Am 7. November 2002 veröffentlichte Sony das Spiel Hardware: Online Arena – einen durchaus unterhaltsamen Twisted-Metal-Verschnitt für das damals gerade erst eingeführte Multiplayer-Netzwerk der Japaner. Mangels nennenswerter Nutzerzahlen blieb der Erfolg jedoch weitestgehend aus. Heute feiert genau dieses Spiel seine Wiedergeburt auf der PS4 – angetrieben von der Unreal Engine 4 und unterstützt von einem Status als PlayStation-Plus-Gratistitel, den sich Millionen Gamer ohne weitere Bezahlhürde herunterladen können.

Hardware: Rivals - Launch-Trailer

Wer schon mal einen Ableger von Sonys Vehicle-Combat-Sause Twisted Metal gespielt hat, wird sich mit den Online-Verschrottungsorgien in Hardware: Rivals schnell anfreunden. In vier in sich abgeschlossenen Arenen treten bis zu zehn Militärfahrzeuge in unterschiedlichen Modi gegeneinander an. Gespielt wird aus Third-Person-Perspektive und wahlweise an Bord von einem Offroad-Buggy oder Panzer. Klingt nach einem ziemlich unausgeglichenen Schlagabtausch, oder? Dachte ich anfangs auch. Nachdem ich die Vor- und Nachteile der beiden Fahrzeugtypen verinnerlicht hatte, empfand ich beide aber als ziemlich ebenbürtig.

Der massiv gepanzerte Tank kann zwar wesentlich mehr Schaden absorbieren, deutlich großkalibrigere Geschosse verschießen und mit einem um 360 Grad drehbaren Geschützturm punkten, im Hinblick auf Geschwindigkeit und Manövrierbarkeit zieht das Kettenungetüm allerdings klar den Kürzeren. Der Jeep hingegen dreht genau in diesen beiden Disziplinen richtig auf. Weil er zudem nur ein Bruchteil dessen wiegt, was Sledgehammer und Predator – so die Namen der beiden verfügbaren Panzermodelle – auf die Waage bringen, eignet er sich hervorragend für weite Sprünge an den überall verfügbaren Rampen.

Hardware: Rivals - Wenn Rocket League auf Twisted Metal trifft

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David gegen Goliath: Jeder Spieler darf selbst entscheiden, ob er lieber an Bord eines wieselflinken Offroad-Buggys oder im Cockpit einer massiv gepanzerten Kettenbestie in die Arena stürmt.
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Power-ups: das Salz in der Suppe

Dass Team-Deathmatch, Herrschaft, Jeder-gegen-Jeden und die regelmäßig durchwechselnden Custom-Events (beispielsweise nur Jeeps mit Railguns) vor allem in den ersten Stunden richtig aufs Motivationspedal drücken, hat aber noch andere Gründe. Da wäre zum einen das nicht sonderlich innovative, aber trotzdem spaßige Aufgebot an Power-ups. Mit dem in zwei Varianten verfügbaren EMP-Stoß etwa schalte ich den Antrieb respektive die Waffensysteme eines Ziels mit nur einem Treffer temporär ab. Den Rest erledigen dann entweder das Jeep-Maschinengewehr oder die Panzer-Haubitze.

Hohe Treffsicherheit und viel Schadensfreunde versprechen darüber hinaus die schwere Lenkrakete und das Plasma-Waffensystem. Einfach kurz das Fadenkreuz auf eine Feindeinheit richten, schon aktiviert sich die Zielautomatik. Dann einige Sekunden abwarten, abdrücken und hoffen, dass der Anvisierte nicht in einer Lagerhalle, einer Tunnelpassage oder anderen überdachten Levelbereichen Schutz sucht.

Packshot zu Hardware: RivalsHardware: RivalsErschienen für PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Wer konstant am Nummernschild seiner Gegner hängt, sollte dagegen eher nach Laserwaffen- beziehungsweise Railgun-Power-ups Ausschau halten. Denn beide verfügen über eine enorme Durchschlagskraft, erfordern jedoch mehr Geschick beim Zielen. Das gilt im Speziellen für die Railgun. Hier reicht ein einziger Direkttreffer, um Konkurrenzfahrzeuge in glühendes Altmetall zu verwandeln. Das Interessante bei Hardware: Rivals: Am Ende einer Partie führt nicht der Spieler mit den meisten Kills die Match-Rangliste an, sondern derjenige, der den meisten Schaden bei Feindeinheiten verursacht hat. Weniger durchschlagende Waffensysteme wie die gleich im Multi-Pack lossausenden leichten Raketen sowie die mehrfach umherhopsenden Sprungbomben haben somit ebenfalls ihre Berechtigung.

Hardware: Rivals - Wenn Rocket League auf Twisted Metal trifft

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Ein Splitscreen-Modus oder Offline-Solo-Missionen bietet Hardware: Rivals leider nicht. Dafür überzeugt das Leveldesign der bisher vier Mehrspieler-Arenen.
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Mit Frostbite und Ahnenfeuer zum Sieg

Für interessante Nervenkitzel und neue Dynamiken im Spielablauf sorgen obendrein mehrere Superwaffen mit so klangvollen Namen wie "Frostbite", "System Purge" oder "Ahnenfeuer". Gut versteckt an ausgewählten Stellen innerhalb des jeweiligen Levels, löst ihre Aktivierung zunächst einen bedrohlichen Countdown aus. Wurde von 30 auf Null runtergezählt, bricht dann unaufhaltsam die Hölle los. "Frostbite" zum Beispiel friert den Boden der Karte "Außenposten 92" komplett ein – und jedes Fahrzeug gleich mit, das sich nicht rechtzeitig auf eine höher gelegene Ebene in Sicherheit bringen konnte. Oder nehmen wir "Ahnenfeuer": Hier sprudeln hunderttausende Liter Lava aus dem Zentrum einer befahrbaren Tempelanlage und ergießen sich auf alle Bereiche drum herum. Das Gemeine dabei: Egal, ob Freund oder Feinde – wer nicht rechtzeitig ins Innere der Anlage flüchtet, ist so gut wie tot.

Netter Nebeneffekt der Superwaffen: Sie bescheren euch nicht nur sichere Kills, sondern locken aufmerksame Spieler aus der Reserve, sprich: in Bereiche, in denen jeder bei Ertönen des Countdowns Schutz sucht. Das wiederum führt regelmäßig zu einigen wirklich dramatischen Scharmützeln auf engstem Raum. Besonders für Taktiker interessant: Im richtigen Moment eingesetzt, kann eine Superwaffe sogar eine längst verloren geglaubte Partie noch rumreißen – etwa wenn das vermeintliche Verliererteam den Zugang zum Schutzbunker auf der Karte "Blasensee" genau in dem Moment erfolgreich verteidigt, in dem die "Luftschlag"-Jagdbomber anrücken und ihre garantiert tödliche Fracht auf alle Einheiten außerhalb der Bunkeranlagen abwerfen. Ohne konkrete Absprache mit den verbündeten Teammitgliedern lässt sich eine solche Falle freilich kaum realisieren.

Hardware: Rivals - Wenn Rocket League auf Twisted Metal trifft

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Ein Schadensmodell ist Hardware: Rivals leider nicht vergönnt. Prallen zwei Fahrzeuge aufeinander, wirbeln sie einfach übertrieben durch die Luft – Airtime-Bonus inklusive.
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Um Spieler für längere Zeiträume bei der Stange zu halten, spendiert Sony zudem ein übersichtliches Fortschrittssystem. Keines vom Kaliber eines Call of Duty: Black Ops 3 und Co., aber doch motivierend genug, um mich für acht bis zehn Stunden vor dem Fernseher zu parken. Heißt konkret: Sobald mein Alter Ego durch Abschüsse, Siege und so weiter ausreichend Erfahrungspunkte einsacken konnte und bestimmte Talentstufen erreicht, kredenzt mir Hardware: Rivals neue Perks. Ab XP-Stufe zwölf schalte ich beispielsweise eine Selbstreparaturfunktion frei, die schwere Schäden am eigenen Fahrzeug zu einem gewissen Grad wiederherstellt. Ab Level 17 erhöht sich der Ortungsradius des Radars, ab Level 20 verringert sich die Radarsichtbarkeit, und so fort. Damit die Balance nicht aus den Fugen gerät, kann allerdings immer nur ein Perk in jeder der insgesamt fünf Kategorien (Zielen, Antrieb, Verteidigung, Ortung, Waffe) aktiviert werden.

Ein schmackhafter Baller-Snack für zwischendurch, dem es derzeit aber noch an Umfang und Langzeitmotivation mangelt.Fazit lesen

Für Snack-Spieler

Für den schnellen Ballerspaß zwischendurch taugt Hardware: Rivals also allemal. Das Problem: In Sachen Langzeitmotivation und Umfang kriegt das Spiel nur bedingt die Kurve. Eine Einzelspieler-Kampagne suche ich hier ebenso vergebens wie unterhaltsame Solo-Missionen oder einen Offline-Splitscreen-Modus für zwei oder vier Spieler. Hardware: Rivals setzt voll und ganz auf den Online-Betrieb, bietet dort zum Start allerdings gerade einmal vier Karten und eine Handvoll Modi. Dazu gesellen sich ein wenig befriedigendes Treffer-Feedback, sporadische Verbindungsabbrüche und Waffensysteme, die nur auf horizontaler Achse ausgerichtet werden dürfen. PlayStation-Plus-Abonnenten sollte all das aber nicht abschrecken, schließlich gibt’s Hardware: Rivals noch eine ganze Weile frei Haus.