Halo 2 (Xbox-Test)
(von Patrick Streppel)

Der Master Chief ist zurück: Bereits Halo zählte als Launch-Titel der Xbox zu den am sehnlichsten erwarteten Ego-Shootern auf Konsole - und schließlich zu einem der unbestritten besten. Teil 2 kann den Hype genauso mühelos toppen

wie den Erfolg des Vorgängers, doch ist Halo 2 schließlich auch der erhoffte Meilenstein?

Wer erinnert sich nicht an die ersten Bilder von der Ringwelt Halo. Ausgerechnet auf der Macworld 99 präsentierte das bis dahin eher unbekannte Studio Bungie den - wie

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es aussah - ultimativ schönen Ego-Shooter. Die Macher der Strategieserie Myth und des Action-Adventures Oni verzauberten die Ecken und Kanten gewöhnten Spieler mit herrlich idyllischen, realistisch glatten Oberflächen von der grünen Ringwelt. Phantastische Weitsicht, realistisches Wasser, knallige Effekte und nicht zuletzt eine realistische anmutende Physik der detaillierten Jeeps ließen PC-Spieler hoffen.

Aufgekauft
Doch hoffte zu dieser Zeit noch jemand anderes, der Softwareriese Microsoft, auf seinen großen Einstieg ins lukrative Konsolengeschäft. Um gegen Sonys Frühstart für den Nachfolger der phänomenal erfolgreichen Playstation zu kontern, brauchte der erfolgsverwöhnte Konzern aus Redmond mindestens einen Knaller um die Leitungsfähigkeit und Überlegenheit der eigenen Hardware zu beweisen. Ein Titel, der nicht nur graphisch die Konkurrenz wegputzte, sondern auch spielerisch ein Hit zu werden schien

- wie Halo. Der Deal kam überraschend: Microsoft kaufte Take 2 die Rechte am potentiellen Shooter-Hit sowie dessen Anteil an der Spieleschmiede Bungie ab und verleibte sich das Team kurzerhand vollständig ein. Oni wurde noch in den alten Räumlichkeiten und für den alten Publisher fertig gestellt - für Halo zog man dagegen in die Firmenzentrale. Es war eine kleinere Übernahme als beim Mega-Entwickler Digital Anvil, aber es sollte eine wesentliche erfolgreichere werden.

Ein Meilenstein - auf der Xbox Die Fans fürchteten um ihren Hoffnungstitel, doch Zweifel, das Spiel würde nach der Übernahme durch Microsoft nicht mehr für Macintosh und PC erscheinen, wurden schnell von Bungie dementiert. Halo sollte selbstverständlich umgesetzt werden - jedoch nach der Xbox-Version. Wie lange danach, das zeigte erst die Realität, denn als sich Entwickler Gearbox ganze zwei Jahre später dem Titel annahm, krähte auf dem PC kaum noch ein Hahn nach Halo.

Halo 2 - Der Master Chief ist zurück – der beste Shooter für die Xbox!

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Bis dahin jedoch brach Halo auf Konsolen alle Rekorde: Nicht nur als einer der erfolgreichsten Xbox-Titel, auch als einer der erfolgreichsten Konsolen-Shooter war Halo das Zugpferd für die neue Plattform und für viele Zocker der Beweis, dass dieses Genre auch auf Konsolen Sinn macht. Macken wie das sich wiederholende Leveldesign waren schnell vergessen beim Anblick der damals auch für PC-Verhältnisse phantastischen Grafik.

Packshot zu Halo 2Halo 2Erschienen für XBox und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Sehnsucht nach Mehr
Logisch, dass gleich nach dem Release um einen Nachfolger zu Halo spekuliert wurde - die begeisterten Spieler verlangten nach weiteren Abenteuern des Master

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Chief und packenden Online-Duellen, denen in den Anfangszeiten von Xbox Live! noch nicht nachgekommen werden konnte. Dass aber ein zweiter Teil von Halo kommen würde, galt als sicher. Bereits im Sommer 2002 wurden erste Details zu Halo 2 sowie ein kurzer Trailer enthüllt, der es optisch wie inhaltlich jedem Spieler kribbeln ließ. Lichteffekte, detaillierte Charaktermodelle und ein dramatisches Szenario sorgten für Fuore. Auf der E3 2003 konnte Gamona erstmals das Spiel in einer Präsentation bestaunen - die rund acht Minuten lange Mission sah schlichtweg beeindruckend aus. Halo 2, das zu diesem Zeitpunkt noch im Winter 2003 erscheinen sollte, schien sowohl graphisch wie auch spielerisch einen großen Schritt nach vorn zu machen.

Heiß erwartet, endlich da
Mit rund einem Jahr Verspätung ist Halo 2 schließlich im Handel verfügbar. Dem Launch ging ein unvergleichlicher Hype vorweg, der durch Magazinwertungen im oberen (!) 90er-Bereich nur noch mehr angeheizt wurde: Microsoft konnte bereits am ersten Tag mehr als eine Millionen Exemplare absetzen, insgesamt werden 10 Millionen Einheiten weltweit erwartet - selbst Ataris stolzer Matrix-Erfolg sieht dagegen alt aus. Faktisch hat Halo 2

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bislang mehr Umsatz gemacht als einige der erfolgreichsten Hollywood-Produktionen. Logisch, dass derzeit ein Kinofilm in Arbeit ist und auch ein drittes Spiel scheint sicher. Doch etwas wehmütig ist einem schon zumute, wenn man schließlich die End-Credits dieses lang erwarteten Spiels liest. Sicher, Bungie verbesserte den Vorgänger in (fast) jeder Hinsicht, ein neuer Meilenstein ist aber sowohl in spielerischer als auch in graphischer Hinsicht nicht gelungen. Es verblasst der Hype, der vor allem durch besagtes Video angeheizt worden war - dazu kommt der Schönheitsfehler, das ausgerechnetdiese Mission seltsamerweise nicht im Spiel zu finden ist. Rettung der Erde Wie in Trailern bereits angedeutet, dreht sich die Handlung des Spiels im Ganzen um die Rettung der Erde vor den Mächten der Allianz. Gleich zu Beginn wird der Angriff einer feindlichen Flotte abgewehrt - zunächst in einer Raumstation, dann auf dem Planeten selbst. Doch wer das ausweglose Szenario erwartet, das in den Trailern suggeriert wurde, der wird positiv (oder auch negativ) überrascht sein: Die Allianz hat die Stärke der Menschen unterschätzt und ist mit viel zu wenig Truppen angerückt - der Rückzug erfolgt relativ schnell.

Um den Grund für diesen Patzer herauszufinden, folgt ein Zerstörer der Menschen dem fliehenden Kreuzer durch den Hyperraum. An Bord ist auch der Master Chief und der staunt nicht schlecht, als er vor sich plötzlich eine zweite Ringwelt sieht. Die Umgebung sieht der zerstörten Schwesterwelt zumverwechseln ähnlich und auch hier tobt die Flut aus parasitären Außerirdischen. Diesmal will jedoch die Allianz die zerstörerische Kraft missbrauchen um die Menschheit auszulöschen - eine epische wie wendungsreiche Saga entfaltet sich in den langen, aufwendig inszenierten Cutszenes. Auch wenn die Geschichte weder besonders intelligent, noch originell ist.

Perspektivenwechsel
Damit sich Handlung und Missionsverlauf aber nicht vollständig wiederholen und der Spieler einen tieferen Eindruck vom Machtgefüge der Allianz bekommt, wird etwa die Hälfte der Missionen aus der Sicht eines in Ungnade gefallenen Allianz-Soldaten erzählt, der dem Tot nur entrinnt, indem er für die Propheten spezielle Aufträge wie die Zerschlagung einer Rebellion erfüllt. Doch diese geistigen Führer der Allianz haben ganz andere Pläne als der mit weltlicher Macht betraute Rat und so kommt es im Spielverlauf zu einem aufreibenden Mehrfrontenkrieg…

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Halo 2 springt zwischen den beiden Charakteren laufend hin und her - wenn immer es bei einem spannend wird, wechselt man in bester Cliffhanger-Manier in die Haut des anderen. Wer in Shootern Schwarz-Malerei mag, dem wird die Einsicht in den Feind sicher sauer aufstoßen, denn schon bald hat man als Master- Chief Skrupel, die Allianz-Geschöpfe abzuschlachten, die man eine Sekunde zuvor noch selbst in den Kampf geführt hat. So gut die Idee der Alien-Einsätze auch ist, kommt in manchen Leveln ein weiteres Problem hinzu: Aufgrund ihrer Ähnlichkeit sind aufständische Allianztruppen von loyal Untergebenen optisch nicht klar zu unterscheiden.

Doppelt buntes Geballer
In Sachen Gameplay hat sich bei Halo 2 gegenüber dem Vorgänger nicht viel getan: Das HUD wurde leicht überarbeitet und wir kämpfen öfter in Begleitung, wobei Feinde trotz guter KI eher als Kanonenfutter dienen. Dazu tragen auch das bewährte, wenn auch leicht überarbeitete Schild-System sowie die großzügig proportionierten Waffen bei, von denen wir teilweise gleich zwei in den Händen halten dürfen. Die Kombination aus Energieblaster und Maschinengewehr hat sich im Test bewährt, das Wechseln ist aber

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gewohnt einfach: Jeder Gegner lässt eine Waffe fallen, die per Tastendruck entweder in die linke oder rechte Hand genommen und mit den hinteren Knöpfen abgefeuert wird. Parallel dazu darf entweder Raketenwerfer, Snipergewehr oder Energieschwert mitgeführt werden, wobei jeder Gegner und jede Situation ein individuelles Optimum hat.

Führerschein dabei?
Neben Kämpfen per Pedes spielen Fahr- und Flugzeuge wie gehabt eine große Rolle: Ein furioses Comeback feiert der Warthog, der mit Beifahrerplatz und Heckgeschütz nicht nur ordentlich Feuerpower hat, sondern auch ein tierisch spaßiges

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Fahrverhalten an den Tag legt - die Steuerung ist zudem einen Tick besser als im ersten Teil. Deutlich behäbiger, aber dafür schlagkräftiger kommt der Scorpion-Panzer daher, dem kaum ein Feind etwas entgegensetzen kann, zumal sich bewaffnete Soldaten auf den Rumpf setzen können. Auf Seite der Aliens haben wir eine ähnliche Modellpalette: Die flinken Ghosts sind nützliche 1-Mann Gleiter mit beachtlicher Feuerkraft, der Spectre ein effektives Warthog-Gegenstück und der Wraith eine schwer gepanzerte Artillerie, die sich auch im Nahkampf gut macht. Wer lieber in die Lüfte aufsteigt, der wird wie gehabt mit dem Banshee seine Freude haben, zumal der Booster nun über unbegrenzt Energie verfügt. Und zur Abrundung stehen in der Landschaft häufig Geschütztürme bereit. Neuerung: Auf fast alle Einheiten können Nahangriffe durchgeführt werden - entweder um den Fahrer hinauszuboxen oder eine Granate zu platzieren. Mehr Abwechslung, weniger Umfang Wie schon der erste Teil ist das Gameplay von Halo 2 dank Fahr- und Flugeinlagen äußerst abwechselungsreich gehalten - auch wenn die meiste Zeit nur geballert wird. Ziele ändern sich quasi ständig, auch stoßen laufend neue Mitstreiter hinzu oder es ergeben sichspannende Situationen, beispielsweise wenn Aufständische und Regierungstreue Allianztruppen sich vor den Augen des Master Chiefs gegenseitig dezimieren. Die Abwechselung betrifft auch das Leveldesign: Weitläufige Außenareale, enge Korridore und große Räume wechseln sich geschickt ab, wobei nun deutlich mehr Grafiksets für die Landschaften zur Verfügung stehen. Einer der Hauptkritikpunkte des Vorgängers war zudem die Wiederholung der immer gleichen Abschnitte, die wie mit Copy & Paste an einander gereiht schienen. Für Halo 2 haben die Designer deutlich mehr Räume erbaut, Wiederholungen wurden aber nicht ganz vermieden. Außerdem ist als Folge die Spielzeit deutlich kürzer ausgefallen.

Online-Spaß
Zum Glück macht Halo 2 im Mehrspielermodus eine glatt noch bessere Figur als der Vorgänger: Per Splitscreen dürfen zwei Spieler die Kampagne kooperativ spielen, vier

Personen treten in zahlreichen Modi gegeneinander bzw. im Team an: Neben Deathmatch und Capture the Flag werden King of the Hill, Domination und eine Art Bombing Run geboten. In "Oddball" gilt es hingegen, so lange wie möglich den Ball zu halten und in "Moloch" kann lediglich eine Person gewinnen, die jedoch von allen anderen gejagt wird. Besonderen Wert hat Microsoft zudem auf die Integration von Xbox Live! gelegt. Bis zu 16 Spieler kämpfen ohne nennenswerten Frameraten-Einbruch, wobei auch Sprachübertragung, Statistiken und Clan-Bildung unterstützt werden. Zudem dürfen sich Online-User schon bald über Download-Content freuen.

Technik: Evolution statt Revolution Halo 2 macht gegenüber dem ersten Teil noch einmal einen Schritt nach vorn: Charaktermodelle, Effekte und Texturen sind nun wesentlich detaillierter, die Umwelt von mehr Objekten verziert. Einen Meilenstein sollte man jedoch nicht erwarten -

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vielleicht ist die Power der Xbox dafür einfach ausgereizt. Echtzeit-Licht und -Schatten wie in Riddick oder Doom 3 sucht man bei Bungies Engine vergebens, auch gegen Half-Life 2 zieht sie klar den Kürzeren. Andererseits: Gegenüber den meisten Konsolentiteln - insbesondere auf der PS2 - ist Halo 2 noch immer ein optischer Leckerbissen. Voll gelungen ist wiederum die Audio-Kulisse: Die Sprachausgabe sowohl im englischen als auch im deutschen ist professionell aufgenommen, die Effekte sind klar und in Dolby-Surround kodiert. Und die Musik von Martin O'Donnel ist mit alten und neuen Tracks über jeden Zweifel erhaben - Fans freuen sich bereits auf die offizielle Soundtrack-CD.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ tolle Zwischensequenzen + hübsche Grafik + erstklassige Musik + abwechselungsreiches Gameplay + fantasievolles Leveldesign + sympathische Charaktere + umfangreicher Mehrspielermodus

Cons:

- kurze Spielzeit - unoriginelle Story

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Und die Musik von Martin O'Donnel ist mit alten und neuen Tracks über jeden Zweifel erhaben - Fans freuen sich bereits auf die offizielle Soundtrack-CD.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ tolle Zwischensequenzen + hübsche Grafik + erstklassige Musik + abwechselungsreiches Gameplay + fantasievolles Leveldesign + sympathische Charaktere + umfangreicher Mehrspielermodus

Cons:

- kurze Spielzeit - unoriginelle Story