Kommt das neue Halo mit offener Spielwelt und Rollenspiel-Elementen á la Far Cry 3? Bekommt der Master Chief tatsächlich einen Sidekick und ein eigenes Raumschiff spendiert? Eigentlich will Microsoft noch bis zur kommenden Fachmesse E3 alle Infos rund um Halo 5: Guardians streng unter Verschluss halten. Dennoch: Die Macher haben mit Konzeptzeichnungen, dem ersten Trailer und auch dem vorläufigen Cover für das Xbox-One-Spiel, das im Herbst 2015 aufschlagen soll, schon mehr verraten als sie wohl dachten. Und auch an Gerüchten und wilden Spekulationen trudelt derzeit so einiges durch's Netz. Wir haben alles zusammengetragen, was sich derzeit über das neueste Abenteuer des Master Chief sagen, analysieren, gerüchteln und spekulieren lässt!

Eine schier endlose Wüste aus Stein und Sand zieht sich dahin. Bizarre Felsformationen machen klar, dass dies hier garantiert nicht die Erde ist. Dazu Wind und eine Hitze, die jedem Menschen in wenigen Tagen die Haut gerben und ihn schön kross grillen würden. Mittendrin: ein Kerl in zerfetzter Kutte, der zielstrebig und mit festem Schritt durch die unwirtliche Umgebung wandert. Dann ein Beben, eine fremdartige Flug-Roboterkreatur, die sich aus dem Sand erhebt und dem Wanderer mit einer fauchenden Druckwelle die Kapuze vom Kopf reißt, woraufhin der Helm des Mater Chief zum Vorschein kommt.

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Das waren die ersten und recht mysteriösen Bilder, die Microsoft auf seiner offiziellen Pressekonferenz im Vorlauf der E3 2013 präsentierte. Seinerzeit noch mit dem schlichten Titel „Halo“ überschrieben. Nun wurde endlich der endgültige Name enthüllt: Halo 5: Guardians. Kurzum: Eigentlich scheint Microsoft bisher nicht sonderlich viel verraten zu haben – oder doch?. Wenn man sich Zeit nimmt, Fakten, Zitate und Bilder zusammenrauft und etwas genauer hinschaut, lässt sich mehr entdecken als gedacht.

Auf in neue Welten

Wer etwa den kurzen E3-Trailer ganz penibel betrachtet, erkennt im Hintergrund der wüsten Landschaft und schimmernd durch die dichten Wolken und Staubschwaden einen roten Planeten: das ist Sanghelios, die Heimat der Sangheili – besser bekannt als die Energieschwert-schwingenden Elites. Offensichtlich stapft der Master Chief also gerade über einen der Monde der Kriegerheimat, nämlich Qikost oder Suban.

Doch auch auf das Zentralgestirn des Ur-Systems könnte es den Spieler verschlagen, wie Konzeptzeichnung andeuten. So veröffentlichte Frank O’Connor, Entwicklungsleiter für die Halo-Marke, kurz nach der Enthüllung des endgültigen Titels am 16. Mai 2014 ein Bild, das offensichtlich eine verlassene Tempelanlage zeigt, die in einen felsigen Canyon geschlagen wurde.

Halo 5: Guardians - Die gamona-Tiefenanalyse: Was dürfen wir vom Next-Gen-Halo erwarten?

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Sanghelios ist die Heimat der Elite-Rasse, der Sangheili. Wahrscheinlich wird der Master Chief also zumindest zu Beginn gegen vertraute Gegner kämpfen.
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Ein Tempel der Elite-Rasse auf Sanghelios? Ja, denn neben den runden Säulengebilden ist im Hintergrund die Statue eines Sangheili mit dem so markanten Zweiklingen-Energieschwert zu erkennen. Daneben erhebt sich ein weiter Himmel an dem neben Oktopus-Flugkreaturen und auch die zwei Monde schweben, die den Planeten umkreisen. Auf dem vorläufigen Cover sind im Hintergrund ebenfalls Formationen im Stile der Tempelkonstrukte zu sehen.

Packshot zu Halo 5: GuardiansHalo 5: GuardiansErschienen für Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Das Heimatsystem der aggressiven Alienrasse wird aber nur eine der Kulissen darstellen. Schon im Januar 2014 tauchte nämlich eine Konzeptzeichnung auf, die Entwickler Josh Holmes mit den Worten „eine neue Umgebung, die recht prominent in einem kleinen Spieleprojekt auftaucht, an dem wir gerade werkeln“ kommentierte. Zu sehen: offensichtlich eine Kolonie oder ein militärischer Vorposten der Menschen über dem der aus Halo 4 bekannte Raumkreuzer UNSC Infinity schwebt.

Jedoch sind sowohl dieser Vorposten als auch Sanghelios wahrscheinlich nur das Sprungbrett in weit entferntere Welten. Denn immer wieder betonen Microsoft und Entwickler 343 Industries, dass die Essenz der sogenannten Reclaimer-Saga, die mit Halo 4 startete, eine Reise darstelle, die „auf Xbox One beginnt“. Trifft der Master Chief also auf eine Technologie, die der Menschheit ein Tor in entfernte Teile der Galaxie öffnet? Wer weiß...

Master Chief und Robin?!

Als sicher darf zumindest gelten, dass John-117, also der Master Chief, der Held von Guardians sein wird. Oder doch nicht? Doch. Aber auf dem Cover steht dennoch jemand anderes im Zentrum. Nämlich ein mysteriöser Spartan-Krieger mit einer schlank geschnittenen MJOLNIR-Rüstung der zweiten Generation. Wer das ist? Ein weiblicher Sidekick für den Chief, vielleicht Sarah Palmer aus Halo 4 oder gar… die fleischgewordene Cortana, wie erste Gerüchte behaupteten?

Alles Unsinn, das haben Halo- und Forza-PR-Mann Rob Semsey und Frank O’Connor via Twitter und im Forum NeoGaf schon mal klargestellt. Der Neuling sei weder eine Frau, noch handle es sich um die KI Cortana. Was sich allerdings sagen lässt: der Spartaner mit dem blau schimmernden Visier ist jemand von besonders hohem Rang. Denn wer die Lupe rausholt, erkennt auf der rechten Seite der Rüstung das Emblem des Office of Naval Intelligence – kurz ONI –, dem militärische Geheimdienst der Menschheit. Es ist also zu vermuten, dass 343 Industrie hier einen neuen Charakter einführt, der entweder als Koop-Partner dient oder die Story aus einer alternativen Perspektive erleben lässt.

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Wer ist der mysteriöse Spartan-Krieger? Auf seiner Brust prangt jedenfalls das Logo des Office of Naval Intelligence.
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Wenn der mysteriöse Spartaner also nicht Cortana ist, was ist dann eigentlich mit der blauen KI-Dame? Klar, am Ende von Halo 4 hatte sie sich im Kampf gegen die Didakten geopfert. Allerdings: ein Halo ohne Cortana? Nein, es ist schwer vorstellbar, dass 343 Industries und Microsoft den Mut beweisen, den zweitwichtigsten Charakter der Serie einfach beerdigt zu lassen – insbesondere, da Microsoft gerade einen Siri-Konkurrenten namens Cortana startet.

Stattdessen ist es sogar sicher, dass sich Halo 5 – zumindest in Teilen – um die Rettung Cortanas drehen wird. Das wird gar schon im ersten E3-Trailer angedeutet. Dort ist kurz zu sehen, wie der Master Chief scheinbar ein Dog Tag in der Hand hält. Bei genauem Hinschauen offenbart sich diese allerdings als der Kristallchip, der normalerweise Cortana beherbergt und in der Rückseite des Kampfhelmes stecken sollte. John-117 scheint also eine Möglichkeit zu suchen oder gefunden zu haben, um Cortana zurückzubringen. Er könnte auf einer Rettungsmission sein. Und das wohl auf eigene Faust. Wahrscheinlich ist der unbekannte Spartan-Krieger ihm zu Beginn auf den Fersen, um den flüchtigen Supersoldat wieder einzufangen. Vielleicht weil großes Unheil droht, das nur der Chief abwenden kann. Mal wieder.

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Der Kristallchip in dem eigentlich Cortana in Gestalt eines blauen Lichtes flackert ist leer. Der Master Chief will sie offensichtlich retten.
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Der unbekannte Feind

Fraglich ist da bisher noch, was den Master Chief und die UNSC diesmal mit Vernichtung bedroht. Gesichert ist, dass John-117 wohl erneut gegen die Alienrassen der Allianz antreten wird – das legt alleine schon Sanghelios nahe. Also erneut quietschende Grunts und getarnte Elite-ETs abknallen. Aber auch die Prometheaner sind ganz offensichtlich mit von der Partie. Das geflügelte Wesen aus Stahl, das sich im Trailer röhrend und donnernd aus dem Boden erhebt, ist eindeutig Technologie der Blutsväter, der die Prometheaner einst als kämpfende Dienerklasse angehörten.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem metallenen Greifvogel mit gelben Leuchtaugen um eine Version oder Abart der War-Sphinx-Kampfanzüge, die kurz im Halo-Roman Kryptum beschrieben werden. Laut dem Buch handelt sich dabei um zehn Meter hohe und 20 Meter breite Konstruktionen, die sowohl in der Luft als am Boden eingesetzt werden können. Wäre aber auch verwunderlich, wenn die Prometheaner so schnell nach ihrer Wiederauferstehung wieder aus dem Halo-Universum verschwinden würden. Schließlich bietet die uralte Rasse noch einiges an Technik, die beeindrucken kann. Und die wurde von 343 Industries im letzten Halo leider nicht mal ansatzweise ausgereizt.

Dann wären da natürlich noch die titelgebenden Guardians. Mit ihnen könnten die Blutsväter an sich gemeint sein, die vor 100.000 Jahren einst Millionen von Welten in unserem Teil der Galaxie beherrschten. Jedoch könnten die Guardians, so unsinnig es klingt, auch einfach die Guardians bezeichnen. Tatsächlich kommen in allen (englischsprachigen Fassungen der) Halo-Spiele sogenannte Guardians vor. Sie sind eine Art Platzhaltebezeichnung im Mehrspieler-Part.

Jedes Mal, wenn ein Spieler nicht direkt von einem anderen Spieler getötet wird, sondern durch einen bizarren Umstand ums Leben kommt, dann wird dieser den Guardians zugerechnet. Wird ein Spieler etwa von einem unbesetzten Fahrzeug erschlagen oder von einem Zug überrollt, wird dies mit „Spielername was killed by The Guardians" angezeigt. Bisher ist es also mehr oder minder vollkommen schleierhaft, was sich hinter den Guardians verbergen soll.

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Die Rüstung von John-117 ist ziemlich angeschlagen und von Kämpfen gezeichnet. Keine Zeit für Reparaturen oder eine eigene Rüstung? Ist er also auf eigene Faust unterwegs?
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Größer, mehr, besser?

Noch weniger ist bisher über die eigentlichen spielerischen Facetten bekannt. Natürlich: Halo 5 wird wie seine Vorgänger ein Ego-Shooter sein. Jedoch köcheln Gerüchte, dass 343 Industries die restliche Grundformel kräftig umgemixt habe. Die Rede ist da von Rollenspiel-Einflüssen á la Far Cry 3 oder Dishonored, die durch Blutsväter-Relike freigeschaltet werden. Auch eine Open-World wie im Ubisoft-Shooter soll Halo 5 angeblich bieten. Oder zumindest mehrere sehr große Areale, zwischen denen mit einem Raumschiff nach Lust und Laune hin und hergereist wird – also etwa etwa zwischen Sanghelios und seinen Monden.

Das würde auch zur mehrfachen Betonung passen, dass die Halo-Reihe nun eine „neue Größe und Weite" erreichen solle. Sollte es wirklich so kommen, würde den Fahr- und Flugzeugen wohl eine noch größere Rolle zukommen als bisher. Dennoch wird der Fuhrpark wohl vieles vom üblichen bieten: Warthog-Jeep, Scorpion-Panzer, Quad und die Allianz-Gefährte. Wobei auf der Konzeptzeichnung des Menschenvorpostens auch ein offensichtlich von der UNSC umgebauter Phantom-Transporter der Allianz auszumachen ist.

Auch bei den Waffen wird man sicher einen guten Mix aus alten, neuen und außerirdischen Schießeisen erwarten dürfen, die aber hoffentlich etwas kreativer ausfallen als in Halo 4. Das Cover zeigt schon mal die BR55-Battle-Rifle und das markante MA37-Sturmgewehr.

Für den Mehrspieler-Part hat 343 Industries bisher dedizierte Server versprochen, aber das war es schon mit den offiziellen Aussagen. Jedoch dürften die Entwickler auch hier einiges umkrempeln. Schon vor Monaten streute ein angeblicher Insider Munkeleien, wonach der Mehrspieler-Modus nach der Kritik am Halo-4-Multiplayer-Part zweigeteilt werde. Und zwar in einen Classic-Mode, der dank dem Spieler-Feedback quasi eins zu eins dem von Halo 2 entspräche. Der zweite Teil hingegen sei eine Art Halo-Battlefield. Hier würden auf großen Karten 32 bis 64 Spieler gegeneinander antreten. Klingt gut? Durchaus!

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Jetzt seid ihr dran: Was denkt über das Halo 5: Guardians?
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Richtig auftrumpfen wollen Microsoft und 343 Industries vor allem in Sachen Technik. Daher soll eine „brandneue und kraftvolle Engine" Halo 5 antreiben, die in 1080p stabil 60 Bilder pro Sekunde auf den Schirm schiebt. Zumindest fast, denn wie der Entwickler selbst relativiert „gibt es einige Kernelemente, die aus den vorherigen Spielen übernommen werden". Welche Elemente das sein sollen? Dazu wird bisher freilich geschwiegen.

Nichtsdestotrotz darf man wohl davon ausgehen, dass des Master Chiefs Abenteuer visuell beeindruckend werden wird. Allein wenn man bedenkt, was das Entwicklerteam mit Halo 4 in Sachen Licht, Effekte und Partikel noch aus der neun Jahre alten Xbox 360 herausquetscht. Überdies muss Microsoft Sony endlich Kontra geben. Denn selbst wenn die Auflösungsdiskussionen um Battlefield 4, Watch Dogs und Co. größtenteils Erbsenzählerei darstellen, so kratzen sie doch am Image der Xbox One als kraftvolle Spielemaschine. Die Konsole braucht einen grafisch opulenten Ego-Shooter. Und was könnte da besser sein, als ein neuer Teil der Serie, der die Xbox einst so erfolgreich machte?