Half-Life 2 (PC-Test)
(von Tobias Wüst)

Es ist unfassbar. Fünf Jahre Entwicklungszeit, unzählige Verschiebungen, Diebstahl des Quellcodes, Probleme mit Steam, doch nun ist Half-Life 2 tatsächlich auf dem Markt. Wir erzählen euch, ob sich das lange Warten wirklich gelohnt hat und wenn ja, warum

Valves Shooter-Epos ein absoluter Pflichtkauf ist.

Drehen wir die Uhren doch mal etwas zurück, genauer gesagt bis ins Jahr 1998. Welche Ereignisse dieses Jahres sind in bei uns hängengeblieben. Welche Bilder gehen uns einfach nicht aus dem Kopf?

Half-Life 2 - Official Trailer4 weitere Videos

Ganz klar, Frankreich wird im eigenen Lande Fußball-Weltmeister und besiegt dabei im Finale den hochgehandelten Favoriten Brasilien.

In Eschede entgleist ein ICE bei über Tempo 200 und reist mehr als hundert Menschen in den Tod. Bis heute ist dies das schlimmste Zugunglück in der Geschichte der Deutschen Bahn.

Mit den Bundestagswahlen im September 1998 endet die 16jährige Ära Helmut Kohls. Gerhard Schröder zieht kurze Zeit später ins Kanzleramt ein und neben ihm bzw. der SPD übernehmen die Grünen erstmals Positionen in einer Bundesregierung.

In den deutschen Kinos sinkt die Titanic und Celine Dion trällert uns dazu den mehr oder weniger geliebten Titelsong »My heart will go on«.

Und ein Computerspiel namens »Half-Life« erscheint.

Solche Ereignisse brennen sich ins Gedächtnis ein, nicht wahr?

Im besagten Jahr 1998 erscheint für den heimischen PC also ein gewisser Ego-Shooter namens »Half-Life«. Das Spiel sollte in den darauffolgenden Jahren die Spielewelt revolutionieren und dessen Nachwirkungen sollten bis heute noch deutlich spürbar sein. Dank der genialen Atmosphäre und einer filmreifen Story gehört dieser Klassiker auch heute noch, trotz mittlerweile angestaubter Grafik, zu den besten und beliebtesten Ego-Shootern überhaupt.

Als Engine wurde damals eine stark weiterentwickelte Version von »id Softwares« Quake-Engine verwendet, die praktisch keine Ähnlichkeiten mehr mit der Quelle aufwies.

Der jetzt erschiene zweite Teil verfügt über die neu entwickelte Source-Engine, die ganz neue Aspekte in einem Spiel zulässt. Einen erheblichen Anteil am heutigen Status von Half-Life hat ganz sicher aber auch die riesige Mod-Community. Durch das damals von Valve veröffentlichte Software Development Kit entstanden nach
und nach unzählige Modifikationen zu »Half-Life«, die dann später teilweise sogar als eigenständige Spiele veröffentlicht wurden. Der wohl bekannteste dieser Mods ist »Counter-Strike«, aber auch »Day of Defeat« oder »Team Fortress Classic« haben bzw. hatten eine gewaltige Fangemeinde. Eine Auflistung aller weiteren Mods würde den Rahmen dieses Testes eindeutig sprengen.

Zurück zu Counter-Strike: um dieses Spiel herum hat sich in den letzten Jahren eine gewaltige Clanszene und somit auch ein neuer Wirtschaftszweig aufgebaut. Alleine in Deutschland zählt man einige tausend dieser »Spielervereinigungen«. Regelmäßig trifft man sich auf LAN Parties oder auf Internetservern um dem gemeinsamen Hobby nachzugehen. Natürlich werden in Clans noch viele andere Games gespielt, Counter-Strike gilt aber auch heutzutage noch als populärstes Onlinegame.

Fast logisch, dass es der Kampf zwischen Terroristen und Counter-

Half-Life 2 - Gordon Freeman ist zurück! Actiongeladener als je zuvor, aber setzt das Game auch neue Maßstäbe?

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Terroristen bei so einer Popularität auch in das neue »Half-Life 2« geschafft hat. Unter dem Titel »Counter-Strike Source« und portiert auf die neue Engine, bildet es den offiziellen Multiplayerpart.

Story
Lassen wir die Vergangenheit hinter uns und konzentrieren wir uns auf Half-Life 2. Worum geht es im Nachfolg überhaupt? Im ersten Half-Life Teil übernahm der Spieler die Rolle des jungen Physikers Gordon Freeman aus dem Black-Mesa-Forschungskomplex, der, weit abgeschieden in New Mexico, streng geheime Forschungsarbeit betreibt. Als ein Experiment, ein Dimensionstor mit Kristallen

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außerirdischer Herkunft, schief läuft, sieht sich Freeman mit Horden außerirdischer Kreaturen konfrontiert. Nur wenige andere haben das Unglück überlebt, und somit ist Gordon bei der Bekämpfung größtenteils auf sich allein gestellt. Nach einigen Stunden wird dann auch klar, dass man es nicht nur mit Außerirdischen zu tun hat, sondern auch mit schießwütigem Militär, das den Vorfall vertuschen will. Das Abenteuer nimmt hier eine überraschende Wendung.

Am Ende des ersten Teils bietet der sogenannte »G-Man« Gordon einen Job an. Eine richtige Wahl bleibt Gordon letztlich nicht, da eine Ablehnung den Tod bedeuten würde.

Half-Life 2 setzt diese Geschichte konsequent und vor allem logisch fort. Wiederum schlüpft der Spieler in die Rolle von Gordon Freeman, dessen neues Abenteuer in der Stadt City 17, die irgendwo in Osteuropa liegt, spielt. Zu Beginn wacht Gordon in einem Zug auf (kommt einem irgendwie bekannt vor das Szenario) und hat keine Ahnung wie er dort hingekommen ist. Angekommen in City 17 wird gleich der Ernst der Lage klar. Alle Menschen laufen in Einheitsuniformen herum und werden dabei von maskierten Soldaten und fliegenden Drohnen überwacht.

Auf dem Weg in ein Verhörzimmer gelingt es Gordon mit Hilfe des aus dem ersten Teil bekannten Barney, der sich als Soldat eingeschleust hat, zu flüchten. Von nun an ist er größtenteils auf sich alleingestellt und stürzt sich in ein grandioses Abenteuer, wie man es lange nicht mehr auf dem heimischen PC erleben durfte.

Atmosphäre
Der wohl größte Pluspunkt aus dem Ur-Half-Life kann auch im zweiten Teil voll überzeugen. Die Atmosphäre ist einfach nur atemberaubend. Wiederum wird dabei komplett auf Rendersequenzen verzichtet.

Das gesamte Spiel wird aus der Sicht von Gordon Freeman dargestellt, auch die Zwischensequenzen, in denen die Story weitererzählt wird.Der Spieler ist also permanent ins Game integriert und kommt sich nicht wie eine Art Fremdkörper vor.

Durch die neue Physik-Engine entsteht zudem der Eindruck einer realen Welt. Praktisch alle Gegenstände können von Gordon verschoben oder weggeworfen werden und somit wirkt »City 17« so lebendig wie kaum eine Spielewelt zuvor. Doch die beste Atmosphäre nützt nichts, wenn das Gameplay nicht stimmen sollte.

Gameplay
Um alle Missverständnisse gleich aus dem Weg zu räumen: natürlich ist Half-Life 2 ein Ego-Shooter, aber mit wildem Rumballern kommt man nicht weit. Taktik und Kombinationsgabe sind gefragt und gerade das macht das Spiel so interessant. Begünstigt durch die neue Physik-Engine gehen die Rätsel oftmals weit über das altbekannte »Schalter umlegen - verschlossene Tür geht auf«-Prinzip hinaus.

In einem recht frühen Level ist man beispielsweise mit einem kleinen

Motorboot unterwegs und gerät an eine Stelle, wo die Weiterfahrt durch einen Höhenunterschied versperrt ist. Eigentlich müsste es hier doch irgendwo eine Rampe geben, aber auf den ersten Blick sieht man nichts.

Bei genauerer Betrachtung fallen einem schließlich herumliegende blaue Tonnen auf. Durch geschicktes Plazieren dieser Tonnen in einem Korb unter der Wasseroberfläche, steigt dieser nach oben bildet eine Art Rampe, wodurch es Gordon nun ermöglicht wird seine Fahrt fortzusetzen.

Rätsel dieser Art kommen häufiger vor. Erfreulicherweise unterscheiden sie sich aber immer soweit voneinander, dass man vor dem Erkennen der Lösung einige Minuten grübeln muss und nicht immer nach dem selben Muster vorgehen kann. Deutlicher Pluspunkt.

Insgesamt ist das Gameplay sehr linear, d.h. es gibt meistens nur einen richtigen Weg um an einer kniffligen Stelle weiterzukommen. Dies mag auf den ersten Blick als

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negatives Momentum anmuten, stellt sich beim Spielen aber nicht als wirkliches Manko heraus.

Durch den ständig wechselnden Levelverlauf kann man nämlich nie vorhersehen, was als nächstes passieren wird und somit ist Langeweile ein absolutes Fremdwort.Waffen und Ausrüstung
Trotz allen Puzzles nimmt die Action aber natürlich den dominierenden Part in Half-Life 2 ein. Das Waffen-Arsenal fällt dabei nicht so üppig aus wie bei anderen Shootern. Trotzdem ist genügend Auswahl vorhanden, so dass man auch hier stark variieren kann:Crowbar, Pistole, Shotgun, Magnum und natürlich die neue Gravity Gun sind nur einige Beispiele.

Die Gegner-KI fällt ebenfalls positiv auf und dürfte sich auf dem selben Level wie bei Far Cry befinden. Monster rennen nicht blindlings auf euch zu, sondern attackieren zunächst mit herumliegenden Gegenständen und suchen zwischendurch auch wieder Deckung.

Im Gegensatz zum ersten Teil, ist Gordon bei Half-Life 2 teilweise auch auf Fahrzeugen unterwegs. Auch hier gibt es nicht viel zu meckern. Ob Motorboot oder Buggy, die Vehikels lassen sich allesamt präzise steuern und die damit verbundenen Level stellen eine weitere willkommene Abwechslung dar.

Grafik
Grafisch hat Valve mit Half-Life 2 sicherlich keine Revolution geschafft. Es liegt optisch auf einer Ebene mit Doom 3 bzw. Far Cry und es ist letztlich Geschmacksache welche

Optik man als User bevorzugt. Bei den Wassereffekten liegt Far Cry in meinen Augen deutlich vorne, während die Gesichtsanimationen in Half-Life 2 einfach nur grandios sind und derzeit von keinem Spiel übertroffen werden können.

Übrigens, die Source-Engine dürfte allgemein noch nicht vollends ausgereizt sein, wodurch wir uns vermutlich auf weitere Grafikhighlights in den nächsten Jahren freuen dürfen.

Sound
Auch beim Sound verdient Half-Life 2 absolute Höchstnoten. Die Soundeffekte sind grandios. Der Schuss einer Pistole, das Explodieren von Fässern oder Kreischen von brennenden Zombies, die Effekte hören sich echt an und das trägt ungemein zur Stimmung bei.

Zudem passt sich die Hintergrundmusik ständig dem aktuellen Spielverlauf an, wodurch man sich wirklich in einen

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Hollywood-Streifen versetzt fühlt. Bei einer Verfolgungsjagd ertönen hektische Klänge aus den Boxen, während es auch ruhigere Momente gibt, in denen das Ohr mit sanften Klängen erfreut wird.

Multiplayer: CS-S + ?
Nachdem ich jetzt schon so viele Worte über den Singleplayermodus verloren habe, soll natürlich auch der Multiplayerpart nicht zu kurz kommen. Da sind wir dann endlich mal bei einer Sache, die man kritisieren kann. Wo bitteschön ist eigentlich der Multiplayerpart von Half-Life 2?

Klar, Counter-Strike Source wird mitgeliefert, schön und gut, aber

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warum kann man sich nicht mit den Waffen aus Half-Life 2 mit menschlichen Kontrahenten messen? Man kann froh sein, dass es die Mod-Community gibt, die bestimmt einiges in dieser Art veröffentlichen wird, und somit ist die Versäumnis von Valve kein Weltuntergang. (Wenn nicht sogar Absicht. Gerüchten zu Folge soll Valve sogar selber an einem Deathmatch Modus arbeiten) Bei der Portierung von Counter-Strike auf die neue Source-Engine wurde am eigentlichen Spiel glücklicherweise nur recht wenig geändert. Es gibt beispielsweise auch weiterhin keine Fahrzeuge und das ist auch gut so, hat sich dasSpielsystem von Counter-Strike doch auch so bestens bewährt.

Neben den gleich sichtbaren Verbesserungen bei der Grafik, liegen die anderen Änderungen im Detail. Das oftmals kritisierte Counter-Terroristen Schild aus der CS Version 1.6 ist nun beispielsweise nicht mehr dabei und die Bedeutung der Granaten wurde nun deutlich verstärkt.

Insgesamt spielt sich Counter-Strike in der neuen Version besser denn je. Natürlich wird es für einige Hardcore-Zocker erstmal eine gehörige Umstellung sein, aber letztlich wird sich Source durchsetzen und das betagte Counter-Strike in den wohlverdienten Ruhestand schicken.

Systemanforderungen
Die von Valve vorgegebenen Systemvoraussetzungen fallen erfreulicherweise sehr gering aus. Auf der Packung sind ein 1.2GHz Prozessor mit 256MB RAM und einer DirectX 7 kompatiblen Grafikkarte angegeben.

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Für vollen Genuss mit mehr Details und einer höheren Auflösung ist sicherlich mehr Power nötig, der Spielspass ist aber definitiv auch mit schlechterer Grafik vorhanden, denn am Leveldesign ändert sich ja schließlich nichts. Unangenehm aufgestoßen ist vielenUsern allerdings ein andere Teil der Systemanforderungen. Unter dem Punkt "Sonstiges" und somit an einer Stelle wo man bei einem, in erster Linie, Singleplayerspiel nicht unbedingt hinschaut, wurde das schöne Wort "Internetanschluss" versteckt. Was hat es damit auf sich, werden jetzt bestimmt einige Leser fragen, die sich nicht täglich mit den aktuellen Gaming-News beschäftigen. Nun, um in den Genuss einer Partie Half-Life 2 zu kommen, muss man sein erworbenes Produkt zunächst über »Steam« registrieren und vor allem auch aktivieren lassen. Eine alternative Freischaltungsart gibt es bisher nicht und somit schauen alle User ohne Internetanschluss in die Röhre. Da diese Zwangsaktivierung auch nirgendwo auf der Hülle erwähnt wird, werden einige Spieler nach erfolgreicher Installation ihr blaues Wunder erlebt haben.

Allgemein ist dieser Schritt von Valve sicherlich zu begrüßen, denn es kann nur im Interesse allerComputerspieler sein, wenn aktiv und mit neuen Systemen gegen Raubkopierer vorgegangen wird. Eine deutlichere Kennzeichnung dieser Zwangsaktivierung wäre aber sicherlich wünschenswert gewesen, denn so stehen derzeit viele ehrliche User ohne Internetanschluss ziemlich dumm da. Seitens der USK hat Half-Life 2 übrigens, wie nicht anders zu erwarten war, keine Jugendfreigabe erhalten. Das Spiel darf also nur erworben werden, wenn der Käufer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ geniale Atmosphäre + tolle Grafik + perfekte Soundkulisse + abwechslungsreicher Spielverlauf + gutes Leveldesign + Counter-Strike Source

Cons:

- kein wirklicher Multiplayermodus - schlechte Kennzeichnung der Online-ZwangsaktivierungComputerspieler sein, wenn aktiv und mit neuen Systemen gegen Raubkopierer vorgegangen wird. Eine deutlichere Kennzeichnung dieser Zwangsaktivierung wäre aber sicherlich wünschenswert gewesen, denn so stehen derzeit viele ehrliche User ohne Internetanschluss ziemlich dumm da. Seitens der USK hat Half-Life 2 übrigens, wie nicht anders zu erwarten war, keine Jugendfreigabe erhalten. Das Spiel darf also nur erworben werden, wenn der Käufer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ geniale Atmosphäre + tolle Grafik + perfekte Soundkulisse + abwechslungsreicher Spielverlauf + gutes Leveldesign + Counter-Strike Source

Cons:

- kein wirklicher Multiplayermodus - schlechte Kennzeichnung der Online-Zwangsaktivierung