Erst hat es „Guitar Hero“ allen vorgemacht, dann hat es „Rock Band“ auf eine neue Ebene transportiert und nun legt „Guitar Hero: World Tour“ nach. Nicht nur, dass neue Musikspiele derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen, sie werden auch immer umfangreicher. Wer nicht up-to-date ist, wird wohl kaum den Unterschied zwischen den ganzen Titeln kennen.

Verwirrend kommt hinzu, dass die ursprünglichen „Guitar Hero“-Entwickler „Harmonix“ seit „Guitar Hero 2“ für MTV Games arbeiten, also für „Rock Band“ verantwortlich sind. Das neue „Guitar Hero: World Tour“ kommt aus dem Hause Neversoft, die seit dem Wechsel das „Guitar Hero“-Franchise fortführen. Doch damit nicht genug, „World Tour“ und „Rock Band 2“ erscheinen auch noch gleichzeitig...

Damit ihr euch nicht in diesem Strudel des „Gedudels“ verliert, verraten wir euch in unserem Test, ob „World Tour“ die Investition lohnt oder ob ihr lieber auf „Rock Band 2“ warten solltet.

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Zu einer waschechten Band gehören ein Sänger, ein Gitarrist, ein Bass-Spieler (unter Band-Kollegen jedoch häufig diskutiert) und ein Schlagzeuger. Keine Frage also, dass es einem guten Musikspiel an eben diesen Instrumenten auch nicht fehlen darf. Und spätestens seit Rock Band sind Drumsticks und Sprechstab Pflichtprogramm. „World Tour“ erweitert die „Guitar Hero“-Reihe deshalb um zwei Plätze mehr in der Band.

Guitar Hero World Tour - Mit Schlagzeug und Mikrofon direkt auf den Genre-Thron

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In World Tour seid ihr diesmal als waschechte Band unterwegs.
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Doch simples „Nachrüsten“ reicht nicht, das hat auch Neversoft verstanden und punktet mit einigen Neuerungen an Gitarre und Schlagzeug. So verfügt die neue Klampfe über einen berührungsempfindlichen Slider am Hals, mit dem entsprechende Parts ohne Anschlag gespielt-, also „getabbt“ und „geslidet“ werden können. Anfangs ungewohnt zu bedienen, erweist sich der Slider jedoch schnell als späßige Neuerung, auf die wir in zukünftigen Titeln ungern verzichten würden.

Instrumentalisier mir, Baby!

Zudem wurden erneut die Knöpfe an der Gitarre überarbeitet. Die „Strum Bar“ (Anschlagknopf) ist nun wesentlich länger und darunter befindet sich ein breiter Knopf zum aktivieren der „Star Power“. Letzterer lässt sich bequem über das Handgelenk aktivieren und stellt eine schöne Alternative für alle dar, die sich beim Hochreißen der Gitarre ständig verspielen und die „Star Power“ daher gar nicht erst nutzen. Natürlich ist die Gitarre, wie bereits in Teil 3, drahtlos.

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Das Guitar Hero Schlagzeug ist besser verarbeitet und fühlt sich echter an.
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Auch wenn das „Guitar Hero“-Schlagzeug in „World Tour“ sein Debüt feiert, spielt es sich jetzt schon weitaus besser als das „Rock Band“-Pendant. Das Drum Kit ist dank Metallparts und Gummierung an den Unterseiten hochwertiger verarbeitet, steht stabiler und verrutscht nicht beim Prügeln. Der größte Unterschied sind jedoch die zwei Becken, mit der das Schlagzeug insgesamt sechs „Pads“, also eines mehr als das „Rock Band“ Drum Kit, zählt. Rockstar-Feeling vermittelt es von der ersten Minute an.

Dennoch bleibt der vermutlich größte Controller der Welt leicht hinter den Erwartungen und Versprechungen zurück. Ein großes Problem mit den virtuellen Schlagzeugen ist die Lautstärke. Oft hört man nur den Drummer, der selbst die lautesten Bandkollegen mit *Wumms* und *Bäng* übertönt. Dank ausgefeilteren Pads sollte dies bei „Guitar Hero World Tour“ nicht mehr der Fall sein, doch von „geräuscharm“ ist selbst die „Guitar Hero“-Schlagstation noch weit entfernt.

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Viele Neuerungen gibt es auch an der drahtlosen Gitarre.
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Der Sänger-Part unterscheidet sich kaum zu „Rock Band“. Auch hier müssen Tonhöhe und Timing stimmen, damit es Punkte regnet. Allerdings reagiert das „Guitar Hero“-Mikrofon etwas empfindlicher und man muss nicht so laut singen, damit das Spiel die Tonhöhen korrekt erkennt. Ob das nun gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst wissen. Zur Not lässt sich die Empfindlichkeit auch im Optionsmenü anpassen.

Auf Lorbeeren ausgeruht? Fehlanzeige!

Erstmalig in der Geschichte von Guitar Hero sind alle Aufnahmen des 80 Songs umfassenden Soundtracks „Master Tracks“ - ergo Originale und keine Cover. Eine stolze Leistung, die sich bezahlt macht. Die Auswahl ist gewohnt umfangreich und sollte mit Titeln wie „The Kill“ von 30 Seconds to Mars und „Rebell Yell“ von Billy Idol Jung und Alt gleichermaßen begeistern. Zwar lässt sich über Musikgeschmack streiten, doch wir hätten uns mehr Frische gewünscht. Wo ist der „Mut zur Musik“ aus den ersten Teilen geblieben?

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Im Karrieremodus werden nun mehrere Songs hintereinander gespielt.
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Auch die Spielmodi erfahren einige Neuerungen. Im Karrieremodus werden Songs nicht mehr listenartig heruntergedudelt. Stattdessen kämpfen sich Nachwuchsrocker durch verschiedene Städte, in denen jeweils eine „Setlist“ gespielt werden muss. Das bedeutet, dass wie bei einem echten Live-Auftritt die Songs hintereinander weg gespielt werden. Und wer sich dabei geschickt anstellt, darf sogar eine Zugabe geben.

Insgesamt das beste Guitar Hero bisher! Doch Vieles könnte noch besser gemacht werden.Fazit lesen

Leider fehlt es dem Karrieremodus an diversen „atmosphärischen“ Kleinigkeiten. „Rock Band“ konnte nicht nur mit einer kleinen Story aufwarten, sondern belohnte die Nachwuchsband auch noch mit einer wachsenden Fanbase. „World Tour“ verzichtet auf diese wichtigen Kleinigkeiten, die der Karriere den letzten Schliff hätten geben können. Bis auf freizuspielende Songs und kurze - aber lustige – Cutscenes gibt es so keinerlei Motivation, sich vom Bordstein zur Skyline zu rocken.

Auch ein neuer „Anfänger“-Schwierigkeitsgrad findet seinen Weg ins Spiel. Ein nötiger Schritt, immerhin wollen Pros weiter gefordert werden, während Neulinge nicht von der früher noch steilen Lernkurve abgeschreckt werden sollen. Für die Könner an der Gitarre hat sich Neversoft zudem einige neue Griffe erdacht. So ist sichergestellt, dass auch die größten Virtuosen eine Herausforderung in „World Tour“ finden.

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Individualisierung bis der Charakter platzt. Besser geht's kaum.
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Ebenfalls neu sind die umfangreichen Werkzeuge zur Charakter-Individualisierung. In früheren Teilen konnten Wohnzimmer-Rocker bisher nur aus einer Liste vorgefertigter Alter Egos wählen. In „World Tour“ darf erstmals ein eigener Avatar erschaffen werden, der sich von Gesichtsausdruck und Körperbau bis hin zu Tätowierungen und Accessoires anpassen lässt. Natürlich müssen die meisten Teile mit dem im Karrieremodus erspielten Geld erst gekauft werden.

Doch damit nicht genug, auch Gitarren, Drums und Mikrofone können Bandfreunde ihren Vorstellungen anpassen. Und da das scheinbar noch nicht reicht, dürfen eigene Logodesigns für Instrumente, Band oder Albumcover verwendet werden. Natürlich werden Charakter, Instrument und Logo dann auch entsprechend auf der Bühne animiert. Hier bleibt also kein Wunsch offen.

Ärger im Tonstudio

Wer mit Freunden – ob online oder lokal – eine Band gründet, darf sich keinesfalls den „Battle of the Bands“-Modus entgehen lassen. Hier können bis zu acht Spieler, also insgesamt zwei Bands, gegeneinander antreten. Doch auch der Karrieremodus darf gemeinsam gerockt werden. Endlich fehlt es einem „Guitar Hero“ nicht mehr an nötigen Multiplayer-Modi. Auch wenn ihr nur eine Gitarre besitzt, könnt ihr am großartigen Bandgeschehen teilhaben.

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Ob Solo oder als Band: Im Tonstudio könnt ihr eure eigenen Songs kreieren.
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Bei der Ankündigung von „Guitar Hero: World Tour“ hat besonders ein geplantes Feature die Aufmerksamkeit auf sich gezogen: das Tonstudio. Hier sollen Spieler endlich ihre eigenen Songs kreieren dürfen und online über den neuen Musikservice „GHTunes“ kostenlos miteinander tauschen. Doch ganz so rosig, wie sich das im ersten Moment anhört, ist das Tonstudio lange nicht.

Zwar ist der Editor begeisternd umfangreich und ermöglicht es euch, solo oder als Band eigene Songs einzuspielen, anschließend abzumischen und die Notenfolgen dafür zu erstellen. Doch sind keinerlei Mikrofonaufnahmen möglich und auch die Soundqualität der restlichen Instrumente lässt eher an ein Klingelton-Abo denken. Vergleicht man den großen Aufwand und das letztendlich ernüchternde Ergebnis, geht leider schnell die Motivation im Tonstudio flöten.

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Über GHTunes könnt ihr nicht nur die Songs anderer Spieler herunterladen.
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Über „GHTunes“ können natürlich nicht nur selbst erstellte Songs heruntergeladen werden. Auch eine große Palette Download-Songs verspricht Activision für die nahe Zukunft. Doch leider kann man - bis auf das „Death Magnetic“-Album von Metallica - in „World Tour“ nicht auf den Download-Katalog von „Guitar Hero 3“ zurückgreifen. Man sollte in absehbarer Zeit jedoch ein ähnlich großes Download-Angebot erwarten können.