Gamescom 2016. Auf der größten Spielemesse Europas durften Spieler zum allerersten Mal Gwent antesten. Das vollwertige Kartenspiel, nicht die Version, die in The Witcher 3 spielbar war. Seitdem hat sich viel getan: Das Spiel befindet sich in der Open Beta, neue Anführer, Gameplay-Veränderungen und Karten wurden eingeführt. Dann kam auf der gamescom 2017 die große Enthüllung: Thronebreaker, eine Singleplayer-Kampagne für Gwent, soll noch in diesem Jahr erscheinen. Und spätestens dann wird Gwent zum besten Online-Kartenspiel auf dem Markt werden. Ja, besser als Hearthstone.

Eines vorweg: Ich habe jahrelang Hearthstone gespielt. Ich habe an Turnieren teilgenommen, kleinere Turniere gecastet, die kompetitive Szene dieses Spiels war mir wichtig. Ich bin kein “Hater”, ich habe wohl mehr Stunden in dieses Spiel gesteckt als 99% der Spielerbasis. Gwent ist mittlerweile das vierte Kartenspiel, das ich in einem kompetitiven Rahmen spiele, habe verschiedenste ähnliche Spiele, wie Duelyst oder Shadowverse, ausprobiert. Und trotzdem, nach drei Jahren in denen ich fast täglich Hearthstone gespielt habe, muss ich die Überlegenheit von Gwent schlichtweg anerkennen. Ein Erklärungsversuch.

Ihr habt Gwent noch nie gespielt? Kein Problem, dieses Video erklärt Gwent in 60 Sekunden!

Gwent - Gwent in 60 SekundenEin weiteres Video

Das Core-Gameplay

Gwent ist und bleibt ein Kartenspiel. Es ist kein Schach, Glück wird immer ein Faktor sein und bleiben. Trotzdem befindet sich Gwent auf einem anderen taktischen Niveau, als die allermeisten anderen Kartenspiele. Angefangen mit dem Konzept von Mana: Während man beispielsweise in Magic oder Shadowverse nur einen Bruchteil seiner Karten in den ersten Zügen nutzen kann, erlaubt es Gwent jederzeit jede Karte auf der Hand ausspielen. Egal wie stark oder wie schwach. Dies verhindert “bricking”, also dass der Spieler nur hohe Mana-Karten zieht und anfangs keine von ihnen ausspielen kann, während er von seinem Gegner überrollt wird. Pech beim Ziehen der Karten? In Gwent kaum ein Problem.

Außerdem geht es bei Gwent um Ressourcen. Während man in fast jedem anderen CCG versucht seine Gegner zu überrollen, muss man in Gwent deutlich vorsichtiger mit seinen Schlüsselkarten umgehen - schließlich gilt es zwei Runden zu gewinnen um das Match zu entscheiden. “Wir haben eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg!” hieß es in Asterix & Obelix und das gilt auch für Gwent: Wer zu kurzfristig alles ausspielt, verliert.

Das bereits angesprochene Glück ist ein fast zu ignorierender Faktor im Titel von CD Projekt Red. Der Umstand, dass man am Anfang des Spiels 10 der 25 Karten im Deck zieht und außerdem die Möglichkeit hat drei davon neu zu ziehen, ist bereits ein großer Vorteil für notorische Pechvögel. Vor allen Dingen aber gibt es fast gar keine Zufalls-Effekte von Karten selbst - während in Hearthstone der letztjährige Weltmeister unter anderem deshalb das sechsstellige Preisgeld mit nach Hause nahm, weil eine seiner Karten eine 3.32%-ige Chance hatte, ihn das Spiel gewinnen zu lassen. Dieses extreme Glück war ihm im entscheidenden Moment hold. So etwas wird man in Gwent nie finden.

Ein faires Bezahlsystem

Hier eine kleine Matheformel, die der beste deutsche Hearthstone- und Gwent-Spieler Lifecoach einst errechnete: Wenn man die Preise der Kartenpacks in Hearthstone mit dem Gold, das man durch den Spielbetrieb verdient, vergleicht, kommt man auf einen “Stundenlohn” von etwa 80 Cent. Bei Gwent sind es etwa vier bis fünf Euro. Zusätzlich müsste man ungefähr 800 bis 1.000 Euro bezahlen, um in Hearthstone alle Karten zu besitzen, die in der aktuellen Standard-Rotation verfügbar sind. Bei Gwent sind es etwa 500 bis 600 Euro.

Im Klartext bedeutet das: Um in Hearthstone eine komplette Sammlung zu besitzen, muss man ein Jahr lang etwa zweieinhalb Stunden am Tag spielen. Jeden Tag. Auch Weihnachten oder Neujahr. In Gwent hingegen müsste man in etwa eine halbe Stunde pro Tag investieren. Vielspieler haben dementsprechend kaum Probleme alles einzusammeln. Während sich Hearthstone, genauso wie viele andere Online-Kartenspiele, den Pay-2-Win-Vorwurf gefallen lassen muss, bietet Gwent ein erstaunlich konsumerfreundliches Spiel- und Sammelsystem. Es ist eines der wenigen guten und vor allen Dingen funktionierenden Beispiele für Free-2-Play.

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