Harbinger (PC-Test)
(von David Skreiner)

Das Spielprinzip des Genres Action-Rollenspiel ist leicht erklärt: Man sieht eine Figur von schräg oben, und man klickt mit der Maus. Gehen: Mausklick. Sprechen, Türe öffnen, Schalter aktivieren: Mausklick. Gegner angreifen: Viele Mausklicks. Braucht die Welt wirklich noch einen Diablo-Klon?Sci-Fi Story
Anders als beim spielerischen Vorbild ist die Harbinger-Handlung im Weltraum angesiedelt: Das Sklavenschiff Harbinger bedeutet Tod und Zerstörung für alle bewohnten Planeten in Reichweite. Die Bewohner dieser Welten werden als Sklaven an Bord der Harbinger gebracht - oder ausradiert.

Einigen Dutzend dieser Sklaven ist die Flucht gelungen: Stets auf der Hut vor den gefürchteten Patrouillen haben sie in vergessenen Winkeln des gigantischen Sklavenschiffes ein Lager errichtet. Als die tödlichen Insektoiden Cimicidae das Schiff befallen, sehen diese Außenseiter ihre Chance auf einen Schlag gegen die Unterdrücker gekommen.
Eigentlich eine interessante Umgebung für ein Action-RPG im Diablo-Stil: Ein gewaltiges Alien-Sklavenschiff, prall gefüllt mit den Schätzen (und wenigen Überlebenden) Dutzender, wenn nicht Hunderter außerirdischer Zivilisationen ... eine Handvoll bunter Abenteurer, die gemeinsam den Erzfeinden des zivilisierten Lebens die Stirn bieten ... merkwürdige Artefakte und Erfindungen aus allen Winkeln der Galaxis ...

Atmosphäre, wo?
Die Chance auf eine tolle Story war jedenfalls da. Den Designern ist es jedoch nicht wirklich gelungen, aus den soliden Grundzutaten eine sonderlich mitreißende oder spannende Handlung zu stricken.Die Handlung, die über comicartige Einblendungen oder Missionsbeschreibungs-Schnipsel vermittelt wird, wirkt enttäuschend eintönig:

Die kurzen Texte weisen in der Regel bloß auf den nächsten Abschnitt hin, die deutsche Übersetzung wirkt teils holprig, und fast jeder Auftrag lässt sich als "Geh dahin und beseitige die Gegner" zusammenfassen. Vom recht lustigen, aber für die Handlung irrelevanten Eröffnungsvideo über die merkwürdigen Schriftarten bis hin zu den detailreichen, aber eintönigen Level-Grafiken lässt das Spiel jenen Pep vermissen, der das offensichtliche Vorbild Diablo so spannend machte.

Noch dazu besteht das angebliche "Rebellenlager" Torvus Junction aus genau zwei Personen - nämlich aus dem Händler Ona und aus den Boss Torvus, der für die Quest-Vergabe zuständig ist. In diesem Lager findet sich der Spieler zu Spielbeginn als einer von drei Spielercharakteren: Der Mensch verdingt sich seit seiner Flucht aus dem Sklavengefängnis als Söldner und wittert Credits.



Die mystische Alien-Lady Colibine will den Mord an ihrem angeblich friedlichen Volk rächen (kann dafür aber ziemlich gut kämpfen).

Der dritte Charakter erinnert ein wenig an die Robocop-Filme: Ein Außerirdischer wurde einem experimentellen Gladiator-Cyborg als Schaltzentrale eingebaut, unfreiwillig natürlich.


Gameplay
Das Genre kennt man als Action-Rollenspiel - in diesem Fall treffen deutliche Actionelemente auf kaum vorhandene Rollenspiel-Aspekte. Während die Kampfsequenzen durchaus schnelle Reaktionen fordern, bleiben die Rollenspielele-mente dieses Action-RPGs deutlich hinter vergleichbaren Spielen zurück.

Mit der Steuerung von Harbinger dürften die meisten Spielefans sogar im Halbschlaf bestens zurechtkommen: Das Kontrollschema samt Inventar, Handel und Charakter-Steigerung ist mit dem von Diablo nahezu völlig identisch. Jeder Charakter hat drei Eigenschaften: Fernkampf, Nahkampf und Technik. Die Technikfertigkeit bestimmt, welche Waffen und Items man verwenden kann, die beiden anderen Eigenschaften erklären sich wohl von selbst. Bei jedem Levelaufstieg darf man genau drei Punkte verteilen - etwas dürftig.

Abwechslung wird immerhin geboten: Für jeden der Charaktere gibt es eigene Levels und Gegner, die man mit den anderen Figuren nicht zu sehen bekommt. Allerdings sind die Levels fest vorgegeben, die ebenfalls vorgegebenen Gegner werden nicht regeneriert, nur die Items werden großteils durch Zufall generiert. Bereits gelöste Levels kann man meist nicht wieder betreten. In den Levels finden sich (allerdings etwas zu selten) Staufächer für die Item-Ausbeute.

Wer es darauf anlegt, alle Gegner zu erledigen und alle Items zu finden, erforscht also am besten jeden Level vollständig und liefert dabei immer wieder Items am Staufach ab, bevor es zum nächsten Abschnitt weitergeht. Um auch wirklich alle Levels zu spielen und alle der durchaus hübschen Spezialräume zu sehen, benötigt man rund 25 Stunden für jeden Handlungspfad bzw. jeden Spieler-Charakter.
Jeder Charakter findet zufallsgenerierte Items - ob dabei etwas für die eigene Spieler-Rasse dabei ist, hängt vom Zufall ab. Handel treiben kann man allerdings nur im Shop in Torvus Junction, andere Orte oder gar einen Multiplayer-Marktplatz bietet das Spiel nicht.

Make my day, Robot
Die Kämpfe sind durchaus anspruchsvoll: Die Gegner schießen sehr genau - und sind durchaus in der Lage, bewegliche Ziele genau zu treffen. Allerdings kooperieren die Gegner kaum: Selbst eine Patrouille von zehn Vantir-Soldaten stellt kein gröberes Problem dar, da die
Gegner meist warten und erst, wenn sie den Spieler sehen, in Zweier- oder Dreiergruppen angreifen. Die an sich gute Kampf-KI stellt immerhin sicher, dass Dastehen und Ballern so gut wie nie ausreicht: Man muss immer wieder im Zickzack ausweichen, eine Salve abfeuern, erneut Deckung suchen ... dabei ist gutes Timing gefragt.
Hier kommen auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Spielercharakteren am deutlichsten zur Geltung: Der Cyborg-Gladiator hat den besten Nahkampfangriff, stellt aber wegen seines breiten Torso ein recht gutes Ziel dar. Die Colibine ist eine Klasse für sich: Ihre Energie lädt sich von selbst wieder auf, statt einer Nahkampfwaffe verfügt sie über einen


mächtigen Radial-Energieangriff. Der menschliche Söldner ist ein Technik-Freak, dessen Waffen und Rüstungen besonders häufig mit Upgrade-Chips "gemoddet" werden können.
Gegenstände:
Eine Waffe mit drei Sockeln ...

Nicht sonderlich originell, aber spannend: Viele Gegenstände können mit Upgrades modifiziert werden. Für jede der drei Charakterklassen gibt es eigene Items, die meist einen oder zwei, beim Menschen teils sogar sechs und mehr freie Chip-Steckplätze haben. Die etwas unglücklich als "Mode-Chips" bezeichneten Items verstärken die Waffenwirkung in einer der Schadensarten (etwaPlasma-, EMP-, Elektro- oder Betäubungsangriff), verstärkte Nahkampfabwehr oder erhöhte Durchschlagskraft.. Spannend sind die Spezial-Items für jeden Charakter: Die Colibine verfügt über mehrere Kreisel, die auf Tastendruck um sie herumschwirren und - je nach Bauart - Angriffe abwehren oder die Gegner angreifen.

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Der Gladiator kann autonome Kameras einsetzen und damit den Level erkunden (und sogar angreifen), während der Mensch verschiedene Minen auslegen kann.
Die Engine
An sich ist die Grafik in Ordnung, im Vergleich zu vergleichbaren Spielen wirken die Levels aber recht öde, und wirklich spektakuläre Feuergefechte sind selten. So präsentieren sich die Levels oft, einem Raumschiffinneren entsprechend, als rostbraune Labyrinthe, in denen gelegentlich radioaktive Säulen, Schatzkisten, Upgrade-Felder und Levelportale stehen. Den Spieler sieht man aus der wohlbekannten Iso-Perspektive,die Waffeneffekte leuchten den Level hübsch aus - nur kommt es leider immer wieder vor, dass Schüsse aufgrund von Clippingfehlern an Wandecken hängen bleiben. Einstellungsoptionen für die Grafik werden im Patch mitgeliefert. Der Sound (mit 3D-Support) ist okay, die technoide Dudel-Musik verdient jedoch kaum mehr als das Prädikat "vorhanden."

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