Der deutsche Computerspiele-Markt säumt sich zurzeit wieder deutlich mit wirklich brauchbaren Adventure-Spielen aus dem eigenen Land. Darunter fallen Titel wie „Edna bricht aus“, „The Whispered World“, „Ceville“ oder die „Ankh“-Reihe. Von letzteren Entwicklern stammt auch „Haunted“, der neueste Streich des Deck-13-Teams, das sich nahtlos dieser Reihe erfolgreicher deutscher Adventure anschließt.

Haunted - GC 2009 Trailer

Haunted erzählt von dem jungen Mädchen Mary, das der geheimnisvollen Stimme ihrer toten Schwester in eine alte Universität folgt. Dort wacht sie nach kurzer Bewusstlosigkeit in einem seltsamen Labor wieder auf, in dem sie von Professorin Ashcroft und ihrem einfältigen Gehilfen Ethan untersucht wird. Nachdem die eigenartige Professorin das Mädchen in ihr Arbeitszimmer geleitet hat, kann Mary ihre beiden „Entführer“ belauschen: Ethan soll sie umbringen.

Sofort beschließt Mary zu fliehen, als sie plötzlich das Medaillon ihrer kleinen Schwester Emily entdeckt, die vor einiger Zeit spurlos verschwand und für tot geglaubt wurde. Neben der Flucht setzt sie sich nun zum Ziel, mehr über das merkwürdige Verschwinden von Emily herauszufinden.

Haunted - Wir sind be-geistert

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Mary ist auf der Suche nach ihrer kleinen Schwester Emily
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Auf ihrer Reise trifft Mary viele sehr liebenswerte und unterschiedliche Charaktere. Direkt zu Beginn befreit sie den Piraten Oscar aus einem sogenannten „Schnapper“ in der Universität. Oscar ist ein Geist, wie all die anderen Figuren, die Mary im Laufe ihres Abenteuers begleiten werden. Warum Mary Geister sehen kann, ist nicht gewiss – dass aber nur sie und nicht andere diese Geister sehen können, wird zum enormen Vorteil.

Geistreiches Adventure

In dieser liebevoll und fantastisch erzählten Geschichte begegnet Mary unter anderem dem starken Schottenkrieger William, der tapfer in einer großen Schlacht gefallen ist, dem verruchten Papst Bonifazius, der am liebsten jede rothaarige Zigeunerin auf dem Scheiterhaufen verbrennen würde, und dem weisen Konfuzius, der als Flaschengeist in einem Goldfischglas haust und um keine Weisheit verlegen ist.

Neben den vielen Untoten lernt Mary auch eine Menge lebendiger Charaktere kennen, die alle ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Macken haben. Schön inszeniert und mit viel Mut zur Fantasie lassen die Entwickler Mary und ihre Freunde das alte London erkunden, nach Transsilvanien schippern und mit dem Zug nach Schottland reisen.

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Die Geistertruppe hofft auf Erlösung, Mary hingegen auf ein Wunder
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In jedem Kapitel stößt mindestens ein neuer Begleiter für Mary hinzu, was nicht nur viel Spaß mit sich bringt, sondern auch eine große Portion Hilfe für den Spielverlauf. Denn ohne ihre Geister kommt Mary an der einen oder anderen Stelle einfach nicht weiter, was sich als sehr schönes Gimmick und eine tolle Idee entpuppt.

Schaurig-schöner Adventurespaß, der eine fantastische Geschichte mit viel Humor und tollen Charakteren erzählt.Fazit lesen

So hat jeder Geist eine bestimmte Fähigkeit, die für das Vorankommen entscheidend ist: Oscar kann mit seinen Piratenhandschuhen heiße, kalte und elektrisierte Gegenstände anfassen, William ist superstark, kann aber nur Dinge benutzen, mit denen der Tod in Berührung kam (wie z.B. Ethans Axt), wohingegen Bonifazius alle Sprachen der Welt spricht – auch die tierischen.

Hier führt Deck 13 das Prinzip aus „Ceville“ und „Edna bricht aus“ fort: Während der Spieler in Ceville drei Charaktere steuern muss und man bei Edna den frechen Hasen Harvey als ständigen Gefährten dabei hat, könnt ihr in Haunted so gesehen eine ganze Gruppe steuern.

Interne Spielehilfen

Das klingt jetzt vielleicht chaotischer als es in Wahrheit ist, denn Marys Geister helfen ihr nur in dem Ausmaß, was ihre spezielle Geisterfähigkeit abverlangt. Oscar hat zusätzlich aber noch den Geisterhilfe-Bonus. Dieser ermöglicht dem Spieler im normalen Schwierigkeitsgrad eine immerwährende Abruffunktion von Tipps & Tricks, um im Spielverlauf voranzukommen. Wenn man also einmal nicht weiterweiß, kann man sich entweder über die Hotspot-Funktion auf der Spieloberfläche alle Gegenstände anzeigen lassen, mit denen eine Interaktion möglich ist oder man fragt Oscar, wie es nun weitergehen könnte.

Während des Spielverlaufes erfährt der Spieler auch immer mehr über die Geschichte um Mary und Emily, wie es zu dem tragischen Unfall kommen konnte, warum Mary jetzt auf der Straße lebt und ob es vielleicht noch eine Rettung für beide gibt.

Auch über Marys Geisterfreunde findet man immer mehr heraus – es lohnt sich also auch, ihnen einfach Mal bei Gesprächen untereinander zuzuhören. Sei es, um mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren, zu hören, wie sie über Mary denken, oder um keinen witzigen Spruch zu verpassen.

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Die Geistertruppe hofft auf Erlösung, Mary hingegen auf ein Wunder
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So lässt sich das Spiel nicht nur als comichaftes Comedy-Adventure abstempeln, sondern hat auch eine Portion Krimi und Thriller dabei, da die Handlung bisweilen finstere Züge annimmt und Mary sich oft als Detektivin übt.

Comic-Optik mit professioneller Vertonung

Die Grafik ähnelt sehr der Venetica- und Ankh-Optik, was vor allem daran liegt, dass bei Haunted eine Weiterentwicklung der Venetica-Engine benutzt wurde. So wirkt auch Mary, mit ihren großen Augen und ihrer kleinen Stupsnase, wie aus einem Anime entsprungen. Die Geister schimmern hingegen alle durchsichtig und leicht bläulich durch das Szenenbild, welches meist düster und ein klein wenig schaurig daherkommt.

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Die düstere Grafik ist im Stil des Londons im 19. Jahrhundert gehalten
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Um jedoch in den vollen Genuss der Grafik kommen zu können, empfiehlt es sich, den aktuellen Patch zu installieren, der einige Grafikfehler behebt, die bis zur Fertigstellung scheinbar nicht behoben oder bemerkt wurden. Für ein Adventurespiel kann sich diese Grafik wirklich sehen lassen. Sie wurde komplett in echtem 3D gehalten und besticht durch atmosphärische und detailreiche Bilder.

Der Schwerpunkt liegt allerdings auf der Vertonung. Hier ist besonders die Vielzahl höchst professioneller Schauspieler und Synchronsprecher hervorzuheben, die den Charakteren ihre Stimme leihen. Unter anderem sind die deutschen Sprecher von Keira Knightley, Antonio Banderas, Arnold Schwarzenegger und George Clooney dabei. Die Soundeffekte stimmen auch an jeder Stelle und sind so realistisch, dass sie die meiste Zeit überhaupt nicht auffallen und komplett mit dem Spielerlebnis verschmelzen. Eine Souvenirmaschine, aus der klirrend eine Münze herausfällt? Ganz normal! Ein klappriger Zug, in dem selbst die Teekessel und Teetassen unentwegt scheppern? So ist es halt.

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Immer im Nacken: Professorin Ashcroft und ihr Gehilfe Ethan, die nach Marys Leben trachten
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Ebenso trägt auch der Soundtrack wunderbar zur Atmosphäre bei. So hat jeder Ort sein eigenes Thema, welches niemals unangenehm auffällt, gespickt mit kleinen klanglichen Spielereien wie zum Beispiel Glockenleuten und Wasserplätschern. Besonders schön klingt vor allem das Kirchentheme in Kapitel 3.

Schade ist hingegen, dass sich das Spiel als sehr linear erweist. Das ist zwar bei den meisten Adventuren der Fall, aber viele Vertreter dieses Genres bewiesen auch schon, dass es anders geht. So kommt man bei Haunted leider überhaupt nicht weiter, wenn man nicht das eine aktuelle Rätsel gelöst hat. Natürlich ist es wie immer egal, in welcher Reihenfolge man Gegenstände einsammelt, aber im Gegensatz dazu, ist die Reihenfolge, in welcher man die Rätsel lösen muss, von vornerein festgelegt und unumgänglich.

Ein weiteres Manko sind die Rätsel selbst. Denn diese sind zumeist sehr einfach bis filmisch durchspielbar. Wahre Hürden gibt es kaum, was für manche ein Pluspunkt, für andere, insbesondere hartgesottene Adventure-Fans, aber ein Minuspunkt ist, da sie hier keine große Herausforderung finden. Für solche, denen es vor allem darum geht, eine Geschichte spielerisch zu erleben und zu erfahren - und dafür möglichst simple Rätsel bevorzugen – ist Haunted mit seinen vielen Spielehilfen dann jedoch genau das Richtige.

Vor allem aber sollte man bis nach dem Abspann warten. Denn danach folgen noch zwei Bonuskapitel, wobei gerade letztes schwieriger, aber auch für Adventure-Liebhaber witziger ist als alle Kapitel zuvor. Hier gibt es neben etlichen Anspielungen auf bekannte Vorgänger wie Indiana Jones und Monkey Island auch einen kleinen Vorgeschmack auf die geplante Fortsetzung von Haunted.