Die Grenzen zwischen reinrassigen PC- und Videospielen verwischen immer mehr. Kaum ein Publisher kann es sich in Zeiten der Globalisierung noch leisten, eine der Plattformen zu missachten. Davon profitieren früher vernachlässigte Genres, wie Echtzeitstrategiespiele, die nun immer öfter auch, zuerst oder sogar exklusiv für die Konsolen produziert werden.

Allen voran so prominente Vertreter wie Command & Conquer 3, End War oder aktuell Halo Wars. Letzteres soll nur für die Xbox 360 erscheinen und transportiert eine zuvor nur als Shooter etablierte Marke erstmals in die Welt der Strategiespiele. Ob das funktioniert? Wir geben euch die Antwort!

Halo Wars - Reinforcements Erklärung10 weitere Videos

Der "Halo Wars"-Test muss leider mit einer traurigen Nachricht beginnen, denn mit Abschluss der Produktion musste Entwickler Ensemble Studios seine Pforten schließen - auf Geheiß von Microsoft, unter dessen Dach man sich erst vor relativ kurzer Zeit versammelt hatte. Firmengründer Tony Goodman will das jedoch nicht akzeptieren und hat bereits mit 45 Entwicklern das Unternehmen Robot Entertainment gegründet. Wir dürfen in Zukunft also weitere Werke der "Age of Empires"-Macher erwarten.

Halo Wars - Strategie für Zwischendurch: Das RTS-Knoppers ist da

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 46/521/52
Halo + Echtzeitstrategie = Halo Wars. So leicht ist es dann leider doch nicht...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch zurück zu Halo Wars, das, wie den letzten Zeilen zu entnehmen ist, von Echtzeitstrategie-Spezialisten fabriziert wurde. Die Zielgruppe ist jedoch dem Anschein nach viel weiter gefasst - nicht nur Genre-Fans sollen bedient werden, jeder Gamer oder zumindest auch Anhänger der Halo-Serie sollen mit einem möglichst einfach zu bedienenden, schnörkellosen Titel glücklich gemacht werden.

Dass bei diesem Spagat zwischen dem Anspruchsdenken und der Komplexität der Gattung RTS auf der einen Seite und dem Ziel, möglichst den gesamten Konsolen-Mainstream einzufangen, auf der anderen, einige spielmechanische Kompromisse eingegangen werden müssen, versteht sich fast von selbst. Und so kommt es tatsächlich auch.

Packshot zu Halo WarsHalo WarsErschienen für Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Ein Spiel, sie zu knechten

Halo Wars ist ein sauber produziertes Spiel für den Massenmarkt: Sehr zugänglich, bunte Optik mit netten Effekten und einigen sehr schicken Zwischensequenzen - aber leider auch ohne Ecken und Kanten und ohne allzu große Spieltiefe. Das fängt schon bei einem der Halo Wars-Grundpfeiler an, nämlich dem Basisbau. Damit auch keiner etwas falsch machen kann oder vom vorgeschriebenen Pfad abweicht, seid ihr bei dieser Funktion sehr eingeschränkt.

Halo Wars - Strategie für Zwischendurch: Das RTS-Knoppers ist da

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 46/521/52
Umfangreicher Basisbau sieht anders aus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Gebäude errichtet ihr nur an vorbestimmten Bauplätzen, die maximal bis zu sieben Bauwerke erlauben. Der Ablauf ist jedoch immer gleich, die Vorgehensweise daher sehr schematisch und vorhersehbar. Neben Versorgungsmodulen, welche die einzige Ressource sogar schon automatisch anliefern, benötigt man lediglich zwei bis drei weitere Gebäude für Energie und Fahrzeuge, respektive Technologie und Lufteinheiten. Infanterie-Kasernen kann man sich getrost sparen, denn solche Einheiten gibt es meist geschenkt und sie spielen im Gefechtsverlauf oft eine untergeordnete Rolle.

Umsonst gibt es neben sogenannten Spartanern (die feindliche Vehikel kapern können) auch eine weitere Heldeneinheit, Sergeant Forge. Gemeinsam ist ihnen die Unsterblichkeit, sie können also nicht verloren gehen. Zwar unterliegt Halo Wars oberflächlich gesehen dem Stein-,Schere-, Papier-Muster, doch recht schnell wird klar, dass man mit einigen ausgesuchten und mächtigen Einheiten die meisten der 15 Missionen auch ohne eigens rekrutierte Fußtruppen bewältigen kann.

Halo Wars - Strategie für Zwischendurch: Das RTS-Knoppers ist da

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 46/521/52
Viele Upgrades ermöglichen euren Einheiten wichtige Spezialfähigkeiten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ein wenig mehr Spieltiefe und Strategie beim Bau wird durch die große Anzahl von Upgrades vermittelt. Beinahe jede Einheit verfügt über mehrere Ausbaustufen, die sie auf dem Schlachtfeld mächtiger machen. Skorpion-Panzer, Wolverines und andere Einheiten erhalten dadurch beispielsweise eine erhöhte Beweglichkeit oder Spezialfertigkeiten, die per Knopfdruck aktiviert werden. Im weiteren Spielverlauf entwickelt sich der Basisbau jedoch schnell als Mittel zum Zweck, der die ohnehin recht kurze Spielzeit von ca. sieben Stunden strecken soll.

Halo Wars begründet den Begriff des Popcorn-Strategiegenres - das RTS-Knoppers für Konsoleros.Fazit lesen

In vielen Missionen baut ihr daher eher sinnlose Zweit-, Dritt- oder noch mehr Basen, die kaum einen spielrelevanten Sinn erfüllen, da die Zahl der produzierbaren Einheiten sehr beschränkt ist. Die weiteren Festungen sind demnach lediglich Augenwischerei, die euch beschäftigt halten soll - und das bei einer durchschnittlichen Einsatzzeit von etwa 25 Minuten.

Abwechslung auf dem Donut-Planeten

Das heißt jedoch nicht, das Halo Wars langweilig wäre. Spannung wird allerdings häufig durch Zeitdruck erzeugt. Die Entwickler sind sichtlich bemüht, abwechslungsreiche Missionen auf die Beine zu stellen und so beschützt ihr mal Zivilisten, die evakuiert werden sollen, rettet verloren gegangene Einheiten der UNSC, haltet die Stellung auf einem unbekannten Planeten, fliegt mit dem Mutterschiff "Spirit of Fire" durch Planeten oder beschützt das Schiff durch Gefechte auf der Hülle gegen die "Flood-Brut". Spielerisch ist man bei diesen Einsätzen jedoch arg eingeschränkt, was mitunter an der zu simplen Steuerung liegt.

Halo Wars - Strategie für Zwischendurch: Das RTS-Knoppers ist da

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Bei vielen Einheiten wird es ohne mögliche Gruppierung schwierig, den Überblick zu behalten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für das Handling der bis zu 50 Einheiten stehen euch nur rudimentäre Befehle zur Verfügung, die natürlich alle via Gamepad abgerufen werden. Entweder wählt man alle verfügbaren Einheiten aus oder diejenigen im direkten Sichtbereich. Per Triggertaste schaltet man durch die entsprechenden Einheitstypen, denen man zugleich gesonderte Einsatzkommandos geben kann. Leider lassen sich keine Gruppierungen bilden, die das Einheitenmanagement bequemer gestalten würden.

Die bei PC-Strategiespielen lieb gewonnene Funktion, einzelne Trupps zusammenzulegen und per Shortcut anzuspringen, ist hier also nicht möglich. Der zu geringe Zoomlevel (in beiden Richtungen) sorgt darüber hinaus nicht gerade für einen besseren Überblick auf den eher klein gehaltenen Schlachtfeldern. Der daraus resultierende Spielablauf ist denkbar simpel: Man rekrutiert in möglichst kurzer Zeit eine schlagkräftige Truppe, stattet seine Basis mit Geschützen zur Verteidigung aus und radiert den Feind mit einem Blitzkrieg aus.

Halo Wars - Strategie für Zwischendurch: Das RTS-Knoppers ist da

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 46/521/52
Wenigstens ist Halo Wars schön bunt...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dass Reparaturfunktionen nur vom Mutterschiff übernommen werden - geschenkt. Zumindest müssen sich nicht vorhandene Erste Hilfe-Einheiten nicht von eigenen Fahrzeugen aufhalten lassen: Die KI-Wegfindung hat nämlich insofern eine Macke, als das sich eigenen Truppen bei Engstellen selbst im Weg stehen und keinen Millimeter bewegen - zumindest nicht bis man jede einzelne Einheit eigenhändig zur Seite bugsiert und Platz geschaffen hat.

Vier Hände sind besser als zwei

Dass einige Missionen recht fordernd sein können, liegt aber weniger an diesem Aspekt oder an den eher rudimentären KI-Bauten, sondern vielmehr an den unendlich nachgelieferten Feindeseinheiten. Erst wenn man bestimmte Objekte vernichtet oder eingenommen hat, versiegt dieser Strom an Widersachern. Sollte es doch einmal zu stressig werden, ruft man einfach einen Freund zur Hilfe: Im Koop-Modus tretet ihr den fiesen Aliens der Allianz-Fraktion (Covenant und Flood) gemeinsam in den Hintern.

Halo Wars - Strategie für Zwischendurch: Das RTS-Knoppers ist da

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Wer sich im Mehrspieler die Aufgaben aufteilt, hat praktisch schon gewonnen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wenn man sich dann die Arbeit geschickt einteilt (Gebäudebau / Gefechtsführung) kann eigentlich kaum noch etwas schiefgehen, vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden Heroic und Legendary. Weniger überzeugend kommt der eher rudimentäre Multiplayer-Modus daher. Bis zu sechs Spieler treten dabei auf kleinen Maps gegeneinander an und verteilen sich jeweils gleichmäßig auf die nur zwei existierenden Fraktionen. Sowohl die Modi als auch alle weiteren Einstellungsmöglichkeiten sind sehr überschaubar gehalten und passen sich damit der geringen Spieltiefe von Halo Wars nahtlos an.