Headhunter: Redemption (PS2-Test)
(von Patrick Streppel)

Jack is back: Im Nachfolger zu einem der besten Dreamcast-Titel finden wir Headhunter Jack Wade in einer düsteren Zukunftswelt wieder - wenn auch nur als Nebencharakter. Im Mittelpunkt des Abenteuers steht die adrette Leeza

X, die auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater vor allem mit Steuerungs- und Kameraproblemen zu kämpfen hat. Erhalten Fans mit Headhunter: Redemption einen würdigen Nachfolger?

Nichts mit schöner, neuer Welt: Nachdem Virus und Erdbeben die Zivilisation erschüttert haben, errichten die regierungsbildenden Konzerne eine Zweiklassengesellschaft der besonderen Art: Die Reichen leben über den Trümmern in der leuchtenden Stadt von "Above", die Armen hausen gemeinsam mit Kriminellen in der Dunkelheit darunter. Logisch, dass sich das nicht alle gefallen lassen und eine Rebellenorganisation mit Terror antwortet.

Ein Fall für Zwei
Kopfgeldjäger Jack Wade arbeitet für die Stern Corporation gegen die Aufständischen. Mit einer dunklen Vergangenheit belastet, schwankt er zwischen Alkoholrausch und Depression. Farbe in dieses Triste Leben kommt als Jack bei einem Einbruch die schöne Leeza erwischt. Überraschend gibt er der jungen Frau eine Chance: Die Entscheidung heißt Gefängnisstrafe oder der Job des Headhunters. Doch Jacks Mitleid kommt nicht von ungefähr, war er es doch, der ein Jahrzehnt zuvor den

Vater des kleinen Mädchens verhaftet und Leeza somit der "Bürgerfarm" überlassen hat. Wie der Name erraten lässt, handelt es sich dabei nicht gerade um einen kuscheligen Ort und so bringt die Kleinkriminelle gleich alle Fähigkeiten mit, die der Job erfordert - inklusive einer sprühenden Schlagfertigkeit. Als Jack vor einem Auftrag noch einmal tief ins Glas schaut, stibitzt Leeza die Ausrüstung ihres Seniorpartners und macht sich - im Mantel der Mission getarnt - auf einen persönlichen Feldzug in die Unterwelt, um ihren verschollenen Vater zu finden…

Frauenpower
Obwohl die Wege der ungleichen Helden schnell wieder zusammenführen, spielt Jack nur noch die zweite Geige. Die meiste Zeit übernehmen wir die Steuerung der adretten Leeza, die im Training zunächst die wichtigsten Funktionen erlernt: So verfügen alle Kopfgeldjäger über ein HUD Display, das wie bei Metal Gear Solid

Headhunter - Redemption - Der Nachfolger des Dreamcast-Hits – verpatzte Chance

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auf einer kleinen Karte Feindbewegungen und wichtige Objekte verzeichnet. Wichtig ist auch der Scanner, der in Ego-Sicht das Absuchen der Umgebung erlaubt. Wie bei Metroid Prime wurden für verwendbare Gegenstände, d.h. auch Türen oder rissige Wände, Infotexte hinterlegt. Denn bei Headhunter ist neben schnellen Reflexen auch Köpfchen gefragt - die Rätseldichte und -schwierigkeit ist für ein Action-Adventure relativ hoch. Warum manche Kniffe jedoch erst nach einem Scan funktionieren, bleibt ein lästiger Design-Mangel.

Kämpfe laufen in dem 3rd-Person Titel mit Waffen und aus gewisser Distanz ab, wobei erst auf Tastendruck und nur mit Auto-Aiming gezielt wird. Anstatt dabei sofort zielgenau Feinde ins Visier zu nehmen, hält unsere Anfängerin die Waffe noch ziemlich unruhig: Das Fadenkreuz tanzt einige Sekunden lang auf und ab oder pendelt sich bei schnellen Feindbewegungen nur mühevoll ein. Wer hier die Nerven verliert, vergeudet die knappe Munition für ein paar Glückstreffer.

Alles unter Kontrolle?
Obwohl sich geübte Zocker auch geradewegs durch die Level ballern können, empfiehlt sich eine

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intelligentere Vorgehensweise: Per Tastendruck können sich unsere Helden an eine nahe Wand lehnen oder hinter einer Kiste ducken. Was jetzt kommt, ist ein wenig kompliziert, funktioniert nach der nötigen Eingewöhnung aber tadellos: Mit dem Ministick schauen wir um die Ecke und visieren Feinde an. Sobald das Fadenkreuz eingependelt ist, springen wir durch Drücken der Schultertaste aus der Deckung und schießen schließlich mit einer dritten Taste. Leider haben hier die Designer geschlampt, denn die Logik hinter dem Auto-Aiming ist bestenfalls fehlerhaft: Oft genug schaltet das Fadenkreuz auf einen entfernten Gegner und nicht auf den nächsten Feind. Oder es wird jemand außerhalb des Sichtfeldes anstatt des unmittelbar voraus befindlichen Widersachers gewählt. Die Kamera macht dann einen abrupten Schwenk und der Spieler bleibt verwirrt auf der Strecke. Wer zu lange in Deckung
bleibt, der wird von der schlauen KI umzingelt - doch solange der Charakter an der Wand lehnt, kennt das Auto-Aiming keine Gegner außerhalb eines bestimmten Winkels. Bis wir aber von der Wand weg sind und das Fadenkreuz einrastet, haben wir schon die ersten Treffer eingesteckt. Hektische Situationen werden so zur frustrierenden Todesfalle.

Weichzeichner
Schade, dass solche Patzer den Spielspaß stören, denn sowohl das abwechselungsreiche Missionsdesign, die anspruchsvolle Spielmechanik als auch die Optik sind gelungen: Die verwendete Renderware-Engine wurde mit einem Weichzeichner aufgebohrt, wie ihn auch Star Wars Battlefront bietet. Der dadurch entstehende Stil macht einiges her, auch wenn die Texturen - abgesehen von den Charaktermodellen - eher durchschnittlich sind. Headhunter: Redemption bietet nette Feuer- und Lichteffekte, auch wenn es sicherlich

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keine neuen Maßstäbe setzt. Übrigens: Die PS2- und Xbox-Fassungen sehen in etwa gleich aus - letztere hat in Punkto Framerate und Effekten nur eine Nasenspitze voraus. In Punkto Sound haben die Entwickler ebenfalls ganze Arbeit geleistet: Die englische Sprachausgabe ist gelungen, wobei vor allem die Stimme von Jack überzeugen kann. Dazu ertönt ein orchestraler Soundtrack, wie man ihn von großen Hollywoodproduktionen erwartet. Das Filmflair stimmt auch bei Cutszenes und Story, die vor allem von den beiden Charakteren lebt. Die umgebende SF-Geschichte ist austauschbar, daran ändert auch die gelungene Inszenierung nichts.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:
+ gelungenes Missionsdesign + hoher Rätselanteil + lange Spielzeit + spannende Geschichte und gute Cutszenes + hübscher Grafikstil + toller Soundtrack und gute Sprachausgabe

Cons:
- massive Steuerungsprobleme - teils überflüssiges scannenPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:
+ gelungenes Missionsdesign + hoher Rätselanteil + lange Spielzeit + spannende Geschichte und gute Cutszenes + hübscher Grafikstil + toller Soundtrack und gute Sprachausgabe

Cons:
- massive Steuerungsprobleme - teils überflüssiges scannen