Der Name des Spiels sagt nicht viel aus, dafür zeigt der Untertitel klar, worum es geht: in »Innocent Life - A Futuristic Harvest Moon« müsst ihr Felder anbauen, Tiere züchten und euch bei der örtlichen Bevölkerung beliebt machen.

Das durch und durch friedliche Spielprinzip der Bauernreihe hat einen weiteren Ableger bekommen. Diesmal pflügt man seine Felder auf der PSP, und wir haben uns aufgemacht, die dicksten Kartoffeln zu züchten.

Bauernfängerei
Spaß für Einige - gepflegte Langeweile für Andere: Das Prinzip von Harvest Moon hat die Zockergemeinde von jeher gespalten. Ein Spiel ganz ohne Action, mit pixeliger Knuddelgrafik und minderbemittelten Sounds kann in Zeiten von PS3 und Konsorten doch eigentlich keinen Blumentopf mehr gewinnen, sollte man meinen.

Harvest Moon: Innocent Life - Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Dinger: Harvest Moon jetzt für die PSP!

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"Schüttel mir den Salat, Baby!"
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Tatsache ist jedoch, dass die friedliche Feldarbeit durchaus zu fesseln vermag. Der Spieler übernimmt die Rolle des namensgebenden Helden Innocent Life, eines kleinen Androiden, der vom Wissenschaftler Dr. Hope auf dessen Insel konstruiert wurde. Äußerlich ist der Junge nicht von einem Menschen zu unterscheiden, doch fehlen ihm viele Erfahrungen, die das wahre Leben auszeichnen. Grund genug also, den kleinen Jungen in die Geheimnisse der Landwirtschaft einzuweihen und ihn durch vielfältige Aktivitäten zu lehren, wie man sich als Mensch benimmt.

Spätestens an dieser Stelle sollte aufmerksamen Naturen klar geworden sein, dass es sich hierbei um reine Fiktion handelt. Jeder, der schon mal in den Genuss dörflicher Idylle gekommen ist, fühlt sich dort wohl eher begraben, vom wahren Leben und übertriebener Menschlichkeit keine Spur. Aber gut… wir sind schließlich in einem Spiel, und da darf es ruhig ein wenig utopisch zugehen.

Packshot zu Harvest Moon: Innocent LifeHarvest Moon: Innocent LifeErschienen für PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Bevor der kleine Innocent sich jedoch den Freuden des Ackerbaus widmen kann, wird er von seinem Mentor auf dessen Anwesen zunächst in die einfachen Grundlagen der Gemüsezucht eingewiesen und lernt einige Leute kennen, die ihn auf seinem Weg zum erfolgreichen Großbauern begleiten. Kenner der Harvest-Moon-Reihe werden sich hier vermutlich langweilen, denn leider können die Grundübungen nicht einfach übersprungen werden. Anfänger hingegen irren zunächst etwas verwirrt durch das Anwesen des Professors, da nicht sofort ersichtlich ist, wer als Nächstes angesprochen werden muss, damit sich die Handlung weiterentwickelt. Hat man die Einführung hinter sich gebracht, macht sich der kleine Androide auf den Weg zu seinem Hof, den ihm der Professor zur Verfügung gestellt hat.

Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln
Das brachliegende Anwesen befindet sich inmitten alter Ruinen in einer ehemals fruchtbaren Landschaft. Die erste Aufgabe besteht darin, den steinigen und von Unkraut übersäten Boden umzugraben und ein paar nette Kartoffeln zu ziehen.

Das einzige Werkzeug, das Innocent anfangs zur Verfügung steht, ist eine kleine Spitzhacke zur Bodenbearbeitung. Unkraut kann er zwar pflücken, muss es jedoch mangels Schneidewerkzeug zunächst an anderer Stelle ablegen, statt es einfach klein zu schnippeln. Auch kleinere Steine räumt unser Freund kurzerhand aus dem Weg, im späteren Verlauf kann er sie mit dem richtigen Werkzeug zerhacken und als Rohstoffe verkaufen.

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Beim Bauernfrühstück wird ausgiebig gequasselt.
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Nach einigen Tagen ist es soweit: Die erste Ernte kann eingebracht werden. Danach werden die Erzeugnisse postwendend verkauft und in der Stadt neue Samen besorgt. Je mehr Kohle man auf diese Weise nach und nach scheffelt, desto wertvollere Samen können erstanden werden. Die erfordern eine aufwändigere Pflege, spülen dafür aber beim Verkauf ordentlich Kohle in die Kasse. Daneben kann man im späteren Verlauf noch Viehzucht betreiben oder Blumen anbauen. Die sind nämlich bei den Bewohnern der Insel besonders begehrt.

Außerdem gibt es so Einiges zu entdecken: Innocent lernt im Verlauf der Handlung immer mehr Leute kennen, erkundet den Ort Vulkanstadt und weitere Gegenden und verschafft sich durch erfolgreiches Landwirtschaften den Respekt der Inselbewohner. Ach ja, und dann gibt es da noch die finsteren Machenschaften des Banks-Konzerns, der die Geschicke der Insel gerne leiten möchte…

Höhlenforscher
Um den virtuellen Landwirt bei Laune zu halten, sollte man die Insel nach und nach erkunden. So gibt es beispielsweise Höhlen, in denen sich allerlei Interessantes findet. Besonders begehrt sind die Geistersteinjuwelen, mit deren Hilfe man bislang nicht zugängliche Bereiche der Ruinen öffnen kann. Dazu müssen die Edelsteine in Altare eingesetzt werden, die sich auf dem Gelände an zahlreichen Stellen finden.

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Edelsteine gewähren euch Zugang zu den Höhlen.
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Auch das eigene Ackerland wird kontinuierlich erweitert. Je mehr Samen man kauft, desto mehr Quadrate können bepflanzt werden. Hierbei sollte man allerdings in Betracht ziehen, wie lange die jeweiligen Gewächse brauchen, bis sie abgeerntet werden können. Leichtsinnige Naturen bewirtschaften ihre Felder nur mit kurzlebiger Flora, die zwar nach einigen Tagen verkauft werden kann, aber keine zweite Blüte treibt, weshalb die Felder komplett neu bearbeitet werden müssen. Längerfristig planende Bauern beziehen jahreszeitliche Schwankungen, benötigte Wachstumszeit und Pflegeaufwand in ihre Überlegungen ein und erzielen so nach und nach eine Feldwirtschaft, die tägliche Erträge abwirft.

Zum Glück lebt Freund Innocent in einer hochtechnisierten Welt, in der Fernseher und andere Kommunikationsgeräte Einzug gehalten haben. Der tägliche Wetterbericht ist absolutes Pflichtprogramm für ein sicheres Landwirtschaften. Wird für den Folgetag Regen oder Sturm angesagt, kann man rechtzeitig Vorkehrungen treffen, um die wertvolle Saat zu schützen. Überhaupt stellt das Fernsehen einen wichtigen Aspekt des virtuellen Landlebens dar: So kann man beispielsweise durch regelmäßigen Konsum einer Kochshow lernen, aus den produzierten Landgütern Speis und Trank herzustellen - Tim Mälzer lässt grüßen. Und da heißt es immer, Fernsehen mache dumm...

Landflucht
Leider ist das Landleben nicht so behaglich, wie es in der Beschreibung den ersten Eindruck erweckt. Denn abgesehen von der waldorfkompatiblen Handlung und dem löblichen Friedfisch-Ansatz weist »Innocent Life« einige Fehler auf, die den Spielfluss empfindlich stören.

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Ist das eine Gurke in deiner Hose oder freust du dich nur, mich zu sehen?
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Eine Interaktion mit anderen Personen oder Dingen kann nur erfolgen, wenn die eigene Figur direkt davor steht, und da man oft nicht weiß, was als Nächstes zu tun ist, verbringt man viel Zeit mit der Suche nach dem nächsten Gesprächspartner. Die Steuerung geriet recht hakelig, da sich die Figuren nur in geraden Linien und rechten Winkeln bewegen. Das erweist sich besonders bei der Feldarbeit als ärgerlich. Das Ackerland ist nämlich in kleine Quadrate unterteilt, was im Hinblick auf die Übersicht zwar recht praktisch ist, doch um ein Quadrat zu wässern, muss man direkt davor stehen.

Angrenzende Felder können ebenfalls nur gegossen werden, wenn man genau im richtigen Abstand davor steht. Bei zunehmender Größe der Anbaufläche wird so aus dem Gießen eine echte Nervenherausforderung. Einfache Aufgaben nimmt einem zwar im späteren Verlauf ein freundlicher Roboter ab, doch die fitzelige, punktgenaue Steuerung zieht sich durch das gesamte Spiel und führt manches Mal zu dem massiven Verlangen, mit der PSP einen neuen Weitwurfrekord aufzustellen - ein teurer Spaß, wenn man sein Aggressionspotential nicht im Griff hat.

Landleben mit Hindernissen
Insbesondere der Spieleinstieg gestaltet sich zäh, denn bis die ersten Pflanzen geerntet und verkauft werden, kann man nur wenig unternehmen. Geld für neue Pflanzen ist noch nicht vorhanden, und so verbringt man die meiste Zeit mit dem Umgraben des Bodens, Unkrautjäten und Fernsehen.

Nach der langweiligen Einstiegsphase zieht die Actionschraube etwas an. Durch seine Verkäufe bekommt man schnell genug Geld zusammen, um sich weitere Samen und Werkzeuge zu kaufen und sogar das Land umzugestalten. Doch jede Aktion, die Innocent durchführt, kostet Energie. Und wenn sich der Energiebalken dem Ende nähert, ist Feierabend, egal wie viel man eigentlich noch zu tun hätte. Dann hilft nur ein schneller Besuch beim väterlichen Doktor in Vulkanstadt, der dem gestressten Jungbauer-Androiden eine Frischzellenkur verpasst, so dass er wieder voll einsatzfähig ist.

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Wie süüüüüß!
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Das bringt uns zum nächsten Nervpunkt, denn man ist für jeden Fußweg mehrere Minuten unterwegs. Es gibt keine direkten Verbindungen zwischen dem Bauernhof und den angrenzenden Gebieten. Um in Vulkanstadt Nachschub einzukaufen, muss der kleine Kerl stets den gleichen Weg per pedes zurücklegen. Zwar kann Innocent im weiteren Verlauf einen Buggy benutzen, was die Wege verkürzt, doch bis es soweit ist, heißt es: Zähne zusammenbeißen.

Leider sind viele Aktionen eintönig und dauern quälend lange. So sollte man mehrmals hintereinander Essen zubereiten, um sein Kochlevel zu steigern. Leider muss man zu diesem Zweck für jedes einzelne Gericht zum Küchentresen, es anrichten und wieder zum Tisch zurück, um es zu essen. Hier wäre es fraglos besser gewesen, sich wiederholende Vorgänge zu automatisieren.

Immerhin gibt es in Sachen Technik wenig zu meckern. Die Buttonbelegung ist simpel, gespeichert werden kann zu jedem Zeitpunkt, und der Sound lässt sich den eigenen Bedürfnissen anpassen.