Auf seiner E3-Pressekonferenz ließ Microsoft ja in erster Linie die CGI-Muskeln spielen und feuerte einen der cineastischsten Trailer der ganzen Messe ab. Ein Fest für Fans, in dem Captain Cutter fast schon stoisch durch ein Meer von toten Soldaten watet, während um ihn herum das Schlachtfeld brennt. Ein schwer gepanzerter und locker vier Meter hoher Jiralhanae wischt mit seinem Gravity-Hammer das Vorauskommando der UNSC aus dem Weg, als wären die Soldaten Tennisbälle. Das Bild wird kurz langsamer, konzentriert sich auf Cutter. Dann wieder schneller, ein Warthog rauscht heran und nimmt es mit dem monströsen Alienroboter auf. Menschen in Stahlmänteln, Cyclops stürmen auf die Ebene, der Feind antwortet mit Raketensalven aus Scarabs.

Wieder ein Cut, wieder ein Schnitt, dieses Mal auf den Antagonisten: General Atriox, Warlord und Anführer der Banished, ist der Antagonist in der Kampagne. Die Banished waren einst eine Splitter- und Terrorgruppe, doch nach dem Fall des Covenant Empire hat der smarte und brutale Atriox die verbliebenen Truppen um sich gesammelt und bläst zum Rachefeldzug gegen das United Nations Space Command. Oh und Halo Wars 2 kommt nicht nur für Xbox One, sondern auch Windows 10. Da lachen PC-Spieler.

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Operation Stronghold: Ein zackiger Multiplayer

Die Kampagne versteckt sich noch ein wenig und linst nur in Form des Story-Trailers durchs Schlüsselloch. Die Hoffnungen sind jedoch groß, weil die Idee dahinter spannend ist: Cutter und seine Elitetruppen der Spirit of Fire waren 30 Jahre lang im Kyroschlaf, kämpfen ergo mit veraltetem Equipment gegen hochgerüstete Hightech-Truppen der Banished.

Es übernimmt übrigens ein neuer Entwickler: Das erste Halo Wars kam noch von den glorreichen Ensemble Studios, die Erschaffer von Age of Empires wurden aber danach leider dicht gemacht. Für Halo Wars 2 setzt Microsoft auf eine Art All-Star Team aus den Strategie-Experten von Creative Assembly, die gerade erst mit Total War: Warhammer abgeliefert haben und 343 Industries. Die sind von Büchern über TV-Shows bis Halo 6 für All-things-Halo verantwortlich und mit Dan Ayoub übernimmt der ehemalige Chefproduzent von Halo 5 die Leitung.

Nicht die schlechtesten Vorraussetzungen und tatsächlich fühlt sich das beim Hands-On mit dem 3on3-Multiplayer-Modus Stronghold bereits ziemlich rund an. Halo Wars 2 ist zackig, eher vergleichbar mit Starcraft, denn Age of Empires. Ihr haltet euch nicht lange damit auf großartig Economy hochzuziehen, Energiegeneratoren und Erntefabriken erledigen den Job. Stattdessen geht es darum, mit seinen Marines direkt zu Beginn Strongholds einzunehmen. Das sind großräumige, bereits betonierte Flächen, wo Transportshuttles fertige Außenposten abwerfen, die Ressourcen generieren.

Halo Wars 2 - Zeit für echte Strategie auf Xbox One

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Das Spiel ist eine Alpha im klassischen Sinn: nahezu Feature-Complete, aber technisch noch in einer Rohfassung. So bescheiden wie auf diesen Screens sieht der Titel aber nicht aus.
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Wir staunen nicht schlecht, wie flott das alles geht: Kaum haben wir die erste Infanterie in Form von Hellbringers mit Flammenwerfern und Cyclops-Mechs als Anti-Air-Einheiten ausgespuckt und in die Mitte geschickt, treffen wir bereits am nächsten potentiellen Stronghold auf massive Banished-Gegenwehr: Neben Brutes, Jackals, Elite Zealots und Brute Chieftains werden bereits die ersten leichten Panzer ins Feld geworfen: Die Locusts sind zwar nur minimal gepanzert, aber die Spinnen-Roboter können jetzt auch aus der Bewegung heraus schießen und bündeln ihre Tesla-Strahlen. Damit können sie uns leicht einkreisen.

Zeit, eigene Panzer und eine effiziente Luftwaffe aufzubauen: Hornets sind schnell, Vultures hingegen sind die AC130 der UNSC. Die Gunships sind unsere Favoriten, weil sie quasi aus jeder Pore Waffen ausfahren und den Gegner unter Dauerfeuer legen. Generell ist Halo Wars 2 eine ziemliche Special-Effects-Schlacht, im Gemisch aus Kugelhagel, Energieblitzen und Lasern ist es nicht immer einfach, die Übersicht zu behalten.

Smart wie Starcraft, wenn ihr es so spielt

Als wir jedoch anfangen etwas rumzuexperimentieren und die vorgegeben Pfade zu verlassen, zeigt sich ein Strategiespiel, das sich eben nicht nur mit Masse gewinnen lässt. Gerade im 3on3 ist es zwar schön anzuschauen, aber taktisch nicht sonderlich sinnvoll, sechs riesige Armeen aufeinander prallen zu lassen. Ihr rennt immer wieder an, zerstört große Teile des Gegners, er dezimiert eure Truppen. Jeder arbeitet letztlich mit schier unendlichen Strömen an Einheiten.

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Die Geschichte hat eine interessante Prämisse: Captain Cutter und seine Soldaten der Spirit of Fire waren 30 Jahre lang im Kälteschlaf, haben den Fall des Covenant-Empire und das Widererstarken der Banished-Rebellen verpennt.
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Ein Fakt, der uns zu denken gibt: Es müsste doch eine Möglichkeit geben diesen Strom zu unterbinden? Schnell sind ein paar Scout-Warthogs gebaut, die von einem guten Mix aus Anti-Air und Artillerie-Einheiten flankiert werden. Warum? Weil sich alle auf den Kern in der Mitte konzentrieren, sind die feindlichen Strongholds nur minimal bewacht. Die meisten bauen lediglich Türme auf und operieren mit kleineren Security-Squads, die sich durch starke Artillerie recht flott ausschalten lassen. Anschließend zerstören wir die Außenposten und ehe der Gegner merkt, was geschehen ist, ebbt der Fluss seiner Einheiten ab, weil wir jetzt mehrere Strongholds rund um die einzelnen Basen kontrollieren.

Einer der Überraschungshits der E3, den nicht nur Strategen auf dem Radar haben sollten.Ausblick lesen

Sobald also Einheiten in den Hauptbasen gebaut und automatisiert auf Reise geschickt werden, killen wir sie und können den Feind so am Kern letztlich mit Masse erdrücken, weil das gesamte gegnerische Team viel zu spät und vor allem falsch reagiert. Im Late-Game pushen sie Banshees und Scarabs, die von unserer Artillerie bereits aus Distanz stark geschwächt werden. So stehen die Drei bald mit runtergelassenen Hosen in der Mitte da, werden von uns Drei in die Zange genommen und der Sieg ist nur noch Formsache.

Einer der Überraschungshits der Messe

Eine fiese Finte, die allerdings zeigt, welches Potential in Halo Wars 2 steckt. Technisch gesehen ist die Alpha noch nicht perfekt, hier und da zickt die Framerate und grafisch dürfen 343 und Creative Assembly auch gerne noch ein paar Kohlen ins Engine-Feuer werfen, aber zum einen hat das Team noch extrem viel Zeit bis 17. Februar 2017, und zum anderen ist es wichtiger, dass Halo Wars 2 die kongeniale Steuerung des Erstlings verinnerlicht hat.

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Das Team aus 343 und Creative Assembly arbeitet mit realistischen Größenverhältnissen, der Vulture ist ergo signifikant größer als die Bodentruppen. Weiter rauszoomen zu können wäre aber wünschenswert.
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Die geht mit einem Xbox-One-Pad wunderbar von der Hand, auch wenn ihr via D-Pad jederzeit zwischen Basen, Strongholds und Armeen durchschalten könnt. Die meisten Strategen finden sich aber natürlich auf PC und PC-Master-Race-Enthusiasten bekommen die Möglichkeit, mit bis zu zehn Gefechtsgruppen via Hotkeys zu operieren und erhalten eine generell auf Maus/Tastatur optimierte Steuerung.

Die Play-Anywhere-Offensive von Microsoft ist offensichtlich nicht nur ein Marketinggag, Redmond scheint endlich begriffen zu haben, wie wichtig die PC-Community für sie ist. Durch Play-Anywhere kauft ihr Halo Wars 2 einmal und könnt dann die digitale Version auf Xbox One und Windows 10 nutzen. Wer darauf keine Lust hat, greift weiterhin zur Retailversion. In der Ultimate Edition ist auch gleich noch das Remaster des ersten Halo Wars der Ensemble Studios drauf. Schön für Nostalgiker.