Unsere „Was machen sie jetzt“-Serie geht in die dritte Runde – wir haben bereits vorsichtige Blicke auf die Schicksale der Köpfe hinter Diablo und Tomb Raider gewagt, ehe wir uns nun einem weiteren Giganten der Spieleindustrie zuwenden: Half-Life.

Half-Life 2 - Official Trailer

Oh, Half-Life 3. Der unerfüllte Traum zahlloser durchzockter Nächte; das Echo etlicher Spielerherzen, die traurig von Gerücht zu Gerücht pochen, ewig enttäuscht, ewig verlassen. Doch sind die Köpfe hinter dem Half-Life-Mythos überhaupt daran interessiert, sich noch einmal hinter einen dritten Teil zu setzen? Oder ruhen sie sich lieber auf ihren Lorbeeren aus, genießen den Ruhm und etwaigen Geldregen, der ab und zu auf sie niederprasselt?

Wir haben nachgeforscht und die Autoren der beiden Half-Life-Teile genau unter die Lupe genommen: Marc Laidlaw (unser Half-Life-Gott), Chet Faliszek und Erik Wolpaw.

Half-Life: Was machen sie jetzt? - Daran arbeiten die Autoren heute

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Vom Horrorautor zum Half-Life-Vater: Marc Laidlaw
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Von schräger Horrorliteratur zum Shooter-Epos Half-Life

Dieses Buch wird euer Gehirn essen“, schreibt John Shirley über Laidlaws Roman The 37th Mandala, der 1996 den International Horror Guild Award für das beste Werk des Jahres erhält. Ein Jahr später tritt der Horror-Autor Valve bei, um seine Feder in Half-Lifes Tintenfass tunken zu können – dabei ist Laidlaw nicht immer ein Fan von Videogames gewesen. Tatsächlich hält er zuerst nicht viel von den Spielen und diesem neuen Gerät ‚Computer‘ – bis Myst 1993 auf dem Markt erscheint und in dem Cyberpunk- und Horrorautor eine neue Faszination weckt.

Ab 1997 schreibt Laidlaw etwa ein Jahr lang an einem der wichtigsten Games, die jemals die Tore der Videospielindustrie durchschritten haben. In einem Interview mit arcadeattack beschreibt er die Atmosphäre im damaligen Valve-Studio jedoch eher als “ängstlich”:

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Das Half-Life-Team mit Valve-Chef Gabe Newell im Vordergrund
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Da waren natürlich auch viel Furcht und Angst und Zweifel. Alles schien ewig zu dauern, obwohl der Titel rückblickend schon ein Jahr nach meinem Beitritt in das Projekt erschien. Andere Spielefirmen erhoben sich und stürzten überall um uns herum zusammen, bahnbrechende Spiele ploppten auf und verschwanden wieder, beinahe über Nacht. Das Gespenst des Scheiterns hing die ganze Zeit über uns.”

Der ewige dritte Teil

Doch Half-Life verschwindet nicht im Äther des Vergessens, Half-Life stößt einer Rakete gleich in den sagenumwobenen Spielehimmel empor und kassiert nicht nur sackweise Einnahmen, sondern bringt auch frischen Wind in das Shooter-Genre: Es ist eines der ersten Schießspiele mit einer tiefgehenden, fesselnden Story – auch wenn Laidlaw im Nachhinein bemerkt, ein Großteil der Geschichte hätte schon festgestanden, als er Teil des Valve-Teams wird.

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Nach Half-Life 2 folgt nicht Half-Life 3, sondern eine Episoden-artige Fortsetzung - die eigentlich drei Teile beinhalten sollte
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1999 beginnt die Gruppe um Laidlaw an Half-Life 2 zu arbeiten und später an Half-Life: Episode 1 & 2 – dieses Mal jedoch werden dem Autoren zwei weitere Schreiber zur Seite gestellt und zwar niemand anderes als Chet Faliszek und Erik Wolpaw.

Auch der zweite Teil des Sci-Fi-Epos wird ein Erfolg, ehe eine plötzliche Stille um Gordon Freeman und die Anfänge der eigentlichen Trilogie einkehren. ‘Eigentlichen’, denn schon wieder hapert es an dem dritten Teil - Half-Life 3 und Half-Life 2: Episode 3, sie erscheinen einfach nicht. Jahre um Jahre vergehen und … nichts. Was ist passiert?

Der Half-Life-Vater: Old Man Laidlaw

Laidlaw bleibt in Gabe Newells Reich; arbeitet neben Half-Life an Portal, Left 4 Dead und Dota 2, wobei er sich bei Letztem insbesondere den unterschiedlichen Charakteren zuwendet und sie entwickelt. Die gesamte Zeit über schwirren ihm Ideen für die dritte Episode des Klassikers im Kopf herum; ein mehr oder weniger finaler Abschluss dieser ewig offenen Serie – doch es kommt auch nach über zehn Jahren nicht dazu:

Ich hatte Ideen für Episode 3. Sie alle sollten die Serie an einen Punkt führen, an dem ich von ihr zurücktreten und sie an eine neue Generation übergeben konnte. (...) Leider war ich dazu nicht in der Lage. Allerdings habe ich niemals bis HL3 gedacht, außer du würdest sagen, Episode 3 und HL3 wären dasselbe. Ich will sagen, ich habe erwartet, dass jeder Teil ohne eine Auflösung endet, für immer und ewig …” (arcadeattack)

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Memes über die langen Wartezeiten auf Half-Life fluten das Internet ...
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Nun, ein offenes Ende wäre schließlich befriedigender gewesen, als überhaupt kein Ende – doch Laidlaw scheint mit dieser hypothetischen dritten Episode abgeschlossen zu haben. Allerdings auch mit Valve, denn 2016 verlässt er den Konzern, ebenso wie Chet Faliszek (Mai 2017), Erik Wolpaw (Februar 2017) und Jay Pinkerton, der zwar nicht an Half-Life, aber an Portals Storyline mit den anderen Autoren gebastelt hat. In einer Mail an den Reddit-User TeddyWolf nennt Laidlaw einen einfachen Grund bezüglich seines Rückzugs aus Valve – er sei zu alt. Überhaupt sei er schon immer ein alter Hase im Team gewesen und wolle sich nun wieder ganz dem Schreiben widmen.

Nach seiner eigenen Homepage zu schließen, schreibt er Online-Fiction, Romane und arbeitet seit geraumer Zeit gemeinsam mit dem Borderlands- und Half-Life Autoren Matthew Armstrong an einer Verfilmung des Klassikers. Diese wird übrigens unter anderem von Bad Robot produziert und eventuell auch vom Blockbuster-Regisseur J.J. Abrahams verwirklicht.

Die Hoffnung bleibt: Womöglich werden die offenen Enden nun zumindest im kommenden Film geschlossen – wir bleiben gespannt!

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Mr. Awesome: Chet Faliszek
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Mr. Awesome: Old Man Faliszek

Die Reise der alten Männer geht weiter. Dabei ist Chet Faliszek (alias Mr. Awesome, wie ihn seine Kollegen nennen) überhaupt nicht uralt, als er seine Zelte in Valve aufschlägt; gerade einmal 40 Jahre. Newell heuert ihn und Wolpaw nach dem Erfolg ihrer satirischen und kritischen Videospiele-Webseite Old Man Murray an, damit die beiden gemeinsam mit Laidlaw an Half-Life arbeiten. Der Autor entwirft jedoch nicht nur interessante Storys zu Spielen wie Portal oder Left 4 Dead, sondern taucht auch kopfüber in Valves VR-Unternehmungen ein.

Leider ist es noch nicht bekannt, welchen Projekten Faliszek nun nachgeht – allerdings reichen seine Talente über das Schreiben hinaus bis hin in die Musik, immerhin hat er 2009 einen Soundtrack für Left 4 Dead 2 komponiert. Und er mag Katzen.

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Erik Wolpaw wendet sich nun wieder Psychonauts zu
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Von Half-Life zu den Psychonauts: Old Man Wolpaw

Im Gegensatz zu Faliszek ist Wolpaw ein reines Autoren-Genie; er schreibt neben Half-Life an etlichen Titeln, von Portal über Team Fortress 2, Lego Dimensions und Psychonauts. Ganz genau. Das kultige 3D-Jump’n’-Run stammt natürlich nicht von Valve, doch Wolpaw hat noch vor seiner Karriere im Unternehmen mit Tim Schafer gemeinsame Sache gemacht.

Diesen Weg wird er auch weitergehen: Nach einer ziemlich erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne, über die etwa 3,8 Millionen Dollar eingenommen wurden, steckt Psychonauts 2 nun in den Kinderschuhen. Gemeinsam mit Tim Schafer wird Wolpaw sich also um die putzigen Gedanken-Astronauten kümmern und danach? Wer weiß.

Ein Blick in die Glaskugel

Innerhalb kürzester Zeit haben alle maßgeblichen Half-Life-Autoren Valve verlassen und auch nach dem durchforsten mehrere Quellen fanden wir keine direkten Hinweise auf die Weiterarbeit an Half-Life 3 (oder Half-Life 2: Episode 3). Vielmehr löst Laidlaw sich mit seinem Ausstieg nun endgültig von der Videospielindustrie und verfolgt eigene Projekte. Valve-Chef Gabe Newell weicht weiterhin dem Thema aus und beantwortet Fragen nach einem dritten Teil damit, dass “der Name Half-Life nicht genannt werden dürfe”.

Rosig sieht die Zukunft also nicht aus. Aber nicht verzagen, immerhin dürfen wir uns wenigstens auf eine (hoffentlich baldige) Verfilmung unserer Lieblingsspiele Half-Life und Portal freuen.