Note um Note, Akkord um Akkord. Die Finger haben Blasen, der Unterarm brennt. Das “Guitar Hero“-Franchise steht ohne Zweifel für Rock, harte Riffs und brutale Gitarrenakrobatik. Oder? Seit des immensen Erfolgs von Konkurrent Rock Band versucht Activision ruhigere Töne anzuschlagen und auf den Band-Zug aufzuspringen. Mit Erfolg. Nun steht Teil fünf in den Regalen und der Kampf um den Musikspiel-Thron geht in eine neue Runde.

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Barrierefreies Rocken

Guitar Hero 5 bietet insgesamt 85 Songs von 83 verschiedenen Künstlern, von denen wiederum 30 ihr Debüt in einem Musikspiel feiern. Die neue und von Fans mit Spannung erwartete Trackliste sei “frisch“, so Brian Bright von Entwickler Neversoft. Zu einem Viertel mag das stimmen, denn 25% aller Lieder wurden innerhalb der letzten 18 Monate veröffentlicht. Etwa 50% stammen aus diesem Jahrzehnt, der Rest hat dagegen schon mehr Kratzer auf Platte. Um es mal diplomatisch auszudrücken: Es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Guitar Hero 5 - Harter Rock - verweichlicht?

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85 Songs von 83 verschiedenen Künstlern sollen es reißen.
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Doch reichen neue Songs als einziges Kaufargument aus? Natürlich nicht. Deshalb bessert Neversoft auch an Spielmechaniken nach. Die erste große Neuerung begegnet angehenden Rockstars gleich zu Beginn: Dank des neuen „Party Play“-Modus könnt ihr mit einem einzigen Knopfdruck direkt einen zufällig gewählten Song spielen. Dabei dürfen jederzeit weitere Spieler den Schnelleinstieg wagen, aussteigen, Instrumente tauschen oder den Schwierigkeitsgrad ändern – ohne das Spiel zu verlieren. All das war im Vorgänger noch nicht möglich.

Diesmal sind sogar alle Musiktitel in sämtlichen Modi – bis auf den Karrieremodus natürlich - bereits von Anfang an spielbar. Bands können zudem jegliche Kombination von Instrumenten spielen. Wenn ihr also mit drei anderen Gitarristen zusammen rocken wollt, stellt dies kein Problem mehr dar. Da eure Band auch auf unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden miteinander spielen kann, sind damit die letzten Hürden für barrierefreies Spielen gefallen.

Wenn's dir nicht gefällt, mach neu!

Auch in Sachen Menüführung hat Guitar Hero dazu gelernt. Vieles wurde auf ein Mindestmaß zurückgeschraubt, um bestmögliche Übersicht zu gewährleisten. Lediglich die Songliste macht aufgrund umständlicher Sortierungskriterien und langer Scrollzeiten Ärger.

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Neue Herausforderungen sollen Abwechslung in den Karrieremodus bringen.
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Das in World Tour oft kritisierte Problem, den Multiplayer-Modus verlassen zu müssen, um Einstellungen oder Spielmodi zu ändern, ist Neversoft endlich angegangen. Nachwuchsrocker können in Guitar Hero 5 in einer Art Bandraum (egal ob lokal oder online) einem Spiel beitreten und von dort aus sämtliche Einstellungen vornehmen.

Guitar Hero liefert gewohnt gut nach. Jedoch ohne große Sprünge zu wagen. Mein Appell an die Entwickler: Traut euch mal wieder was!Fazit lesen

Doch auch an gewohnten Spielmechaniken hat Neversoft gedreht. Ab sofort gibt es für jeden gemeisterten Song bis zu neun Sterne zu ergattern. Fünf davon für die reine Performance, einen weiteren gibt es für fehlerfreies Spielen. Die letzten drei Sterne lassen sich über neue song- und bandspezifische Herausforderungen ernten, die in drei Stufen gemeistert werden können: Gold, Platin und Diamant. Mit einer gewissen Zahl Sterne schaltet ihr im Karrieremodus neue Bühnen, Outfits und Songs frei.

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Dreihundertmal nach oben strummen? Für Drummer sicherlich schwierig.
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Meist sind die Herausforderungen auf ein Instrument bezogene Punkte- und Perfomance-Aufgaben, wie etwa “Treffe 300 Noten hintereinander und strumme dabei nur nach oben”. Daneben gibt es auch vereinzelt individuelle Herausforderungen, wie bei David Bowies „Fame“.

Hier soll der Sänger am Ende des Songs das Wort “Fame” (wie im Original) wiederholt immer tiefer singen. Da der Großteil dieser Aufgaben auf verschiedene Instrumente oder die gesamte Band ausgelegt ist, ist es für Solisten praktisch unmöglich, sämtliche Herausforderungen alleine zu knacken.

Heißes Eis!

Trotz neuer Sternewertungen und interessanter Herausforderungen bleibt der Karrieremodus (mal wieder) hinter unseren Erwartungen zurück. Zu Beginn gibt es zwar ein nettes Intro-Video im gewohnt guten Stil zu sehen, doch das war's dann auch schon. Keine Story, keine Fans, kein Spaß. Die einzige Motivation soll scheinbar darin bestehen, die Herausforderungen zu knacken, um neue Bühnen, Instrumente und Outfits freizuschalten (Songs müssen ja nicht mehr erarbeitet werden). Und das ist eindeutig zu wenig.

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Die neuen "Band Moments" sollen die Stimmung aufpeppen. Doch das Publikum will nicht.
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Auch die Bühnenstimmung hinterlässt nur einen mäßigen Eindruck. Zwar gibt es mit den neuen “Band Moments” spezielle Passagen in Songs, die bei gutem Zusammenspiel in Boni auf Punkte und dicke Effekte auf der Bühne resultieren. Doch das alleine reicht lange nicht aus, um das lustlos erscheinende Publikum aus der Reserve zu locken.

Die Zuschauer müssten doch stimmungsvoll mitgröhlen und Pyroeffekte ununterbrochen zünden. Wir wollen mitgerissen werden von der Stimmung, Gänsehaut haben, das lebendige Publikum spüren und nicht einschlafen. Andere Musikspiele schaffen das doch auch.

Erfreulichere Nachrichten gibt es dagegen sowohl für Pros, als auch für Neueinsteiger. Wie schon beim Vorgänger gibt es einen Anfänger-Schwierigkeitsgrad, der den Einstieg in die Welt der virtuellen Bands besonders angenehm gestaltet. Auf den höheren Stufen wird es hingegen merklich knackiger, hier dürften selbst die größten Gitarren- und Schlagzeug-Virtuosen zu kämpfen haben. Doch keine Scheu, insgesamt bietet Guitar Hero 5 eine solide Lernkurve mit viel Potential zum besser werden.

Battle of the Bands

Im Mehrspieler-Modus können bis zu acht Spieler online (oder vier Spieler lokal) im nigelnagelneuen “Rockfest” mit- oder gegeneinander um die Wette rocken. Und das Gute daran ist das Gute darin: Rockfest untergliedert sich in sechs weitere, spaßbringende und euch nicht zur Ruhe kommen lassende Spielmodi.

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Die neuen "PartyPlay"- und "RockFest"-Modi punkten auf ganzer Linie.
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Besonders gefallen hat uns der “Momentum”-Modus, in dem Spieler auf mittlerer Schwierigkeit einen Song beginnen und sich je nach getroffenen Noten die Schwierigkeitsstufen hoch- und runterspielen. Auch “Elimination” dürfte auf jeder Party der Renner werden. Hier fliegt an bestimmten Stellen im Song jeweils der schwächste Spieler raus, bis nur noch einer übrig ist.

Für reichlich Zeitvertreib auf etwaigen Highscore-Listen ist also gesorgt. Und seinen passenden Avatar kann man nach wie vor in der gewohnt umfangreichen Rockstar-Fabrik kreieren. Wem der eigene Rockstar jedoch zu umständlich ist, darf auch auf die bekannten vorgefertigten Charaktere wie Judy Nails zurückgreifen.

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Auf MotionCapturing musste hier verzichtet werden. Dennoch ist Kurt Cobain endlich dabei.
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Gastauftritte inklusive aufwendigem Motion Capturing gibt es diesmal von Johnny Cash, Carlos Santana, Kurt Cobain, Shirley Manson von Garbage und Matthew Bellamy von Muse (wobei das Motion Capturing für Johnny Cash und Kurt Cobain eher schwierig ausgefallen sein dürfte). Ein kleines Geheimnis sei an dieser Stelle verraten: Die Rechte an Kurt Cobain versucht man nun schon seit drei Jahren zu ergattern. Scheinbar hat's endlich geklappt, auch wenn Courtney Love damit droht, Activision zu verklagen.

Musizier mir!

Deutliche Verbesserungen erfährt das Musikstudio, mit dem Spieler selbst Songs produzieren und über GHTunes tauschen können. Ab sofort dürfen Songs mit einer Länge von bis zu zehn Minuten erstellt und insgesamt 50 Songs pro Spieler hochgeladen werden.

Im “Freestyle Jam”-Modus können musikalisch begabte Nachwuchstalente aus voreingestellten Rhythmen und Tönen wählen und ihr Instrument frei spielen. Das kann wiederum aufgenommen und dank GHMix 2.0 abgemischt und veröffentlicht werden. Ein dicker Pluspunkt: Sämtliche GHTunes- und Download-Inhalte aus World Tour sind kostenlos vorwärtskompatibel zu Guitar Hero 5.

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Einfach mal drauf los rocken? Dank des "Freestyle Jam"-Modus machbar!
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Die Wii-Version von Guitar Hero 5, die von Vicarious Visions entwickelt wurde, steht den Nextgen-Versionen endlich in nichts mehr nach. Hier können ebenso bis zu acht Spieler online gegeneinander antreten und auch, statt nur einzelner Songs, ganze Song-Packs und Alben heruntergeladen werden. Als kleines Extra können Spieler im Freestyle-Modus ihre Miis verwenden und Videos davon aufzeichnen.

Ebenso neu: DS-Spieler können ihren DS mit der Wii verbinden und mitspielen. Dank des Stage Managers (eine Art Videoeditor) lässt sich so die Bühnenshow des Freestyle-Modus kontrollieren. Im Modus „Roadie-Schlacht“ versuchen die DS-Spieler über Minispiele die Instrumente der Gegner zu sabotieren und die eigenen zu reparieren. Ähnlich wie bereits der “Gitarrenschlacht”-Modus aus Guitar Hero 3 ist da jede Menge Spaß garantiert.

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Das Bundle erscheint hierzulande noch mit alten Instrumenten.
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Leider kommt Europa nicht in den Genuss der neuen Instrumente. Guitar Hero 5 wird auch hierzulande noch mit den aus World Tour bekannten Modellen verkauft. Ob sich das in naher Zukunft ändert, lässt sich leider noch nicht sagen. Vermutlich will man erst alte Lagerbestände loswerden. Und um endlich mit den bei anderen Magazinen aufgekommenen Gerüchten, die Rock Band Instrumente würden nicht mit Guitar Hero 5 funktionieren, aufzuräumen: Sie funktionieren! Sowohl auf der PS3, Xbox360 als auch auf der Wii könnt ihr eure Rock Band Instrumente nutzen.