Beim Thema Halo gibt es nicht viel Streit und die Abenteuer des Master Chief sorgen auch nicht für große Diskussionen. Halo existiert einfach abseits. Und das in jeglicher Hinsicht, denn entweder mag man diese Spielreihe und fiebert stets dem nächsten Teil entgegen oder man kann nichts damit anfangen. Wenige lassen sich dazu herab, mit diesem Spiel ihren persönlichen Krieg auszufechten und um Anerkennung für die eigene Meinung zu kämpfen. Ganz in diesem Sinne wollen Halo-Interessierte auch keine Lebensgeschichte hören...

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Singleplayer: Kopf und Muskeln

Was wirklich zählt, die Themen, die einen Halo-Fan bewegen, liegen genauso im jenseitigen Tal wie die Frage, ob wir nun einen starken vierten Teil erwarten dürfen oder nicht. Es ist schließlich so: wer seit dem Debüt-Titel dabei ist, will nicht hören, ob sein Gesprächspartner Halo verdammt oder vergöttert. Er will wissen, was sich geändert hat, was neu ist und ob diese Inhalte das hervorbringen können, weswegen gerüchteweise einige Gamer da draußen noch immer Videospiele zocken: Spaß.

Wie weit die Wellen dieser Frage sich ausbreiten können, wird erst klar, wenn man beachtet, dass die Geschichte um den Kampf gegen die Allianz und die Flood eigentlich abgeschlossen ist. Wie es sich für jeden klischeehaften Numerologen mit Verfolgungswahn gehört, ist eine anständige Geschichte in drei Teilen fertig erzählt. Was danach kommt, ist entweder der Glücksgriff eines talentierten Autors oder eine scheußliche Verunstaltung des Originals.

Halo 4 - Jetzt mal ehrlich: Wie fühlt es sich an?

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Auf in ein neues Halo! Doch wie fühlt es sich an?
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Im Fall von Halo 4 ist es erstmal nur ein Neuanfang; ganz ohne Urteil und ohne klare Aussage. Doch ist er gelungen? Ist das Thema ansprechend? Wie fließend und sauber ist der Übergang? Fragen, die sich bestimmt schon jeder Fan gestellt hat. Es ist nämlich gar nicht so einfach, von alten und bekannten Wegen abzulassen und unbekannte Gefilde zu betreten.

Dementsprechend haben die Entwickler von ausschweifenden Erzählungen und sinnlosem Um-den-heißen-Brei-Getanze abgelassen und bringen die Sache auf den Punkt: Der Master Chief tritt in Aktion, wenn er gebraucht wird. Und wann dem so ist, dass entscheidet der tiefgefrorene Muskelberg nicht selbst, sondern seine bessere Hälfte, die künstliche Intelligenz Cortana.

Packshot zu Halo 4Halo 4Erschienen für Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Wie und warum er genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftauchen konnte, ohne dass er eigentlich Einfluss auf die Ereignisse hatte, wird die Singleplayer-Kampagne zeigen müssen. Doch für den ersten Moment finde ich mich mit der Hoffnung im Teigmantel des Vertrauens ab, dass schon alles seine Richtigkeit haben wird und keine Fragen offen bleiben.

Es fühlt sich an wie Halo. Es spielt sich wie Halo. Nur größer und besser. Was will man mehr?Ausblick lesen

Ganz im Stil der alten Teile finde ich mich also auf einem abstürzenden Raumschiff wieder. Und weil Nostalgie so schön ist, ballert sich der Master Chief eher gewissenhaft als fröhlich durch die Einheiten der außerirdischen Allianz, befolgt die gut gemeinten Ratschläge seiner alten Freundin und flüchtet wie die Ratte vom sinkenden Halcyon-Kreuzer.

Halo 4 - Jetzt mal ehrlich: Wie fühlt es sich an?

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Durch und durch Halo, da besteht keine Frage.
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Doch es gibt ein paar Feinheiten, die dieses Erlebnis vom ersten Teil unterscheidet. Und damit meine ich nicht das verdutzte Fragezeichen über dem Kopf des Protagonisten, weil die Menschheit mit seinem alten Feind eigentlich Frieden geschlossen hat. Oder Offensichtlichkeiten, wie das perfekte Spiel aus Sprüchen und Konversationen zwischen der KI und John-117.

Nein, es sind eher kleine Details, die sich vor den Sinnen des Spielers zu verstecken scheinen und genaue Beobachtung fordern oder in der Versenkung verschwinden; irgendwo im hinteren Teil unserer bewussten Wahrnehmung.

Eines dieser Dinge, die es wert ist bemerkt zu werden, ist die Grafik. Wenn ich nicht kurz vorher die ersten drei Hauptteile gespielt hätte, wäre es mir vielleicht nie aufgefallen. Der Stil von Halo war stets der gleiche und die Veränderungen in der Optik sind manchmal so minimal, so subtil, dass sie einem gar nicht auffallen wollen.

Doch trotzdem hat sich hier einiges getan. Es springt bei genauer Betrachtung sofort ins Auge, dass die Gegner noch einen Tick mehr Details verbuchen können, dass Umgebung, Waffen und der Chief selber stark überarbeitet wurden. Alles hat einen guten Satz nach vorne gemacht, doch wird es vielen nicht auffallen. Der Vorgang ist schleichend; aber wer stets einen Titel neben den anderen legt, wird nicht widersprechen können, wenn jemand behauptet: „Halo sieht von Mal zu Mal schöner aus.“ So bleibt auf der einen Seite Halo stets Halo, und auf der anderen baut es doch ständig auf sich selbst auf; und verbessert sich somit.

Zum anderen konnte das Gameplay einen Effekt für sich verbuchen, der absolut im Bereich: „Begeisterung“ angesiedelt werden darf. Es sind die kleinen Details von denen der vierte Teil lebt und einer davon ist, dass unser Held sich endlich genauso steuert und seine Bewegungen sich so anfühlen, wie er selbst ausschaut: groß, klobig, schwer, aber viel schneller und gefährlicher, als es anfangs den Anschein macht. Das ist schwierig zu beschreiben, steuert sich aber umso einfacher.

Multiplayer: Eine Explosion der Farben

Halo 4 spielte sich die ganze Vorführung über so, wie man es sich erhofft hatte. Während der Stil sich selbst treu bleibt und das Halo-Feeling von der ersten Minute an triumphiert, können die neuen Inhalte, wie der unbekannte Feind, die neue Welt und die große Masse an neuen Waffen im alten Gewand, den Halo-Veteran für sich gewinnen und zu einem Schluss kommen lassen: Es fühlt sich einfach richtig an.

Doch bitte backt noch keinen Kuchen und schreibt mit klebrigem Zuckerguss „Ich liebe Halo 4“ auf die Süßigkeit. Denn ich verteile hier keine Zusicherungen auf einen grandiosen vierten Teil, ohne die Laune etwas zu dämpfen. Denn so richtig es sich auch anfühlte und so schön sich Halo 4 auch präsentierte, es bleibt ein kleiner Hintergedanke, der einem nicht so recht aus dem Kopf gehen will. Eine Zecke der bösen Gedanken, die ihr Gift absondert und sich köstlich darüber amüsiert, wenn wir beginnen zu grübeln und zu zweifeln.

Das Problem ist einfach, dass sich die tollen neuen Waffen die ganze Zeit über anfühlten, als wären sie nur ein Abklatsch oder eine Erweiterung der alten Wummen und in erster Linie für den Multiplayermodus geschaffen worden. Wirklich Neues suchte ich vergebens. Und wenn ich in einem Shooter zum vierten Teil nur aufgewärmte Ideen bekomme, was die Auswahl an Schießeisen angeht, wie kann ich mir dann sicher sein, dass die Story wirklich Neues zu bieten hat?

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Neue Multiplayerschlachten erwarten euch.
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Der Multiplayermodus ist um so vieles dankbarer als die Kampagne. Denn er lässt einen Tester nicht mit so verdammt vielen Fragen zurück und man muss auch nicht an sein Ende gelangen, um zu wissen, wie gut er wirklich ist und wie viel in ihm steckt. Er breitet sich vor mir aus, verrät mir all seine Geheimnisse und lässt mich daran teilhaben.

Der Multiplayermodus spielt sich in jeder Form, die er annehmen kann, sehr angenehm und verspricht zumindest genügend Spaß, um über das eine oder andere Wochenende hinwegzutrösten. Nichts, was ich in einer Dauerschleife auf der alten Flimmerkiste brauche, aber doch mehr als nur eine nette Ergänzung zum Hauptspiel und vor allem besser als „Halo: Reach“.

Ein Problem, unter dem viele Titel zu leiden haben, dem sich Halo jedoch von Teil zu Teil mehr und vor allem besser entziehen kann: Meist hat man eine anständige Kampagne und dafür eine lieblose Online-Ballerei, oder man hat richtig nette Multiplayeraction, aber ein Singleplayer-Desaster das einem die Zehennägel aufrollt.

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Ob gemeinsam oder gegeneinander: online wird es nie langweilig.
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In diesem „Fall“ riskiere ich die doppelte Wortbedeutung und lehne mich vielleicht ein wenig zu weit aus dem Fenster hinaus. Doch ich behaupte, dass Halo 4 beide Möglichkeiten gleichberechtigt behandelt und in faszinierender Art und Weise umgesetzt hat. Niemand wird bevorzugt, keiner wird vernachlässigt. Beide bekommen ihren zugesprochenen und verdienten Part.

Es ist ein ständiges Nehmen und Geben. Was in dem einen Modus noch für „Aaaaah“ und „Ohhhh“ sorgte, stößt in seinem Pendant vielleicht sauer auf. Was eben noch bemängelt wurde und nicht so recht passen wollte, ist vielleicht eine der Stärken des anderen. Wichtig ist halt, dass nichts versaubeutelt wird, was darüber entscheidet, ob mir das Spiel Spaß macht oder nicht.

So ist einer der eben erwähnten Kritikpunkte, die neuen Waffen im Halo-Universum, zwar in der Kampagne leicht negativ aufgefallen, jedoch im Onlinemodus ein wahrer Segen. Sie sind nicht ausgefallen, sie sind nicht der erfinderische Meilenstein, aber sie passen hier einfach rein.

Es macht Spaß mit den neuen Wummen zu ballern, herauszufinden, auf wie viele Arten und Weisen ich meinen Gegner pulverisieren kann. Sie rummsen, sie knallen und sie bringen ein wahres Feuerwerk von Farben und knackigen Sounds auf die Maps. Was also in dem einen Modus nicht wichtig erscheint, ist für den anderen elementar.

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Die neuen Mechs passen gut in das Halo-Universum.
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Ähnlich verhält es sich mit den Vehikeln in Halo 4. Die meisten kennt ihr, einige, wie den neuen Mech, habt ihr höchstens in Screenshots schon gesehen; aber gemeinsam haben sie alle eines: sie erweitern das Multiplayer-Universum von Halo und werden euch genau das bringen, was ihr bestellt habt: Action, Spaß und große Schlachten.

Ob ihr euch also in das altbewährte Getümmel stürzt und euren eigenen Highscore jagt, oder auf die neue Möglichkeit zurückgreift, mit anderen Spielern in taktische Schlachten gegen die Aliens zu treten: ihr bekommt satte Gefechte, ein Inferno aus Farben und Explosionen und, was das Wichtigste ist, echtes Halo-Feeling.

Wo in der Kampagne noch gezittert werden muss, ob der neue Handlungsstrang bestehen kann und ob die neuen Inhalte Halo-Fans zufrieden lächeln lassen, sieht die Sache online ganz anders aus. Hier ist alles klar, die Sache ist abgehakt und die Vorfreude kann eingeleitet werden: es ist Halo, es fühlt sich an wie Halo, doch es ist größer, umfangreicher und bietet mehr Möglichkeiten. Was will man mehr?