Presseleute erhalten für Tests und Vorschauen häufig allerlei Erleichterungen - kostenlose Dreingaben bei Free-2-Play-Spielen oder etwa eine mühelos im Charakterlevel gekletterte Spielfigur. Bei der Closed-Beta zu Guild Wars 2 am vergangenen Wochenende war das nicht anders. Wer nicht genügend Zeit hatte, durfte sich einfach auf Level 30 setzen lassen.

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Aber hatte ich wirklich Bock darauf? Wollte ich mich an der Hand nehmen und durch das Wochenende schleusen lassen? Nein. Schließlich soll das neue MMO von ArenaNet eine völlig neue, persönliche Erfahrung sein. Und genau so wollte ich das erste halbwegs private Erlebnis auch gestalten.

Ich ließ mich also weder auf "Spielanleitungen" ein noch nahm ich Einladungen zur Pressegilde an. Ich wusste, dies würde mir nur die Sicht für das Wesentliche nehmen. Die Auswahl und Bedingungen waren ohnehin bereits eingeschränkt genug, denn nur Charr und Menschen standen etwa als spielbare Rassen zur Verfügung. Der oben beschriebene Maximallevel (in der persönlichen Geschichte sogar nur bis Level 20) war mir eigentlich egal, denn ich hatte gar nicht vor, meine Spielfigur auf dem Wege des Powerleveling nach oben zu pushen. Eile mit Weile.

Nimm dir Zeit

Das beginnt in Guild Wars 2 gewissermaßen schon mit der Charaktererstellung. Diese umfasst zehn Schritte und reicht von der bloßen Generierung des äußeren Erscheinungsbildes bis hin zu bedeutenden Entscheidungen über den Werdegang des Avatars. Welchen Hintergrund soll er haben? Ist der Charr ein Krieger oder gehört er einer der sieben anderen Professionen an, ist er wild oder zurückhaltend, draufgängerisch oder technikaffin? All das soll den Weg, den mein Alter Ego in den folgenden Stunden verfolgt, mitbestimmen. Die Inszenierung macht jedenfalls so viel Spaß, dass ich das Prozedere gleich mehrmals durchlaufe.

Guild Wars 2

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Wer herumwandern und die Welt sehen möchte, tut eben das.
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In vielen MMOs bestimmt anfangs das Gefühl der Verlorenheit die ersten Stunden. Selbst als MMO-Veteran muss man sich orientieren, nach Fixpunkten in einer neuen Welt suchen. In Guild Wars 2 fühle ich mich dagegen sofort aufgehoben von meiner Fraktion – egal, ob mir die Figuren noch wohlgesonnen sind oder mir feindlich gegenüberstehen.

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Ich weiß meinen Platz im System umgehend einzuschätzen, erhalte Aufgaben, die einen Zweck erfüllen. Fernab von Fedex-Quests erlebe ich eine persönliche Geschichte um Macht, Verrat und Heldentum, die mich und meinen Trupp in den Mittelpunkt stellt. Und doch habe ich jederzeit die Möglichkeit, auszubrechen und die Vielfältigkeit dieses Universums zu erfahren.

Ein Spiel, seinen eigenen Weg zu verfolgen. Faszinierend.Ausblick lesen

Und Guild Wars 2 hat so viel zu bieten: Ganz abgesehen von den herkömmlichen Abenteuern und Gefechten gegen kleine und große Kontrahenten wartet an der einen Ecke ein NPC mit einer öffentlichen Quest. An der kann ich mich allein beteiligen, es können aber auch andere Spieler dazustoßen. Wir kennen und schätzen dieses System seit Warhammer Online.

It‘s so easy

Überall scheint man Hilfe zu benötigen, zwischendurch fordert mich auch möglicherweise ein Rivale heraus und belohnt mich mit Fertigkeitspunkten. Hacke ich etwas Holz, sammle Pflanzen, baue Erze ab, wandern ständig Erfahrungspunkte auf mein Konto. Gleichzeitig erledige ich in allen möglichen Spielbereichen auch zusätzliche Tagesaufgaben - und kassiere Punkte, Trophäen und was weiß ich noch alles.

Nie habe ich das Gefühl, dass mir etwas aufgezwungen wird. Der Spielablauf, die verschiedenen Mechaniken, all das ist insgesamt so gut aufeinander abgestimmt, dass man das Nutzen einiger Funktionen häufig gar nicht sofort bemerkt. Verantwortlich dafür ist unter anderem auch das durchdachte Interface, wozu ich jetzt einfach mal auch die Karte zähle. Die vielen Informationen werden überschaubar, aber unaufdringlich feilgeboten. So fühle ich mich niemals genötigt, einem Pfad zu folgen, der mich gerade gar nicht interessiert. Keine !-Figuren, die nach Aufmerksamkeit betteln, dafür eine Karte, die trotz etlicher markanter Punkte eine tolle Übersicht über all die Möglichkeiten erlaubt.

Und immer wird auf den ersten Blick deutlich, wo meine persönliche Reise weitergeht - wenn ich es will. Ich möchte nicht zu viel über den Aufstieg eines Charr herausposaunen - ihr wollt das ja schließlich selber alle noch sehen. Die Inszenierung der Geschichte eines kleinen Soldaten, der einen steilen Weg hin zur Macht zu erklimmen hat, packt mich sofort. Denn es ist meine Figur, die in den schönen Zwischensequenzen, den Dialogen zu sehen ist. Ich bestimme, wo es langgeht. Entscheide über Leben und Tod und bin damit auch für die Fortschreibung der Handlung mitverantwortlich.

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Die Kämpfe wirken schön abwechslungsreich.
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Und ich genieße dabei den flüssigen Spielablauf, die abwechslungsreichen Kämpfe. Ja, ich bin zunächst verwirrt, wenn der bloße Waffenwechsel meine Fertigkeitenleiste durcheinanderwirbelt. Spezialfähigkeiten sind nämlich an die Kriegsgeräte gebunden und mit der Nutzung lerne ich automatisch neue Talente hinzu. Wechsele ich vom Schwert zur Axt, attackiere ich mit jeweils anderen Fertigkeiten. Wenn man das verinnerlicht, stehen einem verdammt viele Wege offen.

Auch als Nahkämpfer fühle ich mich weniger eingeschränkt als bei vergleichbaren Spielen, wo die Klasse zumeist die Begabungen bestimmt. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass es keinen dedizierten Heiler gibt. Jeder ist für seine eigene Heilung und die seiner Nebenleute verantwortlich. Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Flexibilität, beschert aber auch jede Menge Abwechslung.

Niemand wird mehr zurückgelassen, weil er nicht der "richtigen" Klasse angehört. Und wenn es mal nicht gleich mit der Heilung klappt, muss das noch nicht das Ende sein: Ein Minispiel ermöglicht angeschlagenen Recken die Rückkehr vom Sterbebett direkt zurück an die Front.

Weitere Informationen zu Guild Wars 2 wie immer auf unserer Fanseite.