Hey, wie viel kostet das? – 5 Galleonen – Und für mich? – 5 Galleonen – Ich bin euer Bruder! – 10 Galleonen. Das war Ron Wesley im Wizards-Wheezes-Laden seiner Brüder. Hey, wie viel kostet das? – 10 Euro – Aber ich werde gerade von einer riesigen Wurzel erwürgt. – 10 Euro – Aber mein Charakter sieht mich an, als hätte er Todesangst. – 10 Euro. – Aber ich habe mein Taschengeld schon aufgebraucht. – 10 Euro. – Mama?
Das dagegen ist Harry Potter: Hogwarts Mystery. Und es schmeckt noch nicht einmal süß, wenn ihr die zehn Edelsteine auf den Tisch legt.

Können diese unschuldigen Augen Lügen? Die Antwort ist: Ja.

Harry Potter: Hogwarts Mystery - Official Teaser-Trailer2 weitere Videos

Ich wollte Harry Potter: Hogwarts Mystery mögen. Wie jeder andere Spieler, Neugierige oder Journalist, der gerade seine Finger in die Geldhölle von Harry Potter steckt, wollte ich es lieben. Denn es gibt keine guten Harry-Potter-Spiele mehr (einige beanstanden sogar, es hätte nie welche gegeben); es gibt keine Harry-Potter-Filme (ich weiß, was du sagen möchtest, aber sag es nicht), keine Bücher, keine Harry-Potter-Harrys und -Hermiones im Happy Meal. Und das, obwohl mein erster Gang in einem Franchise-Laden noch immer den Plastik-Zauberstäben gilt, eingebettet in feinen, länglichen Kartons, die von Mr. Ollivander per Hand ausgesucht worden. Ganz sicher.

Harry Potter: Hogwarts Mystery - identifiziert euch mir eurem Haus, eurem Charakter, der Spielwelt und bezahlt dann Geld, um all das zu behalten

Harry Potter: Battlefront 2

Es ist eine Marktlücke und wie andere derlei Lücken gibt sie ein schimmerndes Licht im Schatten der Nokturngasse von sich; ein Lockruf für all die hungrigen, geldfressenden Motten, die im Dienste von Du-weißt-schon-welchen-Industrie-Moguln nach eben solchen Franchises suchen. Es gibt Star Wars: Battlefront 2, was ein gutes Spiel war, aufgefressen von Mikrotransaktionen und dort hieß es noch “Erst Vollpreis bezahlen und dann noch Geld verlangen?!” aber Free2Play, Fremium, Fresse-und-Geld-her, oder wie sie alle heißen: Sie tun weh. Nicht, weil sie Geld verlangen, denn warum sollten wir plötzlich nicht mehr die Arbeit von Menschen bezahlen, die Spiele wie Candy Crush, Wort Guru und andere Gelegenheits-Apps entwickeln? Ist es das nicht wert, wenn wir pro Tag ein oder zwei Stunden am Handy kleben und sie spielen?

Es ist die Art und Weise, wie sie Geld verlangen. Auch Battlefront 2 hat darunter gelitten, wenngleich nicht so intensiv und perfide, wie Harry Potter: Hogwarts Mystery – das Spiel, das euch würgt, bis ihr den Schotter rausrückt.

Wie viel Geld ist es wert, weiterspielen zu können?

Fresse und Geld her

Es ist nicht originell oder neu, all das gab es schon lange vor Hogwarts Mystery und wird im Moment einzig deswegen aufgebauscht, weil auf diesem Spiel HARRY POTTER klebt, als sei Hogwarts Mystery der Nachfolger von Battlefront 2, das hässliche Kind einer Ära von Mikrotransaktionen, die 2017 ihren Lauf nahmen. Völliger Quatsch, denn Spiele wie CSI - Hidden Crimes (2016) oder auch das unlängst erschienene Monster-of-the-Week-Game The X-Files: Deep State arbeiten mit ähnlichen Methoden; angefangen mit dem Versprechen eines kostenlosen Spiels über den leichten, völlig kostenfreien Einstieg in das süchtig machende Gameplay zum

– kompletten Stopp. Dem “Bezahl-oder-warte-mehrere-Stunden”-Stopp, dem “Ich-weiß-du-willst-gerade-jetzt-weiterspielen-und-deswegen-frage-ich-dich-nach-deiner- Kontonummer”-Stopp; dem “Es-sind-doch-nur-99-Cent”-Stopp. Und es geht nicht um die 99 Cent, oder die 3.99 Euro und noch nicht einmal um die 40 Euro für das Premium-Königspaket. Das tatsächlich perfide an dem Prinzip ist der psychologische Aspekt dahinter, das Anfixen, bevor die Schlägertypen vor der eigenen Tür stehen und Geld für den letzten Schuss verlangen.

In Harry Potter: Hogwarts Mystery stoppte die Erzählung, als mein eigens kreierter Charakter von einer Teufelsschlinge gewürgt wurde. Eine ziemlich nette Metapher, oder?

Mit jedem Klick wird die Schlinge fester; und noch fester, bis die Frage aufploppt - "Möchtest du Geld bezahlen?"

“Das ist doch aber immer so, das weiß jeder.”

Und das, meine lieben Freunde und Leser, ist traurig. Wie kommt es, dass eine solche Taktik völlig anerkannt und akzeptiert durch den Dschungel der Handy-Apps schleicht? Und ja, es gibt negative Kommentare zu den meisten dieser Spiele, aber ebenso viele User kümmern sich nicht darum; ob nun aus Unwissenheit, einer Scheiß-egal-Einstellung oder einer völligen Desillusionierung und anschließenden Unterwerfung.

Auch App-Entwickler sollten für ihre Arbeit bezahlt werden. Aber nicht über ein süchtig machendes Lustprinzip, das zunächst vorgaukelt, kostenlos zu sein, um dann – mitten im Spiel – zuzuschnappen.

Accio Energie - oder “Mama, kann ich deine Kreditkarte haben?”

Ich will nicht mit erhobenem Zeigefinger auf medienunerfahrene Nutzer zeigen, noch Spielen die Schuld daran geben, was User mit ihnen mit anstellen. Aber eigentlich will ich es doch. Fakt ist, dass viele Handy-Apps extra für Kinder konzipiert werden und dieser kleine psychologische Trick insbesondere bei denen funktioniert, die eben nicht schon die zwanzigste App deinstalliert haben und sich Medienkompetenz-Veteranen nennen dürfen.

Du, der du hier liest, hast womöglich kein Geld für Harry Potter: Hogwarts Mystery ausgegeben; oder gerade so viel, dass du dennoch damit zufrieden bist. Aber du bist nicht der einzige Spieler und solcherlei offensichtliche Catching-Methoden würden nicht angewendet werden, wenn nicht einige darauf hereinfallen und unverhältnismäßig hohe Beträge in diese Apps stecken würden.

Ist es das wert?

Ich habe Harry Potter: Hogwarts Mystery genau eine halbe Stunde gespielt, ehe mein Charakter von einer Mitschülerin (ich nennen sie “Jam City”) in den Raum mit der Teufelsschlinge gesperrt wurde. Die Augen quollen angsterfüllt aus den Höhlen meiner Slytherin; ihre Finger krabbelten hilflos an den festen Schlingen der Zauberpflanze, während das Fenster mit den Edelsteinen aufpoppte – Möchtest du mehr Energie kaufen?

Nein. Und dann habe ich die App deinstalliert.

Natürlich ist es möglich, zu warten. Natürlich kann das gesamte Abenteuer ohne inGame-Käufe abgeschlossen werden. Doch ein Spiel, das mich derart dreist in die Enge treibt; sich anbiedert und schamlos offensichtlich versucht, mich an meinen Charakter zu binden, ehe es ihn würgt und Geld im selben Atemzug verlangt, ist es nicht wert.