Nur selten gelingt es Videospielen auch jenseits der Fachpresse in der breiten Öffentlichkeit Beachtung zu finden. Im Zuge der so genannten Casual Games-Offensive rücken zwar Spiele wie Guitar Hero oder Wii Fit in den Fokus von Menschen, die bisher nichts mit unserem Lieblingshobby anfangen konnten, bereits 2005 berichteten aber auch übergreifende Medien überschwänglich über das bahnbrechende Adventure Fahrenheit der französischen Spieleschmiede Quantic Dream.

Weniger Spiel denn interaktiver Film überschritt Fahrenheit im positiven Sinne Grenzen. Mit einem vergleichbaren Ansatz soll nun das PS3-exklusive Heavy Rain die Spieler in seinen Bann schlagen, und kein Geringerer als Firmengründer und Writer Director David Cage gab sich auf der GC die Ehre, das Projekt zu präsentieren.

Heavy Rain - Behind the Scenes: Echte Schauspieler8 weitere Videos

Düster-Thriller

"Heavy Rain soll eine düstere, tief gehende und emotional fesselnde Erfahrung sein, die weit über Fahrenheit hinausgeht und dessen Konzept eines Noir-Thrillers erweitert", beginnt Cage. Große Bedeutung werde daher der Erzählweise und der Story selbst beigemessen, bei der die Spielweise und Aktionen des Spielers drastische und überraschende Konsequenzen für die Handlung nach sich ziehen.

Heavy Rain - Unwetterwarnung für die Konkurrenz: das vielleicht beste Spiel der GC

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 86/901/90
Jede Entscheidung des Spielers hat Konseuqnzen für die Story.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Cage nennt das "Rubberband"-Story, die sich entgegen üblicher Normen bei Videospielen nicht nur in verschiedene Richtungen aufsplitten kann. Das Verhalten der Spieler hat zudem Auswirkungen auf den Ablauf der Geschichte und bestimmt somit das Spielerlebnis direkt und beeinflusst auf diese Weise natürlich auch den Spielausgang. Dabei gebe es jedoch kein "Game Over" im klassischen Sinne - selbst wenn die Hauptfigur stirbt, setzt sich die Story fort. Daher kann jede Entscheidung einzigartige Ergebnisse einleiten.

Storyentwicklung im Mittelpunkt

Diese Non-Linearität demonstrierte das Entwicklerteam vor Ort in Leipzig anhand einer von später etwa 60 Szenen auf beeindruckende Art und Weise. Auffällig ist zunächst die atemberaubende Optik, vor allem aber die butterweichen Animationen und die phänomenale Mimik sind erstaunlich. Unglaublich aber wahr: Selbst die Augenbewegungen wurden per Motion Capture aufgezeichnet und erreichen dadurch eine bisher nicht gekannte Realitätsnähe.

Heavy Rain - Unwetterwarnung für die Konkurrenz: das vielleicht beste Spiel der GC

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 86/901/90
Diese junge Frau steht im Mittelpunkt der Story von Heavy Rain.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Spielfigur wird mit nur wenigen Tasten (R2 + Analogstick) gesteuert, während Interaktion mit dem rechten Stick umgesetzt wird, was einfach aussieht, aber leider noch nicht von uns getestet werden konnte. Quantic Dream will das Spiel dadurch für eine große Zielgruppe öffnen und nicht mit überladenen Interfaces oder Steuerungen abschrecken. Zusätzlich baut man auf die Gestensteuerung des Sixaxis-Controllers, die jedoch keinesfalls aufgesetzt wirkt. So öffnet man beispielsweise das klemmende Fenster eines Hauses mit glaubhaften Bewegungen.

Jetzt ist es soweit: Die Grenzen zwischen Film und Spiel verschwimmen endgültig.Ausblick lesen

Im Mittelpunkt steht jedoch die Storyentwicklung, bei der wir einer jungen Frau bei der Entscheidungsfindung assistieren. So werden wir Zeuge ihrer Gedankenwelt, wenn man zwischen Für und Wider wählen muss. Im konkreten Fall z.B., ob es vertretbar ist, sich durch das Fenster in das Haus zu schleichen - oder eben nicht.

Heavy Rain - Unwetterwarnung für die Konkurrenz: das vielleicht beste Spiel der GC

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 86/901/90
Links oder rechts abbiegen? Eure Entscheidung!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bei vielen solchen Aktionen hat man die Wahl, ob man sie ausführt oder lieber einen anderen Weg beschreitet. Im Haus angekommen kann man sich frei bewegen und alle Zimmer betreten. Alle Objekte, die eine Relevanz für das Geschehen haben, sind auch benutzbar. Schon die kleinste Änderung des Verhaltens kann jedoch den gesamten Ablauf der Szene beeinflussen. Wenn man etwa aus Versehen eine Vase umwirft, wird der Bewohner dies unter Umständen bemerken und sich bei seiner Rückkehr anders verhalten.

Bedrohung aus allen Richtungen

Solche Situationen kommen als eine Art Quicktime-Event daher, auf die man als Spieler reagiert. Fängt man die Vase? Fällt man bei der Flucht die Treppe herunter? Wehrt man den Angriff eines Bösewichts ab? Welchen Weg schlägt man ein, auf welche Weise interagiert man mit den Figuren? Wie auch immer man reagiert, das Spiel kann sich dabei in unterschiedliche Richtungen entwickeln.

Heavy Rain - Unwetterwarnung für die Konkurrenz: das vielleicht beste Spiel der GC

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 86/901/90
In Heavy Rain befindet ihr euch auf der Flucht vor einem Mörder.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Um diesen Aspekt zu veranschaulichen, sehen wir dieselbe Szene mehrere Male. Und tatsächlich schreitet die Story nicht immer nur anders fort (und man sieht und erlebt das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven), sie endet teilweise auch völlig anders. Das ist nicht nur sehr spannend, es ist auch interessant, wie viele "Lösungsmöglichkeiten" sich allein in einen derart überschaubaren Bereich wie einem kleinen Haus ergeben können.

Um Spannung zu erzeugen, wird zudem auf die bereits aus Fahrenheit bekannte Splitscreen-Technik zurückgegriffen: Während man also die Spielfigur in einem Bildschirmteil sieht bzw. steuert, bewegt sich die Bedrohung auf der anderen Seite des Screens durch das Haus.