Sollte die Erde jemals von Aliens attackiert werden, können wir nur hoffen, dass die Menschheit bis dahin eine Technologiestufe erreicht hat, die Supersoldaten wie die „Spartans“ im Halo-Universum ermöglicht. Sie sind zäh, sie geben nie auf und sie führen ihren Auftrag ungeachtet aller Konsequenzen und Widerstände aus. Auf Gedeih und Verderb.

Der defätistischen Einstellung ihrer Kameraden stellen sie sich mit einem einfachen, aber einprägsamen Schlachtruf entgegen: „Spartans never die - They‘re just missing in action“. Mit diesem Hintergedanken stürzen sie sich in Halo: Reach in eine Abwehrschlacht, die nicht zu gewinnen ist.

Halo: Reach - Making Of: Deliver Hope10 weitere Videos

Aufrechter Waffengang edler Recken

Entwickler Bungie verlegt die Ereignisse der vierten vollwertigen Halo-Episode ins Jahr 2552. Das Jahr, in dem die Covenant-Allianz eine Invasion beginnt, die nicht weniger als die Auslöschung der menschlichen Rasse zum Ziel hat. Damit ist gleichzeitig klar, dass "Reach" in der chronologischen Abfolge der Halo-Serie an die erste Stelle rutscht. Es handelt sich um ein Prequel, in dem alles, was bisher geschah, noch gar nicht stattgefunden hat.

Halo: Reach - Ist es Halo 4 - abgesehen vom Titel?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 165/1711/171
Bungie versteht es nach wie vor meisterhaft, die Gefechte episch zu inszenieren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Demzufolge fehlt wie schon in „ODST“ erneut der Master Chief, und ihr als Spieler übernehmt stattdessen die Rolle des Noble 6, dem sechsten Mitglied einer bereits bestehenden Spartaner-Einheit, die den Planeten Reach - das militärische Zentrum der menschlichen Zivilisation im 26. Jahrhundert - gegen die Aggressoren verteidigen soll. Doch aufgrund der Geschehnisse von Halo 1-3,5 ist längst sicher, dass dieser Kampf zum Scheitern verurteilt ist.

Was also soll uns trotz des aussichtslosen Unterfangens dazu motivieren, abermals in wüste Gefechte gegen die unheilige Covenant-Allianz zu ziehen? Das Ehrgefühl, das Pflichtbewusstsein eines Spartaners besitzen wir wohl nicht, aber vielleicht Mitgefühl für die Bevölkerung und einen dem Untergang geweihten Planeten. Denn Reach soll die zentrale „Hauptrolle“ in diesem futuristischen Egoshooter spielen, der so traditionell daherkommt, dass es schon anachronistische Züge trägt. Bei all dem tradierten Vorgeplänkel der letzten Jahre ist es kein Wunder, dass Halo: Reach keine innovative Belebung des Genres bietet. Vielmehr setzt man auf bewährte Konzepte, die zwar immer noch sehr unterhaltsam sind, aber andererseits überroutiniert produziert erscheinen.

Halo: Reach - Ist es Halo 4 - abgesehen vom Titel?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Die Waffenmodelle wurden genauso aufgehübscht wie weite Teile der Spielwelt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Vielleicht sorgt gerade dieser Fakt dafür, dass sich von Beginn an dieses gewisse, vertraute Gefühl einstellt, nach Hause zu kommen. Alles scheint irgendwie an seinem Platz zu sein, das gewohnte Interface vermittelt fast schon Geborgenheit in einem bunten Chaos des intergalaktischen Krieges. Wer die früheren Teile gespielt hat, wird sich sofort heimisch fühlen in der metallenen Panzerung des Spartaners, die trotz des eng zueinanderstehenden Teams wie eine Festung der Einsamkeit, ein Bollwerk gegen Emotionen und damit auch Ängste wirkt.

Routinierter Abschluss der Halo-Reihe, der zwar einige denkwürdige Momente bietet, letztendlich aber zu vorhersehbar und anachronistisch wirkt.Fazit lesen

Waren wir in ODST in der Haut des „Rookie“ noch merkwürdig verletzlich, sorgen regeneratives Schutzschild und stabile Außenhaut nun wieder für wohlige Sicherheit. Die jedoch auch trügerisch sein kann, wenn man sich zu sehr auf diese Mechanismen verlässt und plötzlich beim letzten Checkpoint beginnen muss.

Epische Inszenierung, gewohntes Gameplay

Bungie versteht es immer noch meisterhaft, die Action in epische Bilder zu verpacken. Während anfangs die Umgebung noch trist und detailarm erscheint, öffnet sich das Geschehen mit jedem stampfenden Schritt der Noble-Einheit. Die zehn Missionen der Kampagne erscheinen noch größer und aufwendiger ausgestaltet als noch bei Halo 3. Innenräume und Außenreale besitzen deutlich mehr Details, wie auch die sichtlich überarbeiteten Waffenmodelle.

Halo: Reach - Ist es Halo 4 - abgesehen vom Titel?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 165/1711/171
Wo das Noble-Team auftaucht wächst bald kein Gras mehr - und Aliens gibt es auch keine mehr.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Reach bekommt sehr schnell eine Tiefe, die beeindruckend ist. Die enorme Detailverliebtheit einiger Levels verdeutlicht mit tollen Lichteffekten jedoch auch das verzweifelte Aufbäumen eines Planeten gegen die feindliche Invasion, dessen Städte in glühenden und brennenden Ruinen liegen. Der Konflikt zwischen Aliens und Menschheit rückt phasenweise tatsächlich ein Stück weit in den Hintergrund und stellt das Individuum als unbedeutende Rohmasse des Krieges dar. Sehr deutlich wird das in einer Sequenz, die Noble 6 in den Weltraum katapultiert und die verletzliche Welt in ihrem angegriffenen, dahinsiechenden Stadium präsentiert.

Halo: Reach - Ist es Halo 4 - abgesehen vom Titel?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Im Firefight-Modus kämpft ihr gegen unendliche Wellen an fiesen Feinden um Credits.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Was folgt ist für Halo-Verhältnisse dann doch wieder ein Stück weit innovativ. Gefechte im All mit waffenstarrenden Raumgleitern frischen den etablierten Spielablauf etwas auf. Sie sind aber letztlich zu simpel gestrickt und zu kurz gehalten, fast jeder Schuss ist ein Treffer. Außerdem fallen auch hier einige der Schwächen von Halo: Reach erst so richtig ins Auge. Eine Anzeige für Gegner existiert teilweise nicht, nur gelegentlich und auch erst spät werden Pfeile am Bildschirmrand eingeblendet, die melden, wo sich weitere Feind-Einheiten befinden.

Ähnliche Hindernisse ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel: Nach der „Säuberung“ eines Abschnitts müssen wir oft eine gefühlte Ewigkeit warten, bis der nächste Schritt auf dem Bildschirm erscheint. Häufig irrt man deshalb in der Spielwelt umher, ohne zu wissen, an welcher Stelle es denn nun weitergehen soll.

Routiniert, aber anachronistisch

Abgesehen von solchen unnötigen Widrigkeiten und einer gelegentlich instabilen Bildrate lässt sich an Halo: Reach eigentlich kaum etwas kritisieren. Die neue Episode fühlt sich an wie eine Mischung aus Halo 3 und ODST, das Gunplay geht geschmeidig von der Hand und erlaubt zu jeder Zeit präzises Aiming. Aktuellere Features wie Nachtsichtgerät oder austauschbare Goodies wie Speedrun, temporäre Panzerung, Holo-Double und Jetpack können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Spielablauf anno 2010 doch einen angestaubten Eindruck hinterlässt.

Halo: Reach - Ist es Halo 4 - abgesehen vom Titel?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 165/1711/171
Das Spielprinzip ist anno 2010 allmählich leicht überholt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nach wie vor müssen Halo-Spieler etwa auf ein Deckungssystem verzichten, Dual Wielding gibt es leider ebenfalls nicht (mehr) - nur die außerirdischen Widersacher dürfen zwei Waffen gleichzeitig führen. Unverändert schlecht bleibt obendrein die KI, wenn sie sich ans Steuer der Fahrzeuge setzen muss und sich dabei ständig auf haarsträubendste Weise verzettelt. In den Shootouts überzeugen die Kontrahenten hingegen mit einem ausgesprochenen Überlebensinstinkt und stellen hartnäckige Feinde dar.

Bungie versucht, das Geschehen trotz des sehr linearen Ablaufs abwechslungsreich zu gestalten. Immer wieder warten kürzere Fahrzeugmissionen, die erwähnte Flugsequenz im All wird sogar noch durch eine Mission in New Alexandria ergänzt, in der man mithilfe des schlagkräftigen Truppentransporters UH-144 Falcon verschiedene Stellungen infiltriert und ausschaltet. Dann platziert man einen Sniperauftrag, bei dem hinterrücks Meuchelmorde ausgeführt werden.

Doch trotz dieser Vielfalt ist das Spielgeschehen wenig anspruchsvoll, in etwa sieben Stunden metzelt ihr euch recht locker durch die Feindeshorden, nie wird es so richtig schwierig. Das gilt umso mehr, wenn ihr euch einen oder bis zu drei Weggefährten per Koop-Funktion mit ins Team holt. Halo: Reach skaliert weder die Anzahl der Feinde noch ihre Widerstandkraft selbsttätig mit, das müsst ihr mit der manuellen Änderung des Schwierigkeitslevels selbst erledigen.

Kein Risiko

Erst die sehr schönen Zwischensequenzen und die epischen Umgebungen mit riesigen Schlachtschiffen und Tausenden Soldaten im Hintergrund machen die dramatische Lage der Noble-Einheit so richtig spürbar. Das Spieldesign selbst erlaubt es dagegen oftmals auf alternativen Routen durch die feindlichen Reihen zu spazieren und den nächsten Kontrollpunkt fast ohne Widerstand zu kassieren.

Halo: Reach - Ist es Halo 4 - abgesehen vom Titel?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Halo: Reach erzählt die Vorgeschichte zu den bisherigen Serienteilen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Risiken geht Bungie im Mehrspieler-Modus keine ein. Auch in diesem Bereich verlässt sich der Entwickler überwiegend auf etablierte Elemente und peppt diese lediglich ein wenig auf. Mit an Bord ist das aus ODST bekannte „Feuergefecht“. Dieser Survival-Modus kann sowohl einzeln als auch kooperativ gespielt werden. Gewohnt üppig eröffnen sich vielzählige Möglichkeiten für Multiplayer-Fans; diverse Teamdeath-Match-, und Capture-the-Flag-, Slayer- und King-of-the-Hill-Versionen in allen erdenklichen Variationen spülen virtuelle Credits in eure Kassen.

Mit dieser Währung (die auch im Kampagnen-Modus ausgezahlt wird) kauft ihr neue Ausrüstungsteile für eure Spielfiguren. Zum Programm gehören selbstverständlich erneut eine aufgebohrte Fassung des Leveleditors „Forge“ sowie das beliebte „Kino“, in dem ihr alle aufgezeichneten Spielsessions in voller Länge bewundert.