Kennt ihr noch Fantasy-Läden? Geschäfte, die gefühlt auf alle Nerds der 1980er und frühen 1990er Jahre magnetisch wirkten, weil es den ganzen coolen Comic- und Rollenspielkram noch nicht auf Deutsch (und im Netz bestellbar) gab? Wo sich Studenten stundenlang über Details wie "Wer war die Ex-Geliebte des Nebencharakters von Spinal Tap – und zwar im echten Leben", "Gibt es programmiertes Wasser" oder "Warum spielt jemand Battletech" stritten? Nicht? Dann könnt ihr euch auf Dezember freuen.

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Damals war die Formel einfach, es gab Schubladen für Spieler. Bei den Rollenspielern war "Das Schwarze Auge" für Kinder, "Rolemaster" für Experten und "Paranoia" für die selbstironische Fraktion. In der Tabletop-Welt gab es die Freaks, die historische Schlachten nachstellten, die Coolen spielten Warhammer (natürlich die älteren Editionen), und die Außenseiter, ja, die schoben ihren Mech über Hexfelder. Auf der anderen Seite der Karte stand der Gegner. Mit dessen Mech. Spannend.

Activisions Mechwarrior auf dem Bildschirm ließ die Kritiker jedoch spätestens mit dem zweiten Teil im Jahr 1995 scharenweise verstummen – Abkehr von den Hexfeldern und Runden, stattdessen Action. Es gab Höchstwertungen, das Spiel packte fast alle. Aber wie erwähnt, das ist schon länger her. Das unabhängige Entwicklerstudio Adhesive Games will mit Hawken nun in die Lücke stoßen. Und vor allem Mehrspielerfans begeistern. Eine Einzelspielerkampagne haben sich die US-Amerikaner gespart.

Stattdessen kämpfen auf einem kolonisierten Planeten Menschen in ihren Mechs um die verbliebenen Ressourcen. Die Industrialisierung der fremden Welt ist nahezu absolut, alles ist hochtechnisiert. Die Piloten stilisieren sich dabei als integere Kämpfer, die etwas tun, statt sich auf die rivalisierenden Großkonzerne zu verlassen. Einwohner gibt es fast keine mehr. Sie sind tot. So bleibt eine dystopische Wüste, geschaffen, um den Nachschubhunger der Menschheit zu stillen.

Hawken - Hawk Mech, Mech Hawk

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Mit Mechs erkundet ihr eine feindselige, düstere Welt.
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Hawken ist nicht nur deshalb etwas deprimierend. Denn Hawken ist dreckig. In wenigen Farben gehalten. Ungemütlich. Sogar abstoßend. Es hat mich auf den ersten Blick in seinen Bann gezogen.

Packshot zu HawkenHawkenErschienen für PC

Die visuelle Umsetzung hatte Adhesive als erstes im Sinn, als der erste Prototyp bereits nach einem Monat Entwicklung in Los Angeles über Bildschirme flimmerte. Comicflair, Endzeitszenario, apokalyptische Stimmung – das funktioniert in den Trailern fantastisch, auch im Spiel kommt das gewisse Etwas rüber und wird nicht durch die Aufgaben zerstört. So sieht normalerweise kein Projekt aus, das vor zwei Jahren mit vier Entwicklern begonnen hat.

Rasante Mech-Action in dystopischer Sci-Fi-Umgebung - und großem Potenzial.Ausblick lesen

Sichtfeld jedes Spielers ist das Cockpit der eigenen zweibeinigen Kampfmaschine. Drei Typen von Mechs bekriegen sich auf der unwirtlichen Welt: leichte, agile, vielseitige, etwas widerstandsfähigere sowie schwere, massiv bewaffnete. Die unübersichtlichen Industrieanlagen haben Lagerhallencharakter. Es gibt immer eine Ecke, hinter der sich ein Feind verstecken kann. Oder an der ich stattdessen auf ihn warte.

Kampfmaschinen und niedrige Hürden

Wie viele Mechs in dem Online-Ego-Shooter gegeneinander antreten werden, ist noch unklar – allerdings seien die Karten für fünf bis acht Spieler pro Fraktion ausgelegt, sagen die Entwickler. Neben Team-Deathmatch soll es auch einen Free-for-all-Modus geben, einen bislang nicht genannten sowie Siege.

Dabei müssen die Teams strategische Punkte erobern und Energiebehälter zur eigenen Basis bringen. Ist ein bestimmtes Limit erreicht, startet ein beeindruckend riesiges (und wehrhaftes) Luftschiff, das ich zur gegnerischen Kommandozentrale eskortiere – wo es dann zum Showdown kommt.

Wie bei vielen anderen Free-to-Play-Titeln sind auch die Köpfe hinter Hawken bemüht, die Einstiegshürde möglichst niedrig zu legen. Der Spieler muss noch nicht einmal auf die Munitionsmenge achten. Es gibt keine. Das ist nicht sehr authentisch, aber Waffen können überhitzen und werden damit vorübergehend unbrauchbar. Dann heißt es: in eine ruhige Ecke stapfen und darauf warten, dass sich die virtuelle Projektilschleuder wieder abkühlt.

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Und kämpft dabei gegen andere Roboter.
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Da die Kampfmaschinen im Allgemeinen relativ unbeweglich sind, hat Adhesive ihnen ein paar Besonderheiten spendiert. Schnelles seitliches Ausweichen ist ebenso im Repertoire wie ein Geschwindigkeitsschub, eine Art Jetpack, mit der ich auch Höhenunterschiede überwinden kann. Vor Beginn einer Partie stellt sich der Spieler seinen Mech selbst zusammen – inklusive Panzerung, Primär- und Sekundärwaffe, Schilden und anderen Komponenten. Dazu kommt selbstredend das übliche Visuelle – Farben, Verzierungen, Abzeichen.

Bekomme ich zu viel Schaden ab, kann ich mich während des Einsatzes reparieren lassen, bin aber dadurch unbeweglich. Offensichtlich eine schlechte Idee, wenn der Feind in der Nähe ist. Und zum Abschluss der Präsentation freuten sich die Entwickler dann noch diebisch über ihre Geschützturmtaktik: Erst solle man Türme auf höher gelegenen Anlagen platzieren und dann den Gegner zu einer einsehbaren Freifläche locken.

Während der Spieler dem feindlichen Mech direkt vor den stählernen Latz feuert, erledigen die automatischen Helferlein von oben den Rest. Das klingt nicht nach Außenseitertaktik, sondern ziemlich cool. Da hilft dem Widersacher auch kein programmiertes Wasser.