Die besten Ideen kommen unter der Dusche. Oder, wie im Fall von Gwent und The Witcher 3, in der Badewanne. So wurde Damien Monnier während der Entwicklung des Open-World-RPGs aus Polen damit beauftragt, innerhalb von einer Woche ein Minispiel zu entwickeln, welches das Würfel-Pokerspiel aus The Witcher 2 ersetzen sollte.Während einem entspannenden Bad kam ihm die Idee, Gwent zu entwickeln. Eine Idee, die von den Spielern so positiv aufgenommen wurde, dass Fans einen eigenen Ableger forderten. Dieser F2P-Titel befindet nun sich aktuell in der Closed Beta und wurde von uns ausgiebig getestet. Ob Gwent es allerdings auch schafft, seinen Konkurrenten und Marktführer Hearthstone vom Thron zu stoßen, erfahrt ihr in unserer Vorschau.

Gleich vorweg: Viele Spieler, die absolut gar keine Erfahrung mit The Witcher 3 haben, haben die Angst, sich in Gwent gar nicht zurechtfinden zu können. Diesen Spielern sei gesagt: Der Autor dieser Vorschau hatte ebenfalls nur wenig Erfahrung mit The Witcher 3. Genau genommen sogar gar keine - was dem Spielspaß aber keinen Abbruch tat.

Hier vorgestellt: Ein Gwent-Match in 60 Sekunden

Gwent - Gwent in 60 SekundenEin weiteres Video

Für Anfänger und Veteranen

In Gwent setzt ihr, ganz klassisch, ein Deck aus Einheiten und Zaubern zusammen. Zudem müsst ihr vorher eure Klasse und euren Anführer auswählen, was den Erfolg eures Decks natürlich stark beeinflussen kann. Mithilfe eines bestimmten Anführers könnt ihr beispielsweise besonders schnell viele Einheiten beschwören, ein anderer belebt eure letzte gefallene Einheit wieder, ein Weiterer verrät euch teilweise den Inhalt der gegnerischen Hand. Diese Fertigkeiten können aber nur einmal pro Match genutzt werden und können damit spielentscheidend sein. Wählt also sehr weise und bedacht, wann ihr sie einsetzen wollt! Bislang gibt es fünf verschiedene Klassen sowie drei Anführer pro Klasse, also 15 an der Zahl.

Im Spiel angekommen werden eure Einheiten in drei Kategorien eingeteilt: Nahkampfeinheiten, Fernkampfeinheiten sowie Belagerungseinheiten. Jede Einheit hat einen bestimmten Wert, welcher von null bis zwölf rangiert und euch temporär Punkte für diese Runde verschafft. Wer am Ende der Runde die meisten Punkte angesammelt hat, gewinnt diesen Durchgang. Wer zwei Runden gewonnen hat, gewinnt das Match. Wichtig: Diese Einheiten kämpfen nicht direkt gegeneinander, dennoch sind diese Einteilungen in Kategorien relevant: So gibt es Effekte und Zauber, die gegnerische Einheiten in einer bestimmten Reihe schwächen oder zerstören - Decks, die sich nur auf eine Einheiten-Formation konzentrieren, haben also schnell schlechte Karten. Auch gibt es Krieger, die man in einer beliebigen Reihe platzieren kann, sowie Geschütztürme, die beispielsweise eine gegnerische Einheit in eine bestimmte Reihe verfrachten. Kombo-Potenzial besteht also zu Genüge.

Gwent - Der Hearthstone-Killer?

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Zu den Waffen: Hier wurden beispielsweise alle Infanterieinheiten mithilfe eines Zaubers verstärkt
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Taktik ist das A und O

Besonders erfrischend für Fans von Hearthstone oder Yu-Gi-Oh!: Anders als in diesen beliebten Hits, beschränkt sich der Glücksfaktor in Gwent auf ein Minimum. Sicherlich gibt es zufällige Effekte und das Ziehen der richtigen Karten erfordert ebenfalls ein Quentchen Glück, dennoch lässt Gwent viel Raum für taktisches Geschick. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, früh eine Runde dem Gegner zu überlassen, damit man einen Kartenvorteil hat und sich seine Ressourcen für die entscheidenden Runden aufspart. Eine verlorene Runde aufzugeben, statt bis zum bitteren Ende mit Karte um Karte zu kämpfen, ist oft eine wichtige Entscheidung. Auch zu welchem Zeitpunkt genau man eine Runde für verloren erklärt, hat einen großen Einfluss auf den Verlauf des Matches. Während es in einigen Kartenspielen wie Hearthstone schwer ist, Fehleroptimierung zu betreiben, fiel uns in Gwent bislang nach jeder Niederlage mindestens ein Zug auf, den wir besser hätten spielen können. Auch professionelle Kartenspieler, wie der Twitch-Streamer LifeCoach, lobten jüngst Gwent für den starken Fokus auf ein strategisches Gameplay. Wir fühlten uns nach manchen Runden schon eher an Schach als an andere Kartenspiele erinnert.

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Entscheidender Vorteil: Dieses Match wird an den Gegner gehen. Denn dieser hat zwei Handkarten mehr, was oft den Unterschied macht!
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Aber auch außerhalb der Schlachten ist Gwent motivierend: So enthalten Karten-Fässer (statt -Packungen) zwar zufällig ausgewählte Karten, eure seltenste Karte dürft ihr euch allerdings aus drei verschiedenen Karten aussuchen. So wird verhindert, dass ihr frustriert die legendäre Karte einer Klasse zieht, die ihr eh nie spielt. Eine brillante Idee wie wir finden - und absolut kundenfreundlich. Da ist man gleich doppelt motiviert, sich ein paar Fässer dazu zu kaufen.

Was die visuelle und audiotechnische Gestaltung angeht, so kann sich Gwent auch hier bestens präsentieren. Jede Karte besitzt eine eigene Synchronisation wenn sie gespielt wird, manche Karten sind sogar recht fesch animiert. Besonders die Spezialeffekte der Zauber können sich sehen lassen: Wenn eine kalte Brise Einheiten vereist oder ein Sturm aufzieht, zollt man anhand der einhergehenden Effekte gleich den nötigen Respekt. Schade nur, dass Einheiten nicht auch in 3D dargestellt werden. Das würde Gwent grafisch die Krone aufsetzen.

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Frostig, frostig: Die Animationen in Gwent
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Besonders cool: Gwent erlaubt Crossplay zwischen den verschiedenen Plattformen. Konsolenhelden müssen also nicht befürchten, sich mit wenigen Mitspielern und dementsprechend langen Wartezeiten zu plagen. Während der Closed Beta konnten wir mehrere Male gegen Freunde auf der Konsole antreten, auch Online funktionierte bislang alles wie geschmiert. Die Inklusion von Konsoleros wirkt sich auch auf die Wartezeiten zwischen den Matches positiv aus: Nicht ein einziges Mal mussten wir länger als zehn (!) Sekunden bis zum nächsten Spiel ausharren. Super!