Dass Spieleverwurstungen oft nicht gerade für orgiastische Lobgesänge sorgen ist nicht unbedingt die Schlagzeile des Tages. Aber die Verfilmung des gleichnamigen Hack-and-Slay-Spiels von 2007 ist….nun ja…schon wirklich sehr speziell.

Ein Schwert, um sie alle zu knechten

Der Film folgt inhaltlich im Kern dem Spiel (es gibt lediglich eine größere Abweichung, die hier allerdings nicht verraten werden soll, vielleicht gibt es ja jemanden, der sich das tatsächlich anschaut): Eine göttliche Macht schuf einst das titelgebende himmlische Schwert um eine Waffe gegen den schurkischen Kriegstreiber Raven Lord in petto zu haben. Raven ging hops, das Schwert blieb, allerdings mit einem Zauber verriegelt: Jeder Zweibeiner, der sich die Waffe schnappt, stirbt innerhalb kürzester Zeit.

Heavenly Sword - Teuflischer Schrott

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Nariko und ihr namensgebendes Arbeitsgerät.
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Allerdings soll es laut einer Prophezeiung einen Menschen geben, der fähig ist die Klinge zu führen. Der rothaarige Gamer-Traum Nariko glaubt, dass sie diejenige ist, nimmt das Gerät an sich und begibt sich auf einen Rachefeldzug gegen König Bohan, der mit seiner Armee zuvor ihren ganzen Clan über den Jordan geschickt hat. Doch während sie so am Rächen ist, bemerkt sie ihren Irrtum, sie ist doch nicht die Außererwählte, was zu erheblichen Zeitproblemen führt…

Fakten, Fakten, Fakten

Erstmal die harten Fakten: Das Spiel „Heavenly Sword“ wurde von der britischen Schmiede Ninja Theory („Enslaved: Odyssee to the West“) entwickelt, ein paar Monate nach dem Start der Play Station 3 veröffentlicht und verkaufte sich rund 1,5 Millionen mal. Das Feedback der Fachpresse war gut, allerdings wurden oftmals die farblosen Charaktere und der fehlende Tiefgang bemängelt, die Action zündete dafür aber umso mehr. Interessanterweise versuchte Ninja Theory den Erfolg allerdings nicht auszuschlachten, obwohl die Story für ein Sequel bereits geschrieben wurde und man - heutzutage geht es offenbar einfach nicht anders - sogar schon Pläne für eine Trilogie hatte, wurden die Fortsetzungen fallen gelassen und man widmete sich einem neuen Projekt.

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Angriff der schlecht gemachten CGI-Krieger!
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Wer sich nun wundert, dass ein Film zu einem Spiel von 2007 erst 2016 (in den USA bereits 2014) veröffentlicht wird, muss wissen, dass die Produktion einen steinigen Weg hinter sich hat. Ein Drehbuch wurde von Todd Farmer („Drive Angry“, „My Bloody Valentine 3D“, „Jason X“) bereits 2008 fertig gestellt. Ursprünglich wollte man aus dem Stoff eine sechsteilige Fernsehserie machen und an den durch allerhand trashige Creature-Features bekannten Sender SyFy verkaufen (wo „Heavenly Sword“ durchaus nicht fehl am Platz gewesen wäre). Die Weltwirtschaftskrise durchkreuzte dann aber die Pläne der Macher und das Projekt wurde erstmal solange auf Eis gelegt, bis Blockade Entertainment („Ratched and Clank“) Interesse zeigte. Dadurch, dass alle Bausteine des Spiels noch vorhanden waren, konnte man dann mit relativ geringem Budget ein Film auf die Beine stellen….

….hätten das aber sein lassen sollen.

Reste von vorvorvorgestern

Ernsthaft: Die Ausdauer aller Beteiligten in allen Ehren, aber wer guckt sich 2016 denn noch einen Film an, der aussieht wie eine Aneinanderreihung von Zwischensequenzen aus einem Konsolenspiel von 2003? Die Charaktere bewegen sich steif, die Gesichter sind mit maximal drei Emotionen ausgestattet, die Hintergründe sind fad und nur mit wenig Details ausgestattet und pixeln stellenweise sogar! Das ganze Trauerspiel wird von einem Soundtrack ummantelt, der willkürlich vor sich hindüdelt.

Dazu gesellt sich ein konfuser Schnitt, eine kaum kohärente Story, die gerne von Offsprechern erzählt wird, allerdings ist das meiste davon für den eigentlichen Film kaum bis gar nicht von Belang. Unterm Strich kloppen sich da alle zwei Minuten einfach irgendwelche mies animierten Pappfiguren.

Ein Desaster auf allen Ebenen.Fazit lesen

Irritierend auch: Die damalige 2D-Mini-Serie, die einst benutzt wurde, um das Spiel vor dem Verkauf entsprechend anzuteasern, taucht hier in Teilen in neusynchronisierter Form wieder auf, was aufgrund der grundverschiedenen Ästhetik natürlich überhaupt nicht zusammenpasst.

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Havenly Sowrd erscheint am 23. März 2016 auf DVD.
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Apropos Synchronisation: Es wurde zwar die Original-Nariko-Stimme aus dem Spiel, Anna Torv, wieder vor das Mikro gezerrt, dazu gesellen sich noch Thomas Jane und Alfred Molina, was sicherlich erfreulich ist, man sollte dann aber auch schauen, dass die Stimmen zu den Mundbewegungen passen, was hier gelegentlich mal ganz böse nicht der Fall ist. Komisch auch die seltsam gedämpfte Abmischung, man sieht die Sprecher förmlich in einer viel zu engen Kabine stehen. Die deutsche Synchronisation ist technisch etwas besser gelungen und hat überraschenderweise auch ganz akzeptable Sprecher.

Es hilft aber alles nicht, „Heavenly Sword“ wurde ganz offenbar vom Teufel geschmiedet - der Film ist ein komplettes Desaster.