Vor vielen Monaten gaben wir euch bei gamona Einblick in den virtuellen Farmeralltag im Verlorenen Tal der Erntegöttin, wo man dem vom ewigen Winter in Mitleidenschaft gezogenen, fruchtlosen Land zu neuem Glanz verhelfen musste. Kaum ist ein Jahr vergangen, ruft die Bauernpflicht erneut, denn in „Story of Seasons“ muss eine einst wirtschaftlich blühende Kleinstadt vor der Tourismusebbe gerettet werden. Und was kann Touristen eher anlocken als sich endlos erstreckendes Ackerland?!

Jaja, das Bauernleben kann schon echt hart sein. Ständig gilt es, irgendwelche Zivilisationen vor dem einen oder anderen Schicksalsschlag zu bewahren und mit der Mistgabel regelrecht den Dreck anderer Leute wegzumachen, den sie eigentlich selbst angerichtet haben. Aber mit großen Mistgabeln kommt eben auch große Verantwortung - und nebenbei ist das Leben auf dem idyllischen Land ja auch nicht so schlecht. Man hat schließlich viele nette Dinge um sich: Mutter Natur in ihrer ganzen Pracht, jede Menge putzige Tierchen, die obendrein für einen Großteil eurer Nahrung sorgen können und viele gutgelaunte Menschen, unter denen sich sogar euer künftiges Herzblatt befinden könnte.

Bis ihr aber die (Land-)Liebe eures Lebens trefft, müsst ihr zunächst euren eigenen Hof auf Vordermann bringen und euch einen großen Namen in der fremden Kleinstadt machen. Da ihr aber weder Hof noch Haus am Anfang besitzt, seid ihr auf finanzielle Grundlagen angewiesen. Ganz ins kalte Wasser werdet ihr aber nicht geworfen, denn zum Glück nimmt euch die freundliche alte Dame aus der Nachbarschaft an die Hand und erklärt euch neben dem Bauern-Einmaleins alles Wissenswerte, was ihr über dieses beschauliche Örtchen so wissen müsst, wie ihr beispielsweise an Geld und Nutztiere herankommt oder welche Dienste ihr von den Bewohnern in Anspruch nehmen könnt.

Story of Seasons - Ist Harvest Moon drin, wo nicht Harvest Moon draufsteht?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 1/51/5
Gut gemeint und dennoch ohne große Vielfalt: die Charaktererstellung. Interessant wird es erst mit der Kleiderwahl, die später sogar die Einstellung anderer Charaktere zu euch beeinflusst.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch wenn es sich bei „Story of Seasons“ um einen anderen Titel als Harvest Moon handeln mag, ist das Spielprinzip im Grunde genau dasselbe. Sollte aber auch nicht überraschen, da das gleiche Entwicklerteam der altbekannten Farming- und Dating-Simulationsspielserie hinter diesem Spiel steckt.

Doch warum haben die kreativen Köpfe von Marvelous AQL eigentlich ein neues Spiel dieser Art rausgebracht, wo der letzte Titel der „Harvest Moon“-Serie erst relativ zeitnah zurücklag? Kurz gesagt stammt das zuletzt erschienene Spiel „Harvest Moon: Das Verlorene Tal“ nicht von Marvelous AQL, sondern von Natsume. Jene Firma war zuvor sonst immer nur für das Publishing der Spielreihe verantwortlich. Mittlerweile besitzt sie die alleinigen Rechte an der „Harvest Moon“-Marke und hat mit „Das Verlorene Tal“ erstmals sozusagen eine hauseigene Version (mit Projektpartner Studio Tabot) herausgebracht. Da Marvelous AQL aufgrund der Rechtsprobleme die Marke „Harvest Moon“ nicht mehr verwenden durfte, entschied sich die Kreativschmiede für den neuen Titel „Story of Seasons“ und erhofft sich dadurch einen Neustart.

Sei es wie es sei. Hätte es den Namen „Harvest Moon“ gehabt, hätte es auch niemanden verwundert, denn bis auf einige kleine Neuerungen im Detail unterscheidet sich die Spielprämisse von „Story of Seasons“ nicht sonderlich von den geistigen Vorgängern. Ihr seid maßgeblich mit dem Ertrag eurer Produkte, die ihr durch eure landwirtschaftlichen Aufgaben herstellt, dafür verantwortlich, dass der Handel in der Stadt blüht. Später habt ihr sogar einen eigenen Laden und könnt weitere freien Flächen für viele andere Geschäftszwecke nutzen. Das führt früher oder später dazu, dass wiederum der Tourismus in der Stadt boomt, was nicht nur zahlreiche Besucher anlockt, sondern auch andere Händler, die sich hier niederlassen.

Story of Seasons - Ist Harvest Moon drin, wo nicht Harvest Moon draufsteht?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 1/51/5
Auch in Story of Seasons habt ihr eine interessante und nett ausschauende Auswahl an potenziellen Bauernburschen und -fräuleins.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

So kommt es, dass das anfangs stille Kaff zu einer immer lebhafteren Handelszentrum wird, wodurch natürlich auch der Konkurrenzdruck steigt - womit wir zu einer der interessanten Neuerungen kommen: Habt ihr nämlich erst einmal ein ertragreiches Geschäft etabliert, werdet ihr zunehmend von den anderen Bauern der Gegend als Rivale ernstgenommen und werdet zu diversen Ernte-Wettkämpfen herausgefordert.

Auf jeden Fall ein netter Ansatz, um Abwechslung und Dynamik in euren routinierten Arbeitsalltag reinzubringen, nicht zuletzt, weil manche eurer Rivalen zugleich als eure potenziellen Beziehungen infrage kommen und ein Sieg im Kampf eine von vielen Bedingungen darstellt, um ihr oder sein Herz zu erobern. Bis ihr um die Hand eures Schwarm anhalten dürft, müsst ihr euch ordentlich ins Zeug legen und je nachdem, wem ihr euer Herz geschenkt habt, warten auch unterschiedliche Aufgaben auf euch.

Neuer Name, aber selber knuffiger „Harvest Moon“-Charme. Wie seine geistigen Vorgänger fehlt das gewisse Alleinstehungsmerkmal und es schwächelt im Pacing.Fazit lesen

Generell ist es durchaus anzuerkennen, dass so einige Ansätze verfolgt wurden, um die immergleiche Spielschemata zu kaschieren und etwas mehr Schwung in die repetitiven Aktivitäten einzubringen, die sich mit der Zeit bemerkbar machen. Im Vergleich zu den alten „Harvest Moon“-Teilen müsst ihr eure gereiften Feldfrüchte beispielsweise nicht Quadratfeld für Quadratfeld abernten, sondern könnt gleich einen ganzen Batzen von ihnen abgrasen. Neben der Verwaltung eurer Ackerfelder könnt ihr zudem euer Haus immer wieder neu ausbauen und mit schmucken Möbeln ausstatten, wodurch ihr wiederum potenzielle Hochzeitsanwärter auf euch aufmerksam machen könnt.

Story of Seasons - Ist Harvest Moon drin, wo nicht Harvest Moon draufsteht?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 1/51/5
Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul: Sobald ihr erst einmal euer erstes Pferd besitzt, könnt ihr auch fernes Neuland erkunden, ohne dabei den halben Tag verstreichen zu lassen
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es ist nur hinsichtlich der Farmer-Wettbewerbe ein wenig schade, dass ihr sie bereits im Voraus soweit planen könnt, dass die Ungewissheit auf einen Sieg oder eine Niederlage quasi nicht mehr vorhanden ist. Habt ihr nämlich die Anzahl der gesuchten Ernteprodukte bereits im Vorfeld erreicht, ehe der Startschuss des Wettkampfes gefallen ist, steht der Sieg bereits in Stein gemeißelt. Das ist insofern ein Problem für mich, da mir dadurch einer der wenigen Gründe genommen wird, mich in das Spielgeschehen zu involvieren. Da ich nun mal normalerweise zu der Sorte Spieler gehöre, die auf die Art von Storytelling Wert legt, die ihre Figuren stark integriert und ihre Hinter- und Beweggründe ihres Handelns mehr und mehr beleuchtet, brauche ich bei solchen open-end-orientierten Aufbauspielen entsprechende Motivationsfaktoren.

Es kann auf der einen Seite schon sehr zufriedenstellend sein zu sehen, wie die eigene Arbeit Früchte trägt und wie individuell sich das eigene virtuelle Zuhause ausbauen lässt. Auf der anderen Seite müsst ihr erst einmal über die stundenlange Einstiegsphase hinauskommen, die merklich an Langatmigkeit krankt und vielleicht mit etwas weniger Tutorialsektionen zu manchen selbsterklärenden Mechanismen des Spiels ausgekommen wäre. Das macht es aber auch sehr einsteigerfreundlich und wer für solche ökonomisch-orientierten Aufbauspiele zu haben ist, wird sich auch definitiv bei diesem Titel in den zahlreichen Sammel- und Produktionsaufgaben stundenlang verlieren.

Story of Seasons - Ist Harvest Moon drin, wo nicht Harvest Moon draufsteht?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 1/51/5
It’sa me! Mithilfe von exklusiven Mario-Items, die ihr ebenfalls anbauen könnt, verschafft ihr euch temporäre Vorteile bei der Feldarbeit. Fragt nicht wieso, tut es einfach!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

In Sachen Charme und Knuddelfaktor nehmen sich „Story of Seasons“ und „Harvest Moon: Das Verlorene Tal“ nicht viel. Selbst trotz der Tatsache, dass Letzteres nicht vom offiziellen Entwicklerteam der kultigen Bauernhof-Spielreihe stammt, hat es seine gut funktionierenden Neuerungen und auch seine Pacing-Macken wie jeder andere Teil auch und besitzt dementsprechend seine Daseinsberechtigung - schon allein deswegen, weil es als unabhängiger Titel sehr einstiegsfreundlich ist. Auch „Story of Seasons“ hat nicht unbedingt ein Alleinstehungsmerkmal, was es sonderlich von den geistigen Vorgängern abhebt, lädt aber mit seiner eigenwilligen Optik und den diversen Charakteren zum heimisch- und wohlfühlen ein.