gefühl, schon mal hier gewesen zu sein. Grund: Die zufallsgenerierten Level ähneln sich derart stark, dass einen manchmal das Gefühl beschleicht, irgendwo die Abzweigung verpasst und aus Versehen zum vorherigen statt zum nächsten Spielabschnitt gelaufen zu sein. Bereits die Namen spiegeln wieder, was einen in Sachen „abwechslungsreiche Umgebung“ erwartet: Vor jeder U-Bahn-Station gibt es einen „XY-Approach“, der sich von den bisher bekannten nur durch Namen und vorzufindende Gegner unterscheidet. Gähn!

Hellgate: Global - Ihr werdet lieben, ihr werdet hassen! Das Action-RPG im gamona-Kreuzfeuer.

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Kaum Story, aber immerhin wird sie toll präsentiert.
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In Sachen Story ist Kollege Bayer sowieso kein Maßstab, der hat ja schon Schwierigkeiten, die Geschichte vom Postal-Film zu erfassen. Nach dem – zugegebenermaßen extrem coolen – Intro freute ich mich auf eine packende Story mit dichter Atmosphäre. Stattdessen wird die Geschichte nur durch ödes Gelaber einiger Questgeber vorangetrieben. Bereits nach kürzester Zeit war ich dankbar, die nervigen Unterhaltungen durch Annahme der Quests vorzeitig abbrechen zu können.

Nicht falsch verstehen: Ich bin durchaus bereit, auch längere Texte zu lesen. Wenn es sich lohnt. Leider ist das bei Hellgate nicht der Fall. Vorhersehbar und uninspiriert beten Typen mit lilafarbenen Fragezeichen über dem Kopf eine Geschichte herunter, die sich im Gegensatz zu meiner Steuererklärung tatsächlich auf einen Bierdeckel packen ließe.

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Das Questdesign entspricht dem bekannten Schema F.
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Die Quests sind offenbar für Masochisten designt. Ich bin ein leidensfähiger Mensch, aber die Zeiten stundenlanger „Laufe nach X und töte Y“ oder „Töte 10 Gegner vom Typ Z“-Aufgaben sollten mittlerweile eigentlich vorbei sein. Ich habe Verständnis dafür, dass nicht jede Quest die Handlung eines abendfüllenden Kinofilms kann – ein gewisses Minimum an Abwechslung gehört aber heutzutage einfach zum guten Ton.

Kollege Bayer kann ruhig mit dem Knochenspeer auf meinen Hintern zielen – den habe ich mittlerweile sowieso schon lang aus dem Londoner Untergrund gewuchtet. Nicht, dass er mir vor lauter Langeweile noch abfault…