Während der sich anbahnende Sommer langsam im Büroalltag bemerkbar wird, herrscht in den unbekannten Spielgefilden des neuen Harvest Moon der ewige Winter. Die Erntegöttin liegt im Dauerschlaf, das Land hingegen brach. Erneut sind also die Hobby-Landwirtschaftler unter euch dazu auserkoren, die Welt... äh, das Ackerland zu retten.

Harvest Moon: Das verlorene Tal - Gameplay Trailer

Doch machen wir uns nichts vor: Mittlerweile sollte nach der Vielzahl an Titeln klar sein, dass die seit 1996 existierende Spielreihe rund ums geschäftige Bauernhofleben sich nicht gerade durch eine spektakuläre Inszenierung auszeichnet. Ähnlich wie beim oft verglichenen Landwirtschafts-Simulator geht es gewissermaßen mehr um die Vermittlung von Gemütlichkeit. Vom Prinzip her kann man es auch als eine simplifizierte Version des besagten Simulationsspiels sehen - nur ohne Traktoren (och...) und dafür mit viele Liebe und Zuckerguss-Faktor (yay?).

Am Grundprinzip hat sich seit dem ersten Teil kaum etwas verändert: Ihr seid immer noch der oder die frischgebackene Landbesitzer/in und müsst euer Feld eigenständig bestellen, Vieh und Pflanzen pflegen und Handel mit euren Anbauprodukten betreiben. Nebenbei gilt es noch, die große Liebe zu finden und mit ihm oder ihr eine Familie zu gründen. Alles schön beschaulich und beständig wie eh und je.

Harvest Moon: Das verlorene Tal - Winter is coming: Der Bauernhof- und Dating-Simulator 2015

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One Day, all this will be mine!
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Ähnliche Ansätze verfolgte die "Harvest Moon"-Ablegerserie Rune Factory, die einige RPG-Elemente wie ein rundenbasiertes Kampfsystem zusätzlich beinhaltete. Wenn man sich die unüberschaubare Vielzahl an Hauptteilen und Ablegern vor Augen führt, die im Kern gleichgeblieben ist und mal mehr und mal weniger wahrgenommen wird, stellt sich also durchaus die Frage, warum gerade der neueste Teil "Das verlorene Tal" für die Serienkenner wieder interessant sein sollte.

Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt

Ein erwähnenswerter Grund ist die Möglichkeit, erstmals das gesamte, weitläufige Gebiet komplett nach eigenem Gutdünken verwalten zu dürfen. Damit ist nicht einfach nur der Ausbau eines eigenen Bauernhof-Grundstücks gemeint. Mithilfe euer coolen Allzweck-Schaufel seid ihr nun auch in der Lage, nicht nur Flüsse durch Wassergräben zu schaffen oder umzustrukturieren, sondern auch wortwörtlich Berge zu versetzen. Es braucht anfangs eine Weile, bis ihr mit den gängigen Mechanismen und Anbaumöglichkeiten vertraut werdet; doch stellt sich erst einmal die Routine ein, seid ihr auch schon so in eure Experimentierfreudigkeit vertieft und könntet glatt die Zeit dabei vergessen.

Packshot zu Harvest Moon: Das verlorene TalHarvest Moon: Das verlorene TalErschienen für 3DS kaufen: Jetzt kaufen:

Die Betonung liegt auf "könntet", denn wie auch in den Vorgängerteilen gibt es einen Tag-Nacht-Zyklus, wodurch eure Aktivität auf etwa eine Viertelstunde (Echtzeit) pro Tag im Spiel beschränkt ist. Wollt ihr allerdings die volle Periode für eure Tätigkeiten ausnutzen, straft euch das Spiel mit einer geringeren Ausdauer am nächsten Tag ab. So müsst ihr während eurer Arbeit nicht nur auf die Uhrzeit, sondern auch auf eure Ausdauerleiste achten, um den zeitigen Moment der Heimkehr abzupassen, damit ihr nicht den nächsten Tag todmüde bestreiten oder schlimmstenfalls gar todkrank das Bett hüten müsst.

Ein solider Nachfolger mit vielen, kleinen Schwächen, aber auch sinnvollen Neuerungen und besonders viel Herz.Fazit lesen

Der Zwist der Zeit

Umso mehr ihr anbaut, desto zielgenauer müsst ihr euren Tagesablauf planen, um gute Resultate für die Ernte zu erzielen. Im Falle eines großflächigen Ackerfelds braucht ihr allein schon fürs Gießen und Säen bereits einen halben Spieltag. Eine Schar bunter Erntewichtel, die ihr im Laufe des Spiels kennenlernen werdet, greift euch zwar etwas unter die Arme, doch werdet ihr selbst mit ihrer Hilfe nie effektiv mehrere Aufgaben an einem Tag erledigen können, da die Zeit euch so oder so im Nacken sitzt.

Harvest Moon: Das verlorene Tal - Winter is coming: Der Bauernhof- und Dating-Simulator 2015

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So viele Teile und kaum Unkenrufe darüber, dass das Franchise gemolken wird wie eine Kuh?
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Obwohl diese Mechanik ein altbewährtes Element der "Harvest Moon"-Reihe ist, ist es mitunter der größte Spaßdämpfer des Spiels. So komisch es klingt: Gerade wenn euch mal ein kleiner und doch zeitraubender Fehler unterlaufen ist - beispielsweise wenn ihr versehentlich die Angel zum Fischen zückt, statt den Boden vor euch zu bestellen, weil beide Funktionen dieselbe Taste teilen - kann der Zeitfaktor aufgrund entscheidender Sekunden ein Dorn im Auge sein.

Merklich nerven kann es auch bei euren Erkundungstouren, bei denen ihr gegebenenfalls die Gegend umbauen müsst, etwa um neue Wasserquellen oder Höhlen freizulegen. So seid ihr also immer gezwungen, eure Tätigkeit regelmäßig zu unterbrechen und zudem noch eure Arbeit auf dem Feld zu vernachlässigen. Der Störfaktor klingt jetzt gravierender, als er eigentlich wirklich ist. Aber es ist schon schade, wenn ihr euch nicht in eine Arbeit richtig vertiefen könnt, wo doch das Spiel euch mit reichlich Aufgaben versorgt und euch die Möglichkeit unzähliger Aktivitäten schmackhaft macht.

Du erntest, was du säst

In der Anfangsphase sind die wenigen Aufgaben etwas repetitiv, weswegen sich das Spiel zunächst noch recht gemächlich anfühlt und eine Menge Geduld erfordert, da es sich viel Zeit für Erklärungen nimmt. Letzteres ist aber im Grunde auch gut so und bietet vor allem Neulingen ohne jegliche Berührungspunkte mit den vorigen "Harvest Moon"-Teilen einen schnellen Einstieg.

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Nur die Jahreszeitenkristalle können das Klima des verschneiten Tals wieder normalisieren, wodurch die Erntegöttin wieder zu Kräften kommt. Auch sie ist eine potenzielle Braut-Kandidatin. Tja, nichts ist unmöglich!
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Mit den ersten errichteten Wohngebäuden kommt langsam immer mehr Leben ins Dorf. Darüber hinaus mehren sich von Zeit zu Zeit die Möglichkeiten, euer Ernte-Management zu optimieren. Es hat gewissermaßen trotz der Hand voll Kritikpunkte etwas Versöhnliches, nachdem man erst einmal das eigene Dorf aufblühen sah und die stetig neu hinzukommenden Charaktere lieb gewonnen hat. Spätestens, wenn ihr auch noch euren virtuellen Nachwuchs in den eigenen Händen haltet, kann einem schon regelrecht warm ums Herz werden. Ein Spiel, das seine Reihe solide fortsetzt und Neuerungen einführt, ohne ihre gut funktionierenden, altbewährten Prinzipien zu verwerfen, kann doch letzten Endes kein schlechtes Spiel sein.