Der zweite Ausflug der Halo Serie ins Echtzeitstrategie-Genre verfolgt das Gleiche Ziel wie der Erstling. Microsoft und 343 suchen den schmalen Grat zwischen Komplexität und konsolentauglicher Steuerung ganz ohne Maus. Nur erscheint Halo Wars 2 auch für den PC, wodurch die Wertungskriterien erheblich strenger auszulegen sind. Somit sucht 343 den schmalen Grat an zwei Fronten und kann keinen so recht finden.

Halo Wars 2 - Atriox-Trailer2 weitere Videos

Seitdem Microsoft das „Play Anywhere“-Programm anbietet, wodurch Inhouse-Titel nach dem digitalen Erwerb sowohl auf der Xbox One laufen als auch auf dem Windows-10-PC, ergibt sich beim Testen solcher Spiele ein Problem: Wir vergeben nur eine Wertung für ein Spiel, das zwei deutlich zu unterscheidende Qualitätsstandards anpeilt. Das Embargo, das Microsoft dafür auferlegt, macht die Angelegenheit nicht leichter, denn in der Regel läuft es genau dann aus, wenn die PC-Version spielbar wird. Offenbar erhoffen sich die Redmonder eine Bewertung der Konsolenfassung, die zugleich der PC-Version übergestülpt wird.

Sowohl Forza Horizon 3 als auch Gears of War 4 bewiesen eindrucksvoll, dass diese Strategie der Bewertung unfair ist, da die PC.Version oft mit erheblich Vorteilen, aber auch gewissen Macken daherkommt. Wie zu erwarten ist das bei Halo Wars 2 nicht anders, nur die Natur der Vor- und Nachteile ist diesmal eine ganz andere, darum haben wir diesen Test nicht gleich zum Ablauf des Embargos veröffentlicht.

Der angesprochene Konfliktpunkt betrifft dieses mal nicht unbedingt die Grafik. Beide Fassungen sehen sich sehr ähnlich, wobei die PC-Fassung mit schöneren Schatten aufwartet und trotz etlicher Soldaten, Fahrzeuge und Fluggeräte in detailliertem 3D nie ins Stottern kommt, sofern ein halbwegs aktueller PC vorliegt – ausnahmen bestätigen die Regel, aber dazu später mehr. Auf unserem Rechner (i7, Geforce 1070, 32 GB Ram) läuft jedenfalls alles wie warme Butter. Letzteres kann die Xbox One leider nicht durchweg garantieren. Extreme Slowdowns bleiben zum Glück aus, aber bis ins Letzte optimiert ist etwas anderes. Immerhin: Halo Wars 2 läuft auch auf der Konsole intern in 1080p und erreicht in der Regel die angepeilten 30 FPS.

PC gegen Konsole: Ein Duell der Steuerung

Der Ausschlaggebende Punkt ist diesmal die Steuerung. Wer Halo Wars 1 kennt, weiß dass Microsoft eine konsolentaugliche Bedienung erdacht hat, die dem Echtzeitstrategie-Alltag in vielen Fallen gerecht wird. Ringförmige Baumenüs und viele Tastenkürzel erleichtern Auswahl und Zielbestimmung auf dem Xbox Contoller. Problemlos wählt ihr alle Kampfeinheiten auf dem Bildschirm aus und schaltet dann distinktiv zwischen Panzern und Flugeinheiten hin und her oder kommandiert gleich alle verfügbaren Einheiten der Landkarte mit einem Doppelklick in die Schlacht.

Halo Wars 2 - PC gegen Konsole im RTS-Schlachtfeld

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Dank des Auswahlrades haben Konsoleros keine Probleme
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Kritisieren kann man in der passiven Bauphase höchstens, dass die Überbelegung des Controllers durch all zu viele Kombinationshandgriffe Anfänger verwirrt. Warum ausgerechnet diese oder jene Knopfkombination gewählt wurde, darf nicht Gegenstand des Lernprozesses sein. Man muss es schlicht auswendig lernen, dann klappt das Erstellen von Basen samt dem Einleiten von Upgrades reibungslos. Gefummel mit Ressourcen bleibt sowieso aus, denn im Gegensatz zu StarCraft oder dem All-Time-Klassiker Command & Conquer verzichtet Halo Wars 2 auf eine komplexe Management-Komponente. Strom und Soldatenversorgung erreichen die Basis automatisch, sobald ein entsprechendes Gebäude den Betrieb aufnimmt. Sammlerfahrzeuge oder andere Achillesfersen in der Grundversorgung existieren nicht.

Genau an dieser Stelle erhält die Frage, ob man zur PC-oder Konsolenfassung greifen sollte, eine besondere Würze, denn wenn es keine sekundären Ziele für militärische Strategie gibt, liegt der Fokus auf eine gewitzte Aufteilung der Einheiten auf dem Schlachtfeld. Das übliche Stein-Papier-Schere-Prinzip des Genres wurde hier auf die Bewegungsmethode der Einheiten angewandt. Panzer fürchten alles, was aus der Luft angreift, sind aber stark gegen Fußsoldaten und die heizen wiederum Luftfahrzeugen ordentlich ein. Unglücklich , dass die Jopad-Eingabe ausgerechnet hier ihre größte Schwäche offenbart. Die eigenen Einheiten auszusieben ist kein Problem, aber genau jene Gegner plattzumachen, die den größten Stress verursachen, kann in nervigem Pixelfriemeln ausarten, das mit einem Analogstick nur schwer im Rahmen zu halten ist.

Nun, die Schlachtfelder sind glücklicherweise allesamt recht offen angelegt und nerven auch im Multiplayer-Modus nur selten mit Flaschenhälsen oder anderen übermäßig komplexen Topographien. Konsoleros stoßen somit nie an unlösbare Aufgaben. Nur beginnt bei PC-Spielern angesichts dessen das große Gähnen.

In Bedienung und Tiefgang weder Fisch noch Fleisch und obendrein ein wenig verbugt, aber für eine kurze Weile unterhaltsam.Fazit lesen

Halo Wars 2 fehlt es leider an einer tieferen taktischen Note, egal ob beim Basenbau, beim Erforschen einer Map oder im Kampf. Die Abstimmung aller Komponenten mag das geschehen auf der Konsole sehr flüssig gestalten, doch besteht die Notwendigkeit auf dem PC nicht, da Maus und Tastatur erheblich präziser sind. Tatsächlich stört die Zuweisung sämtlicher Funktionen auf die Tastatur ein wenig. Ein Ordentliches HUD mit einem kleinen, aber durchdachten Bedienfeld hätte notorischen Mausschubsern den Einstieg erleichtert. Es geht natürlich auch ohne, was immerhin völlig freie Sicht auf das Geschehen gewährt. Andererseits wünscht man sich als PC-Stratege oft mehr Übersicht durch größere Zoomstufen.

Kurzum: Wer Halo Wars 2 auf dem PC genießt, kommt um einiges leichter durch das Spiel, weil die Steuerung besser von der Hand geht. Veteranen des Genres suchen inzwischen nach besonderen Herausforderungen und finden sie nicht. Jedenfalls nicht direkt. Jede der 12 Missionen der Kampagne offeriert einen Satz an Spezialaufgaben, die nicht selten eine zeitliche Komponente mitbringen und schnelles, koordiniertes handeln voraussetzen. Größere Denkarbeit im strategischen Sinne bleibt jedoch aus. Wenn überhaupt, dann stachelt höchstens die Bewertung am Ende einer Mission dazu an, die grauen Zellen in Schwung zu bekommen. Das Erreichen einer Gold-Wertung artet definitiv in Arbeit aus – selbst wenn man eine Mission im in Kooperation gemeinsam mit einem Freund angeht, was über eine Internetverbindung ermöglicht wird.

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