Leo SchmidtManchmal sehe ich so Trailer, die mich augenblicklich nerven. Das hat oft nur einen ganz kleinen Grund: ein abgelatschtes Klischee, blöde Spielszenen, so was. Beim Sidescroller Hell Yeah! war es „Das sieht mir zu bemüht aus.“ Der Kontrast aus Cartoon-Look und Brutalität, der aufgedrückte Humor – alles schon mal gesehen, geht wahrscheinlich nicht gut.
Pure Laune, hochkonzentriert und waffenfähig. Ein Anarcho-Plattformer, der mit den ganz Großen mithalten kann. FazitDoch da ich ein offener Mensch bin (und im Falle der Arbeitsverweigerung in der Redaktion nicht mehr an die Kaffeemaschine darf), sah ich dem Test fröhlich und offenherzig entgegen, freute mich sogar ein bisschen. Immerhin ist es ein Plattformer, also ein Neueinsteiger in einem Genre, das seine Klassiker liebt und jeden Neuankömmling argwöhnisch beäugt. „Ausgerechnet DU willst es also mit Mario und Sonic im Ring aufnehmen?“. Wer die Chuzpe hat, diesen Schritt zu wagen, hat ja vielleicht auch etwas zu präsentieren.
Ich dachte also, ich sei vorbereitet, las mir die ersten Details an und startete in den ehrgeizigen Download-Titel. Er erzählt die Geschichte von Ash, dem toten Skelettkaninchen, das Sohn des vorherigen Fürsten der Hölle ist und nach dem Ableben seines Vaters (ja, der Tod in der Hölle) die Krone erbt. Leider hat Ash eine Vorliebe für Quietscheentchen und wird während eines Bades von einem Paparazzo geknipst. Nun gilt es, die hundert Monster abzustrafen, die für die Verbreitung seiner Bilder im Internet verantwortlich sind und die Originale in die knochigen Griffel zu kriegen.
Schön bunt ist es schon mal.Alibi-Story, schon klar, zeigt aber gleich, dass sich Hell Yeah! nicht ernst nimmt, nirgends. Bereits kurz nach dem Spielstart treffen wir den königlichen Berater, der ein lila Oktopus mit Zylinder und Monokel ist und uns, Zitat, „langweiligen Tutorial-Kram“ beibringt. Dann überreicht er Ash ein Erbstück, das sein Papa hinterlassen hat: ein Jetpack mit anmontierter Riesenkreissäge, die sich durch Gegner und Kristallwände gleichermaßen fräsen kann. Und ab dem Zeitpunkt wird es erst richtig bizarr.
Wir haben hier nämlich einen jener Titel an der Hand, die irgendwie an einer Aufmerksamkeitsstörung leiden. Immer wenn man gerade denkt, man hätte ihn hinreichend durchschaut, haut er dem Spieler mal wieder ganz was anderes um die Ohren und fragt neckisch „Na, was sagst Du dazu?“, bis man kein rechtes Schema mehr erkennen kann. Das Kunststück besteht darin, so ein Konzept charmant und schrullig wirken zu lassen, statt willkürlich und nervend. Und: Junge junge, das gelingt selten besser als bei Hell Yeah!
In jedem Abschnitt passiert etwas anderes Verrücktes.Das macht es aber etwas schwer zu beschreiben, was für eine Art Sidescroller es denn nun ist. Prinzipiell geht es darum, in offen gestalteten Levels die besagten Monster zu finden und zu erlegen. Dies öffnet einerseits vorher verschlossene Türen und bringt andererseits Zaster. Mit dem Geld stockt man sein Arsenal auf, denn zur Jagd benutzt man meistens diverse Knarren, deren Handhabung an einen Twin-Stick-Shooter erinnert und deren Wucht aus Metal Slug entlehnt zu sein scheint. Geld findet man auch in den Levels als Münzen, außerdem hat man die Jetpack-/Kreissägekombination am Körper, mit der man sich auch durch dicke Gesteinsschichten oder Widersacher sägen kann.
Strukturell, das kann man so sagen, ist das Spiel eine Aneinanderreihung von Mini-Bosskämpfen. Es gibt auch normale Feinde, doch das Ziel ist immer, noch eines der hundert Internet-Ungetümer zu finden und zu plätten, damit es weitergeht, und das passiert auch im Minutentakt. Doch hier geht es los mit dem eigentümlichen Charme, denn wer glaubt, man mache hundertmal dasselbe, irrt gewaltig. Im Gegenteil ist jedes der Monster sehr individuell, erfordert eine andere Vorgehensweise.
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Diablo 3
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