Fünf Redakteure und zwei Bungie-Präsentatoren quetschen ihre Adoniskörper in einen Demo-Stand der gamescom. Zwanzig Minuten vergehen, dennoch sind alle am Ende genauso schlau wie vorher. Vielleicht sind drei der fünf sogar etwas desillusioniert, aber welcher Schelm glaubte, die Jungs von Bungie würden beim letzten Halo unter ihrer Feder Risiken eingehen? Wichtig ist, dass es Spaß macht – und diese Anforderung erfüllt auch Halo Reach allemal.

Zipp, zapp – Schepper-die-Polter. Auf dem Bildschirm zucken grelle Lichtblitze aus futuristischen Strahlenwaffen über den kahlen Boden eines Bergpfads und erhellen die nächtliche Stille auf dem Planeten Reach. Ein Rudel Jackals, jene nervigen Gegnertypen der Halo-Serie, die gerne feige mit Schutzschilden aufkreuzen, liegt am Boden und rührt sich nicht mehr.

Jeder Anwesende im Raum weiß: Das war nur die Vorhut. Kaum mit den Kollegen des Noble-Teams um die Ecke gepirscht, rauscht auch schon eine Armee aus Ghost-Fahrern auf den Spartan zu, aus dessen Blickwinkel wir das Geschehen betrachten. Der Elitesoldat mit der Bestellnummer B312 fackelt aber nicht lange und kickt einen Gegner lässig vom Gefährt, um unter flinken Joypad-Anweisungen das Weite zu suchen.

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„Wir bauen auf zehn Jahre Erfahrung mit Halo“, heißt es inzwischen im Plädoyer der begeistert erzählenden Stimme im Hintergrund, die man als Redakteur normalerweise nur als verbalen Infoschwall zwischen Notizblockkritzelei und hastigen Blicken auf den HD-Screen wahrnimmt. Gefolgt von einem prüfenden Blick und einem kurzen Moment des Innehaltens, weil einem sonst ein sarkastisches „Ja, man sieht's“ herausrutschen könnte. Und es wäre keine böse Bemerkung, vielmehr eine Anerkennung.

Halo: Reach - Die vier glorreichen Sechs

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So schön friedlich alles. Noch. Ehe man sich versieht, entbrennt die Schlacht.
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Immerhin wurde die Grafik-Engine seit Halo 3 komplett neu programmiert, damit alle Objekte aus noch mehr Vielecken bestehen können und die Grafik auch bei intern berechneten 720p flüssig durch die Xbox-360-Chips flutscht. Dennoch sieht es aus, wie ein Halo eben aussieht. Diesmal etwas schärfer und pompöser, schön Sci-Fi-poppig wie gewohnt, bis auf einige Ausnahmeszenen wunderbar flüssig bei stabiler Bildrate... nein, kein Grund zum Meckern in Sicht. Nur die Frage „Warum?“ schwebt im Raum. Warum noch ein Halo? Was gibt es zu erzählen?

Auch wenn der vom Spieler gesteuerte Soldat B312 wieder einmal außergewöhnlich treffsicher ist und somit der Spartan-Familie alle Ehre macht, ist er diesmal nicht der zentrale Punkt der Handlung. Es ist der Planet Reach, um den es sich in einer Rückblende dreht, denn mit seiner Zerstörung begann das letzte Kapitel des galaktischen Konflikts mit der Allianz. Tatsächlich war die Allianz der Meinung, die blühende Kolonie sei der Heimatplanet der Menschheit, zumal sie dank des hier ins Leben gerufenen Spartan-Programms hervorragend verteidigt wurde. Aber wie Mit-der-Halo-Disc-ins-Bett-Geher seit dem ersten Teil wissen, kann die Vernichtung der menschlichen Verbünden auf Reach nicht verhindert werden.

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Auch Raumschlachten stehen euch im neuen Halo bevor.
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Die Kenntnis über den Ausgang der Geschichte ist einerseits bedauerlich, denn ein überraschendes Ende ist abseits persönlicher Schicksale schlichtweg nicht machbar. Andererseits verspricht der angekündigte Weltuntergang Potenzial für viel visuelles Bumm-Peng und den gewohnt hervorragenden 5.1-Sound. Spätestens, wenn ein gigantisches Allianz-Mutterschiff unter bebendem Rauschen den Himmel ausfüllt, lässt sich das Ausmaß der Zerstörung erahnen.

In der Präsentation war aber keinesfalls zu erfahren, was die sechs lebensmüden Spartans des Noble-Teams da unten eigentlich machen. Sie versuchen jedenfalls nicht, ihren Hintern aus der Gefahrenzone zu bekommen, so viel steht fest. Wer weiß, mit etwas Glück lässt uns Bungie sogar an der finalen Raumschlacht teilhaben.

Die vier glorreichen Sechs

Bungie hat also genug Material, um sich mit einem großen Knall aus dem Halo-Universum zu verabschieden. Nur beim Design braucht man sich keine Hoffnungen zu machen. Selbst der beliebte Warhawk-Pick-up unterscheidet sich lediglich durch einen Raketenwerfer von seinen mit Chainguns bestückten Nachfolgern. Aber allein die zu erwartende Alien-Armee dürfte schon für offene Münder sorgen. Laut den Berichten soll Reach ja überrannt worden sein, und nicht weniger erwarten wir von der Kampagne auf der Planetenoberfläche, die diesmal spürbar länger ausfallen soll als noch in den Vorgängern. Im Klartext heißt das: Die Kampagne dauert für Otto Normalspartan länger als sieben Stunden.

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Niemals allein, immer im Team. Halo Reach lockt mit einem Koop-Modus für vier Spieler.
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Zum Glück müsst ihr euch der Herausforderung nicht alleine stellen. Bis zu vier Adelsritter aus dem Sechserpack profitieren im Koop-Modus von menschlicher Intelligenz. Maximal zwei davon dürfen an einer Konsole über Splitscreen teilnehmen, die anderen hängen online an der Leitung. Doch teambasiertes Nach-vorn-Hetzen ohne Sinn und Verstand wie in Halo 3 ist nicht mehr möglich, denn mit jedem weiteren Teilnehmer steigt auch der Schwierigkeitsgrad. Mehr Gegner, mehr Trefferpunkte, mehr Weltuntergang, mehr Nervenkitzel. Für ein schlecht abgestimmtes Team dürfte die höchste Stufe wahrscheinlich ein Unding sein, selbst wenn jeder Einzelne bereits allein bis zum Ende durchbeserken konnte.

Bungies letzter Akt erfüllt alle Erwartungen und setzt auf noch mehr Zusammenarbeit im Koop-Modus. Vieles kommt einem bekannt vor, aber Halo Reach ist ja auch ein Prequel.Ausblick lesen

Dürstet es euch trotzdem nach einem noch härteren Brocken, steht noch immer der in Halo ODST eingeführte Firefight-Modus zur Verfügung, wo Gegnerwellen in immer größeren Horden auf Dezimierung warten – diesmal sogar im Team online, wobei der Host jede Kleinigkeit vorab bestimmen kann: vom Schwierigkeitsgrad über Munitionsvorrat bis hin zur Laufgeschwindigkeit der Parteien oder wie oft Rast gemacht wird, damit auch jeder Pipi machen kann. Okay, Letzteres vielleicht nicht, aber für genug Abwechslung dürfte trotzdem gesorgt sein.

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Der Mehrspielermodus verspricht ausladende Karten.
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Sofern überhaupt Interesse an Koop-Sessions besteht. So manch einer kauft Halo ja nur wegen der aufreibenden Versus-Modi für bis zu zwölf Schützen. Deathmatch und Konsorten wurden selbstverständlich nicht vergessen, doch waren in Köln nur wenig handfeste Infos über weitere Modi wie „Invasion“ oder Generator Defense einzuholen, die der offiziellen Beschreibung nach wie Abwandelungen von „King of the Hill“ klingen. Man verwies uns lediglich auf den Ingame-Shop, für den man im Verlauf des Spiels Credits erwirtschaftet und in dem man Accessoires freischaltet.

Rüstungsdesigns, Waffen und neue Stimmen für euren Spartan stehen bereit, wodurch man fast von einem Charakter-Editor sprechen könnte. Den Master Chief werdet ihr trotzdem nicht aus dem Angebot herauskitzeln, da nur dessen Sprachpaket für Nostalgiegefühle sorgt.