Halo. Halo bleibt immer gleich. Aber ist das etwas Schlechtes? Wer sich ständig weiterentwickelt, seiner Linie aber treu bleibt, nützliche Verbesserungen einführt und nur wenig verbesserschlechtert... Ist dieser einer nur zu feige, neue Wege zu gehen, weil man Gefahr laufen könnte, etwas falsch zu machen? Oder ist das besonders clever, weil man die harte Fanmasse nicht verschreckt und ihnen genau das Futter gibt, das sie begehren? Eine Frage für die Geschichtsbücher. Aber eines ist sicher: Neue Fans kann sich Microsoft mit dem fünften Teil der Reihe nicht erschließen, dafür gibt es zu wenig Neues; der „Oho“-Effekt fehlt.. Aber das, was da ist, rundet das Spielerlebnis auf ein weiteres Mal ordentlich ab.

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Es ist schon erstaunlich. Da spielt man eine gefühlte Ewigkeit – und das als bekennender Fan – kein Halo, weil der Beruf die Berufung frisst und die Arbeit die Zeit nicht nur totschlägt, sondern regelrecht zu Grunde richtet, und zählt bereits die Stunden, die es verschlingen mag, bis man wieder voll und ganz in dieser Welt und ihrer Mechanik aufgeht – da wird man mit dem Zaunpfahl im Gesicht daran erinnert, dass Halo sich immer treu bleiben wird.

Halo 5: Guardians - So wie immer, aber mit einer Prise "Neu", bitte

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Halo ist erneut Halo. Was habt ihr auch erwartet?
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Kopfschüsse! Überall Kopfschüsse“, schreit der kleine Grunt und watschelt mit seinem knautschigen Gesicht schnell in Richtung Nirgendwo. Egal wo. Nur weg von mir. Der springend und sich seitwärts bewegend große Löcher in kleine Schädel pustet. Sicherlich ein unheimlicher Anblick, wenn ein weit entfernter Punkt aufblitzt, deine Kameraden links und rechts umfallen und dir plötzlich eine Plasmagranate im Gesicht klebt.

Halo ist ein wenig wie Fahrradfahren. Wer es einmal beherrscht hat, dem ist der neumodische Schnickschnack und die vielen kleinen Verbesserungen an neuesten Modellen egal. Nicht auf Sympathie-Ebene, aber auf einer spielerischen. Es mögen Jahre vergehen, aber wer die Gegner, die Entfernungen, die Maße, die Waffen – einfach das ganze Halo-Universum erst einmal geatmet hat, der ist hier zu Hause. Und bei allen Änderungen und neuen Wegen: „Halo 5: Guardians“ bildet da keine Ausnahme. Ihr kommt zurück und ihr seid wieder da. So tödlich und geskillt wie eh und je.

Und die Änderungen sind ja nun wirklich nicht der große Sprung, mit dem man reißende Bäche überqueren kann. Man traut sich eine neue Hauptfigur mitsamt Team einzuführen, bleibt dem Master Chief als unangefochtenem Badass-Helden aber treu. Verpasst ihm zwar hier und dort unnötig viel Charisma und Bauernschläue, lässt ihn aber an seinen Grundfesten treu klammernd zurück.

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Die Welten sind schlauchartig, sehen aber fantastisch aus.
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Die Rüstungen der Spartans haben neue Spielereien erhalten, die so unnötig wie fantastisch sind. Kein Soldat der weiten, weiten Galaxie benötigt eine Ansturm-Attacke, mit der er durch gewisse Wände brechen kann. Niemand muss mit einem Jetpack eine Ausweichbewegung absolvieren können oder eine Bereichsattacke auf dem Boden ausführen. Und wer hat jemals von einer Möglichkeit gehört, im Sprung zu zielen und damit für wenige Sekunden genau diese luftige Position halten zu können?

Ein verdammt guter Shooter mit wenigen, aber cleveren Änderungen. Dafür ist die Story florry. Planet schmanet.Fazit lesen

Unnötiger Schnickschnack, der die Spielreihe in keine neue Richtung führt. Aber mein lieber Herr Gesangsverein mit unnötig schiefen Tönen: Was ist das für ein Spaß, diesen ganzen Käse zu benutzen. Ein Todesurteil für alle, die auf „Legendär“ auf Titeljagd gehen. Aber was für ein Ritt für alle, die sich einfach mal durch die Kampagne schnetzeln möchten.

Es sind die kleinen Dinge, die die Halo-Reihe immer wieder abrunden. Ein Schritt zu weit nach links wird beim nächsten Teil behoben. Ein Schritt in die richtige Richtung wird in der Fortsetzung logisch weiter gedacht. Es sind Tribute an die Fans, die eine große Gemeinde treu und bestenfalls eben groß halten sollen. Neue Massen gewinnt man damit spärlich, doch es ist der beste Weg, ein großes Universum zu perfektionieren.

Gerade die Treue an die Wurzeln und das, was Halo ausmacht, könnte man in seiner fünften so gesehenen Umsetzung als Faulheit abtun. Und vielleicht ist es das auch. Vielleicht ist es faul, das Leveldesign das fünfte Mal auf die gleiche Weise aufzubauen und zum Ende hin sich ausweiten zu lassen. Vielleicht ist es aber auch einfach nur die Hand am Herz und der Blick, der halb in der Vergangenheit ruht und halb in die Zukunft schaut.

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Locke ist der neue Held der Halo-Reihe und wurde in dem Film "Halo: Nightfall" vorgestellt.
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Für Zweiteres sprechen kleine, nette Ideen. Wie zum Beispiel der neue Held Locke, der mit seinem kompletten Trupp die neusten Spartan-Rüstungen aus Teil 5 trägt. Während das Team vom Master Chief die erste Generation an Multiplayer-Rüstungen zum Besten gibt und John selbst in seinem altbekannten Ein-Mann-Panzer durch die Gegend gurkt. Solche Sachen sind es, die das Universum nach und nach perfektionieren könnten und vielleicht dafür sorgen, dass jüngere Fan-Generationen eines Tages eine Rüstung, eine Waffe oder etwas in der Art sehen und laut fragen: „Was ist das denn!?“. „Tja, mein Sohn. Als ich in deinem Alter war...“.

Einschneidenste und beste Neuerung zugleich dürfte dann wohl die Tatsache sein, dass die Tage des alten, brummigen Einzelgängers nun vorbei sind. Egal, ob ihr mit Steingesicht Locke oder Garkein-Gesicht John unterwegs seid, zu eurer Seite stehen immer drei andere Spartans, die eurem Team angehören. Gesichtslos, charakterlos und austauschbar lassen sich ihnen einfache Wegbefehle geben und man kann sie in Fahrzeuge einsteigen lassen oder eine Waffe gegen die ihre austauschen.

Die KI stellt sich dabei natürlich wunderbar deppert an und es grenzt an Betrug, wenn man es vermasselt hat, aber von einem KI-Kameraden wieder auf die Beine gestellt wird und nicht vom letzten Kontrollpunkt anfangen muss. Aber im Grunde... So am Ende... Eigentlich... Ach, ja. Es ist schön, nicht mehr alleine zu sein. Ein Team nimmt dem Spiel zwar die Melancholie, die Graustufen der Einsamkeit. Aber am Ende möchte wohl niemand alleine herumirren. Diese Zeiten sind vorbei.

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Nie mehr allein unterwegs: Der Chief und sein Team "Blau".
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Auf Bahnsteig 3 bitte zurückbleiben

Schlauchlevel, die langsam an Größe und taktischen Möglichkeiten gewinnen, Waffen, Fahrzeuge und Gegnertypen, die in jedem Teil ein paar neue Kollegen begrüßen dürfen und natürlich die neuen, kleinen Spielereien wie der Spartan-Ansturm sind alles Dinge, die wir von einem Halo erwartet haben. Im dritten Teil wurde jedoch bereits eine Richtung vorprogrammiert, die im vierten ihren Höhepunkt fand und im fünften zur bitteren Routine wird. Die Geschichte von Halo ist, wenn man sich nicht durch Filme und vor allem Bücher frisst, zu einem einzigen Aufenthalt am Bahnhof geworden.

Man bräuchte nur einen Versuch mit der Kampagne, um das Grobe, quasi das Wichtigste, zu verstehen. Oberflächlich. So rein theoretisch. Will man aber auch nur einen Hauch mehr Tiefe erreichen, fährt plötzlich der Intercity von Hamburg Hauptbahnhof in Richtung Neu-Münster ein. Bitte bleiben sie von dem Grenzstreifen fern und achten Sie auf die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante.

Wer sich nicht durch das Halo-Wiki gegraben hat, wie ein ausgehungerter Wurm durch den Apfel und sich nicht auf andere Weise über die Blutsväter, ihren Konflikt mit der Menschheit und die Flood informiert hat, muss leider eine geringe Verzögerung im Betriebsablauf hinnehmen und erfährt, dass der ICE nach Frankfurt an der Oder leider fünf Minuten Verspätung hat.

Man lässt euch leider erneut am ausgestreckten Arm verhungern und serviert euch nur das Nötigste. Das Verwirrende dabei ist, dass scheinbar alles und jeder in der Spielwelt selbst Bescheid weiß; nur ihr nicht. Oder sind es nur wir?

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Wie viel haben wir eigentlich in Halo 4 und 5 über die Prometheaner erfahren?
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Die Namen einzelner Figuren, ihre Rolle im bisherigen Universum, Konflikte hier und dort und ihr Ausgang. Ganze Tatsachen, die entscheidend für die Dinge sind, die ihr momentan tut und seht, werden euch nicht nähergebracht. Kein Index mit den nötigsten Informationen, kein Nachschlagewerk für gewisse Keywords. Dafür müsst ihr andere Formen der medialen Unterhaltung konsumieren. Habt ihr das nicht getan, weil ihr nicht wollt/könnt/dürft, dann seid ihr dazu verdammt, nur das Nötigste zu wissen. Allen, die sowieso nur „Multiplayer“ im Kopf haben und sich fragen, wie lange es wohl noch dauert, bis wir auf diesen Part eingehen, kann das herzlich Käse sein. Wer sich aber dafür interessiert, was wer warum gerade tut, für den kann es bitter werden.

Zumindest wird klar, dass Cortana einen ganzen Batzen Geld spart, weil sie ihre Monatskarte gleich für ein ganzes Jahr bezahlt, während John, der alte Bleikopf, monatlich blecht. Pech für dich, John. Clever gemacht, Cortana. Achtung an Gleis 2. Der Regionalzug von Berlin Lichterfelde Ost nach Stendal fährt jetzt ein.

Spaß für die ganze Familie

Es gibt Leute, denen ist eine Kampagne von gut sieben Stunden zu wenig. Verständlich. Es gibt Leute, die spielen den Singleplayer gar nicht. Okay. Und es gibt Leute die wollen verdammt noch mal online gehen und sofort ein paar Noobs zeigen, wo der Hammer hängt und wer der Alpha-Spartan ist. Wenn es denn sein muss.

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Arena oder Kriegsgebiet. Was darf es denn sein?
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Für euch gibt es natürlich den Multiplayermodus. Dieser besteht hauptsächlich aus den Arena- und Kriegsgebiet-Modi. Diese beiden unterscheiden sich elementar, aber die Tatsache, dass beide existent sind, ist ein gutes Zeichen für alle Richtungen, in die Videospielen online gehen kann. Denn der beherzte Gelegenheitsspieler kommt hier genauso auf seine Kosten wie der jähzornige Profi.

In der Arena, die sich aus verschiedenen, sehr klassischen Spielmodi zusammensetzt, erwarten euch kleinere Maps, keine Fahrzeuge und ganz viel Geballer. Schön, oder nicht? Für den Hardcore-Spieler ist dies Zuhause. Hier treten diejenigen an, die euch schon vom Angucken einen Kopfschuss geben und Granaten fliegen hier über hunderte Meter perfekt ins Gesicht des Neuankömmlings. Stellt euch vor, ihr habt das erste Mal „Call of Duty“ - also den allerersten Teil – gespielt und denkt euch jetzt: „Hey. Das war spaßig. Ich gehe dann mal fröhlich online und schaue mir den Multiplayer an. Der wird bestimmt ähnlich spa....“. BAM! Headshot.

So, oder so ähnlich läuft es hier ab. Da wir aber prinzipiell nur stark sind, wenn unser Gegner von einer strulligen KI gesteuert wird und wir uns nur groß machen, wenn der Feind ein Grunt ist, fühlten wir uns im Kriegsgebiet heimischer.

Große Maps und Fahrzeuge sind schon mal klasse. Verschiedene Aufträge für euer Team, wie wichtige Punkte auf der Map verteidigen, Random KI-Gegner ausschalten oder feindliche Geschützstellungen übernehmen, ist noch mal einen ganzen Hauch cooler.

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Der Multiplayer bietet quasi nichts Neues. Aber Spaß macht er trotzdem.
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Die neuen Fähigkeiten eurer Spartan-Rüstungen kommen hier perfekt zum Tragen und machen das Multiplayer-Erlebnis zu einem schnellen, actiongeladenen Abenteuer. Der e-Sport-Gamer hat hier zwar keinerlei Herausforderungen, aber der „Ich guck mal rein und spiele morgen bestimmt noch mal ne Runde“-Spartan hat hier seine helle Freude. Selbst wenn ihr nicht sonderlich gut spielt, lohnt sich der Ausflug, denn eurem Team könnt ihr auch auf andere Weise hilfreich sein. Und sei es nur dadurch, dass ihr die KI-Gegner, die die Karte bevölkern, erledigt.

Ein bisschen schade ist, dass ihr Requisitions (REQ) – Energie, die ihr benötigt um gewisse Elemente für die Schlacht nutzen zu können; wie Panzer, Ausrüstungsgegenstände, et cetera – auch via Echtgeld kaufen könnt. Denn diese Dinge bringen euch einen erheblichen Vorteil im Kampf. Beschwichtigend möchten wir jedoch hinzufügen, dass „Halo 5“ nicht sonderlich geizig mit diesen Punkten umgeht. Wer ein bisschen sammelt und nicht dem Kaufrausch verfällt, hat schnell genügend REQ zusammen, um sich selbst einen schönen Vorteil zu sichern.

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